Der Regenwurm im Sachunterricht

Konzeption, Durchführung und Evaluation einer Unterrichtseinheit im Hinblick auf den fachsprachlichen Wissenserwerb von DaZ-Schülern


Bachelorarbeit, 2018

55 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Zusammenfassung

1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
1.2. Biowissenschaftlicher Hintergrund
1.3. Zielsetzung und Fragestellung

2. Material und Methode
2.1. Kurzcharakteristik der geplanten Unterrichtsreihe
2.2. Bedingungsanalyse
2.3. Lernziele
2.4. Ausführliche Unterrichtsplanung – Der Unterrichtsentwurf
2.4.1. Erste Unterrichtsstunde
2.4.2. Zweite Unterrichtsstunde
2.4.3. Dritte Unterrichtsstunde
2.4.4. Vierte Unterrichtsstunde
2.4.5. Fünfte Unterrichtsstunde
2.4.6. Sechste Unterrichtsstunde
2.4.7. Siebte Unterrichtstunde
2.5. Evaluation
2.5.1. Verfahren zur Datenauswertung
2.5.2. Messinstrumente

3. Ergebnisse
3.1. Ergebnisse des Pretests
3.2. Ergebnisse des Posttests
3.3. Ergebnisse des Follow-up Tests
3.4. Reflexion der Unterrichtsdurchführung

4. Diskussion
4.1. Interpretation der Ergebnisse der Fragebögen
4.2. Theoriebezug
4.3. Weiterführende Überlegungen

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

7. Anhang

I. Zusammenfassung

Diese Arbeit hat zum Ziel die Möglichkeiten der fachsprachlichen Förderung innerhalb des Sachunterrichts zu erforschen. Zu dem Zweck wurde eine Unterrichtsreihe über den Regenwurm im Sachunterricht durchgeführt, wobei die sprachlichen Kompetenzen durch verschiedene Methoden gefördert wurden. Diese Unterrichtsreihe besteht aus sieben Unterrichtsstunden und spricht Themen wie Körperbau, Fressverhalten, Lebensraum und Namensgebung des Regenwurms an. Um den sprachlichen Lernerfolg messen und vergleichen zu können wurde ein Fragebogen entwickelt. Der Fragebogen besteht aus neun Fragen und die Teilnehmer füllten diesen dreimal aus. Die erste Durchführung des Tests (Pretest) wurde vor der Unterrichtsreihe durchgeführt. Der zweite Test (Posttest) nach der Unterrichtsreihe und der dritte einige Wochen nach der Unterrichtsreihe (Follow-up Test).

Die Ergebnisse der Fragebögen haben nahegelegt, dass sich sprachliche Kompetenzen innerhalb des Sachunterrichts bei einem DaZ-Kontext am erfolgreichsten durch die Methode des Schreibens fördern lassen. Dieses Forschungsergebnis wurde dann mit Theorien und Modellen belegt und weiter ausgeführt. Beispielsweise wurde näher auf die Schriftlichkeit der Bildungssprache, auf Schreibprozesse innerhalb der Zweitsprache und auf das drei-Phasen-Modell von Schmölzer-Eibinger (2011) zur Förderung der Textkompetenz in mehrsprachigen Klassen eingegangen. Außerdem wurden Methoden erläutert die auf der Grundlage der Methode des Schreibens konstruiert und im Sachunterrichts angewendet werden können. Auch die Absprache zwischen Lehrern verschiedener Fächer wurde als Fördermaßnahme angesprochen.

Durch die Ergebnisse dieser Arbeit kann gezeigt werden, dass eine sprachliche Förderung nicht nur im Fach Deutsch gewährleistet werden kann. Die Fachunterrichte nehmen ebenfalls einen besonderen Stellenwert innerhalb der fachsprachlichen Bildung ein. Es sollten zwar innerhalb dieses Forschungsfeldes noch weitere Untersuchungen und Erhebungen durchgeführt werden. Trotzdem konnte durch diese Arbeit schon ein grobes Konzept zur Förderung fachsprachlicher Kompetenzen innerhalb des Fachunterrichts vorgestellt werden.

1. Einleitung

1.1. Hinführung zum Thema

Der Förderung der sprachlichen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern (SuS) im Unterricht wird vor allem im Bereich des Zweitspracherwerbs immer mehr Beachtung geschenkt. So wundert es nicht, dass nicht nur im Fach Deutsch diese Kompetenzen gefördert werden sollen. Auch der Sachunterricht als Beispiel für einen Fachunterricht beansprucht diese Förderung. Im Lehrplan für den Sachunterricht von Nordrhein-Westfalen steht:

„Sachunterrichtliches Arbeiten leistet dabei durch mündliche und schriftsprachliche Bearbeitungsprozesse, durch Austausch und Erläuterung von Überlegungen und Ergebnissen und nicht zuletzt durch die Klärung von Fachbegriffen und fachlichen Zusammenhängen einen wichtigen Beitrag zur sprachlichen Entwicklung und Förderung.“ (Lehrpläne NRW 2008:39).

Diese sprachliche Förderung durch den Sachunterricht darf vor allem im DaZ-Kontext (Deutsch als Zweitsprache) nicht vernachlässigt werden. In Klassen in denen ausschließlich DaZ-Schüler unterrichtet werden, kommt aufgrund der notwendigen starken sprachlichen Förderung der Sachunterricht oft zu kurz. Mit DaZ-Schülern sind solche Schülerinnen und Schüler gemeint, die ab dem vierten Lebensjahr eine neue Sprache lernen, die partiell durch Unterricht vermittelt wird, aber auch außerhalb der Schule vorherrscht (vgl. Bredel 2006:30). Diese Arbeit möchte mit der hier vorgestellten Unterrichtsreihe aufzeigen, dass der Sachunterricht neben fachwissenschaftlichen, auch fachsprachliche Kompetenzen fördert. Außerdem wird untersucht welche Methoden einen hohen Lernzuwachs aufzeigen. Dazu wird eine Unterrichtsreihe in einer Seiteneinsteigerklasse zum Thema Regenwurm (RW) durchgeführt und mithilfe eines Fragebogens die sprachlichen Kompetenzen abgefragt. Unter Seiteneinsteigern versteht man die DaZ-Schüler, die allein oder mit ihren Eltern zugewandert sind, nachdem sie schon in ihrem Herkunftsland eine Bildung genossen haben und jetzt in ein neues Bildungssystem integriert werden (vgl. Drumm 2016:7). Der Regenwurm wurde als Thema der Unterrichtsreihe ausgewählt, da er als lebendiges Tier an die natürliche kindliche Neugier anknüpft und damit Motivation und Interesse weckt (vgl. Kalusche & Kremer 2010:93). Die Wahl fiel auf den Sachunterricht als Unterrichtsgrundlage, obwohl er hohe fachsprachliche Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler stellt. Dennoch bietet er auch vielfältige Lernchancen, durch unterschiedliche lebensnahe Themen und die Möglichkeit des Einsatzes verschiedener Materialien und Methoden, die den Sachunterricht zu einem interessanten Medium der vorliegenden Forschung macht (vgl. Benholz 2011:1).

1.2. Biowissenschaftlicher Hintergrund

Der Regenwurm ist eines der wichtigsten und unersetzlichsten Mitglieder im Ökosystem Boden. Er sorgt für eine bessere Durchlüftung der Erde und ist einer der Hauptproduzenten für Humus. Unser heimischer Regenwurm gehört zur Familie der Regenwürmer (Lumbricidae), welche zum Stamm der Ringelwümer (Annelidae) und zur Klasse der Gürterlwürmer (Citellata) zugezählt werden (vgl. Buch 1986:25). Alleine in Deutschland gehören zur Familie der Lumbricidae 39 verschiedene Arten (vgl. Graff 2003:1).

Betrachtet man den Regenwurm aus der fachwissenschaftlichen Perspektive, fällt sein besonderer Körperbau als erstes ins Auge. Der langgestreckte, drehrunde Leib des Regenwurms ist vom Vorder- bis zum Hinterende von zahlreichen Querfurchen umzogen. Sie vermitteln den Eindruck, dass der Regenwurmleib aus zahlreichen Ringen zusammengesetzt ist. Diese einzelnen Ringbereiche werden Segmente genannt. Die Anzahl der Segmente schwankt nach Art zwischen 80 und 500 Segmenten pro Wurm. Allerdings kann die Anzahl auch innerhalb einer Art schwanken (vgl. Graff 2003:2). Die einschichtige Haut (Epidermis) ist von der Cuticula umgeben, die den Wurmkörper vor Verletzungen schützt. Die äußere Ringmuskulatur liegt unter der Epidermis und ist eng mit ihr verbunden. Mithilfe der äußeren Ring- und der inneren Längsmuskulatur kann sich der Regenwurm fortbewegen. Da beim Regenwurm eine enge Verbindung zwischen der Haut und dem Muskelsystem besteht, spricht man auch von einem Hautmuskelschlauch. Neben dem äußeren Körperbau ist auch die innere Anatomie des Regenwurms beachtenswert.

Um die Lage der Organe innerhalb des Wurmkörpers besser anzugeben, werden die Segmente bei eins beginnend von vorn nach hinten durchnummeriert. Die von außen sichtbare Ringelung oder Segmentierung findet sich auch im inneren des Wurmleibes wieder. Im Innern ist somit ebenfalls eine Einteilung in Kammern wiederzufinden. Die einzelnen Kammern sind durch eine häutige Scheidewand voneinander getrennt. Am vorderen Körperdrittel befindet sich eine von ca. sechs bis zwölf durch Drüsenbildung angeschwollene Segmente. Diese Segmente nennt man das Klitellum (Clitellum). Sie sind auch von außen deutlich sichtbar von den anderen zu unterscheiden. Die Lage des Klitellum dient als Unterscheidungsmerkmal von Arten (vgl. Graff 2003:2). Um die Anatomie des Wurmleibes gut darstellen zu können, wird im Folgenden die Lage der verschiedenen Organe in jedem einzelnen Segment, beginnend beim ersten, erläutert.

Abbildung 1: Längsschnitt durch einen Regenwurm (vgl. Graff 1983:16)

Abbildung 2: Paarung von Regenwürmern (vgl. Graff 1983:70)Abbildung 3: Längsschnitt durch einen Regenwurm (vgl. Graff 1983:16)

Das erste Segment umschließt die Mundöffnung. Diese kann erweitert oder verengt werden und ist an der Oberseite durch einen Fortsatz verlängert. Diesen Fortsatz nennt man Mund- oder Kopflappen. Er ist beweglich und dient zum Greifen von Pflanzenteilen. Außerdem ist er mit empfindlichen Sinneszellen ausgestattet. Durch diese Sinneszellen kann der Regenwurm tasten und schmecken. Er wird dadurch auch von Wurzelausscheidungen und rottenden oder toten Pflanzenteilen angezogen (vgl. Graff 1983:64f.). Ab dem zweiten Segment befinden sich außen an jedem Ring in der Mitte zwischen den Furchen acht Chitinborsten, die zu vier Paaren angeordnet sind. Diese geben dem Regenwurm den nötigen Widerstand zum Boden um sich fortzubewegen. Zwischen dem fünften und dem fünfzehnten Segment befinden sich längs der Rückenmittellinie in den Furchen die Rückenporen. Bei Gefahr kann der Regenwurm darüber eine Flüssigkeit aus den Segmentkammern nach außen pressen, die auf manche Angreifer abstoßend wirkt. Bestimmte Organe durchziehen alle Segmente bis zum Körperende. Dazu gehören: der Darm, das Nervensystem und die Blutgefäße (vgl. Graff 2003:2). Die Nierenorgane (Nephridien) dagegen wiederholen sich in jedem Segment aufs Neue. Sie bestehen in jedem Segment aus zwei, mit Flimmerhärchen versehene häutige Trichter. Diese führen in einen Gang, der bereits im folgenden Segment liegt und hier von feinen Blutgefäßen umsponnen ist. Nach vielen Windungen kann sich die Niere durch eine Öffnung nach außen entleeren. Im Vorderkörper des Regenwurms befinden sich bis ca. zum achtzehnten Segment weitere wichtige Organe, die z. B. der Ernährung und der Fortpflanzung dienen. Insgesamt ist der Wurmkörper streng symmetrisch aufgebaut, sodass jedes Organ bzw. Organteil sein Gegenstück auf der anderen Körperseite besitzt.

Dieser symmetrische Aufbau findet sich auch im Blutgefäß- und Nervensystem des Regenwurms wieder. Betrachtet man das geschlossene Blutgefäßsystem, findet man zwischen dem Rückenblutgefäß und dem Bauchgefäß fünf pulsierende Verbindungen, die Herzen des Regenwurms. Das Blut im Rückengefäß fließt von hinten nach vorn und wird durch die fünf Herzen ins Bauchgefäß gepumpt. Von da aus wird es in ein Netz kleinerer Gefäße weitergeleitet um die Organversorgung abzudecken. Anders als beim Menschen nimmt der Regenwurm über seine Haut Sauerstoff auf. Der Sauerstoff, der sich an der feuchten Körperoberfläche löst, wird an den Blutfarbstoff Hämoglobin gebunden und weiterbefördert. Diesen Vorgang nennt man Hautatmung (vgl. Graff 2003:3). Betrachtet man jetzt das Nervensystem des Regenwurms, entdeckt man ein ebenfalls symmetrisch aufgebautes Strickleiternervensystem. Das Nervensystem beginnt ab dem dritten Segment des Regenwurms mit einem Oberschlundganglion, dem Gehirn des Regenwurms. Vom Oberschlundganglion laufen zwei Nervenstränge um den Darm herum und verknüpfen sich unter dem Darm im vierten Segment zu einem weiteren Ganglienknoten, dem sogenannten Unterschlundganglion. Das Unterschlundganglion ist der Ausgangspunkt eines kräftigen Nervenstranges, der zum Bauchmark gehört. Dieser durchzieht den Wurmleib bis ans Körperende. Das Gehirn im dritten Segment versorgt auch die ersten beiden Segmente, sowie den Kopflappen durch feine Nervenäste und -fasern (vgl. Graff 2003:3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Paarung von Regenwürmern (vgl. Graff 1983:70)

Das Gehirn und die Nervenäste steuern den Fortbewegungsablauf des Regenwurms. Um sich kriechend fortzubewegen benötigt der Regenwurm außerdem seinen Hautmuskelschlauch, der aus Längs- und Ringmuskulatur besteht. Der Bewegungsablauf beginnt immer mit dem Ausstrecken des Vorderendes. Beim Strecken des Vorderendes ziehen sich die Ringmuskeln zusammen und die Längsmuskeln erschlaffen, sodass der Regenwurmkörper lang und dünn wird. Wurde das Vorderende ausgestreckt erschlaffen nun die Ringmuskeln und die Längsmuskeln spannen sich an, der Wurmleib wird nun klein und dick. Der Regenwurm verankert sich mithilfe seiner Borsten am Vorderende im Boden, sodass das Hinterende nachgezogen werden kann. Jetzt verankern sich die Borsten am Hinterende des Wurms im Boden und der Abschnitt verdickt sich. Kopf und Vorderteil können wieder ausgestreckt werden und der Ablauf wiederholt sich. Insgesamt ist sein Fortbewegungsprozess also eine Reihe von streckenden und nachziehenden Bewegungen, ermöglicht durch den Hautmuskelschlauch (vgl. Graff 1983:38f.).

Bei der Beschreibung des Regenwurms darf sein Fortpflanzungsverhalten nicht fehlen. Eine besondere Eigenschaft der Regenwürmer ist, dass sie sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane besitzen. Regenwürmer sind demnach Zwitter. Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus insgesamt vier Hoden, die jeweils rechts und links in den Segmenten zehn und elf liegen. Die dort produzierten Spermien werden in Samensäckchen bis zur Paarung gespeichert. Die weiblichen Geschlechtsorgane liegen weiter hinten im Regenwurmleib, nämlich im dreizehnten Segment. Im vierzehnten Segment münden dann die Eileiter durch je eine Öffnung nach außen. Leider ist das Fortpflanzungsverhalten der Regenwürmer so komplex, dass man es im Rahmen dieser Arbeit nur streifen kann (vgl. Graff 2003:3).

Zur Paarung legen sich zwei Regenwürmer so aneinander, dass die weiblichen Geschlechtsorgane des einen, gegenüber den männlichen Geschlechtsorganen des anderen liegen. Das bedeutet, dass bei einer Paarung beide Tiere die Samen des anderen erhalten. Währenddessen sind die beiden Regenwürmer durch zwei feste Schleimbänder miteinander verbunden. Nachdem das Sperma übertragen wurde, ist die Begattung beendet und die Tiere trennen sich voneinander. Um die Eier abzulegen bilden die Drüsen im Bereich des Gürtels (Klitelladrüsen) einen tonnenförmigen Schleimring ab. Dieser Schleimring liegt vorn und hinten eng am Wurmkörper an, sodass eine Art Kokon entsteht. Die Befruchtung erfolgt im inneren des Kokons, in dem die Eier und ein Teil des gespeicherten Spermiums abgegeben werden. Der Kokon mit den befruchteten Eiern wird vom Regenwurmkörper abgestreift und an beiden Seiten verschlossen. Die Kokonablage geschieht bei den meisten einheimischen Arten zwischen Hochsommerende und Frostbeginn. Während des Winters entwickeln sich die befruchteten Eizellen. Erreicht die Bodentemperatur einen Wert zwischen zehn und zwölf Grad Celsius, schlüpfen innerhalb weniger Tage die kleinen Regenwürmer (vgl. Graff 2003:3).

Bereits als Jungwurm, müssen sich Regenwürmer gegenüber vielen Feinden behaupten. Auch innerhalb des Bodens werden sie angegriffen, z. B. von Erd- und Steinläufern oder von räuberischen Käfern (vgl. Graff 1983:38). Nach vier Wochen sind nur noch höchstens dreißig Prozent der jungen Würmer am Leben. Nach acht Wochen nur noch zehn Prozent. Überlebende Tiere müssen sich Feinden wie Vögeln und Reptilien stellen. Auch Säugetiere, wie der Igel, der Fuchs und der Maulwurf können dem Regenwurm gefährlich werden. Ebenso setzen zahlreiche Parasiten und Pilzarten dem Regenwurm zu (vgl. Buch 1986:63f.). Im Durschnitt werden Regenwürmer zwei Jahre alt, in Versuchslaboren können sie aber sogar bis zu zehn Jahre alt werden. Tatsächlich haben größere Regenwürmer eine höhere Lebenserwartung als kleinere, da sie sich tiefer in den Erdboden eingraben können und somit geschützter vor den Wetterbedingungen sind. Regenwürmer sind wechselwarm (ektotherm), das heißt ihre Körpertemperatur passt sich der Umgebung an. Bei Frost können sie demnach leicht erfrieren, wenn sie zu klein sind um sich tiefer in die Erde einzugraben. Zu den Feinden des Regenwurmes zählen also nicht nur andere Tiere, sondern auch die Wetterbedingungen (vgl. Buch 1986:19f.).

Regenwürmer, die trotz all der Feinden überleben, ernähren sich von abgestorbenen oder bereits mikrobiell vorzersetzten Resten der Vegetation und den darin angereicherten Mikrobeneiweißen. Da der Regenwurm keine Zähne besitzt, nimmt er seine Nahrung durch schlingende Bewegungen auf. Dabei nimmt jeder Regenwurm mehr oder weniger viel Sand und kleine Steinchen auf. Diese werden benötigt um die Zerkleinerung der Nahrung zu gewährleisten. Die Nahrungsteilchen wandern durch den muskulösen Schlund über die Speiseröhre in den Drüsenmagen und in den Kaumagen. Im Darm findet die endgültige Zersetzung und Wertstoffaufnahme statt. Die durch die Nahrungsaufnahme des Regenwurms entstandenen Gänge und Hohlräume tragen zur besseren Durchlüftung des Bodens bei. Außerdem reichert der nährstoffreiche Kot, der von den Regenwürmern ausgeschieden wird, den Boden mit Elementen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium an. Der Regenwurm leistet somit einen großen Beitrag zur Wiederverwendbarkeit genutzter Böden (vgl. Graff 2003:4).

Abschließend wird die Namensgebung des Regenwurms betrachtet. Sie ist auf das Verhalten der Tiere bei Regen zurückzuführen. Bei Regen kommen die Würmer aus den wassergefüllten Gängen heraus an die Bodenoberfläche. Für dieses Verhalten gibt es mehrere Erklärungsansätze. Ein Erklärungsansatz bezieht sich auf den Überlebensinstinkt des Regenwurms. Er kommt demnach bei Regen an die Bodenoberfläche, weil der Sauerstoff durch das Wasser verdrängt wird und er zu ersticken droht. Einen weiteren Ansatz zur Erklärung bietet die Feuchtigkeit des Regenwetters. So entsteht durch die hohe Feuchtigkeit eine optimale Zeit für den Regenwurm um sich fortzupflanzen. Es gibt noch weitere Erklärungsansätze, doch das sind die zwei gängigsten. Trotz vieler Theorien, ist es nicht möglich sein Verhalten bei Regen wissenschaftlich zu belegen (vgl. Vetter 2003:5).

1.3. Zielsetzung und Fragestellung

Vor der Durchführung der Unterrichtsreihe und der Evaluation, wurden zwei Fragestellungen aufgestellt, die es im Laufe dieser Arbeit zu beantworten gibt. Zusätzlich zu den zwei Hauptfragestellungen wurden mehrere Ziele gesetzt, die vor allem während der Unterrichtsreihe erfüllt werden sollen. Die erste Fragestellung lautet: „Inwieweit hat die hier vorgestellte Unterrichtsreihe, als Beispiel für einen Sachunterricht, einen Einfluss auf die fachsprachlichen Kompetenzen von DaZ-Schülern?“. Mit der Beantwortung der ersten Fragestellung soll der Zusammenhang zwischen sprachlichen Lernen und dem Sachunterricht geklärt werden. Die zweite Fragestellung umschließt die angewandten Methoden und lautet: „Welche angewandten Methoden erzielen einen Zuwachs an sprachlichen Kompetenzen und wie lassen sich diese im Sachunterricht realisieren?“.

Das Ziel dieser Arbeit ist die beiden oben genannten Fragestellungen zu beantworten. Das wird erreicht indem eine Sachunterrichtsreihe in einer DaZ-Klasse zum Thema Regenwurm durchgeführt wird. Um die fachsprachlichen Kompetenzen vor und nach der Unterrichtsreihe erheben zu können, wird derselbe Fragebogen über den Regenwurm, vor Beginn der Unterrichtsreihe (Pretest), nach der Unterrichtsreihe (Posttest) und wenige Wochen nach der Unterrichtsreihe (Follow-up Test) von den DaZ-Schülern ausgefüllt. Weitere Ziele gehen mit der Unterrichtsreihe einher und werden deswegen im Unterpunkt Lernziele näher erläutert.

2. Material und Methode

2.1. Kurzcharakteristik der geplanten Unterrichtsreihe

Tabelle 1: 1. Unterrichtsstunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: 2. Unterrichtsstunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: 3. Unterrichtsstunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: 4. Unterrichtsstunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: 5. Unterrichtsstunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: 6. Unterrichtsstunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 7: 7. Unterrichtsstunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Bedingungsanalyse

Zu einer Unterrichtsplanung gehört eine Bedingungsanalyse, welche die Schüler- und Schulvoraussetzungen erläutert. Sie setzt sich aus institutionellen und anthropologischen Bedingungen zusammen. Diese Bedingungen beeinflussen je nach ihrer Ausprägung stark die Unterrichtsplanung und -durchführung. Institutionelle Bedingungen beinhalten die Klassengröße und -zusammensetzung, die Lernumgebung, die Ausstattung des Raums und die zeitliche Gliederung des Schulalltags. Die anthropologischen Bedingungen beschreiben soziale und personale Aspekte, sowie das Vorwissen der Schülerschaft (vgl. Arnold & Koch-Priewe 2010:410).

Zunächst werden die institutionellen Bedingungen behandelt. Die Unterrichtsreihe über den Regenwurm, wurde an der Grundschule Distelbeck in Wuppertal Elberfeld durchgeführt. Die Grundschule Distelbeck befindet sich in direkter Nähe zum Wuppertaler Hauptbahnhof und ihr Einzugsgebiet liegt in einem sozialen Brennpunkt. Sie beherbergt neun Klassen, inklusive einer Seiteneinsteigerklasse, in welcher die Unterrichtsreihe über den Regenwurm durchgeführt wurde. Die Klassengröße fluktuiert fortlaufend, sodass die Unterrichtsreihe mit 14 Schülerinnen und Schülern startete und mit 16 endete. Der Pretest wurde mit sechs Schülern und acht Schülerinnen durchgeführt. Zwischen Pre- und Posttest, verließ ein Schüler die Schule und zwei neue Schüler wurden in die Klasse aufgenommen. Zum Follow-up Test kam ein weiterer Schüler hinzu. Bei der Testauswertung wurden allerdings nur die Schüler mit einbezogen, die bei der kompletten Unterrichtsreihe anwesend waren und an allen Tests teilgenommen haben. Die Schülerschaft setzt sich aus sieben- bis zehnjährigen Kindern zusammen, die aus unterschiedlichen Ländern stammen.

Der Unterricht beginnt bei der Grundschule Distelbeck um acht Uhr morgens. Die ersten beiden Unterrichtstunden, verbringen die Seiteneinsteiger zusammen in ihrem eigenen Klassenraum. In der dritten und vierten Stunde nehmen sie am regulären Unterricht in ihren Altersklassen teil. Dort werden sie in Sport, Englisch, Kunst oder Musik unterrichtet. Jede Unterrichtsstunde dauert 45 Minuten an. Nach der ersten und zweiten Stunde haben die Schülerinnen und Schüler eine halbe Stunde Pause. Diese 30 Minuten werden aufgeteilt in eine Frühstückspause (im Klassenraum) und einer Hofpause. Die meisten Schüler haben nach der vierten Stunde Unterrichtsschluss. Ansonsten folgt auf die vierte Unterrichtsstunde eine 15-minütige Pause und die fünfte und sechste Stunde. Der eigens für die Seiteneinsteigerklasse eingerichtete Klassenraum, besitzt viel Material und mehrere Möglichkeiten der Mediennutzung. Im Klassenraum vorhanden sind ein Overheadprojektor, eine Leinwand, ein CD-Spieler und mehrere Computer.

Zusätzlich zu den institutionellen Bedingungen, sind auch die anthropologischen Bedingungen von Bedeutung. Durch die große Altersspanne der Klassenzusammensetzung und den verschiedenen Herkunftsländern, umfasst der sachstrukturelle Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler der Seiteneinsteigerklasse eine weite Spanne. Nicht alle Schüler haben in ihren Herkunftsländern überhaupt eine Schule besucht. Es herrscht also ein Mangel an fachlichem Vorwissen und bedingt durch die Sprachbarriere wird dieser nur langsam aufgeholt. Jedes Seiteneinsteiger Kind lernt Deutsch als eine Zweitsprache. Auch dadurch treten häufig Probleme beim Lesen und Schreiben auf. Schon das Verstehen einfacher Aufgabenstellungen bereitet Probleme und wirft den Unterrichtsprozess zeitlich zurück. Ebenfalls bereitet die Mentalität der verschiedenen Herkunftsländer, die in der Seiteneinsteigerklasse vertreten werden, viele Probleme. Streitigkeiten vor allem zwischen den Geschlechtern liegen an der Tagesordnung. Es kommt auch vermehrt zu körperlicher Gewalt, sodass viel Zeit des Unterrichts bei der Konfliktbewältigung verloren geht. Seit einem Jahr hat die Seiteneinsteigerklasse eine feste Klassenlehrerin, was das Verhalten der Schülerinnen und Schüler schon deutlich verbessert hat. Die Klassenlehrerin wird zusätzlich von einer Studentin und einer Lese-Patin unterstützt. Trotz allem, so die Klassenlehrerin, seien die Schüler schnell frustriert und generell unmotiviert. Selbstständiges Arbeiten ist kaum möglich und sowohl Pünktlichkeit, Konzentration und außerschulisches Engagement bereiten Probleme.

2.3. Lernziele

Im Laufe einer Unterrichtsplanung müssen sowohl für die geplante Unterrichtsreihe, wie auch für jede Stunde, Lernziele angesetzt werden. Das Anstreben der Lernziele bestimmt den Unterrichtsablauf, die Auswahl der Methoden und Sozialformen (vgl. Velica 2010:13). Für jede einzelne Unterrichtstunde wurden sogenannte Feinlernziele aufgestellt, um die Groblernziele der Unterrichtsreihe zu erfüllen (vgl. Ihne 2009:38). Die Feinlernziele wurden angesetzt, bevor die ausführliche Unterrichtsplanung erstellt wurde. Sie werden allerdings in dieser Arbeit in der ausführlichen Unterrichtsplanung erwähnt und bei der Analyse der jeweiligen Stunde dargestellt, um dem besseren Verständnis des Lesenden zu dienen. Für die Unterrichtseinheit wurden drei Groblernziele gesetzt. Das erste Groblernziel lautet: „Schülerinnen und Schüler sind in der Lage mit einem lebendigen Tier angemessen umzugehen“. Das zweite Lernziel nimmt Bezug auf den Bildungsplan und heißt: „Schülerinnen und Schüler erkunden den Körperbau des Regenwurms und seine Lebensbedingungen“. Das dritte Groblernziel nimmt auf die fachsprachliche Kompetenz Bezug und lautet: „Schülerinnen und Schüler erwerben innerhalb der Unterrichtsreihe neue fachsprachliche Kompetenzen“. Die Erfüllung der letzten beiden Lernziele kann durch die Teilnahme und die Auswertung des Fragebogens erkannt werden. Wohingegen das hier zuerst genannte Groblernziel vergleichsweise schwierig zu beobachten ist, obgleich es doch durch den Umgang mit dem Tier innerhalb der Unterrichtseinheit geprüft werden kann. Insgesamt dienen diese drei Groblernziele als roter Faden, der sich durch die einzelnen Stunden der Unterrichtsreihe zieht.

2.4. Ausführliche Unterrichtsplanung – Der Unterrichtsentwurf

Zu einer ausführlichen Unterrichtsplanung gehört sowohl die tabellarische Darstellung der Unterrichtseinheit, sowie eine didaktische Analyse. Die tabellarische Darstellung der Unterrichtseinheit ist in vier Spalten gegliedert, die den Zeitrahmen, die Phase, den Sachaspekt und die Unterrichtsform bzw. die Methode und die genutzten Medien der einzelnen Stunde angeben. Die didaktische Analyse besteht aus der fachdidaktischen und der methodischen Analyse. Innerhalb der fachdidaktischen Analyse werden die Feinlernziele für jede Stunde genannt und in Bezug auf eine didaktische Akzentuierung bzw. Reduktion näher betrachtet. Außerdem wird der Bezug zum Bildungsplan hergestellt. Bei der methodischen Analyse werden die Methoden und Medien auf Sinnhaftigkeit in Bezug auf die gesetzten Lernziele geprüft. Es werden zudem die Unterrichtsphasen aufgeschlüsselt. Obwohl die didaktische Analyse vor dem Verlaufsplan geplant wurde, wird im Folgenden für das bessere Verständnis des Lesers der Verlaufsplan in Form einer Tabelle vor die didaktische Strukturierung gerückt.

Insgesamt wurde in allen Unterrichtsstunden ein Schwerpunkt auf das kooperative Lernen gelegt. Kooperatives Lernen beinhaltet, dass Schülerinnen und Schüler gemeinsam Lernprozesse gestalten. Dadurch wird die Motivation und die Selbstkompetenz gefördert (vgl. Gaedtke 2011:156). Außerdem wurde während der Unterrichtsreihe Wert auf viel sprachlichen Input, in Form von Sprech-, Schreib- und Leseanlässen gelegt. Da „jede angemessene Nutzung von Sprache im Unterricht […] die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder" erweitert (Michalak et. al. 2015:10).

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Der Regenwurm im Sachunterricht
Untertitel
Konzeption, Durchführung und Evaluation einer Unterrichtseinheit im Hinblick auf den fachsprachlichen Wissenserwerb von DaZ-Schülern
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
55
Katalognummer
V425072
ISBN (eBook)
9783668705067
ISBN (Buch)
9783668705074
Dateigröße
3004 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regenwurm, sachunterricht, konzeption, durchführung, evaluation, unterrichtseinheit, hinblick, wissenserwerb, daz-schülern
Arbeit zitieren
Chantal Wessely (Autor), 2018, Der Regenwurm im Sachunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/425072

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