Private-Equity-Akquisitionen. Eine chronologische Analyse anhand eines ausgewählten Unternehmens


Projektarbeit, 2016
46 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau

2 Private Equity
2.1 Definition
2.2 Abgrenzung von Private Equity und Venture Capital
2.3 Ablauf einer Private Equity Akquisition
2.3.1 Fundraising
2.3.2 Deal Flow
2.3.3 Beteiligungsprüfung
2.3.4 Deal-Strukturierung
2.3.5 Postinvestmentphase
2.3.6 Exit

3 Die Deutsche Beteiligungs AG

4 Kennzahlengestützte Bilanzanalyse in der Theorie
4.1 Aufbereitung des Jahresabschlusses
4.2 Ausgewählte Kennzahlen der Vermögens- Ertrags und Finanzlage

5 Kennzahlengestützte Bilanzanalyse der Broetje-Automation GmbH
5.1 Auswahl der Broetje-Automation GmbH
5.2 Unternehmensvorstellung Broetje-Automation GmbH
5.3 Kennzahlen der Vermögens-, Ertrags und Finanzlage
5.4 Kritische Analyse der Broetje-Automation GmbH

6 Kritisches Fazit

IV. Anhang

V. Literatur- und Quellenverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Investitionsvolumen Private Equity

Abbildung 2 Exit-Volumen in 2016 in Prozent

Abbildung 3 Eigen- und Fremdkapital BA GmbH

Abbildung 4 Eigen- und Fremdkapitalquote BA GmbH

Abbildung 5 Deckungsgrad I und II BA GmbH

Abbildung 6 Umsatzerlöse BA GmbH

Abbildung 7 Konzernkonstrukt BA GmbH

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Finanzierungs- und Entwicklungsphasen von Unternehmen

Tabelle 2 Strukturbilanz

1 Einleitung

Im Jahr 2005 verglich der damalige Vorsitzende der SPD, Franz Müntefering, Private Equity-Gesellschaften mit einer Heuschreckenplage.1 Grund hierfür war die Annahme, dass die Investoren lediglich ihren eigenen Profit vor Augen haben und nur anhand finanzierungstechnischer Optimierungen eine hohe Rendite erwirtschafteten.2 Die gekauften Unternehmen hatten lange Zeit mit einer erhöhten Verschuldungsquote zu kämpfen, so die Kritik damals.3

1.1 Problemstellung

Bei einer Private Equity-Finanzierung beteiligt sich eine sogenannte Private Equity-Gesellschaft an einem ausgewählten Unternehmen und stellt unter an- derem Eigenkapital zur Verfügung. Dadurch kann beispielsweise ein Finanzie- rungsengpass oder das Problem einer fehlenden Nachfolgregelung gelöst wer- den. Bei einer fehlenden Nachfolgeregelung, übernimmt die Beteiligungsgesell- schaft den Betrieb von den alten Gesellschaftern und garantiert somit die Wei- terführung. Weiter Gründe sind unteranderem die Restrukturierung von Konzer- nen, Sanierung von Krisenunternehmen oder die Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen.4

Im Allgemeinen zählt Private Equity zu den intelligenten Finanzierungsformen und hat neben der reinen Finanzierungsfunktion weitere, die Unternehmensentwicklung unterstützende, Funktionen.5

Nach dem Abschluss der Akquisition von Unternehmen beschränken sich Pri- vate Equity-Gesellschaften nicht nur auf das Halten ihrer Portfoliounternehmen, sondern unterstützen und kontrollieren diese Unternehmen über die Beteili- gungsdauer.6 Von den Portfoliounternehmen wird vor allem der Kompetenzge- winn durch den Zugriff auf die Netzwerke der Beteiligungsunternehmen sowie die Beratungsfunktion durch die Professionales geschätzt.7 Die Professionales beraten die Geschäftsführung der übernommenen Unternehmen in sämtlichen unternehmerischen Tätigkeiten. Dadurch wird Potential für weiteres Wachstum der Unternehmen geschaffen.

Private Equity-Gesellschaften spezialisieren sich auf bestimmte Branchen und verfügen dadurch über wichtige Fachkenntnisse.8 Durch die Finanzierung und die Expertise des Managements sollen die Portfoliounternehmen über die Beteiligungsdauer ihren Wert erhöhen und somit gewinnbringend weiterveräußert werden, so die Theorie.9

Doch wie haben sich die Unternehmen während dieser Finanzierung entwickelt? Sind die Vorwürfe, dass die Investoren lediglich über eine hohe Verschuldungsquote ihre Rendite erzielen berechtigt, oder haben Private EquityFinanzierungen einen positiven Effekt auf die Portfoliounternehmen?

1.2 Ziel und Aufbau

Das Ziel dieser Projektarbeit ist es, den oben aufgestellten Forschungsfragen nachzugehen und diese anhand eines ausgewählten Unternehmens des ehe- maligen Portfolios, der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG), zu beantworten. Darüber hinaus soll die zum Teil sehr verschwiegene und undurchsichtige Pri- vate Equity-Branche erläutert und ein Einblick in das Konstrukt einer derartigen Transaktion anhand eines Portfoliounternehmens aufgezeigt werden.10

Zu Beginn der Arbeit wird zunächst der Begriff Private Equity erklärt und eine für die vorliegende Arbeit gültige Definition erstellt. Danach wird eine Abgren- zung zu Venture Capital (VC) erarbeitet. Im darauffolgenden Gliederungspunkt wird ein Überblick über einen exemplarischen Ablauf einer Private Equity- Akquisition dargestellt. Im dritten Gliederungspunkt wird die deutsche Aktienge- sellschaft DBAG vorgestellt.

Der darauffolgende Abschnitt vier stellt relevante Kennzahlen zur Analyse der Vermögens-, Finanz und Ertragslage aus der Bilanz dar und erläutert deren Bedeutung und Interpretation in der Theorie.

Im fünften Gliederungspunkt wird ein Unternehmen des ehemaligen Portfolios der DBAG anhand verschiedener Kriterien ausgewählt und anhand der definierten Kennzahlen analysiert und beurteilt.

Die Daten für die Analyse werden dem deutschen Bundesanzeiger entnommen. Darüber hinaus wird die Entwicklung des Unternehmens anhand der Informati- onen des Lageberichts verbal beschrieben. Insbesondere durch die Erkenntnis- se aus dieser Beurteilung in Kombination mit der Erläuterung der wissenschaft- lichen Grundlagen, sollen die anfangs aufgeworfenen Forschungsfragen be- antworten werden.

Im letzten Gliederungspunkt dieser wissenschaftlichen Arbeit wird ein kritisches Fazit zu den Kennzahlen und der Datenqualität getroffen. Darüber hinaus werden die Grenzen einer externen Unternehmensanalyse, im Falle einer Untersuchung des Portfolios der DBAG, aufgezeigt.

2 Private Equity

In diesem Gliederungspunkt wird zunächst erläutert, was unter dem Begriff Pri- vate Equity zu verstehen ist. Zu Private Equity finden sich in der Fachliteratur verschiedene Definitionen. Für den weiteren Verlauf dieser Projektarbeit wird daher zunächst eine Definition anhand verschiedener Quellen erarbeitet. Danach wird eine Abgrenzung zu VC getroffen. In Gliederungspunkt 2.3 wird der Ablauf einer Private Equity Transaktion für das weitere Verständnis, dieser Projektarbeit dargestellt.

2.1 Definition

Private Equity-Gesellschaften sammeln Kapital von unterschiedlichen Investo- ren, häufig institutionelle, ein und beteiligen sich in der Regel an außerbörslich notierten Unternehmen.11 Zu den Investoren gehören unter anderem Banken, Versicherungen, Stiftungen aber auch vermögende Privatleute.12 Die Unter- nehmen, an denen sich die Gesellschaften beteiligen, werden in vielerlei Hin- sichten unterstützt, evtl. umstrukturiert und anschließend weiterverkauft.13

Eine exakte definitorische Abgrenzung des Begriffs „Private Equity“ gestaltet sich schwierig, da es kein theoretisch konzipiertes Phänomen ist.14 Vielmehr handelt es sich um ein in der Praxis entwickeltes Konzept.15 Dennoch wird in dieser Projektarbeit eine Definition des Begriffes erarbeitet. Diese Definition ist, für das weitere Verständnis dieser wissenschaftlichen Arbeit gültig.

Private Equity kann übersetzt werden mit „privates Eigenkapital“.16 Es kann als Oberbegriff für eine Finanzierungsform von nicht börsennotierten Unternehmen mit Eigenkapital- oder eigenkapitalähnlichen Mitteln, sogenannte Mezzanine, gesehen werden.17 Mit Mezzanine sind Finanzierungsmittel gemeint, welche sowohl Charakteristiken von Eigen - wie auch Fremdkapital vorweisen.18 Das Gegenstück zu dieser Finanzierungsform sind Finanzierungen über einen öffentlichen oder institutionell geregelten Markt, wie die Börse (Public Equity).19

Die Höhe einer Private Equity-Beteiligung ist abhängig von der Investitionsphase. Bei einer Private Equity-Beteiligung werden oftmals Beteiligungsquoten von über 40% eingegangen.20 VC Gesellschaften hingegen gehen häufig Minderheitsbeteiligungen von weniger als 20% ein.21 Der Begriff VC wird im nachfolgenden Punkt 2.2 detaillierter beschrieben.

Der zeitliche Rahmen einer Private Equity-Beteiligung ist schon bei Beginn der Beteiligung auf einen bestimmten Zeitpunkt begrenzt, da sich die Gesellschaften über sogenannte Fonds finanzieren.22 Die Laufzeiten dieser Fonds sind in der Regel sieben bis zehn Jahre. Daher wird eine Haltedauer der Portfoliounternehmen von drei bis vier Jahren anvisiert.23

Die Beteiligung findet, wie oben beschrieben, über Eigenkapital oder eigenkapi- talähnliche Mittel statt. Der wesentliche Unterschied zwischen Eigenkapital- und Fremdkapitalfinanzierungen ist, dass Eigenkapital neben der Finanzierungs- funktion noch weitere Funktionen, wie die Herrschafts-, Existenzsicherungs-, Gewinnverteilungs- sowie Haftungs- und Garantiefunktion innehat.24

Das bedeutet für den Eigenkapitalgeber, dass er ein höheres Risiko trägt, da im Insolvenzfall die Fremdkapitalgeber vor den Eigenkapitalgeber bedient werden. Allerdings hat die Beteiligungsgesellschaft als Eigenkapitalgebern in der Regel ein höheres Mitspracherecht und kann ggf. operative Entscheidungen kontrollie- ren und beeinflussen.25

Das Portfoliounternehmen soll über die Laufzeit einer Beteiligung ihren Wert steigern und damit später gewinnbringend veräußert werden.26 Durch Restruk- turierungen, Investitionen und Unterstützung des Managements soll das Unter- nehmen wachsen und am Ende des Engagements (Exit), gewinnbringend wei- terveräußert werden.27

Zusammengefasst lässt sich Private Equity als eine

1. Mehrheits-(Beteiligung)
2. an nicht börsennotierten Unternehmen
3. auf Zeit
4. am Eigenkapital
5. mit dem Ziel der Wertsteigerung (Renditeerzielung)

definieren.28

2.2 Abgrenzung von Private Equity und Venture Capital

In der Unternehmensentwicklung gibt es in der Regel folgende Finanzierungs- phasen:

1. Early-Stage
2. Expansion-Stage
3. Late-Stage.29

Diesen Finanzierungsphasen stehen bestimmte Entwicklungsphasen des Un- ternehmens gegenüber, wie es die nachfolgende Tabelle 1 veranschaulicht.

Tabelle 1 Finanzierungs- und Entwicklungsphasen von Unternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die einzelnen Finanzierungsphasen lassen sich noch weiter unterteilen. Die Early-Stage besteht aus der Seed- und der Startup-Phase. In der Seed-Phase werden die Geschäftsidee und das Geschäftsmodell entwickelt. Darauf folgt die Startup-Phase. In dieser Phase wird das eigentliche Produkt entwickelt und versucht den Markt zu erschließen.30

In der wissenschaftlichen Literatur steht der Begriff „Venture Capital“ oder „Wagniskapital“ normalerweise für die Frühfinanzierung (Early-Stage) eines Un- ternehmens. Somit kann es als eine Unterart von Private Equity gesehen wer- den.31

In der Expansion-Stage hat das Unternehmen bereits den operativen Ge- schäftsbetrieb aufgenommen und erste Gewinne generiert.32 In dieser Phase erfolgt die Finanzierung profitablen Wachstums aussichtsreicher Geschäftsmo- delle in Zusammenhang mit der Erweiterung des Produktportfolios oder der Marktentwicklung.33

Die Late-Stage besteht aus der Bridge-Phase, der Buyout-Phase und der Turnaround-Phase.34 Als Bridge-Phase wird die Zwischenfinanzierung, die es für einen Börsengang oder einen Verkauf benötigt, bezeichnet.35 Die Buy-Out- Phase stellt den Kern der deutschen Private-Equity-Aktivitäten dar. Über 75% des Investitionsvolumens im Jahr 2016 waren Buy-Outs.36 Somit kann dieser Übernahmefinanzierung reifer Unternehmen (Buy-Outs) eine hohe Bedeutung zugesprochen werden. Bei einer Buy-out Finanzierung fließen die Verkaufserlöse primär an die verkaufenden Eigentümer und nicht an das übernommene Portfoliounternehmen.37

Buy-Outs werden in Management-Buy-Out (MBO) und Management Buy-In (MBI) unterschieden.38 MBO bezeichnet Unternehmensübernahmen, die vom bestehenden Management ausgehen. Eine Übernahme die von einem neuen, externen Management vorangetrieben wird, wird als MBI bezeichnet.39 In bei- den Fällen erhält das Management i.d.R. einen Anteil von über 10% am jeweili- gen Unternehmen.40 Eine weitere Form stellt der Leverage Buy-Out (LBO) dar. Ein LBO ist eine überwiegend fremdfinanzierte Übernahme, die sowohl als MBI oder MBO ausgestaltet sein kann.41 Die Turnaround-Phase bezeichnet die Phase in der ein Unternehmen in Schieflage gerät. In dieser Phase sinken so- wohl die Umsätze als auch der Cashflow und es entscheidet sich, ob das Un- ternehmen am Markt bleiben kann oder nicht. Ist hier Potenzial zu erkennen, kann es zu Private Equity-Finanzierungen kommen.

In Abbildung 1 ist die Verteilung des Investitionsvolumens dargestellt. Es ist ein deutlicher Überhang an Buy-Out-Investitionen zu erkennen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Investitionsvolumen Private Equity 201642

Somit kann VC, im Gegensatz zu Private Equity, vermehrt der frühen Entwick-

lungsphase zugeordnet werden, wohingegen sich Private Equity auf die späteren Phasen konzentriert. Für die Projektarbeit ist eine exaktere Abgrenzung der Begriffe VC und Private Equity nicht von Bedeutung. Die Unterscheidung gilt dem allgemeinen Verständnis dieser wissenschaftlichen Arbeit.

2.3 Ablauf einer Private Equity Akquisition

Wie in Gliederungspunkt 2.2 beschrieben, machen die Buy-Out-Akquisitionen das höchste Investitionsvolumen aus. In diesem Abschnitt wird daher dieser Prozess einer Private Equity Akquisition dargestellt. Es handelt sich hierbei allerdings nur um einen Überblick, da eine detailliertere Betrachtung für die Beantwortung der Forschungsfragen nicht erforderlich ist.

Private Equity Akquisitionen verlaufen nach einem strukturierten und standardi- sierten Prozess ab, der sich chronologisch in mehrere Phasen einteilen lässt:

- Fundraising
- Deal Flow
- Beteiligungsprüfung (Grobanalyse und Due Diligence)
- Deal-Strukturierung
- Postinvestmentphase
- Exit43

Im Folgenden werden diese Phasen näher beschrieben

2.3.1 Fundraising

Eine Private Equity-Gesellschaft fungiert als Intermediär zwischen Investoren und Geldnehmern. Damit die Beteiligungsgesellschaft als Intermediär auf dem Markt auftreten kann, muss sie zunächst über genügend Kapital verfügen.44 Der Prozess in dem das Geld für die jeweiligen Fonds eingeworben wird, wird als Fundraising bezeichnet.45 In dieser Phase wird die Zielbranche, Region, das Fondsvolumen, der Mindestanteil pro Investor, die Laufzeit, die Rechtsform so- wie die Investitionsstrategie im Sinne der Unternehmensphasen festgelegt.46

Zum Zeitpunkt der Kapitaleinwerbung steht noch nicht fest, in welche Unter-

nehmen der aufgelegte Fonds investieren wird. Daher basieren die Entscheidung der Investoren, ob sie in den Fonds investieren, maßgeblich auf der Qualität der Beteiligungsgesellschaft.47 Diese Qualität lässt sich unter anderem anhand des Track Records abschätzen.48

Der Track Record beschreibt die Anzahl und den Erfolg der in der Vergangenheit getätigten Investitionen. Ein bedeutender Bestandteil des Track Records ist die Internal Rate of Return (IRR) und damit die Rendite des eingesetzten Kapitals.49 Je höher der Track Record einer Private Equity-Gesellschaft ist, desto unkomplizierter ist die Kapitalbeschaffung für die Fonds.50

Die Anleger erwerben direkt oder indirekt Fondsteile und stellen dadurch Kapital für eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Die Beteiligungsgesellschaft fungiert als Managementgesellschaft, ist aber in der Regel selbst mit einem Eigenanteil in den Fonds beteiligt.51 Dies stellt sicher, dass die Managementgesellschaft und die Kapitalgeber dieselben Ziele verfolgen. Hierdurch wird dem Moral Hazard Problem (Moralische Versuchung) entgegengewirkt, da die Private Equity- Gesellschaft ebenfalls mit eigenem Kapital investiert und somit selbst ein Risiko innehat.

Im Fall der Private Equity-Gesellschaft DBAG beträgt der Anteil der Manage- mentgesellschaft je nach Fonds zwischen 19% und 47%.52 Wenn genügend Kapital über den Fonds beschafft wurde, beginnt der eigentliche Investitions- prozess.

2.3.2 Deal Flow

Zu Beginn des Investitionsprozesses steht die Private Equity-Gesellschaft vor der Aufgabe, eine möglichst große Auswahl von potenziellen Unternehmen zu identifizieren, die dem Anlageprofil des aufgesetzten Fonds entsprechen.53 Der Deal Flow bezeichnet das Spektrum an Investitionsmöglichkeiten, aus dem eine

Beteiligungsgesellschaft passende Zielunternehmen auswählen kann.54 Ein Deal Flow kann grundsätzlich auf drei verschiedenen Wegen erfolgen: durch gezielte Suche des Managements, durch Vermittlung Dritter oder durch die Ei- geninitiative der Portfoliounternehmen.55 In der Phase des Deal Flows finden erste Auswahl- und Sondierungsgespräche mit potentiellen Unternehmen statt. Nur mit wenigen Unternehmen werden nach diesen ersten Gesprächen weitere Verhandlungen geführt. Diese ausgewählten Unternehmen werden einer Betei- ligungsprüfung unterzogen.56

2.3.3 Beteiligungsprüfung

Wenn ein potenzielles Unternehmen gefunden wurde, kommt es zur Beteiligungsprüfung. Diese ist in eine Grobanalyse und eine Detailanalyse (Due Diligence) gegliedert.57

Das Ziel der Grobanalyse ist es, eine erste Einschätzung über das Unterneh- men sowie die grundsätzliche Machbarkeit der Transaktion zu erstellen. Dies ist abhängig von verschiedenen Kriterien wie bspw. ein stabiler Cashflow nach Investitionstätigkeit, ein nachhaltiges Geschäftsmodell und die Marktentwick- lung.58

Bevor die kosten-, zeit-, und personalaufwendige Due Diligence Prüfung beginnt, wird eine grobe Absichtserklärung (Letter of Intent) zur Beteiligungsabsicht von beiden Parteien unterzeichnet.59 Es handelt sich hierbei um keine Verpflichtung über die Durchführung der Transaktion, sondern um eine Exklusivitätserklärung in der sich das Unternehmen verpflichtet, in dieser Zeit, nicht mit anderen Interessenten zu verhandeln.60

Der Zweck der Due Diligence ist die Überprüfung der vorgetragenen Informati- onen anhand einer Analyse betriebswirtschaftlicher, technischer, finanzieller, rechtlicher und steuerlicher Aspekte.61 Die Erkenntnisse aus dieser Überprüfung werden im Wesentlichen bei der Investitionsentscheidung und der Vertragsgestaltung (Preisfindung, Mitwirkungsrechte etc.) berücksichtigt.62

2.3.4 Deal-Strukturierung

Auf Basis der Erkenntnisse der Due Diligence gibt die Private EquityGesellschaft ein abschließendes Kaufangebot ab.63 Im Vorfeld hat der Investor die Finanzierung durch die Banken sichergestellt und eine passende Transaktionsstruktur erarbeitet (Deal-Strukturierung).64

Die Deal-Strukturierung besteht aus drei Bestandteilen:

- finanzielle Strukturierung
- rechtliche Strukturierung
- Vertragsschluss.65

Im Nachfolgenden wird auf die finanzielle Strukturierung detailliertet eingegangen, da im Gliederungspunkt fünf diese Finanzierungsstruktur durch Kennzahlen analysiert werden kann.

Eine zentrale Erfolgsgröße im Private Equity-Geschäft ist die interne Verzin- sung (IRR) des eingesetzten Kapitals. Der IRR bezeichnet die Verzinsung bei der die auf den Zeitpunkt der Übernahme abdiskontierten Einzahlungsüber- schüsse einen Netto-Barwert von null ergeben.66 Die IRR kann über den Le- verage-Effekt erhöht werden. Der Leverage-Effekt setzt ein, wenn durch Auf- nahme von weiterem Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität steigt. Allerdings entsteht dieser Effekt nur, wenn die Fremdkapitalzinsen niedriger als die Ge- samtkapitalrentabilität sind.67

Dem Ziel der Maximierung der IRR steht das Ziel der Insolvenzvermeidung und der Flexibilität des Unternehmens entgegen. Da durch die Aufnahme von Fremdkapital regelmäßige Zins- und Tilgungszahlungen anfallen, die vom lau- fenden Cashflow des Portfoliounternehmens beglichen werden, steigt das Un- ternehmensrisiko. Da das festgebundene Kapital für das Unternehmen größer wird, steigt das Risiko eventuelle Zahlungen nicht mehr bedienen zu können.68

Für die Übernahme gilt es somit, die optimale Struktur aus Eigenkapital, Mezzanine und Fremdkapital zu entwickeln. Häufig ist das Management zu einem geringen Teil mit Eigenkapital beteiligt um die gleichen Interessensverfolgung zu gewährleisten.69

In der rechtlichen Strukturierung wird die Übernahme in den rechtlichen und steuerlichen Fragen versucht zu optimieren.70 Auf diesen Sachverhalt wird nicht detaillierter eingegangen, da sie für die Beantwortung der Forschungsfragen eine untergeordnete Rolle einnehmen.

Im Kaufvertrag wird der endgültige Kaufpreis festgelegt. Der Kaufpreis wird über die Erkenntnisse in der Due Diligence und Verhandlungen mit den Eigentümern der Portfoliounternehmen bestimmt. Wenn sich beide Parteien einig über die Vertragsbedingungen sind, kommt es zum Vertragsabschluss. Über den exakten Kaufpreis wird in der Regel Stillschweigen vereinbart.71

2.3.5 Postinvestmentphase

Wie in der Einleitung beschrieben, handelt es sich bei Private Equity um eine sogenannte intelligente Finanzierungsform. Dies kombiniert Finanzierungs- und Unterstützungsfunktionen.72 Nach dem Abschluss des Investitionsprozesses beschränkt sich die Private Equity-Gesellschaft nicht nur auf das Halten der Portfoliounternehmen, sondern versucht diese durch Beratungs-, Kontroll-, und Informationsleistungen sowie die geplante Strategie zu unterstützen. Das Ziel hierbei liegt darin, das Risiko zu senken und den Wert der Beteiligung zu stei- gern.73

[...]


1 Vgl. www.handelsblatt.com (2005)

2 Vgl. www.handelsblatt.com (2017)

3 Vgl. Ebenda

4 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.36

5 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.16

6 Vgl. Gündel/ Katzorke (2007), S. 188

7 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.17

8 Vgl. Schmeding / Simmert (2010), S.135

9 Vgl. Schefczyk (2006), S.35

10 Vgl. Proff (2008), S.151

11 Vgl. Wilhelm (2008) S.1

12 Vgl. www.bvkap.de (2017)

13 Vgl. Wilhelm (2008), S.33

14 Vgl. Grunert (2006), S.4

15 Vgl. Grunert (2006), S.4

16 Vgl. Bieg u.a. (2016), S.130

17 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.11

18 Vgl. Banik u.a. (2008), S.1

19 Vgl. Bieg u.a. (2016), S.130

20 Vgl. Thum u.a. (2008), S.13

21 Ebenda

22 Ebenda

23 Ebenda

24 Vgl. Becker u.a. (2011), S. 33

25 Vgl. Thum u.a. (2008), S.14

26 Vgl. Schmeding / Simmert (2010), S.130

27 Vgl. Gündel/ Katzorke (2007), S.162 ff.

28 Vgl. Tuhm u.a. (2008), S.13

29 Vgl. Becker u.a. (2011), S.41

30 Vgl. Thum u.a. (2008), S.12

31 Vgl. Becker u.a. (2011), S. 40

32 Vgl. Thum u.a. (2008), S.12

33 Vgl. Oelke (2006), S.37

34 Vgl. Becker u.a. (2011), S. 41

35 Vgl. Thum u.a. (2008), S.13

36 Vgl. www.bvkap.de (2017)

37 Vgl. Böttger (2006), S.24

38 Vgl. Schmeding/ Simmert (2010), S.165

39 Ebenda

40 Vgl. Thun u.a. (2008), S.13

41 Vgl. Schmeding/ Simmert (2010),

42 Vgl. www.bvkap.de (2017)

43 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.18

44 Ebenda

45 Vgl. Wilhelm (2008), S. 29

46 Vgl. Leitinger u.a. (2000), S.145ff.

47 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.22

48 Ebenda

49 Vgl. Thum u.a. (2008), S.16

50 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.23

51 Vgl. Thum u.a. (2008), S.18

52 Vgl. www.dbag.de (2016)

53 Vgl. Gündel/ Katzorke (2007), S.172

54 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.31

55 Vgl. Günde/ Katzorke (2007), S. 171

56 Vgl. Wilhelm (2008), S.30

57 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.45

58 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.46

59 Vgl. Wilhelm (2008), S.31

60 Vgl. Gündel/ Katzorke (2007), S.177

61 Vgl. Gündel/ Katzorke (2007), S.178

62 Vgl. Gündel/ Katzorke (2007), S.178

63 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.67

64 Ebenda

65 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.67

66 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.68

67 Vgl. Pape (2011), S.39ff.

68 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.68

69 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.73

70 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.82

71 Vgl Brettel u.a. (2008), S.89

72 Vgl. Brettel u.a. (2008), S.94

73 Vgl. Wilhelm (2008), S.33

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Private-Equity-Akquisitionen. Eine chronologische Analyse anhand eines ausgewählten Unternehmens
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg
Note
2,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
46
Katalognummer
V426004
ISBN (eBook)
9783668727687
ISBN (Buch)
9783668727694
Dateigröße
999 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Privat Equity, Aktienanalyse, Finanzierung, Mezzanine, MDAX, Fundamentalanalyse, alternative Finanzierungen, Beteiligungen, Venture Capital, DBAG, MBO, MBI, LBO, SDAX
Arbeit zitieren
Fabian Büchele (Autor), 2016, Private-Equity-Akquisitionen. Eine chronologische Analyse anhand eines ausgewählten Unternehmens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426004

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