In meiner Hausarbeit zum Hauptseminar ‚Sozialgeschichte des Christentums‘, beschäftige ich mit dem ‚prophetischem Charisma‘ in der Bibel. Hierbei wird vor allem auf das Charisma an sich eingegangen und dargestellt in welchen Formen es vorkommt. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, ob prophetisches Charisma ein Phänomen des Neuen Testaments unter Paulus ist oder ob es auch bei den anderen Propheten im Alten Testament vorkommt. Und wenn ja in welcher Form und inwiefern man Parallelen zu der paulinischen Auslegung aufführen kann. Um diesen Vergleich zu ziehen, wird zuerst ein Blick auf das Charisma an sich geworfen und geschaut in welchen Formen es vorkommt und wie man es empfängt. Des Weiteren werden die Propheten betrachtet, sowie der Begriff des prophetischen Charismas nach Paulus. Außerdem wird erörtert, welche Aufgaben diesem zufallen. Im nächsten Teil werden im Alten Testament der Bibel Beispiele von Propheten herangezogen und verglichen, um herauszufinden, ob deren Funktion und Wirken Parallelen zum paulinischen Begriff des prophetischen Charisma aufweisen. Hierfür werden die Propheten Jeremia und Jessaja gegenübergestellt und auf die eben angesprochenen Aspekte untersucht. In einem Vergleich mit einem kleinen Zwischenfazit soll anschließend das Charisma und seine Ausprägung im Alten Testament dargestellt werden. Dabei werden immer wieder Vergleiche zum Neuen Testament gezogen, dort vor allem zum ersten Korintherbrief, um die Merkmale zu vergleichen. Es wird geschaut ob es ähnliche Charakteristika im Alten- und Neuen Testament gibt. Bevor mit dem Fazit, dem Literaturverzeichnis und der Selbstständigkeitserklärung abgeschlossen wird, wird noch kurz auf das Prophetentum in anderen Religionen eingegangen, um das Phänomen auch von außerhalb zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charisma
2.1. Prophetisches Charisma
2.1.1. Propheten
2.1.2. Ausführung
3. Prophetie und ihr Empfang im Alten Testament
3.1. Der Prophet Jeremia
3.2. Der Prophet Jesaja
3.3. Vergleich der beiden Propheten
4. Heidnische Propheten
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "prophetischen Charismas" in der Bibel, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen dem paulinischen Verständnis des Neuen Testaments und der Ausprägung bei Propheten des Alten Testaments liegt. Ziel ist es zu klären, ob der Begriff des Charismas als paulinisches Konzept auch auf alttestamentliche Propheten oder gar auf Propheten anderer Religionen übertragen werden kann.
- Grundlagen des Charisma-Begriffs und dessen Bedeutung für den Gemeindeaufbau.
- Analyse der prophetischen Berufung und Funktion am Beispiel der Propheten Jeremia und Jesaja.
- Untersuchung der prophetischen Redeformen und der Rolle als Mittelsmann zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre.
- Vergleichende Betrachtung von Prophetie in anderen spätantiken Religionen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Prophet Jeremia
Jeremia ist ein Prophet aus dem Alten Testament, und „war der Sohn von Hilkija und gehörte zu der Priesterschaft von Anatot, einem Dorf im Gebiet des Stammes Benjamin.“
Wenn man sich in der Bibel seine Berufung zum Propheten anschaut, stellt man fest, dass es schon vor seiner Geburt feststand, dass er Prophet sein sollte. Er wurde zum Propheten von Gott ausgewählt. Die Prophetie wurde als Gabe von Gott verliehen, ohne dass Jeremia etwas zu tun konnte. Er wollte es weder, noch ist er aufgefallen durch ein besonders frommes Leben, da es ihm bereits vor seiner Geburt verliehen wurde.
Gott hat also seinen Propheten erschaffen. In der folgenden Stelle der Bibel wird gleich deutlich, dass Jeremia dieses selbst abwehrt, da er als Gott zu ihm tritt und sagt: „Ach, Herr, du mein Gott! Ich kann doch nicht reden, ich bin noch zu jung!“ Es war also durchaus bewusst, was für ein Last auf den Schultern der Propheten liegt, da diese keine Selbstverständlichkeiten wie Kraft und Heil wiedergeben, sondern sie müssen „die harte Botschaft aus[zu]richten, daß der nahe zum sich verbergenden, fernen Gott wird.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema des prophetischen Charismas in der Bibel ein und formuliert die zentrale Fragestellung nach der Anwendbarkeit des paulinischen Charisma-Begriffs auf alttestamentliche Propheten.
2. Charisma: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Charismas aus exegetischer Sicht, definiert ihn als von Gott geschenkte Möglichkeit christlichen Handels und betont seine Rolle im Gemeindeaufbau.
2.1. Prophetisches Charisma: Hier wird der Übergang von der allgemeinen Charismalehre hin zur spezifischen Gabe der Prophetie vollzogen, wobei die Rolle des Propheten als Vermittler göttlicher Weisungen für die Gemeinde hervorgehoben wird.
2.1.1. Propheten: Es wird definiert, was Prophetie im biblischen Kontext bedeutet, und der Unterschied zwischen biblischen Propheten als Boten Jahwes und heidnischen Propheten als willenlose Werkzeuge herausgearbeitet.
2.1.2. Ausführung: Dieses Kapitel klassifiziert verschiedene Grundtypen von Prophetenreden, wie Bußparaklese, eschatologische Paränese und Gerichtsreden, und analysiert die rhetorischen Anforderungen an die Propheten.
3. Prophetie und ihr Empfang im Alten Testament: Dieser Abschnitt dient als empirische Grundlage, indem die Berufung und das Wirken von Propheten im Alten Testament anhand von Beispielen untersucht wird.
3.1. Der Prophet Jeremia: Jeremia wird als von Gott vorbestimmter Prophet charakterisiert, der trotz anfänglicher Widerstände eine klare Berufung erfährt und als Kontaktperson zwischen Gott und dem Volk fungiert.
3.2. Der Prophet Jesaja: Jesaja zeichnet sich dadurch aus, dass er erst später zur Prophetie berufen wird und sich aktiv für diesen Dienst entscheidet, nachdem er eine göttliche Reinigung erfahren hat.
3.3. Vergleich der beiden Propheten: Der Vergleich zeigt unterschiedliche Wege der Berufung und Gabe, verdeutlicht jedoch die gemeinsame Eigenschaft der Propheten als notwendige Kontaktpersonen zwischen der göttlichen und der irdischen Welt.
4. Heidnische Propheten: Es wird aufgezeigt, dass das Prophetentum ein spätantikes Phänomen ist, das über den christlichen Raum hinausgeht, wobei Mohammed als prägnantes Beispiel für eine Kontaktperson zwischen Gott und Mensch angeführt wird.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass das prophetische Charisma nach Paulus eine spezifische Gabe ist, die sich inhaltlich bei alttestamentlichen Propheten wie Jeremia findet, jedoch nicht als universelle Definition für alle Propheten der Antike dient.
Schlüsselwörter
Prophetisches Charisma, Paulus, Altes Testament, Jeremia, Jesaja, Prophetie, Gnadengabe, Gemeindeaufbau, biblische Exegese, Spätantike, Religionsgeschichte, Offenbarung, Berufung, Heidnische Propheten, Mohammed.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das biblische Konzept des "prophetischen Charismas" und untersucht, inwieweit dieser spezifisch paulinische Begriff auf die Propheten des Alten Testaments und der Antike angewendet werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Charismen im paulinischen Schrifttum, die biblische Prophetologie, die Rolle der Propheten als Mittler sowie den religionsgeschichtlichen Vergleich mit anderen spätantiken Prophetenfiguren.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob das prophetische Charisma ein exklusives Phänomen des Neuen Testaments unter Paulus ist oder ob Parallelen und Gemeinsamkeiten bei den Propheten des Alten Testaments sowie in anderen Religionen existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine literatur- und quellenkritische Methode, bei der biblische Texte (insbesondere Jeremia, Jesaja und der erste Korintherbrief) sowie theologische Sekundärliteratur analysiert und miteinander verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das Charisma allgemein und das prophetische Charisma definiert. Anschließend erfolgt eine vertiefende Fallstudie zu den Propheten Jeremia und Jesaja sowie ein Ausblick auf heidnische Propheten in der Spätantike.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Prophetisches Charisma, Paulus, Altes Testament, biblische Berufung, Offenbarung, Mittlerfunktion, Charismalehre und Spätantike.
Wie unterscheidet sich die Berufung von Jeremia von der von Jesaja?
Während Jeremia bereits vor seiner Geburt von Gott für sein Prophetenamt ausgewählt wurde, tritt Jesaja erst später in Erscheinung, durchläuft einen Reinigungsprozess durch einen Engel und entscheidet sich aktiv für den Dienst.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der Anwendbarkeit des Charisma-Begriffs?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Begriff des prophetischen Charismas zwar nicht streng auf alle alttestamentlichen Propheten übertragen werden kann, inhaltliche Ähnlichkeiten, besonders bei Jeremia, jedoch eine deutliche Parallele zum paulinischen Verständnis aufzeigen.
- Quote paper
- Henrik Sponbiel (Author), 2012, Prophetisches Charisma. Phänomen bei Paulus oder auch bei den Propheten des Alten Testaments, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424289