Siegfried Bernfeld als Zionist und Pädagoge


Hausarbeit, 2004

15 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1.Fragestellungen

2. Entstehungsgeschichte des Zionismus

3. Biographie Bernfelds und sein zionistisches Wirken

4. Bernfelds „jüdische Erziehung“ und die Kibbuzbewegung

5. Bernfelds Pädagogik und ihr Weg nach Eretz Israel

6. Abschließende Bemerkungen

7. Literatur

1. Fragestellungen

Nachfolgend soll untersucht werden, inwiefern Bernfelds zionistische Einstellungen seine Pädagogik beeinflusst haben und wieweit dies auch umgekehrt geschah.

Hierfür muss zunächst die Entwicklung und die Notwendigkeit zionistischer Ideen historisch nachgezeichnet werden, um deren Bedeutung für die Juden und somit auch für Bernfeld Anfang des 20. Jahrhunderts zu veranschaulichen.

Bernfeld selbst verbrachte vor allem seine jungen Jahre in Wien. Diese Stadt galt sowohl als intellektuelle Hochburg des Judentums und als „Geburtsstätte“ und wichtige Säule des sich entwickelnden Zionismus, aber auch als eine Stadt mit einem traditionsreichen und nach wie vor sehr virulenten Antisemitismus.

Deshalb muss unter der Berücksichtigung Bernfelds Biographie der Einfluss äußerer Umstände auf seine zionistischen Tätigkeiten dargestellt werden.

Sowohl diverse Kontakte mit verschiedenen Persönlichkeiten als auch seine Zuwendung zum Zionismus konnten an seinem pädagogischen Schaffen nicht spurlos vorbei gehen. Hier soll jedoch nicht nur untersucht werden, welchen Einfluss Bernfelds Zionismus auf seine Pädagogik hatte, sondern auch inwiefern seine praktische und seine theoretische Arbeit auf dem Feld der Pädagogik und damit im Zusammenhang mit der Kibbuz-Bewegung halfen, dem zu gründenden jüdischen Staat Israel ein solides Fundament zu geben.

2. Entstehungsgeschichte des Zionismus

Der Begriff „Zionismus“ wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert geprägt und meint vor allem die Bewegung des jüdischen Nationalismus, dessen Ziel die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina war. Dieses Ziel entstand nicht erst, wie oft geglaubt wird, während bzw. nach der Shoa, sondern bereits im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Damals gab es bereits Ideen, die in der gesamten Diaspora lebenden Juden im heiligen Land Eretz Israel zusammenzuführen. Das Wort „Zionismus“ beruft sich auf „Zion“, welches zunächst als Synonym für den Tempelberg in Jerusalem galt und später auf die ganze Stadt Jerusalem und schließlich auf das gesamte Israel ausgedehnt wurde (vgl. Krupp 2001, S.9).

Doch bereits nach dem die Juden vor 2000 Jahren „das gelobte Land“ im Kampf gegen Rom aufgeben mussten, gab es nachfolgend immer wieder Perioden, in denen eine Neuansiedlung versucht wurde.

Doch erst mit dem modernen Zionismus hatte der Gedanke einer Rückkehr ins „gelobte Land“ größeren Einfluss unter den auf der ganzen Welt verstreuten Juden erlangen können.

Als wichtigste Vorläufer dieser neuen Bewegungen galten in den 60ern, 70ern und 80ern Jahren des 19. Jahrhunderts Moses Hess, der Sozialist und Wegbegleiter von Marx, aber auch Leon Pinsker, die beide erkannten, dass eine Assimilation in den Gastländern der Juden nicht funktionieren können, da der dortige Antisemitismus nicht auszurotten sei. Nur durch eine Auswanderung und eine Nationwerdung des jüdischen Volkes, so Pinsker, könne der Antisemitismus, „die seelische Erkrankung der Völker“ behoben werden (vgl. Krupp 2001, S.27).

Nachfolgenden gab es, finanziert durch europäische, reiche Juden, einige Besiedlungsversuche Palästinas, die jedoch meist unkoordiniert, zersplittert und klein waren.

Erst 1896, mit dem Erscheinen des „Judenstaat“ von Theodor Herzl, der zeitweise in Wien verweilte, wurde die zionistische Bewegung zu einer Weltbewegung. Ab 1894 arbeitete Herzl in Frankreich, welches er für die kulturtragenste Nation gehalten hat, wurde aber von den unerwartet starken antisemitischen Auswüchsen enttäuscht und wurde daher Zionist.

Auch er plädierte in seinem Werk „Judenstaat“ aufgrund der Nicht-Ausrottbarkeit des Antisemitismus für die Auswanderung des nicht assimilierungswilligen bzw. –fähigen Teil der Juden aus ihren Gastländern und gab für dieses Ziel eine Programmatik vor. Weniger aufgrund der Inhalte in diesem Buch, die denen der „Autoemancipation“ Pinskers sehr ähnlich waren, sondern vielmehr seine starke, überzeugende Persönlichkeit können die Tragweite und die Begeisterung der Juden für Herzl erklären.

1897 fand in Basel der erste zionistische Kongress statt, auf dem die von Herzl vorgegebenen Richtlinien im Groben verabschiedet wurden. Diese beinhalteten eine finanzielle Unterstützung der Siedler in Palästina; der Schwerpunkt wurde jedoch zunächst auf politische Verhandlungen gesetzt, um zunächst den Boden für die Alija (Aufstieg; Auswanderung nach Eretz Israel) und der Nationwerdung zu ebnen. Da die diplomatischen Erfolge in der Folgezeit eher gering waren, gab es innerhalb der zionistischen Bewegung rege Diskussionen und Streits über die Umsetzungsweise der Ziele des Zionismus. Gegen Ende des ersten Weltkriegs konnten die Zionisten Großbritannien überzeugen, dass diese ein britisches Mandat erlangten und so Schutzpatron für den Zionismus wurden. In der „Balfour-Erklärung“, benannt nach dem damaligen britischen Außenminister, von 1917 sicherte Großbritannien den zionistischen Bestrebungen umfangreiche Unterstützung zu.

Als sich nach dem ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution in Russland antijüdische Pogrome häuften und viele Juden umgebracht wurden, flohen viele nach Palästina. Doch auch hier herrschte reger Widerstand gegen den Zionismus. Viele Araber und insbesondere die Islamisten unter ihnen wollten auf keinen Fall ein zionistisches „Gebilde“ im arabischen Gebiet. Die genauen Gründe hierfür sind für diese Arbeit weniger wichtig, vielmehr soll hier auf die Arbeit „Djihad und Judenhass“ von Matthias Küntzel verwiesen werden, der sich ausführlich mit der Genese arabischen Antisemitismus und dessen islamischen/regionalen Ursachen, verknüpft mit der Beeinflussung durch den europäischen insbesondere den deutschen Antisemitismus beschäftigt.

Doch auch während der Zeit unter britischem Mandat kam es nach anfänglichen Erfolgen zwischen Großbritannien und den Zionisten schwerwiegende Probleme, da erstere ihre diplomatischen Beziehungen mit den Arabern nicht vollständig aufgeben wollten und daher den Juden ihrer Unterstützung entsagten. Während des Nationalsozialismus unternahmen die Briten relativ wenig, um die Juden vor arabischen Angreifern zu schützen, die größtenteils prodeutsch eingestellt waren und zum Teil gute Kontakte zu den Nazis pflegten (wie der Großmufti von Jerusalem al Husseini, der zeitweise mit Hitler zusammenarbeitete). Auch während der Vernichtung der europäischen Juden durch die Deutschen und besonders nach dem Ende der Shoa, versuchten die Briten eine Einwanderungswelle nach Palästina, teilweise gewaltsam, zu unterbinden. Dennoch blieben die Zionisten hartnäckig und versuchten, möglichst vielen Juden die Flucht vor der deutschen Vernichtungsmaschinerie bzw. später aus dem flächendeckend zerstörten Europa zu ermöglichen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Siegfried Bernfeld als Zionist und Pädagoge
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V42633
ISBN (eBook)
9783638406277
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Siegfried, Bernfeld, Zionist, Pädagoge
Arbeit zitieren
Christian Uhrheimer (Autor), 2004, Siegfried Bernfeld als Zionist und Pädagoge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/42633

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