Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie zuverlässig die „Welfare-Magnet-These“ die Migration nach Deutschland, die Niederlande und Großbritannien im Vergleich erklärt. Die „Welfare-Magnet-These“ macht Vorhersagen darüber, wie die Ausprägung des Wohlfahrtsstaates die Migration beeinflusst. Sie nimmt an, dass Migranten von Ländern angezogen werden, in denen ein ausgeprägterer Wohlfahrtsstaat vorhanden ist und, dass mehr Migranten, die mit höherer Wahrscheinlichkeit vom Wohlfahrtstaat abhängig werden, in dieses Land kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Wissenschaftliche Diskussion um die „Welfare-Magnet-These“
3. Wohlfahrtsregime in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien
4. Zuverlässigkeit der „Welfare-Magnet These“ – Ein erster empirischer Eindruck
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die empirische Validität der sogenannten „Welfare-Magnet-These“, welche postuliert, dass ein ausgeprägter Wohlfahrtsstaat Migrationsströme lenkt und insbesondere jene Personen anzieht, die mit höherer Wahrscheinlichkeit auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind. Ziel ist es, diese Theorie anhand eines Vergleichs zwischen Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien kritisch zu hinterfragen und deren Erklärungskraft für die reale Migrationssituation im Jahr 2015 zu prüfen.
- Analyse der theoretischen Grundlagen der „Welfare-Magnet-These“ im internationalen Kontext
- Vergleich wohlfahrtsstaatlicher Ausprägungen mittels Dekommodifizierungsindizes
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Wohlfahrtsregimen und Migrationsvolumina
- Bewertung der ökonomischen Partizipation von Migranten (Bildungsniveau und Arbeitsmarktintegration)
- Kritische Reflexion über die Grenzen der These gegenüber anderen Einflussfaktoren wie Netzwerkeffekten
Auszug aus dem Buch
2. Wissenschaftliche Diskussion um die „Welfare-Magnet-These“
Die Leistungen des Sozialsystems der USA waren geprägt von dem „Aid to Families with Dependent Children“ (AFDC) und ab 1996 von dem „Personal Responsibility and Work Opportunity Act“, die Sozialleistungen auch für Immigranten möglich machten. Diese bildeten die Grundlage für das Forschungsinteresse in den USA nach dem Einfluss des Sozialsystems auf die Migration in die USA.
Borjas und Hilton (1996) kommen zu dem Ergebnis, dass schon in den frühen 1990er Jahren 21% der Haushalte von Immigranten in den USA Sozialleistungen, die über reine Geldleistungen hinausgehen, beziehen, aber nur 14% der Haushalte der einheimischen Bevölkerung (Borjas & Hilton 1996: 576). Betrachtet man nur die Geldleistungen sind die Unterschiede nur noch marginal. Schon hier merken Borjas und Hilton an, dass Netzwerke von Immigrantengruppen bei der Wahl eines Bundesstaates ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht in welchen Bundesstaat sich Immigranten niederlassen (Borjas & Hilton 1996: 597). Im weiteren Verlauf seiner Forschung beschäftigt sich George Borjas dann mit der Frage, ob die unterschiedliche Ausprägung von Wohlfahrtselementen in den USA die Wahl des Wohnortes von Immigranten beeinflusst (Borjas 1999). Bis zu diesem Zeitpunkt gab es zwar schon die Idee von Wohlfahrtsmagneten, diese wurde allerdings noch nicht empirisch getestet. Hierfür betrachtet er zum einen das „income-maximizing behavior“ (Borjas 1999: 609) und die „migration costs“ (Borjas 1999: 614), welche die Unterschiede zwischen Immigranten und der einheimischen Bevölkerung in den USA zwischen 1980 und 1990 hervorbrachten. Denn Immigranten, die ihr Heimatland verlassen haben, haben bereits Migrationskosten aufgebracht und suchen dann den Bundesstaat aus, wo sie ihr Einkommen maximieren können. Die einheimische Bevölkerung muss diese Migrationskosten noch aufbringen, weshalb diese eine größere Motivation aufbringen muss, um in einen Bundesstaat mit höheren Sozialleistungen zu immigrieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie die „Welfare-Magnet-These“ die Migration nach Deutschland, in die Niederlande und nach Großbritannien erklärt und setzt das Ziel des Vergleichs.
2. Wissenschaftliche Diskussion um die „Welfare-Magnet-These“: Dieses Kapitel arbeitet den wissenschaftlichen Diskurs auf, beginnend bei US-Studien bis hin zu europäischen Forschungsergebnissen, und leitet daraus eine Definition sowie Prädikatoren ab.
3. Wohlfahrtsregime in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien: Hier werden die Wohlfahrtsstaaten der drei Länder anhand der Typologie von Esping-Andersen und verschiedener Indizes klassifiziert und verglichen.
4. Zuverlässigkeit der „Welfare-Magnet These“ – Ein erster empirischer Eindruck: Basierend auf Eurostat-Daten des Jahres 2015 werden Hypothesen zur quantitativen und qualitativen Dimension der Migration überprüft.
5. Ausblick: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Grenzen der „Welfare-Magnet-These“ angesichts komplexer Einflussfaktoren und weist auf die Notwendigkeit weiterführender multivariater Analysen hin.
Schlüsselwörter
Welfare-Magnet-These, Wohlfahrtsstaat, Migration, Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Dekommodifizierung, Arbeitsmarktintegration, Bildungsniveau, Sozialleistungen, Migrationsregime, Netzwerkeffekte, Empirischer Vergleich, Sozialpolitik, Immigrantenpopulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob die Ausprägung eines Wohlfahrtsstaates als Anziehungspunkt (Magnet) für Migranten fungiert und inwiefern dies das Migrationsverhalten in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Vergleich verschiedener Wohlfahrtsregime, die Analyse der „Welfare-Magnet-These“ in Theorie und Empirie sowie die Untersuchung der Arbeitsmarkt- und Bildungssituation von Immigranten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Zuverlässigkeit der „Welfare-Magnet-These“ bei der Erklärung von Migrationsströmen zwischen den drei untersuchten Ländern kritisch zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine vergleichende Analyse deskriptiver Daten (Eurostat 2015) in Kombination mit einer theoretischen Einordnung wohlfahrtsstaatlicher Regime mittels bekannter Klassifikationsmodelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende Literaturrecherche zur Diskussion um Wohlfahrtsmagnete, einen systematischen Vergleich der wohlfahrtsstaatlichen Ausprägungen der drei Länder und eine empirische Hypothesenprüfung anhand aktueller Statistiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wohlfahrtsstaat, Welfare-Magnet-These, Migrationsregime, Dekommodifizierung, sowie die ökonomische Partizipation und Arbeitsmarktintegration von Immigranten.
Wie unterscheidet sich die quantitative von der qualitativen Dimension der These?
Die quantitative Dimension fragt nach der Gesamtzahl der Immigranten in einem Land, während die qualitative Dimension untersucht, ob Migranten mit höherer Wahrscheinlichkeit auf Sozialleistungen angewiesen sind.
Welches Ergebnis zeigt sich bei der Prüfung der quantitativen Hypothesen?
Die quantitativen Hypothesen konnten nicht bestätigt werden, da der Anteil an Immigranten zur Gesamtbevölkerung in allen drei Ländern im Jahr 2015 trotz unterschiedlicher Wohlfahrtssysteme nahezu gleich war.
Warum spielt das Bildungsniveau bei der Bewertung eine Rolle?
Das Bildungsniveau dient als Indikator für die qualitative Dimension der Migration, da gering gebildete Immigranten statistisch gesehen eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.
Welche Bedeutung kommt den Netzwerkeffekten bei der Wahl des Wohnorts zu?
Neben dem Wohlfahrtsstaat identifiziert die Literatur Netzwerkeffekte – also die bereits vorhandene Population von Landsleuten – als einen wesentlichen Faktor, der Migranten bei ihrer Wohnortwahl beeinflusst.
- Quote paper
- Manuel Diaz Garcia (Author), 2017, Der Einfluss des Wohlfahrtsstaates auf die Migration nach Deutschland, Großbritannien und die Niederlande im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424417