Prophetisches Charisma. Phänomen bei Paulus oder auch bei den Propheten des Alten Testaments


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charisma
2.1. Prophetisches Charisma
2.1.1. Propheten
2.1.2. Ausführung

3. Prophetie und ihr Empfang im Alten Testament
3.1. Der Prophet Jeremia
3.2. Der Prophet Jesaja
3.3. Vergleich der beiden Propheten

4. Heidnische Propheten

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung:

„[…] Von den Gaben des Geistes wünscht euch besonders die Fähigkeit, prophetische Weisungen zu verkünden.“1

In meiner Hausarbeit zum Hauptseminar ‚Sozialgeschichte des Christentums‘, beschäftige ich mit dem ‚prophetischem Charisma‘ in der Bibel. Hierbei wird vor allem auf das Charisma an sich eingegangen und dargestellt in welchen Formen es vorkommt.

Dabei stellt sich insbesondere die Frage, ob prophetisches Charisma ein Phänomen des Neuen Testaments unter Paulus ist oder ob es auch bei den anderen Propheten im Alten Testament vorkommt. Und wenn ja in welcher Form und inwiefern man Parallelen zu der paulinischen Auslegung aufführen kann.

Um diesen Vergleich zu ziehen, wird zuerst ein Blick auf das Charisma an sich geworfen und geschaut in welchen Formen es vorkommt und wie man es empfängt. Des Weiteren werden die Propheten betrachtet, sowie der Begriff des prophetischen Charismas nach Paulus. Außerdem wird erörtert, welche Aufgaben diesem zufallen.

Im nächsten Teil werden im Alten Testament der Bibel Beispiele von Propheten herangezogen und verglichen, um herauszufinden, ob deren Funktion und Wirken Parallelen zum paulinischen Begriff des prophetischen Charisma aufweisen. Hierfür werden die Propheten Jeremia und Jessaja gegenübergestellt und auf die eben angesprochenen Aspekte untersucht. In einem Vergleich mit einem kleinen Zwischenfazit soll anschließend das Charisma und seine Ausprägung im Alten Testament dargestellt werden. Dabei werden immer wieder Vergleiche zum Neuen Testament gezogen, dort vor allem zum ersten Korintherbrief, um die Merkmale zu vergleichen. Es wird geschaut ob es ähnliche Charakteristika im Alten- und Neuen Testament gibt.

Bevor mit dem Fazit, dem Literaturverzeichnis und der Selbstständigkeitserklärung abgeschlossen wird, wird noch kurz auf das Prophetentum in anderen Religionen eingegangen, um das Phänomen auch von außerhalb zu betrachten.

Als Hauptquellen werden Die Prophetenbücher Jeremia und Jesaja sowie der erste Korintherbrief genutzt, um die Propheten und ihre Werdegänge darzustellen und das prophetische Charisma zu verdeutlichen. Außerdem nutze ich weitere Fachliteratur, welche unterstützend zu den Quellen bei der Ausarbeitung der Hausarbeit wirkt. Hierfür wurden vor allem der Aufsatz von Werner H. Schmidt2 herangezogen aber auch das Werk von Christian Blumenthal3

Um die Hausarbeit zu schreiben, wurde vor allem die Bibliothek des Fachbereiches Geschichte, sowie die Zentralbibliothek genutzt. Dort wurde eine Literaturrecherche unternommen, indem Sekundärliteratur mit einem passenden Titel gesucht wurde und dort mit Hilfe der Fußnoten sich weiter eingelesen wurde. Außerdem wurden als Quelle die Bibel herangezogen um anhand einzelner Passagen das Phänomen des prophetischen Charismas zu erörtern und die Propheten zu untersuchen.

Mit Abschluss der Einlesephase strukturierte, sortierte und schrieb ich wichtiges aus dem Gelesenen heraus und fertigte kurze Exzerpte zu der Sekundärliteratur an, um später schnellen Zugriff auf das Gelesene zu erlangen. Außerdem sammelte ich die Literatur in Form einer Bibliographie, um wichtige Werke nicht zu verlieren und den Überblick zu behalten. Die Quellen- und Sekundärliteraturlage zu diesem Thema sind, bezogen auf prophetisches Charisma, recht umfangreich. Außerdem lassen sich viele aktuelle Titel zu diesem Thema finden.

2 Charisma

Charismen kann man unter verschiedenen Gesichtspunkten untersuchen. Hier wird es vor allem unter dem religiösen Aspekt behandelt. Dort versteht es sich als eine „Lesart des Evangeliums“ welche eine „Lebensform und Ausdrucksart [prägt].“4 Dieses gilt aber vor allem im modernen Gedanken. Allerdings lassen sich seine Ursprünge früher finden.

Bei dem Begriff des Charismas handelt es sich zwar um ein Wort, welches in den Quellen, also der Bibel, nicht häufig vorkommt5, es jedoch, in Verbindung mit der Prophetie, erläutert werden muss.

Insgesamt findet man den Begriff lediglich 17-mal im Neuen Testament der Bibel und dort allesamt im „paulinischen oder paulinisch beeinflussten Schrifttum“.6

Dieses lässt vermuten, dass Paulus diesen Begriff wahrscheinlich aus dem Hellenistischen ins Christliche gebracht hat, wo es umgangssprachlich Gabe oder Geschenk bedeutet.7

Diese Unterscheidung in der Übersetzung und der unterschiedliche Gebrauch8 stellt dar, wie komplex der Begriff tatsächlich ist.

Jedoch wird dieser im paulinischen Bereich als Fachbegriff angewendet:

„ Als Zusammenfassung der exegetischen Einzeluntersuchungen definierte er den paulinischen Charisma-Begriff wie folgt:<Die Charismen sind durch die unverdiente Gnade Gottes vom hl. Geist geschenkte Möglichkeiten christlichen Handels; das sich in Dienstleistungen und Aemtern zur Auferbauung der Gemeinde konkretisiert.>“9

Paulus setzt Charisma also direkt mit Gott in einen Kontext in welchem Gott und das Charisma interagieren, Der Begriff ist allerdings nicht einheitlich.10 Außerdem nimm Paulus das Charisma als wesentlichen Bestandteil des Gemeindeaufbaus. Es ist also fundamental für jede Gemeinde. Des Weiteren wird auch gleich die Herkunft des Charismas deutlich. Da es eine Interaktion gibt, wird jedes Charisma von Gott gegeben und verdeutlicht seine Großzügigkeit.11 Dieses kann in verschiedenen Formen geschehen Jedoch bleibt die Quelle für Charisma stets Gott selber12.

Allerdings gibt es inzwischen weitere Auslegungen des Charisma-Begriffs13 wodurch der Begriff auf andere Gebiete ausgebreitet wurde und die Quelle nicht mehr nur das göttliche ist auf die sich hier jedoch nicht bezogen wird. Die Charismen treten in neun verschiedenen Formen auf, welche allesamt Ursprung Gottes sind14. Dieses beschreibt Paulus in dem er die verschiedenen Gaben im 1. Korinther aufführt.15

Der Aspekt welcher hier betrachtet werden soll ist die Prophetie. Laut Paulus ist es die wichtigste Gabe für den Gemeindeaufbau denn „der erhöhte Herr gibt seiner Gemeinde Weisung für die konkrete Situation.“16 Er legt somit eine Art Grundregelung an den Tag, welche übermittelt werden durch die Propheten.

2.1 Prophetisches Charisma

In der Spätantike und der paulinischen Auslegung findet sich Charisma in Propheten oder ähnlichem wieder.

Es taucht das Phänomen des prophetischen Charismas auf. Hier stellt sich nun die Frage, was Propheten sind, wie sie wirken und in wie fern die Propheten das prophetische Charisma inne haben, wenn man bedenkt, dass im Neuen Testament nur Pseudopropheten auftauchen und die Propheten wie wir sie kennen, nur im Alten Testament Gestalt annehmen.17

2.1.1 Propheten

Am Anfang stellt sich die Frage, was eigentlich Prophetie ist. Hierzu findet man Belege im Alten Testament, welche besagen, dass Propheten die „vollmächtige[n] Boten Jahwes [sind], die neben […] Verkündung vor allem die Aufgabe hatten, künftiges Handeln Gottes vorherzusagen.“18 Die Propheten an sich sind dementsprechend, zumindest im Alten Testament, Botschafter Jahwes, welche sein Wort empfangen und weitergeben19. Des Weiteren sind die Propheten Vorboten, da Gott nichts macht, ohne es vorher den Propheten mitzuteilen.20

Auch im heidnischen Bereich tauchen Propheten auf. Sie sind das „willen- und bewusstlose Werkzeug des Gottes[…], der durch ihn spricht…der Prophet (ist) an seiner Verkündung uninteressiert und unbeteiligt.“21 Er dient also nicht dem Gott, sondern wird vielmehr benutzt und ist willenlos, was eine Unterscheidung zu den Propheten in der Bibel ausmacht. Dort erkennt man bei Paulus, dass es sich bei der prophetischen Weisung um eine Möglichkeit handelt. Er spricht von können, was einen Willen impliziert22.

[...]


1 1 Kor. 14, 1.

2 SCHMIDT, Werner H.:Prophetie als Selbstkritik des Glaubens, in : Baldermann, Ingo, u.a.( Hrsg.): Jahrbuch für biblische Theologie Bd. 14 Prophetie und Charisma, Neukirchen 1999.

3 BLUMENTHAL, Christian: Prophetie und Gericht. Der Judasbrief als Zeugnis urchristlicher Prophetie, Bonn 2008 (= Bonner biblische Beiträge, Bd. 156).

4 Vgl. KARL, Katharina: Jüngerschaft als Lebensprinzip von Kirche. Die missionarische Fraternität „verbum dei“- ein Charisma nimmt Gestalt an, München 2006, S. 16.

5 Vgl. BROCKHAUS, Ulrich: Charisma und Amt. Die paulinische Charismalehre auf dem

Hintergrund der frühchristlichen Gemeindefunktion, Wuppertal 1972, S. 128.

6 Vgl. KELLNER, Dirk: Charisma als Grundbegriff der praktischen Theologie. Die Bedeutung der Charismalehre für die Pastoraltheologie und die Lehre vom Gemeindeaufbau, Zürich 2011, S. 280.

7 Vgl. BROCKHAUS, Ulrich: Charisma und Amt. Die paulinische Charismalehre auf dem Hintergrund der frühchristlichen Gemeindefunktion, Wuppertal 1972, S. 129.

8 Anm.: Die Unterschiede lassen sich vor allem in den Korinther- und Römerbriefen erkennen in welchen zwischen Gabe, Geschenk und Gottesgnade etc. unterschieden wird.

9 KELLNER, Dirk: Charisma als Grundbegriff der praktischen Theologie. Die Bedeutung der

Charismalehre für die Pastoraltheologie und die Lehre vom Gemeindeaufbau, Zürich 2011, S. 278.

10 Vgl. Ebd. S.297.

11 Vgl. KARL, Katharina: Jüngerschaft als Lebensprinzip von Kirche. Die missionarische Fraternität „verbum dei“- ein Charisma nimmt Gestalt an, München 2006, S. 16. 12 VGL. EBD. S. 14.

13 Anm.: Der Begriff ist sehr differenzierbar einsetzbar und er bekommt, gerade durch Weber eine Transepochalität. Vgl.: KELLNER, Dirk: Charisma als Grundbegriff der praktischen Theologie. Die Bedeutung der Charismalehre für die Pastoraltheologie und die Lehre vom Gemeindeaufbau, Zürich 2011, S. 59.

14 BITTLINGER, Arnold: Gnadengaben im Neuen Testament nach 1. Korinther 12-14. Vergleich des christlichen Pneumatikers mit Heiden und Irrlehren, in Verghese, Paul, u.a.(Hrsg.): Kirche und Charisma. Die Gabe des Heiligen Geistes im Neuen Testament, in der Kirchengeschichte und in der Gegenwart, Marburg an der Lahn 1966, S. 37.

15 Anm.: Vgl. 1 Kor12,4ff.

16 BITTLINGER, Arnold: Gnadengaben im Neuen Testament nach 1. Korinther 12-14. Vergleich des christlichen Pneumatikers mit Heiden und Irrlehren, in Verghese, Paul, u.a.(Hrsg.): Kirche und Charisma. Die Gabe des Heiligen Geistes im Neuen Testament, in der Kirchengeschichte und in der Gegenwart, Marburg an der Lahn 1966, S. 37.

17 HASENHÜTTL, Gotthold: Charisma. Ordnungsprinzip der Kirche, in: Küng, Hans und Ratzinger, Josef: Ökumenische Forschungen, Bd.V: Charisma, Freiburg-Basel-Wien 1969,S 185.

18 HAHN, Ferdinand/ KLEIN, Hans: Die frühchristliche Prophetie. Ihre Voraussetzungen, ihre Anfänge und ihre Entwicklung bis zum Montanismus, Neukirchen-Vluyn 2011, S.1.

19 Vgl. Ebd. S. 15.

20 Vgl. Amos 3,7-8.

21 HAHN, Ferdinand/ KLEIN, Hans: Die frühchristliche Prophetie. Ihre Voraussetzungen, ihre Anfänge und ihre Entwicklung bis zum Montanismus, Neukirchen-Vluyn 2011, S.14.

22 1 Kor.14,3.:“Wenn du aber prophetische Weisungen empfängst, kannst du sie an andere weitergeben. Du kannst damit Gemeinden aufbauen, ermutigen und trösten.“

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Prophetisches Charisma. Phänomen bei Paulus oder auch bei den Propheten des Alten Testaments
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Seminar für Alte Geschichte und Epigraphik)
Veranstaltung
Sozialgeschichte des Christentums
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V424289
ISBN (eBook)
9783668698529
ISBN (Buch)
9783668698536
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prophet, Charisma, Jeremia, Jesaja
Arbeit zitieren
Henrik Sponbiel (Autor), 2012, Prophetisches Charisma. Phänomen bei Paulus oder auch bei den Propheten des Alten Testaments, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424289

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