Homophobie und Diskriminierung sind noch immer gesellschaftliche Phänomene. Diskriminierende Handlungen und Äußerungen können im Alltag, in Liedtexten, Filmen, Büchern, Zeitschriften, aber auch auf Schulhöfen und in Klassenräumen vorkommen.
Lisa Henigin untersucht in ihrer Publikation deshalb, wie Lehrerinnen und Lehrer im Literaturunterricht sexuelle Vielfalt thematisieren können. Welche kinder- und jugendliterarischen Werke eignen sich dazu? Und wie setzt man sie im Deutschunterricht richtig ein?
Vor allem in der Schule befinden sich die Jugendlichen in einer Lebensphase, in welcher Diskriminierung langfristige Folgen haben kann. Henigin erklärt deshalb, wie gerade die Schule als Lernort und Lebensraum zu einem von Akzeptanz geprägten Miteinander beitragen kann.
Aus dem Inhalt:
- Sexuelle Vielfalt;
- Homosexualität;
- LGBTIQ;
- Deutschunterricht;
- Kinder- und Jugendliteratur
Inhaltsverzeichnis
1 Anmerkung
2 Einleitung
3 Überblick über das Themenfeld der sexuellen Vielfalt
3.1 Geschlechtervielfalt
3.2 Sexuelle Orientierung
3.3 Heteronormativität
3.4 ‚Phobien‘ und Diskriminierung
4 Stellenwert sexueller Vielfalt in schulischen Richtlinien
4.1 Überblick über die Thematisierung durch die Länder
4.2 Deutschlehrpläne: Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Vergleich
5 Sexuelle Vielfalt im Deutschunterricht: Eine Umfrage unter Lehrkräften und Studierenden
5.1 Wahl der Methode
5.2 Auswertung der Umfrage unter Lehrkräften
5.3 Auswertung der Umfrage unter Studierenden
5.4 Fazit
6 Möglichkeiten des aktiven Beitragens zur gesellschaftlichen Akzeptanz von sexueller Vielfalt durch Schule
6.1 Möglichkeiten in der Schule als Subsystem der Gesellschaft
6.2 Möglichkeiten im Fach Deutsch durch Literaturunterricht
7 Sexuelle Vielfalt als Thema in der Kinder- und Jugendliteratur
7.1 Begriffsdefinition: Kinder- und Jugendliteratur
7.2 Die historische Ebene
7.3 Analyse ausgewählter kinder- und jugendliterarischer Texte
8 Unterrichtspraktische Beispiele
8.1 Letztendlich sind wir dem Universum egal im Deutschunterricht
8.2 Die Mitte der Welt im Deutschunterricht
8.3 Die wilden Hühner und die Liebe im Deutschunterricht
8.4 Das dänische Mädchen im Deutschunterricht
8.5 Middlesex im Deutschunterricht
9 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und die Möglichkeiten der Thematisierung von sexueller Vielfalt im Deutschunterricht. Das primäre Ziel ist es, den aktuellen Stellenwert des Themas an Schulen zu evaluieren, die Haltung von Lehrkräften und Studierenden zu analysieren und didaktische Ansätze sowie kinder- und jugendliterarische Werke aufzuzeigen, die einen Beitrag zur Akzeptanz sexueller Vielfalt leisten können.
- Aktueller Stellenwert sexueller Vielfalt in schulischen Richtlinien und Lehrplänen
- Empirische Umfrage unter Lehrkräften und Lehramtsstudierenden zur Thematisierung in der Praxis
- Bedeutung von Schule und Literaturunterricht für die gesellschaftliche Akzeptanz
- Analyse queerer Identitäten in zeitgenössischer Kinder- und Jugendliteratur
- Entwicklung und Darstellung unterrichtspraktischer Beispiele
Auszug aus dem Buch
7.3.3 Letztendlich sind wir dem Universum egal
In dem Roman Letztendlich sind wir dem Universum egal von dem US-amerikanischen Schriftsteller David Levithan, welcher erstmals im Jahr 2012 unter dem englischen Originaltitel Every Day erschien, geht es um die Ich-Erzählinstanz A. A ist ein undefiniertes Wesen, eine Art Seele, die jeden Tag in einem neuen Körper aufwacht. Die Körper entsprechen immer As eigenem biologischen Alter, besitzen jedoch immer ein anderes Geschlecht, was bedeutet, dass A mal in einem männlichen, mal in einem weiblichen Körper aufwacht. A hat eigene Gedanken, Gefühle und Erinnerungen, kann jedoch auch auf die Erinnerungen der ‚bewohnten‘ Menschen zugreifen, um nicht aufzufallen und den jeweiligen Tag möglichst unentdeckt in dem jeweiligen Körper zu verbringen. A hat es sich zur Aufgabe gemacht keine Spuren im Leben der Menschen zu hinterlassen.
Doch dann wacht A im Körper von Justin auf und lernt Justins Freundin Rihannon kennen und lieben. Auch Rihannon entwickelt Gefühle für A, selbst nachdem sie von As Geheimnis erfährt. Doch es fällt ihr schwer, jemanden zu lieben, der jeden Tag in einem anderen Körper steckt, der mal dick, mal dünn, mal klein, mal groß, mal schön, mal hässlich ist. Auch findet sie es komisch, manchmal ein Mädchen zu küssen. Der permanente Gestaltenwechsel scheint für sie eine unüberbrückbare Hürde zu sein, doch auch für A wird der tägliche Körperwechsel zur Bewährungsprobe: Mal erwacht A im Körper einer Zwangsarbeiterin, mal in dem einer Drogenabhängigen auf Entzug. Zustände, in denen A unmöglich zu Rihannon gelangen kann. Um Rihannon zu beweisen, wie sehr A sie liebt, verletzt A immer häufiger die selbst aufgestellten Regeln und beginnt schon bald den ‚bewohnten‘ Menschen zu schaden. An dem Tag an dem A den Körper des Charakters Nathan bewohnt, ist A besonders unvorsichtig. Dadurch fällt Nathan auf, dass etwas nicht stimmt und er beginnt nachzuforschen und nach und nach hinter As Existenz zu kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Anmerkung: Erläuterung der verwendeten geschlechtergerechten Sprache und der Definition des Akronyms LGBTIQ*.
2 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, der Relevanz des Themas an Schulen sowie der Zielsetzung der Arbeit.
3 Überblick über das Themenfeld der sexuellen Vielfalt: Definition grundlegender Begriffe wie Geschlechtervielfalt, sexuelle Orientierung, Heteronormativität sowie Diskriminierung.
4 Stellenwert sexueller Vielfalt in schulischen Richtlinien: Analyse der rechtlichen Vorgaben und Lehrpläne in verschiedenen Bundesländern mit Fokus auf Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg.
5 Sexuelle Vielfalt im Deutschunterricht: Eine Umfrage unter Lehrkräften und Studierenden: Darstellung und Interpretation der empirischen Ergebnisse zur Praxis der Thematisierung.
6 Möglichkeiten des aktiven Beitragens zur gesellschaftlichen Akzeptanz von sexueller Vielfalt durch Schule: Theoretische Herleitung, warum Schule und Literaturunterricht entscheidende Akteure bei der Förderung von Akzeptanz sind.
7 Sexuelle Vielfalt als Thema in der Kinder- und Jugendliteratur: Historischer Abriss und detaillierte Analyse fünf ausgewählter Werke hinsichtlich ihrer didaktischen Eignung.
8 Unterrichtspraktische Beispiele: Konkrete Verlaufspläne für den Unterricht zu den analysierten Werken.
9 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Empfehlungen für die Zukunft der Lehrerausbildung und Schulpraxis.
Schlüsselwörter
Sexuelle Vielfalt, LGBTIQ*, Deutschunterricht, Literaturunterricht, Heteronormativität, Diskriminierung, Geschlechtsidentität, Kinder- und Jugendliteratur, Toleranz, Akzeptanz, Schule, Bildungspläne, Coming-Out, Identitätsfindung, Unterrichtspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematisierung von sexueller Vielfalt im Deutschunterricht und untersucht, wie Literatur dazu beitragen kann, Akzeptanz und Toleranz bei Schülerinnen und Schülern zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Situation von LGBTIQ*-Personen im schulischen Umfeld, die Darstellung sexueller Vielfalt in Schulbüchern, die rechtlichen Vorgaben in den Bundesländern sowie die Analyse von Kinder- und Jugendliteratur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den aktuellen Stand der Thematisierung von sexueller Vielfalt im Deutschunterricht zu erfassen, Barrieren für Lehrkräfte zu identifizieren und didaktische Möglichkeiten aufzuzeigen, das Thema erfolgreich in den Unterricht zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie auf eine empirische schriftliche Befragung von 155 Lehrkräften und 363 Lehramtsstudierenden in Rheinland-Pfalz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Begriffsbestimmung, Richtlinienanalyse), eine empirische Auswertung der Umfragedaten sowie einen analytischen Teil zur Kinder- und Jugendliteratur und konkreten unterrichtspraktischen Beispielen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sexuelle Vielfalt, Deutschunterricht, Literaturdidaktik, Heteronormativität, Akzeptanz und Diskriminierungsprävention charakterisiert.
Warum wird der Fokus auf den Literaturunterricht gelegt?
Der Literaturunterricht bietet durch Identifikationsprozesse mit literarischen Figuren und die Möglichkeit zum Perspektivwechsel ein ideales Medium, um Empathie zu fördern und komplexe gesellschaftliche Themen wertfrei zu reflektieren.
Welche Bedeutung kommt der eigenen Identität von Lehrkräften zu?
Die Arbeit zeigt, dass Befragte, die sich selbst als Teil der LGBTIQ*-Community identifizieren, ein höheres Interesse daran haben, das Thema in den Unterricht einzubringen, wenngleich persönliche Betroffenheit auch als Hemmnis für eine Thematisierung genannt wurde.
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- Lisa Henigin (Autor), 2018, Sexuelle Vielfalt im Deutschunterricht. Bedeutung und Möglichkeiten der Thematisierung von sexueller Vielfalt in der Schule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424508