Bewältigung von Unternehmenskrisen durch Eigenkapital von Private-Equity-Gesellschaften. Eine kritische Analyse


Seminararbeit, 2018

41 Seiten, Note: 1,7

Nicolas Fell (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Unternehmenskrisen, Krisenarten und Krisenerkennung
2.2 Private Equity und anlassbezogene Verwendung
2.3 Krisenbewältigung in Form von Sanierung und Restrukturierung

3 Analyse der Sanierung und Restrukturierung durch Private Equity
3.1 Maßnahmen einer Sanierung und Restrukturierung
3.2 Führung in der Unternehmenskrise
3.3 SWOT-Analyse der Finanzierung durch Private-Equity-Gesellschaften ...

4 Praxisbeispiel: Studienkreis-Gruppe

5 Fazit und Ausblick
5.1 Zusammenfassung und Handlungsempfehlung
5.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Phasen der Private-Equity-Finanzierung 9

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Immer wieder geraten Unternehmen in die Insolvenz. Ein bekanntes Beispiel war im Au­gust 2017 die Air Berlin PLC. Gläubiger und Kunden des Unternehmens verloren ihr Kapital oder konnten bereits bezahlte Leistungen des Unternehmens nicht mehr in An­spruch nehmen. Ebenfalls kostete die Insolvenz bisher 2.500 Mitarbeiter ihren Arbeits­platz bei der Fluggesellschaft.[1] Aber nicht nur die Gläubiger von großen Konzernen, über die in den Medien berichtet wird, sondern auch Investoren, Lieferanten und Kapitalgeber von kleinen oder mittelständischen Unternehmen verlieren jedes Jahr viel Geld durch die hohe Anzahl an Insolvenzen. Im Jahr 2017 verloren in Deutschland Gläubiger von insge­samt 20.200 insolventen Unternehmen rund 26,6 Mrd. Euro durch den Forderungsaus- fall.[2]

Für das Sozialsystem des Staates stellt nicht nur die Summe des Forderungsausfalls, son­dern auch die hohe Anzahl von Mitarbeiterentlassungen eine enorme Belastung dar. Bei vielen Insolvenzen handelt es sich um neu gegründete Unternehmen, sogenannte Startups, aber es sind auch größere, bereits lang am Markt etablierte Unternehmen betroffen.[3]

Es gibt jedoch im Vorfeld Möglichkeiten, ein Unternehmen vor dem Niedergang zu be­wahren, wenn die Krise im Unternehmen früh erkannt wird. Diese Früherkennung scheint in den letzten Jahren Wirkung zu zeigen. Im Jahr 2016 gab es noch 21.560 insolvente Unternehmen mit einem Forderungsausfall von rund 27,5 Mrd. Euro[4]. Seit dem höchsten Stand der Unternehmensinsolvenzen von 39.470 im Jahr 2003 hat sich die Anzahl seit­dem fast halbiert[5]. Maßgeblich beteiligt an diesem Rückgang ist das gesteigerte Interesse an Private Equity, welches unter anderem zur Sanierung und Restrukturierung von Kri­senunternehmen eingesetzt wird.[6]

Für die Sanierung und Restrukturierung wird Kapital benötigt. Krisenuntemehmen haben hier bei der Kapitalbeschaffung ein großes Problem, das auch Startups im Allgemeinen betrifft: Sie wirtschaften meist unprofitabel und können oftmals keine Sicherheiten stel­len. Aufgrund dieser Tatsachen ist es für diese Unternehmen sehr schwierig, Fremdkapi­tal von Banken oder anderen Kreditinstituten zu erhalten. Sie sind daher auf die Zufüh­rung von Eigenkapital durch Investoren wie Private-Equity-Gesellschaften angewiesen. Diese Gesellschaften sind auf die Bereitstellung von außerbörslichem Eigenkapital spe­zialisierte Investmentgesellschaften. Sie investieren unter anderem in Startup-Unterneh- men, die in der heutigen Zeit vor allem im digitalen Sektor gegründet werden. Private Equity stellt jedoch heutzutage nicht nur eine bedeutende Form der Finanzierung für Neu­gründungen dar, sondern ist auf unterschiedliche Arten einsetzbar. So gibt es auch Pri- vate-Equity-Gesellschaften, die auf die Investition in Krisenunternehmen spezialisiert sind, um diese bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen. Diese Private-Equity-Ge­sellschaften führen dann zusätzlich Maßnahmen in verschiedenen Bereichen des Unter­nehmens zur Wiederherstellung der Rentabilität durch und versuchen, das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig zu machen.[7]

Die Investition von Eigenkapital dieser Gesellschaften ist jedoch mit Vorschriften und Ein- bzw. Mitwirkung der Gesellschaft auf die Geschäftsführung verbunden. Dies reicht von einfachen Ratschlägen für die Geschäftsführung bis hin zur Berufung eines eigenen Mitarbeiters der Gesellschaft zum Geschäftsführer des Krisenunternehmens.[8]

In der vorliegenden Arbeit soll beurteilt werden, inwiefern die Maßnahmen von Private- Equity-Gesellschaften zur Sanierung und Restrukturierung von Krisenunternehmen ge­eignet sind.

Daher lautet die Leitfrage der Seminararbeit: Welches Potenzial besitzt die Finanzierung durch Private Equity zur Sanierung und Restrukturierung von Krisenunternehmen?

1.2 Gang der Untersuchung

Die Seminararbeit ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil der Arbeit (Kapitel 2) werden die theoretischen Grundlagen zu den Themen Unternehmenskrisen, Private Equity und Sanierung und Restrukturierung beschrieben. Das Verständnis dieser ist relevant, um die Schlussfolgerungen und nachfolgenden Erläuterungen zu dem Einsatz von Eigenkapital, Maßnahmen der Sanierung und Restrukturierung und dem Einfluss der Private-Equity- Gesellschaften auf das Unternehmen in einer Krise nachvollziehen zu können. Der zweite Teil der Seminararbeit (Kapitel 3) beschäftigt sich mit der Analyse der Sanierung und Restrukturierung von Krisenunternehmen durch Private-Equity-Gesellschaften. Hierbei wird auf die leistungswirtschaftlichen, personalwirtschaftlichen und finanzwirtschaftli­chen Maßnahmen eingegangen. Danach wird in Form einer SWOT-Analyse[9] die Eignung einer Private-Equity-Gesellschaft zur Sanierung und Restrukturierung eines Krisenunter­nehmens untersucht. Im dritten Teil der Arbeit (Kapitel 4) dient die Beschreibung eines Praxisbeispiels (Studienkreis-Gruppe) zur Veranschaulichung realer Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen einer Private-Equity-Gesellschaft (Aurelius Equity Oppor­tunities SE & Co. KGaA). In einem abschließenden Fazit werden die Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst und eine Handlungsempfehlung abgegeben.

Aufgrund des Umfanges dieser Arbeit werden für die Grundlagen von Unternehmenskri­sen sowie Sanierung und Restrukturierung feststehende Definitionen aus der Kernlitera­tur verwendet. Basierend auf den Definitionen, werden Annahmen für diese Arbeit ge­troffen. Dies erfolgt auch für die Klassifikation der Maßnahmen der Sanierung und Rest­rukturierung sowie die Bereiche in denen die Maßnahmen erfolgen.

2 Theoretische Grundlagen

In diesem Teil wird dem Leser ein Einblick in die verschiedenen Arten von Unterneh­menskrisen, Krisenursachen und Krisenbewältigung (Turnaround[10] ) in Form einer Sanie­rung und Restrukturierung gegeben. Dafür wird darauf eingegangen, zu welchem Zeit­punkt sich ein Unternehmen in einer Krise befindet, wie eine Krise erkannt wird und wie sie überstanden werden kann.

Außerdem werden die Grundlagen von Private Equity beschrieben. In diesem Zusam­menhang wird auf Private-Equity-Gesellschaften sowie die anlassbezogene Verwendung der Finanzierungsform eingegangen. Danach findet eine Einordnung des deutschen Pri- vate-Equity-Markts in den internationalen Kontext statt.

Der letzte Punkt der Grundlagen befasst sich mit einer ersten Erläuterung von Sanierung und Restrukturierung im Kontext der Krisenbewältigung und des Ziels eines Turnarounds. Eine vollständige Erklärung der Prozesse und Maßnahmen der Sanierung und Restrukturierung befindet sich in dem dritten Kapitel.

2.1 Unternehmenskrisen, Krisenarten und Krisenerkennung

In der Literatur gibt es verschiedene Definitionen von Untemehmenskrisen. Krystek (1987) definiert eine Unternehmenskrise als eine ungeplante und ungewollte Existenzge­fährdung für das gesamte Unternehmen. Aus seiner Sicht gefährdet die Krise die domi­nanten Ziele des Unternehmens und ist gezeichnet durch eine Ambivalenz des Ausgan­ges, was bedeutet, dass die Vernichtung des Unternehmens denkbar ist, aber auch die Bewältigung der Krise. Es gibt für Unternehmen in einer Krise also zwei Möglichkeiten, die Vernichtung des Unternehmens in Form einer Insolvenz oder die Bewältigung der Krise in Form des Fortbestehens des Unternehmens.[11]

Eine Unternehmenskrise, die Ziele nachhaltig gefährden kann, tritt nicht plötzlich auf, sondern ist auf verschiedene Symptome und Ursachen zurückzuführen, die sich über lange Zeit entwickeln und den Erfolg des Unternehmens nachhaltig beeinflussen. Dabei festzustellen, ob sich ein Unternehmen in einer Krise befindet, hängt von den Klassifikationskriterien der Krisenart ab. Grethe (2010) nimmt in seinem Buch „Restruk­turierung von Krisenunternehmen durch Private-Equity-Gesellschaften“ eine Klassifika­tion nach bedrohten Unternehmenszielen, Aggregatzustand und Beeinflussbarkeit, Loka­lität der Krise, Krisenausmaß, Lebenszyklus-Stadium des Unternehmens oder Richtung der Unternehmensentwicklung vor.[12] Auf Grund des Umfangs beschränkt sich diese Ar­beit auf das Klassifikationskriterium „Bedrohte Unternehmensziele“.

Müller (1986) unterscheidet eine Krise in „Strategische Krise“, „Erfolgskrise“, „Liquidi­tätskrise“ und „Insolvenz“.[13] Diese vier Krisenarten stellen dabei ebenfalls die aufeinan­der folgenden Phasen einer Krise dar. Es ist aber nicht zwingend notwendig, dass ein Unternehmen alle Krisenphasen auf dem Weg in die Insolvenz durchläuft.[14]

Ein Unternehmen befindet sich in einer strategischen Krise, wenn die Neugewinnung und der Bestand an Erfolgspotenzialen beeinträchtigt sind. Erfolgspotenziale spiegeln da­bei die zukünftige Umsatz-, Gewinn- und Liquiditätslage wider. Da die Ausnutzung der Erfolgspotenziale in der Zukunft liegt, die Umsetzung somit bisher nicht erfolgt ist, ist die Feststellung einer strategischen Krise nicht immer zweifelsfrei möglich.[15]

In einer Erfolgskrise zeigen sich die geringe Ausnutzung von Erfolgspotenzialen und die Verfehlung der gesetzten Ziele (z.B. Umsatz- und Gewinnziele), bspw. bei einem schwa­chen Absatz eines Unternehmens. Das Unternehmen verkauft nicht nur auf kurze Zeit zu wenig Produkte, was noch keine Erfolgskrise darstellen würde, sondern auch auf lange Sicht. Dies hätte zwangsläufig einen Rückgang des bilanziellen Eigenkapitals und die Verfehlung langfristiger Unternehmensziele und Unternehmensvorgaben zur Folge. Eine Erfolgskrise wäre somit auch zwangsläufig die Folge von einer Produkt- oder Absatz­krise, die die finanzielle Stabilität eines Unternehmens bedroht.[16]

In einer Liquiditätskrise ist der Cashflow des Unternehmens negativ oder nur gering positiv. Er reicht nicht aus, um die Finanzierungskosten und Investitionen des Unternehmens zu decken. Die Insolvenzgefahr des Unternehmens besteht durch drohende Zahlungsunfähigkeit.[17]

Die Insolvenz ist im Ablauf die letzte der vier beschriebenen Krisenphasen. Gemäߧ16 Insolvenzverordnung wird der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ein Eröffnungsgrund vorausgesetzt. Der allgemeine Eröffnungsgrund ist gem. §17 die Zahlungsunfähigkeit[18]. Ursache für die Eröffnung kann neben der Zahlungsunfähigkeit auch eine drohende Zah­lungsunfähigkeit oder eine Überschuldung sein[19]. Die Zahlungsunfähigkeit oder sogar die Insolvenz bedeutet jedoch nicht, dass ein Unternehmen aus dieser heraus nicht mehr exis­tieren kann.[20]

Befindet sich das Unternehmen in einer Krise (unabhängig von der Art der Krise), so hat es verschiedene Anforderungen und Aufgaben, um die Krise zu bewältigen[21]. Um die Krise überstehen zu können, ist vor allem ein kompetentes Management wichtig, dass weiß, auf welche Punkte und Entscheidungen es ankommt. Dafür ist nicht nur entschei­dend in welcher der geschilderten Krisenphasen sich das Unternehmen befindet, sondern auch das Erkennen der Faktoren und Ereignisse, die die Krise herbeigeführt haben. Die Ursachen der Erfolgskrise und Liquiditätskrise spiegeln sich in Finanzkennzahlen wie dem Verschuldungsgrad, dem Umsatzwachstum oder der Eigenkapitalquote wider, wodurch eine vorzeitige Erkennung der Krise bei einer Verschlechterung der Kennzahlen häufig möglich ist.[22]

2.2 Private Equity und anlassbezogene Verwendung Begriffsbestimmung und Grundlagen

Der Begriff „Private Equity“ kommt aus dem Amerikanischen[23] und bedeutet übersetzt „privates Eigenkapital“. Private Equity ist i.d.R. eine zielgerichtete, zeitlich begrenzte Eigenkapitalbeteiligung an einem nicht-börsennotierten Unternehmen[24]. Eine Variante dazu stellt das Public Equity dar, welches die Eigenkapitalfinanzierung über die Börse beschreibt[25]. Private-Equity-Gesellschaften legen üblicherweise Fonds auf, mithilfe de­nen sie Eigenkapital in Zielunternehmen investieren[26]. Hierbei bündeln sie typischer­weise Gelder von Investoren, wie bspw. Kreditinstituten, Versicherungen, Pensionsfonds, Industriekonzernen sowie öffentlichen Institutionen und Family Offices[27]. Die Kapital­geber erhalten bei erfolgreichen Transaktionen des Private-Equity-Fonds eine entspre­chende Ausschüttung[28]. Neben der alleinigen Finanzierungsfunktion bieten Private- Equity-Gesellschaften oftmals auch Beratungsdienstleistungen, um aktiv den Erfolg des Unternehmens zu steigern und so den Wert der Beteiligung zu erhöhen[29]. Der Investiti­onshorizont einer Private-Equity-Gesellschaft beträgt abhängig von ihrem Geschäftsmo­dell und der Finanzierungsphase von wenigen Monaten über drei bis zu zehn Jahren[30]. Die durchschnittliche Haltedauer einer Beteiligung beträgt für eine Private-Equity-Ge- sellschaft rd. 6,5 Jahre[31].

Anlässe der Private-Equity-Finanzierung

Private Equity im weiten Sinne umfasst verschiedene Anlageklassen[32]. Grundsätzlich be­stimmt die Reife des Zielunternehmens und der damit verbundene Finanzierungsanlass die Art der Private-Equity-Beteiligung. Beim Seed-Financing (Samen-Finanzierung[33] ) investiert eine Private-Equity-Gesellschaft bspw. in die Produkt- bzw. Unternehmens­konzeption, beteiligt sich bei Forschungs- und Entwicklungskosten oder finanziert Markt- und Potenzialanalysen[34]. Venture Capital hingegen kommt bei der Unternehmensgrün­dung und der Produkt- bzw. Markteinführung zum Einsatz[35]. Diese beiden Finanzierungs­phasen sind der Frühphasen-Beteiligung („Early-Stage“) zuzuordnen[36] und fallen durch eine besonders starke Beratungsleistung durch die Private-Equity-Gesellschaft auf[37]. Die Later-Stage-Finanzierung setzt zu einer späteren Untemehmensphase an und bezweckt bspw. die Unterstützung der Marktdurchdringung oder den Ausbau des Vertriebs[38]. Die Zwischenfinanzierung zur Vorbereitung des Börsengangs fällt auch unter die Later- Stage-Finanzierungen und wird als Brückenfinanzierung bezeichnet („Bridge-Finanzie­rung“)[39]. Doch auch bei noch späteren Unternehmensphasen stellt Private Equity ein ge­eignetes Finanzierungsinstrument dar. Möchte der Eigentümer sein Unternehmen z.B. aufgrund von fehlender Nachfolge verkaufen, so bieten sich mithilfe von Private Equity verschiedene Buy-out-Möglichkeiten an[40]. Darunter fallen der Management-Buy-Out (MBO) sowie der Management-Buy-In (MBI). Beim MBO erwirbt das vorhandene Ma­nagement die Mehrheit der Unternehmensanteile[41]. Das MBI stellt hingegen die Über­nahme des Unternehmens durch ein externes Management dar[42]. Beteiligungsfirmen un­terstützen und beteiligen sich auch bei sog. Spin-Offs. Diese bezeichnen die Ausgliede­rung bzw. Trennung von einer Tochtergesellschaft aus dem Gesamtkonzern[43]. Ebenso finanzieren Private-Equity-Unternehmen oftmals Going-Private-Transaktionen, also den Rückzug eines Unternehmens vom Kapitalmarkt und die Umkehrung von börsengehan­deltem Eigenkapital in privates Eigenkapital (sog. „Delisting“)[44]. Ein weiterer Finanzie­rungsanlass für Private-Equity-Gesellschaften ist die Sanierung und Restrukturierung ei­nes wirtschaftlich geschädigten Unternehmens[45]. Das zusätzlich zur Verfügung gestellte Eigenkapital sowie der teilweise aktive Eingriff ins Management durch die Private- Equity-Gesellschaft bezweckt die Wiederherstellung der Rentabilität („Turnaround“) und somit die Wertsteigerung der Beteiligung[46]. Im dritten Kapitel wird ausführlich auf die Möglichkeiten und Maßnahmen der Beteiligungsfirmen in diesem Kontext eingegangen.

Neben der Abwicklung[47] eines Engagements bspw. bei einer Insolvenz gibt es grundsätz­lich vier Exit-Möglichkeiten für die Private-Equity-Gesellschaft. Wird das Portfolioun­ternehmen über einen Börsengang verkauft, verdient die Private-Equity-Gesellschaft prinzipiell am meisten Geld, da hier eine breite Masse von Investoren Anteile nachfra- gen[48]. Darüber hinaus gibt es den sog. „Trade Sale“ sowie den „Secondary Sale“. Beim Trade Sale übernimmt ein strategischer Investor die Beteiligung der Private-Equity-Ge- sellschaft[49]. Er ist i.d.R. bereit, einen höheren Preis für den Anteil zu zahlen als eine an­dere Private-Equity-Gesellschaft, die im Falle eines „Secondary Sale“[50] die Beteiligung übernimmt, da er oftmals auch andere Interessen neben der Erwirtschaftung einer Rendite verfolgt. Die vierte Exit-Möglichkeit eines Private-Equity-Fonds ist der „Company Buy Back“, bei dem die Alteigentümer das Unternehmen zurückkaufen[51]. Dies ist für das Pri- vate-Equity-Unternehmen meistens die unrentabelste Exit-Strategie, da die ehemaligen Eigentümer selten mit ausreichend Kapital ausgestattet sind[52].

In der folgenden Abbildung werden die Finanzierungsphasen einer Private-Equity-Betei- ligung mit den passenden Unternehmensphasen dargestellt:

Abb. 1: Phasen der Private-Equity-Finanzierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Schefczyk (2006), S. 26

Der deutsche Privat-Equity-Markt im internationalen Kontext

Private Equity genießt eine unverzichtbare Stellung in der Weltwirtschaft. International liegt die Zahl der Private-Equity-Gesellschaften bei rd. 7.800[53]. In Deutschland waren 2017 rd. 300 Beteiligungsfirmen gemeldet[54]. Im Mehrjahres-Vergleich ist das Investiti­onsvolumen von Private-Equity-Gesellschaften in deutsche Unternehmen von rd. 6,7 Mrd. € (2012) auf rd. 11,3 Mrd. € (2017) gestiegen[55]. Dies macht im internationa­len Vergleich jedoch nur ein Bruchteil des Private-Equity-Volumens aus, da der globale Transaktionswert 2017 bei rd. 753 Mrd. $ (2012: 377 Mrd. $) lag[56]. Beteiligungsgesell­schaften sind in besonderem Maße an dem deutschen Mittelstand interessiert. Das von Private-Equity-Gesellschaften weltweit eingesammelte Kapital (Fundraising) stieg in dem Zeitraum von 234 Mrd. $ (2012) auf 453 Mrd. $ (2017) an[57]. In Deutschland wuchs das Fundraising-Volumen auf rd. 3,0 Mrd. € (2012: 2,1 Mrd. €)[58]. Trotz der negativen Vorurteile[59] gegenüber der Private-Equity-Szene in Deutschland wächst die Branche auf­grund des Niedrig-Zins-Umfelds sowie der Konjunkturlage[60]. Bekannte Unternehmen, die Kapital und Beratung von Private-Equity-Gesellschaften zum Zwecke der Sanierung und Restrukturierung in Anspruch genommen haben, sind bspw. A.T.U Auto-Teile-Un- ger Handels GmbH & Co. KG[61], Grohe AG[62], Hugo Boss AG[63] und die Runners Point GmbH[64].

2.3 Krisenbewältigung in Form von Sanierung und Restrukturierung

Zu der Krisenbewältigung zählen das Krisenmanagement und der Tumaround. Das Gab­ler Wirtschaftslexikon bezeichnet den Tumaround als die „Wende eines in einer wirt­schaftlichen Krise befindlichen Unternehmens von der (existenzgefährdenden) Verlust­zone in eine langfristige (überlebenssichernde) Gewinnsituation.“[65] Dies bedeutet, dass nach einer vorausgegangenen negativen Entwicklung eines Unternehmens die Wende in eine positive Entwicklung erfolgt. Gelingt der Turnaround dem Unternehmen nicht, hält die negative Entwicklung an, was langfristig die Insolvenz des Unternehmens zur Folge hat. Um die negative Entwicklung des Unternehmens zu stoppen bzw. diese sogar ins Positive zu wenden, sind verschiedene Gegenmaßnahmen notwendig, die in dieser Arbeit unter dem Begriff der Sanierung und Restrukturierung des Unternehmens zusammenge­fasst werden.[66]

Eine genauere Erklärung der in dieser Arbeit im Kontext der Sanierung und Restruktu­rierung getroffenen Annahmen erfolgt in Kapitel 3.

3 Analyse der Sanierung und Restrukturierung durch Private Equity

In diesem Kapitel wird vertiefend auf die Sanierung und Restrukturierung eines Unter­nehmens hinsichtlich der betroffenen Bereiche, der Ziele und Gegenmaßnahmen einge­gangen und die Möglichkeiten der Einflussnahme der Private-Equity-Gesellschaften im Kontext dieser Punkte beschrieben. Mit Hilfe einer SWOT-Analyse wird daraufhin eine Übersicht der Vorteile, Nachteile, Chancen und Risiken, die das Investment einer Private- Equity-Gesellschaft in ein Krisenunternehmen umfasst, gegeben und bewertet. Die Be­reiche sind gegliedert nach Leistung, Personal und Finanzen des Unternehmens. Die auf­geführten Bereiche, Ziele und Gegenmaßnahmen sind dabei teilweise in dem in Kapitel 4 aufgeführten Praxisbeispiel wiederzufinden.

Die Ausgangssituation für die Sanierung und Restrukturierung ist die akute Unterneh­menskrise, also nach der in dieser Arbeit gewählten Definition von Müller (1986), die Bedrohung der gesetzten Unternehmensziele und damit verbunden die Bedrohung der Existenz des Unternehmens.[67]

In der Literatur gibt es eine große Anzahl unterschiedlicher Definitionen und Begriffsab­grenzungen zu den Begriffen „Sanierung“ und „Restrukturierung“. Sanieren stammt von dem lateinischen Wort „sanare“ ab, welches übersetzt „heilen“ bedeutet. „Heilen“ wird in diesem Kontext also als die Gesundung des Unternehmens durch operative Sofortmaß­nahmen verstanden[68]. Aus Sicht von Finsterer (1999) und Hess (1998) ist die Sanierung eine Form der Restrukturierung.

[...]


[1] Vgl. Hirschberger, Ralf, AirBerlin, (Zugriff 21-04-2018, 17:16 MEZ).

[2] Vgl. Creditreform, Insolvenzen: (Zugriff 22-04-2018, 14:03 MEZ).

[3] Vgl. Creditreform, Insolvenzen: (Zugriff 22-04-2018, 14:03 MEZ).

[4] Vgl. Creditreform, Insolvenzen: (Zugriff 22-04-2018, 14:03 MEZ).

[5] Vgl. Creditreform, Insolvenzen: (Zugriff 22-04-2018, 14:03 MEZ).

[6] Vgl. Roberts, Steve, Naydenova, Elena, Private Equity Report, 2017, S. 23. (Zugriff 22-04-2018, 18:59 MEZ).

[7] Vgl. Gaedt, Karsten, 2011, Untemehmenssanierung, S. 25. (Zugriff 22-04-2018, 19:11 MEZ).

[8] Vgl. Landau, Christian, 2010, S. 32f.

[9] Eine SWOT-Analyse ist ein Instrument zur Bewertung der Marktposition eines Unternehmens und unter­stützt bei der Strategieentwicklung.

[10] Vgl. Jesch, Thomas A., 2004, S. 94.

[11] Vgl. Krystek, Ulrich, 1987, S. 6-7.

[12] Vgl Grethe, Christian, 2010, S.16.

[13] Vgl. Müller, Rainer,1986, S.53; Müller verwendet den Begriff „Konkurs“ bzw. „Vergleich“, der im Kon­text aber gleichzusetzen ist mit dem Begriff der Insolvenz gem. Grethe, Christian, 2010, S.16.

[14] Vgl. Müller, Rainer, 1986, S.16-17.

[15] Vgl. Müller, Rainer, 1986, S. 54.

[16] Vgl. Behringer, Stefan, 2017, S.12-13.

[17] Vgl. §§16-17 InsO.

[18] Vgl. Müller, Rainer, 1986, S.54-55.; Vgl. §§16-17 InsO.

[19] Vgl. §§18-19 InsO.

[20] Vgl. Müller, Frank, 2010, S. 35.

[21] Vgl. Müller, Frank, 2010, S. 10.

[22] Vgl. Müller, Frank, 2010, S. 22.

[23] Vgl. Sabadinowitsch, Thomas, 2000, S. 36f.

[24] Vgl. Grethe, Christian, 2010, S. 61.

[25] Vgl. Weitnauer, Wolfgang, 2001, S. 258.

[26] Vgl. Jesch, Thomas A., 2004, S. 135.

[27] Vgl. Maurenbrecher, Patrick S., 2008, S. 53.

[28] Vgl. Grethe, Christian, 2010, S. 49.

[29] Vgl. Reimers, Nico, 2004, S. 5.

[30] Vgl. Gündel, Matthias, Katzorke, Björn, 2007, S. 35.

[31] Vgl. Rödl & Partner, Die deutsche Beteiligungsbranche 2016, 2016, S. 11.

[32] Vgl. Becker, Wolfgang, Lutz, Stefan, Back, Christian, 2011, S. 40-44.

[33] Die Deutschen Begriffe der Finanzierungsphasen sind in der Literatur nicht eindeutig definiert.

[34] Vgl. Grethe, Christian, 2010, S. 47.

[35] Vgl. Landau, Christian, 2010, S. 23f.

[36] Vgl. Perridon, Louis, Steiner, Manfred, 1997, S. 343.

[37] Vgl. Piekenbrock, Dirk, Hasenbalg, Claudia, 2014, S. 569.

[38] Vgl. Jesch, Thomas A., 2004, S. 87.

[39] Vgl. Hoffelner, Matthias, 2011, S. 45.

[40] Vgl. Grethe, Christian, 2010, S. 70.

[41] Vgl. Landau, Christian, 2010, S. 43f.

[42] Vgl. Müller, Frank, 2010, S. 69.

[43] Vgl. Maurenbrecher, Patrick S., 2008, S. 62.

[44] Vgl. Wöhe, Günter, Bilstein, Jürgen, Ernst, Dietmar, Häcker, Joachim, 2013, S. 178-179.

[45] Vgl. Müller, Frank, 2010, S. 66.

[46] Vgl. Gündel, Matthias, Katzorke, Björn, 2007, S. 90.

[47] Vgl. Hoffelner, Matthias, 2011, S. 51.

[48] Vgl. Maurenbrecher, Patrick S., 2008, S. 73.

[49] Vgl. Müller, Frank, 2010, S. 81.

[50] Vgl. Lenoir, Wolfgang, 2003, S. 242.

[51] Vgl. Wöhe, Günter, Bilstein, Jürgen, Ernst, Dietmar, Häcker, Joachim, 2013, S. 194.

[52] Vgl. Jesch, Thomas A., 2004, S. 106.

[53] Vgl. Preqin zitiert nach: Bain & Company Inc., Private Equity Report, 2018, S.5, (Zugriff 23-04-2018 10:30 MEZ).

[54] Vgl. European Data Cooperative zitiert nach: Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaf­ten, Studie Beteiligungskapital, 2017, S.6, (Zugriff 23-04-2018, 10:09 MEZ).

[55] Vgl. European Data Cooperative zitiert nach: Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaf­ten, Statistik, 2017, (Zugriff 23-04-2018, 10:20 MEZ).

[56] Vgl. Bureau van Dijk, M&A Review, 2017, S. 9, (Zugriff 23-04-2018, 10:05 MEZ).

[57] Vgl. Preqin zitiert nach: Statista, Fundraising, 2018 (Zugriff 23-04-2018, 10:20 MEZ).

[58] Vgl. European Data Cooperative zitiert nach: Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaf­ten, Statistik, 2017, (Zugriff 23-04-2018, 10:20 MEZ).

[59] Vgl. Bayaz, Danyal, 2013, S 23.

[60] Vgl. Köhler, Peter, Handelsblatt, Beteiligungskapital, 2018, (Zugriff 22-04-2018, 19:16 MEZ).

[61] Vgl. Stock, Oliver, Handelsblatt, ATU-Sanierung, 2014, (Zugriff 21-04-2018, 19:48 MEZ).

[62] Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, Grohe AG, 2018, (Zugriff 23-04­2018, 11:09 MEZ).

[63] Vgl. Permira, Hugo-Boss, 2015, (Zugriff 21-04-2018, 21:20 MEZ).

[64] Vgl. HANNOVER Finanz, Runners Point, 2013, (Zugriff 21-04-2018, 21:23 MEZ).

[65] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, Definition Tumaround, 2018, (Zugriff 21-04-2018, 17:13 MEZ).

[66] Vgl. Grethe, Christian, 2010, S. 38-39.

[67] Vgl. Müller, Rainer, 1986, S. 53-54.

[68] Vgl. Schmalenbach, Eugen, 1915, S. 133.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Bewältigung von Unternehmenskrisen durch Eigenkapital von Private-Equity-Gesellschaften. Eine kritische Analyse
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Düsseldorf früher Fachhochschule
Note
1,7
Autoren
Jahr
2018
Seiten
41
Katalognummer
V424772
ISBN (eBook)
9783668702301
ISBN (Buch)
9783668702318
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Private Equity, Finanzmanagement, Sanierung, Restrukturierung, Turnaround, Krisenmanagment, Unternehmenskrise, Insolvenz, Private Equity Fonds, Eigenkapital, Leverage
Arbeit zitieren
Nicolas Fell (Autor)Gabriel Socha (Autor), 2018, Bewältigung von Unternehmenskrisen durch Eigenkapital von Private-Equity-Gesellschaften. Eine kritische Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424772

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