Aufgabenstellungen sind im Deutsch- und Literaturunterricht ein zentrales Mittel zum Lernen an literarischen Gegenständen.
Da das literarische Lernen innerhalb der Forschung als eigenständiger Aspekt zentral ist, besteht die Auffassung, dass Lernprozesse existieren, die gezielt auf literarische Gegenstände ausgerichtet sind. Aus diesem Grund benötige man laut Spinner bestimmte Lese- und Verstehensanforderungen, um einen kompetenten Umgang mit literarischen, also fiktionalen und poetischen Texten gewährleisten zu können.
Weil die Literatur innerhalb des Unterrichts weiterhin einen wichtigen Stellenwert innehat, sollen dem literarischen Lernprozess, der von Schülerinnen und Schülern verschiedenste Kompetenzen abverlangt und daher für diese nach wie vor eine Schwierigkeit darzustellen scheint, durch Hilfestellungen Unterstützungen geliefert werden.
Diese Seminararbeit soll sich daher mit der Frage auseinandersetzen, wie und aus welchem Grund sich die benannte Unterstützung in ausgewählten Sets von Lern- und Leistungsaufgaben auffinden lässt. Hierbei soll genauer darauf eingegangen werden, inwieweit das Auftreten von Support in Leistungsaufgaben auch eine wirkliche Unterstützung für die SuS liefern kann.
Zunächst soll aufgezeigt werden, wie die Begriffe Lernaufgabe und Leistungsaufgabe in der didaktischen Forschung derzeitig definiert sind.
Im darauffolgenden Schritt werden die Begriffe Support und Demand genauer erläutert und dargelegt, welchen Einfluss diese Maßnahmen auf verschiedene Aufgabenformate haben können. Bevor zuletzt eine allgemeine Schlussbetrachtung stattfinden wird, soll ein fokussierter Blick auf das Verhältnis von Demand und Support in Leistungsaufgaben geworfen werden.
Aus Gründen der Zugänglichkeit und der zahlenmäßigen Eingrenzung werden zehn exemplarische Aufgabensets der Oberstufe des Abiturjahrgangs 2010 (Gymnasium) und des Abiturjahrgangs 2017 (Berufliches Gymnasium) auf dieses Verhältnis hin untersucht und herausgearbeitet, ob und, wenn ja, inwieweit Hilfestellungen zur Verfügung gestellt werden. Die Analyse der Sets betrachtet zunächst einige thematisch unabhängige Aufgaben und wird weiterhin drei Aufgaben zum Themenbereich der Romantik und drei weitere zum Werk „Faust I“ genauer betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Unterscheidung von Lern- und Leistungsaufgaben
3. Das Verhältnis von Demand und Support
i. Zur Begrifflichkeit von Demand und Support
ii. Das Auftreten von Support im Verhältnis verschiedener Aufgabenformate
iii. Arten von Support
4. Analyse der Aufgabensets
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Anforderungen (Demand) und Hilfestellungen (Support) in Lern- und Leistungsaufgaben innerhalb des Literaturunterrichts. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie gezielte Unterstützungsmaßnahmen in Leistungssituationen eingesetzt werden können, um den Schülern bei der Texterschließung zu helfen, ohne dabei deren eigenständige Sinnkonstruktion zu stark einzuschränken.
- Theoretische Abgrenzung von Lern- und Leistungsaufgaben
- Wechselbeziehung von Demand und Support im Unterrichtskontext
- Einfluss unterschiedlicher Aufgabenformate auf die Notwendigkeit von Support
- Analyse exemplarischer Aufgabensets aus dem Abitur (verschiedene Lektüren)
- Diskussion der Validität und Effektivität von Hilfestellungen in Prüfungssituationen
Auszug aus dem Buch
3. Das Verhältnis von Demand und Support
Die Aufgabenstellungen im Unterricht steuern unabhängig vom Fach den Verstehens- und Lernprozess der SuS und sind daher das zentrale Instrument des Lernens. Innerhalb der Aufgabenstellungen können sowohl in Lern- als auch in Leistungsaufgaben unterstützende Elemente, der sogenannte Support, auftreten. Dieser kann einen möglichen Lösungsprozess beispielsweise vorstrukturieren oder den Grad der Lösungsmöglichkeiten begrenzen. Da der jeweilige Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe und die damit verbundene Anforderung (Demand), die an die SuS gestellt wird, durch die Aufgabe selbst, das verfügbare mediale Angebot und das Vorwissen der SuS bestimmt werde, ermöglicht es der Einsatz von Support an diesen Stellen anzusetzen und diesen zu beeinflussen. Wie Iris Winkler bereits festgehalten hat, wird die Aufgabenschwierigkeit zusammengefasst durch eine ausgewogene Wechselbeziehung aus Demand und Support bestimmt.
Die Herausforderung dabei bestehe darin, diese Wechselbeziehung so zu berücksichtigen, dass sie den Lernvoraussetzungen der SuS und den Merkmalen des jeweiligen Textes entspreche. Innerhalb des Forschungsdiskurses bildet sich des Öfteren die Ansicht, gute Lernaufgaben sollten ein hohes Maß an Komplexität, also ein hohes Anspruchsniveau, wie auch an Offenheit aufweisen. Offenheit bezeichne die Anforderung „[…] weitestgehend selbstständig auf deklarative und prozedurale Wissensbestände zurückzugreifen“, wohingegen gelenkte Aufgabenstellungen „[…] mehr oder weniger exakte Hinweise [aufweisen, J.R.], auf welche Aspekte man bei der Aufgabenlösung achten und ggf. auch welche Verfahren zur Anwendung kommen sollen.“ Dies zieht nach sich, dass ein hoher Schwierigkeitsanspruch bestenfalls durch geringe Unterstützung bewältigt werden solle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zentrale Rolle von Aufgaben im Literaturunterricht und führt in die Problematik ein, dass Unterstützungsmaßnahmen einerseits notwendig sind, aber andererseits die eigenständige Texterschließung einschränken könnten.
2. Zur Unterscheidung von Lern- und Leistungsaufgaben: Dieses Kapitel differenziert zwischen Lern- und Leistungssituationen und erläutert verschiedene Aufgabentypen für Klassenarbeiten und zentrale Prüfungen.
3. Das Verhältnis von Demand und Support: Hier werden die Begriffe Demand (Anforderung) und Support (Unterstützung) definiert und in ihrer Wechselwirkung untersucht, wobei auch die Rolle der Aufgabenformate und verschiedene Arten von Support analysiert werden.
4. Analyse der Aufgabensets: In diesem Kapitel werden zehn ausgewählte Aufgabensets (u.a. zu Maria Stuart, Faust I, Die Verwandlung) auf das Verhältnis von Demand und Support hin untersucht und ausgewertet.
5. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, in der die Wirksamkeit von wissensaktivierenden Elementen in Leistungsaufgaben und die Bedeutung von Support zur Strukturierung von Lösungsprozessen zusammengefasst werden.
Schlüsselwörter
Literaturunterricht, Lernaufgaben, Leistungsaufgaben, Demand, Support, Texterschließung, literarisches Lernen, Aufgabenanalyse, Oberstufe, Prüfungsaufgaben, Wissensaktivierung, Differenzierung, Bildungsstandards, Literaturdidaktik, Kompetenzorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die funktionale Gestaltung von Aufgaben im Literaturunterricht, speziell das Gleichgewicht zwischen geforderten Anforderungen und unterstützenden Hilfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte von "Demand" (Anforderungsniveau) und "Support" (Unterstützung) sowie deren Anwendung in Lern- und Prüfungssituationen.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin untersucht, wie und aus welchem Grund Unterstützung in Aufgaben vorkommt und ob Support in Leistungsaufgaben tatsächlich eine hilfreiche Entlastung für Lernende darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch fachdidaktische Literatur und einer empirisch orientierten Analyse von zehn exemplarischen Abitur-Aufgabensets.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Untersuchung des Supports bei verschiedenen Aufgabenformaten und eine detaillierte Analyse der gewählten Aufgabensets verschiedener Lektüren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Literaturunterricht, Lern- und Leistungsaufgaben, Demand, Support, Kompetenzorientierung und die Analyse von Prüfungsformaten.
Inwiefern beeinflussen Aufgabenformate den Support?
Das Kapitel 3 zeigt auf, dass geschlossene Formate tendenziell stärker lenkend wirken, während offene Formate unterschiedliche Grade an Support ermöglichen oder erfordern.
Welches Fazit zieht die Autorin zu Support in Leistungsaufgaben?
Die Autorin schlussfolgert, dass Support in Leistungsaufgaben oft weniger wissensaufbauend, sondern primär wissensaktivierend wirkt und bei der Strukturierung der Lösung helfen kann.
- Citar trabajo
- Jacqueline Reinisch (Autor), 2017, Die Funktion von Demand und Support in Lern- und Leistungsaufgaben des Literaturunterrichts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/424810