In der vorliegenden Arbeit werden die Gedichte ,,Beiseit" und ,,Bierszene" von Robert Walser analysiert und interpretiert unter besonderer Berücksichtigung des Flaneur-Konzeptes. Die in dieser Arbeit behandelten Gedichte gehören ̶ neben anderen Gedichten wie "Im Bureau" (1897/98) oder "Schnee" (1900) ̶ zu Walsers ersten lyrischen Werken, das heißt, mit ihnen feierte er seinen Einzug in die literarischen Kreise der damaligen Zeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Biografie Robert Walser
2. Philologische Grundlagen für das Textverständnis
3. Interpretation des Gedichtes Beiseit
3.1. Formale Analyse
3.2. Inhaltliche Analyse
4. Interpretation des Gedichtes Bierszene
4.1. Formale Analyse:
4.2. Inhaltliche Analyse
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Gedichte „Beiseit“ (1899) und „Bierszene“ (vor 1900) von Robert Walser unter dem Aspekt des Flaneurs und der damit verbundenen Kunst der Beobachtung. Ziel ist es, die Verbindung zwischen Walsers literarischem Stil, seinem Verständnis von Beobachtung und den Einflüssen von Charles Baudelaire aufzuzeigen.
- Biografische Hintergründe von Robert Walser
- Philologische Grundlagen und literarische Einflüsse
- Analyse des Gedichts „Beiseit“ hinsichtlich Form und Inhalt
- Analyse des Gedichts „Bierszene“ hinsichtlich Form und Inhalt
- Die Rolle des Flaneurs als zentrales Motiv in Walsers Lyrik
Auszug aus dem Buch
3.1. Formale Analyse
Zu der Kommunikationssituation in dem Gedicht lässt sich sagen, dass es sich um einen Monolog des lyrischen Ichs handelt, da es keinen direkten Adressaten gibt. Das Gedicht ist ein Vierzeiler mit alternierendem Kreuzreim (abab) und männlichen Kadenzen. Der alternierende Kreuzreim vermittelt ein Gefühl der Fortbewegung und spiegelt das Voranschreiten des lyrischen Ichs wieder. An dieser Stelle sind also Inhalt und Form eng miteinander verknüpft.23 Außerdem ist das Gedicht sowohl formal als auch inhaltlich in drei Teilen organisiert. Es gibt eine Kopfzeile, die wegweisend für das Gedicht ist, da sie das Voranschreiten des lyrischen Ichs beschreibt, darauf lässt sich in den Versen zwei, drei und vier ein Zeilensprung beobachten, der die Versen miteinander verbindet, und zuletzt gibt es einen Einschnitt ̶ gekennzeichnet durch das Semikolon ̶ der ein Gefühl des Innehaltens vermittelt, um die Bedeutung des nachfolgenden Schlusswortes beiseit zu verstärken.24
Liest man das Gedicht laut vor, fällt auf, dass es sehr rhythmisch und melodisch ist. Dies hat auch der Komponist Heinz Holliger bemerkt, weshalb er es vertont hat. Auffällig ist jedoch, dass das Gedicht, obwohl es formal gesehen sehr rhythmisch ist, sich inhaltlich durch seine Klanglosigkeit auszeichnet (V.3-4 ,,dann ohne Klang und Wort“). Solche Paradoxien sind typisch für Walsers Werke.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Biografie Robert Walser: Das Kapitel zeichnet das Leben von Robert Walser nach, von seiner Kindheit und Jugend über seine beruflichen Stationen bis hin zu seinem Nomadenleben und seiner späteren Einweisung in eine psychiatrische Anstalt.
2. Philologische Grundlagen für das Textverständnis: Hier werden die ersten lyrischen Werke Walsers in den Kontext der Zeit eingeordnet und das Konzept des Künstlers als Flaneur nach Charles Baudelaire als zentrales ästhetisches Prinzip erläutert.
3. Interpretation des Gedichtes Beiseit: Dieses Kapitel analysiert das Gedicht formal und inhaltlich, wobei der Fokus auf der „bipolaren Innenspannung“ und der Vorahnung des persönlichen Schicksals des Autors liegt.
4. Interpretation des Gedichtes Bierszene: Die Untersuchung beleuchtet, wie Walser durch Anaphern und eine spezifische Beobachtungstechnik eine alltägliche Szenarie einfängt und die moderne Großstadtästhetik lyrisch umsetzt.
Schlüsselwörter
Robert Walser, Beiseit, Bierszene, Flaneur, Kunst der Beobachtung, Lyrik, Moderne, Großstadt, Biografie, Formalanalyse, inhaltliche Analyse, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Baudelaire, Identitätslosigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Analyse der zwei frühen Gedichte „Beiseit“ und „Bierszene“ von Robert Walser.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Rolle des Flaneurs, das Konzept der Beobachtung, die Einflüsse von Charles Baudelaire und die Verflechtung von Werk und Lebensgeschichte des Autors.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, wie Walser durch seine Lyrik die Kunst der Beobachtung und die Dynamik der modernen Großstadt in einer Weise ausdrückt, die sowohl formale als auch inhaltliche Modernität aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine philologische Textanalyse angewandt, die formale Aspekte wie Rhythmus und Struktur mit inhaltlichen Interpretationen sowie biografischen Kontexten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die beiden Gedichte jeweils in einer formalen und inhaltlichen Analyse detailliert interpretiert und auf Walsers Konzept des Flaneurs bezogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Robert Walser, Flaneur, Beobachtung, Moderne, Großstadt und die spezifischen Werktitel.
Wie steht die Figur des Flaneurs in Bezug zu Walsers eigener Biografie?
Die Arbeit zeigt, dass Walser das Nomadenleben aus eigener Erfahrung kannte und der „Rückzug ins Beiseit“ in seinem Werk als Spiegel für seine eigene Verweigerung gegenüber bürgerlichen Strukturen interpretiert werden kann.
Warum spielt das Klavier eine wichtige Rolle in der „Bierszene“?
Das Klavier dient als Symbol für die Lebendigkeit, aber gleichzeitig als Repräsentant des bürgerlichen Lebens, dessen Frustration im Gedicht durch den „ermüdeten Klaviervirtuosen“ ausgedrückt wird.
Was bedeutet der „Rückzug ins Beiseit“ im Gedicht „Beiseit“?
Der Rückzug wird als Ausdruck der Ausweglosigkeit aus der politischen und sozialen Situation der Epoche gedeutet, der zugleich eine Vorahnung auf Walsers späteres Leben darstellt.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2017, Robert Walsers Gedichte "Beiseit" und "Bierszene". Der Flaneur und die Kunst der Beobachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424016