Die Ästhetik des Humanen und die Funktion der Frauen in ausgewählten Romanen Heinrich Bölls


Masterarbeit, 2017
68 Seiten, Note: 2,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Heinrich Bölls Idee des Humanen oder der Entwurf einer alternativen Gesell­schaftsform

3. Gruppenbild mit Dame - eine Zäsur

4. Die Bedeutung der Liebe für Bölls Frauenfiguren

5. Der Ansatz einer Gegengesellschaft hinsichtlich der Frauenfiguren

6. Die Hoffnung stirbt zuletzt

7. Abschließende Überlegungen

Literaturverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor misst der Nobelpreisträger Heinrich Böll den Frauen in seinen Werken eine immense Bedeutung bei. Die weiblichen Figuren, die er geschaffen hat, sind in nahezu allen seiner Texte für das Handlungsgeschehen und die Vermittlung seiner Botschaft unentbehrlich. Weibliche Außenseiterinnen abseits einer kritikwürdigen Macht- und Leistungsgesellschaft symbolisieren in den meisten seiner Pro­satexte die Hoffnung auf eine humane Welt.[1] Spätestens mit der Veröffent­lichung von „Gruppenbild mit Dame“ (1971) ist Böll für sein sogenanntes „Frauenlob“ bekannt geworden.[2]

In der Böll-Forschung besteht die Gefahr, dass nicht zwischen den Frauen­figuren differenziert, sondern pauschalisiert wird und die Spezifika der ein­zelnen Figuren im Sinne einer allgemeinen Typisierung nivelliert werden.[3] Doch es gibt gravierende Unterschiede zwischen den verschiedenen weibli­chen Heldinnen in den einzelnen Werken. Das Ziel dieser Arbeit besteht un­ter anderem darin, diese herauszustellen. Dabei gehe ich von der These aus, dass die weiblichen Charaktere in Bölls Werk starke Persönlichkeiten sind, die vielschichtig und komplex aufgebaut sind, was auch dazu führt, dass sie nicht typisiert werden können. Ich werde mich mit der Funktion, die sie in seinem Werk haben beschäftigen und damit einhergehend versuchen zu be­gründen, weshalb die Frauenfiguren für seine literarische Arbeit unentbehr­lich sind.

Bei der Beschäftigung mit diesem Aspekt des literarischen Schaffens von Heinrich Böll werde ich der Übersichtlichkeit halber das Frühwerk aus­klammern und mich ausschließlich mit seiner Arbeit ab Gruppenbild mit Dame befassen. Durch die längere Pause, die der Veröffentlichung dieses Romans vorangegangen ist und der darauffolgenden Nobelpreisverleihung, kann man dieses Werk als Zäsur in Bölls literarischer Arbeit sehen. Zudem werde ich mich mit dem wenig später erschienenen Roman Die verlorene Ehre der Katharina Blum beschäftigen und auf Bölls postum erschienen Roman Frauen vor Flußlandschaft eingehen. Das besondere an diesen drei Romanen ist, dass bereits die Titel auf die Bedeutung der Frauen für das je­weilige Werk hinweisen. Die drei gewählten Werke werde ich stets chrono­logisch hinsichtlich ihres Erscheinungsdatums behandeln.

In der vorliegenden Arbeit wird es zunächst einen allgemeinen Kontextteil geben, in dem ich auf Bölls „Ästhetik des Humanen“[4] und den Gedanken einer alternativen Gesellschaftsform eingehe und dies in Bezug zu den weiblichen Figuren stelle. Anschließend werde ich auf die Zäsur durch den Roman Gruppenbild mit Dame hinsichtlich der Frauenfiguren aber auch in Bezug auf sein literarisches Konzept eingehen. Daraufhin werde ich mich konkret mit den drei Werken befassen. Hier werde ich zunächst darauf ein­gehen, welche Bedeutung die Liebeserfahrung für Bölls Heldinnen hat, um anschließend zu zeigen, inwiefern die weiblichen Figuren hinsichtlich des Entwurfs einer Gegengesellschaft fungieren. Dem letzten Punkt dieser Ar­beit liegt ein Zitat Marcel Reich-Ranickis bezüglich des Werkes Frauen vor Flußlandschaft zugrunde:

„Von allen Büchern Heinrich Bölls scheint mir dies das traurigste, das bitterste. Es ist eine Elegie mit bizarren Zügen, ein Requiem mit satirischen Akzenten. Aus diesen Mo­nologen und Dialogen sprechen die schmerzhaften Enttäuschungen eines Deutschen und eines Christen, der es sich immer schwergemacht hat.“[5]

Darauf basierend werde ich mich mit der Frage beschäftigen, ob Bölls Ge­samtwerk nun letztlich dem Prinzip Hoffnung oder der Resignation verhaf­tet ist.

2. Heinrich Bölls Idee des Humanen oder der Entwurf einer alternati­ven Gesellschaftsform

Im Sinne einer „Ästhetik des Humanen“[6] ging es Heinrich Böll sein gesam­tes literarisches Schaffen hindurch um die Verteidigung des Alltäglichen, des individuellen Lebensraums sowie der Würde des Einzelnen gegen die sich immer dichter zusammenschließenden Zwänge und Ansprüche der In­stitutionen, des Konsum- und des Leistungsdenkens, der Medien und der Meinungsmanipulation.[7] Dieses Programm findet sich in seinem gesamten literarischen Werk.

Der Nobelpreisträger war Zeit seines Lebens auf der „Suche nach einer be­wohnbaren Sprache in einem bewohnbaren Land“[8], was der Idee einer alter­nativen Gesellschaftsform entspricht.[9] Ihm ist es zwar bis zuletzt nicht ge­lungen, ein, wie er es nennt, „bewohnbares Land“ zu finden, doch in seinem literarischen Werk findet sich eine große Anzahl von Momenten, anhand de­rer sich die Möglichkeiten des Guten in der Welt aufzeichnen lassen und sich somit ein anderes, ein humanes, Land zumindest erahnen lässt. Diese Möglichkeiten finden sich beispielsweise im Kleinbürgertum, im Privaten und vor allem in der Liebe. Denn dort, wo man Liebe findet, ist das Land zumindest in Teilen bewohnbar.[10] In Bölls Augen handelt es sich bei dieser beschaulichen Welt des Kleinbürgertums, des Privaten und des Provinziel­len, um etwas, das es zu gestalten gilt und an dem mitgewirkt werden soll.[11] Konstatiert werden kann an dieser Stelle, dass seine Figuren, dem Kleinbür­gertum zugeordnet werden. Dieses Kleinbürgerliche, dem er auch selbst ent­stammte und was somit ein Stück seiner Heimat war, hat er mit immer grö­ßerer Vehemenz verteidigt, je mehr dieses Kleinbürgerliche in der westdeut­schen Wohlstandsgesellschaft der Nachkriegszeit als etwas Minderwertiges und Abfälliges angesehen wurde. In diesem Sinne lässt sich sagen, dass die von ihm erschaffenen positiven Helden, sein Wertesystem widerspiegeln und dieses in dem Moment, in dem sie sich gegen die Zwänge und Ansprü­che der Wohlstandsgesellschaft behaupten müssen, verteidigen.[12] Eine auf Profit und Erfolg ausgerichtete Gesellschaft wird für gewöhnlich vom Leistungsprinzip gesteuert. Für Heinrich Böll jedoch bestand das wah­re und menschliche Prinzip in Leistungsverweigerung.[13] Gemeint ist damit, dass man sich, indem man Leistungsverweigerung praktiziert, in Opposition zu dem an Profit und Erfolg orientierten Menschen begibt und auf diese Weise zum Abfälligen wird. Weiterhin kann man dazu stigmatisiert werden, wenn man sich, bewusst oder unbewusst, nicht gesellschaftskonform verhält und damit ins gesellschaftliche Abseits rückt respektive gerückt wird. Dem­entsprechend verkörpern Bölls literarische Helden kontinuierlich den - wie von ihm selbst provokativ formuliert - Abfall dieser Gesellschaft, der eine menschlichere und von der Intention her utopische Gegenwelt bildet. Basie­rend auf diesem Gedanken hat er eine ganze Reihe in einem Milieu der Ab­fälligkeit angesiedelter Außenseiterfiguren geschaffen.[14] In seinen Frankfur­ter Vorlesungen von 1966 hat Böll die folgende programmatische Aussage getätigt: „Die Literatur kann offenbar nur zum Gegenstand wählen, was von der Gesellschaft zum Abfall, als abfällig erklärt wird.“[15] Diese Auffassung von dem menschlichen Abfall als dem passendsten literarischen Gegenstand ist von zentraler Bedeutung für das gesamte Werk Bölls.

Die Momente des Lebens, wenn das Menschliche in Erscheinung tritt, bilde­ten für den Schriftsteller Heinrich Böll das Zentrum seiner Arbeit. Gemeint ist damit schlichte und einfache Menschlichkeit ohne große Heldentaten wie man sie, wenn man genau hinschaut, innerhalb der Gesellschaft doch recht häufig finden kann. Im Werk des Nobelpreisträgers finden sich viele Bei­spiele für Menschen, die sich gegen den herrschenden inhumanen Geist be­haupteten. An dieser Stelle lässt sich festhalten, dass die Böllsche Utopie des Humanen auf dem Prinzip Hoffnung aufbaut, das den Glauben an eine alternative und bessere Gesellschaftsform impliziert.

Heinrich Böll hat eine Vielzahl von Frauenfiguren entworfen, an welchen er die Ästhetik des Humanen literarisch umgesetzt hat. Aspekte wie Kritik an der gegenwärtigen Gesellschaft, die Utopie einer humaneren Welt, die Dar­stellung alltäglicher Lebenswirklichkeiten, Vergangenheitsbewältigung und konträr dazu Zukunftsvisionen sind unmittelbar an die Darstellung von Weiblichkeit gebunden. Außenseiterinnen, abseits einer kritikwürdigen Macht- und Leistungsgesellschaft, figurieren in nahezu allen seiner Prosa­texte als Gegenbilder zu einer inhumanen Gesellschaft.[16] An dieser Stelle kann konstatiert werden, dass die Frauenfiguren im Werk Bölls die Funkti­on haben, eine humane Alternative in einer nicht-humanen Gesellschaft dar­zustellen und in diesem Sinne als positive Antiheldinnen in der Leistungs­gesellschaft zu betrachten sind.[17]

Wie die vergangenen Ausführungen gezeigt haben, gelten in Bölls Gesamt­werk Frauen sowie der Abfall der Gesellschaft als Vertreter des Humanen. Aus diesem Blickwinkel heraus ist daher die Abfälligkeit der weiblichen Gestalten, die damit Heinrich Bölls Vorstellung von der Utopie einer huma­nen Welt am deutlichsten verkörpern und als Trägerinnen einer Botschaft der Hoffnung fungieren, besonders interessant.

Vielschichtige und bemerkenswerte Frauenfiguren finden sich in den drei gewählten Werken: Da wären die Haupthandlungsträgerin Leni Pfeiffer, ge­borene Gruyten, aus dem Roman Gruppenbild mit Dame und die titelgeben­de Heldin Katharina aus Die verlorene Ehre der Katharina Blum zu nennen. Aus dem postum erschienenen Werk Frauen vor Flußlandschaft ließen sich insbesondere Katharina Richter, Erika Wubler sowie Elisabeth Blaukrämer erwähnen. Sie alle lassen sich in Heinrich Bölls literarische Ästhetik einfügen[18]

3. Gruppenbild mit Dame - eine Zäsur in Heinrich Bölls literarischem Werk

Mit dem Roman Gruppenbild mit Dame lässt sich eine Zäsur im literari­schen Schaffen Heinrich Bölls markieren. Im Kontext der Veröffentlichung des Werkes wurde die Aussage getätigt, dass es sich dabei um die „Summe seines bisherigen Schaffens“ handele. In Gruppenbild mit Damen, Bölls umfangreichstem Roman, lässt sich eine Fülle von scheinbar bekannten Motiven finden, so dass die Annahme, es handele sich um eine Art Resümee naheliegend ist.[19] Bei der Wiederauf­nahme von Motiven, Verhaltensweisen und Handlungselementen geht es um bedeutsame Zusammenhänge im epischen Gesamtwerk eines großen Erzäh­lers. Durch diese Konstante in seiner schriftstellerischen Arbeit, bekennt Böll sich zu seinem Werk im Ganzen.[20] Ein weiterer Ausdruck, der im Zu­sammenhang mit Gruppenbild mit Dame entstanden ist und seitdem zu ei­nem wahren Schlüsselbegriff der Böll-Forschung zählt, ist der der 'Fortschreibung'. Der Autor selbst benutzt das Wort bei einer Erläuterung seines Schreibprozesses:[21]

„Ich empfinde jedes Buch als eine Erweiterung des Instrumentariums, der Ausdrucks­weise, der Komposition ..., und insofern ist dieses Buch eine Fortschreibung. Der Pro­zess des Schreibens ist eine dauernde Fortschreibung. Und das vorläufige Ergebnis die­ser Fortschreibung ist dieser Roman mit dieser Frau im Vordergrund oder Hintergrund oder Mittelpunkt.“[22]

Der Roman sei „wie eine Zusammenfassung und Weiterentwicklung frühe­rer“, ergänzt Böll.[23] Weiterhin geht er auf den Fortschreibungsaspekt hin­sichtlich des Frauenbildes ein.

„Diese Figur hat mich wahnsinnig beschäftigt; in allen Romanen schon. Es interessierte mich sehr, diese Frau - mich interessieren ja Frauen sehr - literarisch darzustellen, und ich glaube, daß sie viel Verwandtschaft hat mit anderen Frauenfiguren. Vielleicht ist es die, die ich immer darstellen wollte und nie so richtig hingekriegt habe.“[24]

Böll entwickelt anhand der Figur Lenis seinen Humanitätsbegriff unter ver­schiedenen Gesichtspunkten weiter. Dazu gehören beispielsweise der neue Bildungsbegriff, das intuitiv-naive Politikverständnis, die Leistungsverwei­gerung, das Liebesideal sowie die übergreifende Konzeption einer neuen Sinnlichkeit.[25]

Konträr dazu wird teilweise die Meinung vertreten, dass es sich bei Grup­penbild mit Dame um einen „Neuanfang“ handele beziehungsweise, dass mit diesem Werk der Beginn einer „neuen Phase“ seines epischen Schaffens eingeläutet wurde.[26]

Dies lässt sich zum einen in dem Sinne verifizieren, dass Heinrich Böll sei­ne älteren traditionellen Erzähltechniken von diesem Roman an zugunsten einer neuen Erzählweise aufgegeben hat. Eine durchgehende Erzählperspek­tive, wie sie sich in den früheren Arbeiten Bölls erkennen lässt, fehlt nun.[27] In dem episodenhaft und fragmentarischen Roman Gruppenbild mit Dame legt Heinrich Böll ein ungeheures Geflecht aus Fakten und Reflexionen in Form einer Dokumentation vor. Um diese kontinuierlich voranzutreiben, hat er einen sogenannten Verfasser eingeführt, der sich mit den journalistischen Handwerksmethoden des Recherchierens ans Werk macht und dabei Men­schen aus dem Umfeld Lenis befragt, die etwas von ihr wissen, oder zu wis­sen glauben.[28] Leni selbst kann als Zeugin nicht vernommen werden. Sie er­scheint in den Erinnerungen der Zeugen, doch bis zuletzt muss sie undurch­sichtig bleiben. Man kann sagen, dass in ihr die Wirklichkeit als Erinnerung gegenwärtig wird.[29] Das Interesse des Verfassers scheint vordergründig nur sachlicher Natur zu sein, im Verlauf des Romans offenbaren sich aber zu­nehmend auch seine emotionalen Motive, die ihn zu den Recherchen bewegt haben.[30] Weiterhin dient er dazu, die beiden Stränge der Romanhandlung, die Recherche der Vergangenheit und die gegenwärtige Handlung, zu ver­binden, indem er sich gegen Ende des Werkes selbst unter die, im Umfeld Lenis, agierenden Personen mischt.[31]

In dem Werk Die verlorene Ehre der Katharina Blum stellt der Mord der Katharina Blum an dem Journalisten Tötges gleichzeitig den Ausgangs- und den Zielpunkt eines Erzählprojektes dar, dessen Zweck in der Suche nach den Motiven für diese Tat besteht.[32] Wie der Roman Gruppenbild mit Dame hat diese Erzählung ebenfalls dokumentarischen Charakter und basiert auf recherchierten Materialien, Quellen, Zeugenaussagen, indirekten Berichten, kurzen wörtliche Zitaten der Protagonistin. Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Werke besteht darin, dass die beiden weiblichen Hauptfiguren inner­halb der Erzählstruktur zum Objekt gemacht werden, indem ihre Aussagen meist indirekt wiedergegeben und nur selten selbst zu Wort kommen.[33] In Bezug auf die Recherchen fungiert der anonyme Berichterstatter in Die verlorene Ehre der Katharina Blum wie der Verfasser des drei Jahre zuvor erschienenen Werks. Jedoch liegt hinsichtlich der Erzählperspektive ein gravierender Unterschied vor. Der Verfasser von Gruppenbild mit Dame tritt nicht mit dem Anspruch des auktorialen Erzählers auf, sondern der Pro­zess der Suche nach der Identität Lenis erweist sich als Form des Romans. In der jüngeren Erzählung waltet ein allwissender Erzähler, der bereits über alle Hintergründe informiert ist und als auktorialer Erzähler dem Leser nach und nach Einblicke in diese gewährt.[34]

Seinen letzten Roman Frauen vor Flußlandschaft, der postum erschienen ist, nennt er einen „Roman in Dialogen und Selbstgesprächen“. Dabei han­delt es sich um ein Panorama der westdeutschen Nachkriegsrepublik. In die­sem Werk wird weniger erzählt, sondern mehr in Szene gesetzt. Dies ge­schieht in Form von Dialogen und Monologen, die ausgestattet sind mit Re­gieanweisungen, Widmungen und Vorbemerkungen. Auf diese Weise dis­tanziert sich der Erzähler von den Figuren und der Handlung.[35] In den Dia­logen und den Monologen wenden die Figuren des Werkes sich von der Außenrealität ab und einer Innenwelt zu. Außerdem wird die Vergangenheit durch Erinnerungen thematisiert und die Zukunft durch Visionen. Abschlie­ßend lässt sich konstatieren, dass es sich um ein deutendes, ein reflektieren­des sowie ein prophezeiendes Erzählen handelt.[36]

Betrachtet man diese drei Werke, so lässt sich sagen, dass ausgehend von Gruppenbild mit Dame über Die verlorene Ehre der Katharina Blum bis hin zu Frauen vor Flußlandschaft die Fortschreibung einer literarischen Ästhe­tik in Form einer neuen kunstvollen Erzählweise, die ohne eine durchgehen­de Erzählperspektive auskommt, zu beobachten ist.

Weiterhin ist im Kontext der Frage, ob es sich bei Gruppenbild mit Dame um einen literarischen Neuanfang handelt, darauf einzugehen, dass es sich bei der Figur der Leni Pfeiffer um Bölls erste weibliche Hauptfigur handelt und damit einhergehend die Frau nun selbst zu Wort kommt.

Die Entscheidung, erstmalig eine Frau zur Protagonistin eines Romans zu machen, begründet er folgendermaßen:

„Ich glaube aber eher, daß die Tatsache, daß es eine Frau ist, auch der Versuch ist, den männlichen Helden aus der Literatur etwas zu verdrängen, sowohl den positiven wie den negativen Helden, die inzwischen beide - wie ich finde - zu Klischees geworden sind. Ich habe ja viele negative männliche Helden gemacht, also auch dazu beigetragen, und ich habe versucht, in dieser Frau - sie soll weder ein positiver, noch ein negativer Held sein - diese Alternative aufzuheben.“[37]

Darüber hinaus meint Böll selbst, dass die Utopie des richtigen Lebens bes­ser von einer Frau dargestellt werden kann, da der Mann aufgrund seiner Aktivität im Kriegskontext als Figur zu belastet sei.[38] Der sinnlosen Beteili­gung am Krieg von Seiten der Männer, die er für Gewalt und Zerstörung verantwortlich macht, stellt er die konstruktiven Alltagsfähigkeiten der Frauen gegenüber. Diese stellen sie im Zuge ihrer Abwesenheit im Krieg unter Beweis.[39] Böll lobt die Frauen, „weil sie vernünftige selbstverständli­che Dinge tun. Eben diesen Alltag organisieren und genial [...] direkt mit dem Leben konfrontiert sind.“[40] Für ihn ist die Herausgelöstheit der Frau aus der Geschichte sowie der Politik positiv besetzt, da dieser Außenseiter­status ihre Unschuld in Bezug auf die inhumanen Gesellschaftsstrukturen impliziert.[41] Dies führt dazu, dass sie die Utopie des richtigen Lebens dar­stellen kann und, zumindest in Ansätzen, zeigen kann, wie diese Utopie rea­lisiert werden könnte. Darüber hinaus ist Böll der Meinung, dass im Zuge des Krieges eine neue Bewegung entstanden sei, durch die Männer in eine Art Heldenrolle geraten sind. Die Darstellung dieses männlichen Heroismus trägt für Böll bisweilen lächerliche Züge.[42] Er ist sich, insbesondere auf­grund seiner persönlichen Erfahrung, auch dessen bewusst, dass Männer im Krieg von Verwundung bis zum Tod einiges mitgemacht haben. Doch dies ändert nichts an der Tatsache, dass ihn der Krieg in seiner Lächerlichkeit in gewisser Weise zum Verächter des Mannes gemacht hat. Dies und die weib­liche Schuldlosigkeit bezüglich der inhumanen Gesellschaftsstrukturen so­wie die damit einhergehende Möglichkeit einer Darstellung der Utopie des richtigen Lebens hat dazu geführt, dass er so viel über Frauen geschrieben hat.[43] Dadurch, dass er mit Leni seine erste weibliche Hauptfigur geschaffen hat, lässt sich die Zäsur, die dieser Roman markiert, begründen.

Festhalten lässt sich an dieser Stelle, dass der Roman Gruppenbild mit Da­me einerseits als Zusammenfassung und Weiterentwicklung früherer Arbei­ten und damit als Fortschreibung und anderseits als der Beginn einer neuen Phase seines literarischen Schaffens angesehen werden kann. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass er seit diesem Roman zunehmend Frauen als Pro- tagonistinnen wählt und sich einer neuen kunstvollen Erzählweise zuge­wandt hat. Da sich diesbezüglich eine Kontinuität erkennen lässt, kann man auch davon sprechen, dass Gruppenbild mit Dame als Ausgangspunkt für die zweite Phase der Fortschreibung in seinem literarischen Schaffen gilt. Aufgrund dieser Überlegungen kann man von einer Zäsur sprechen, die die­ser Roman in Bölls schriftstellerischer Arbeit markiert und dementspre­chend liegt es nahe, bei diesem Roman anzusetzen, um sich mit den Frauen­figuren in seinem Werk zu befassen.

4. Die Bedeutung der Liebe für Bölls Frauenfiguren

„Wie meistens, wollte ich im Grunde auch nur eine Liebesgeschichte schreiben [...] .“[44] Diese Aussage hat Heinrich Böll in Bezug auf seinen Ro­man Gruppenbild mit Dame getroffen.

Wie zutreffend das ist, zeigt sich, wenn man nun, mehr als 30 Jahre nach seinem Tod, das Gesamtwerk des Nobelpreisträgers vor dem inneren Auge vorbeiziehen lässt. Tatsächlich handelt es sich bei fast allen seiner größeren Texte um Liebesgeschichten.

Die Darstellung der Liebe als einziges Medium der humanen Existenz ist im Kontext von Bölls Ästhetik von immenser Bedeutung. Meist handelt es sich um eine große Liebe, die der Autor in eine politisch und sozial äußerst schwierige Situation gestellt hat und die sich dementsprechend gegenüber einer feindlichen Umwelt behaupten muss.[45] Dieser Themenkomplex zieht sich im Sinne der Fortschreibung durch das gesamte Werk des Autors.

Bei der Behandlung der Liebe im Werk Heinrich Bölls wird meist der weib­liche Geschlechtscharakter mit einem Idealwert verschränkt. Der Autor ist der Auffassung, dass sich der in höchstem Maße menschliche Wert der Lie­be erst in Zusammenhang mit dem Weiblichen konstituieren und Einfluss nehmen kann. Es sind bei Böll immer die Frauen, die Liebe geben und Lie­be hervorrufen. Auf diese Weise stellen sie ein Gegenbild zu jenen männ­lich geprägten Herrschaftsstrukturen dar.[46] Frauenfiguren figurieren im Ge­samtwerk des Nobelpreisträgers als Botinnen der Liebe. Während sie im Frühwerk noch kaum in das unmittelbare Handlungsgeschehen verstrickt sind, kommt ihnen spätestens seit dem, eine Zäsur markierenden, Roman Gruppenbild mit Dame eine essentielle Bedeutung für den Verlauf eines Werkes zu.[47]

Im Folgenden werde ich mich mit den verschiedenen Aspekten der Liebe in den drei behandelten Werken befassen. Im Falle Lenis, der Mittelpunktfigur des Werkes Gruppenbild mit Dame, kann man sagen, dass sie immer symbolisch konträr zu den Normen der Gesellschaft liebt. Ihre erste Liebe ist Erhard, der Deserteur, der russische Kriegsgefangene Boris ist der zweite Mann, dem sie ihr Herz schenkt und am Ende des Romans findet man sie an der Seite von Mehmet, dem türki­schen Gastarbeiter.[48]

Weiterhin lässt sich an dieser Stelle sagen, dass Lenis drei Liebesbeziehun­gen hinsichtlich der „Trinität des Weiblichen“ charakterisiert werden kön­nen.[49] „Eva, Maria, Magdalena, die sich nie rein, nie getrennt zeigen in der weiblichen Natur.“[50] Dieses Zitat Bölls macht den Einfluss biblischer Frau­enbilder im Sinne der Konstruktion einer „Trinität des Weiblichen“ für sein Werk deutlich. So wird die Figur der Maria in Bezug auf ihren fürsorglichen Charakter als entsexualisierte Mutterfigur verehrt, konträr dazu vermittelt Eva die sündige sowie die sinnliche Seite des Weiblichen. Jedoch ist diese Figur bei Böll nicht negativ konnotiert. Magdalena wiederum gilt als die Vertreterin der Barmherzigkeit. Mit der Verschmelzung von Barmherzigkeit und Sinnlichkeit hat Böll ein allumfassendes „Liebesideal“ entworfen.[51] In Bezug auf Leni kann man sagen, dass sie als erstes mit Erhard eine platoni­sche Liebe erlebt, darauf folgt die als sinnlich deklarierte Beziehung zu Bo­ris während die Beziehung zu Mehmet durch das Attribut der Barmherzig­keit charakterisiert werden kann.[52]

In der erzählten Gegenwart hat Leni aufgrund ihrer außerehelichen und au­ßenseiterischen Liebesbeziehungen den Status einer doppelt Abfälligen inne und wird von der herrschenden Gesellschaft ausgegrenzt. In Form von Analepsen wird rekonstruiert, was sie in diese Situation gebracht hat. Den Hauptaspekt stellt dabei die Wahl ihrer Männer dar, welche auf ein non­verbales Protestverhalten gegenüber jenen Sanktionen, die über gesell­schaftliche Minderheiten verhängt werden, hindeutet. Ob dieses Verhalten bewusst oder unbewusst ist, wird innerhalb der Forschung ambivalent dis­kutiert.[53]

Indem Leni am Schluss von Gruppenbild mit Dame mit dem verheirateten Gastarbeiter Mehmet eine Lebensgemeinschaft eingeht, wird nach der Lie­besgeschichte mit Boris, die das Nationale überschreitende Liebesthematik gedoppelt.[54] Dieses konstante von der Norm abweichende Verhalten Lenis führt allerdings dazu, dass sie sich in der erzählten Gegenwart des Romans Diffamierung und Verfolgung ausgesetzt sieht, welcher sie mit Verständnis­losigkeit begegnet.[55]

Leni versteht die Welt nicht mehr, sie zweifelt daran, ob sie sie je verstanden hat; sie begreift die Feindschaft der Umwelt nicht, begreift nicht, warum die Leute so böse auf sie und mit ihr sind; sie hat nichts Böses getan, auch ihnen nicht; neuerdings, wenn sie notgedrungen zu den notwendigsten Einkäufen ihre Wohnung verläßt, wird offen über sie gelacht, Ausdrücke wie „mieses Stück“ oder „ausgediente Matratze“ gehören noch zu den harmloseren. Es tauchen sogar Beschimpfungen wieder auf, deren Anlaß fast dreißig Jahre zurückliegt: Kommunistenhure, Russenliebchen. Leni reagiert auf Anpö- beleien nicht. Daß „Schlampe“ hinter ihr hergemunkelt wird, gehört für sie zum Alltag. (Böll, Heinrich: Gruppenbild mit Dame (1971), 25. Auflage, München 2015. Im Fol­genden: GmD, S. 9f)

Indem sie in der erzählten Gegenwart aufgrund ihrer Beziehung zu dem rus­sischen Kriegsgefangenen Boris beschimpft wird, werden die gravierenden Folgen dieser Liebe, die sich bis in die Gegenwart auswirken, deutlich. Be­zeichnend ist weiterhin, dass ausgerechnet Leni, die, wenngleich in unkon­ventioneller Weise, so doch unbestreitbar monogam lebt, von den, die ver­meintlich richtigen Normen lebenden Bürgern, der Prostitution bezichtigt wird. Auf diese Weise entlarvt Böll die verlogene herrschende Gesell- schaftsmoral.[56]

Ein interessanter Aspekt der Liebesgeschichte von Leni und Boris besteht darin, dass sie den Anfang des sozialen Abstiegs Lenis ausmacht.[57] Durch die Liebe zu einem Russen, der teilweise als „Untermensch“ (GmD, S. 218 u.ö.) bezeichnet wird, gehört Leni zum sogenannten gesellschaftli­chen Abfall, was dem Verzicht auf gesellschaftliche Anerkennung gleich­kommt. Die Tochter aus wohlhabendem und gutbürgerlichem Hause begibt sich ohne zu zögern in die niedrigeren Regionen der Gesellschaft. Diesen Weg setzt sie mit der Verbindung mit dem Türken Mehmet, der bei der Müllabfuhr arbeitet, fort. Dies greift das Motiv des Abfalls noch einmal in direkter Weise auf.[58] Die Ablösung des sowjetischen Kriegsgefangenen durch einen türkischen Gastarbeiter dient im Grunde nur der Verdeutlichung dessen, dass Leni ihrem ehemals eingeschlagenen Weg treu bleibt. Der durch die Liebe zu Boris stattgefundene gesellschaftliche Abstieg ist bereits vollendet und durch ihr Verhältnis zu Mehmet stößt Leni nicht auf mehr und nicht auf anderen Widerstand, als auf den, den sie auch ohne diese Liebe er­fährt.[59] Im Zuge ihrer spontanen und völlig selbstlosen weiblichen Liebes- fähigkeit ist Leni zum gesellschaftlichen Abfall geworden, was sie für die Rolle als Böllsche Heldin prädestiniert.[60] Die Tatsache, dass Lenis Verhal­ten im Allgemeinen und insbesondere ihr Verhalten in Liebesangelegenhei- ten zu ihrem sozialen Abstieg führt, potenziert die sozialkritische Wirkung des Romans.[61]

Nachdem ihr „Rendevouz mit Erhard [...] also eine durch die Militärge­schichte verhinderte Utopie“ (GmD, S. 106) bleibt und nach ihrer kurzen Ehe mit dem Unteroffizier Alois Pfeiffer als Folge ihres existentiellen Fehl­trittes, in dem mit Heidekraut bepflanzten Festungsgraben, folgt die nahezu unvorstellbare Liebe zu dem russischen Kriegsgefangenen Boris. Diese Ge­schichte einer großen Liebe, die Heinrich Böll bewusst in eine, in politischer sowie sozialer Hinsicht, schwierige Situation gestellt hat, bildet das Zentrum des Romans, so dass sich auch die folgenden Ausführungen um diese Be­ziehung Lenis drehen werden.

Bei der Arbeit in der Friedhofsgärtnerei Pelzer lernt Leni den russischen Kriegsgefangenen Boris Koltowski kennen. An seinem ersten Tag in der Gärtnerei reicht ihm Leni während der Frühstückspause vollkommen gelas­sen und auf ganz selbstverständliche Weise eine Tasse Kaffee.

Nun gut - und was tut unsere Leni am ersten Tag, wo der Russe bei uns auftaucht? Sie schenkt dem Russen eine Tasse von ihrem Kaffee ein - 1:3 müssen sie wissen, während der Kremp seine flaue Pampe schlürfte -, schenkt dem Russen aus ihrer Kanne Kaffee in ihre Tasse ein und bringt sie ihm rüber an den Tisch, wo er in den ersten Tagen mit Kremp zusammen im Kranzkörperkommando arbeitete. Das war für die Leni eine Selbstverständlichkeit, jemand, der weder ne Tasse noch Kaffee hatte, eine Tasse Kaf­fee anzubieten - aber glauben Sie, die hat geahnt, wie politisch das war. Ich habe gese­hen, daß sogar die Ilse Kremer blaß wurde - die wußte nämlich, wie politisch das war: einem Russen eine Tasse 1:3-Kaffee bringen, der mit seinem Duft alle anderen Plempe­gemische sowieso totschlug. Was tut der Kremp? Der sitzt meistens da, hat seine Bein­prothese bei der Arbeit abgeschnallt, weil sie ihm noch nicht richtig saß, er nimmt also die abgeschnallte Prothese von dem Haken an der Wand [...] und schlägt dem völlig verwirrten Russen die Tasse aus der Hand. [...] und was tut Leni, während na sagen wir ne Art atemlose und angstvolle Spannung herrscht? Was tut sie? Sie hebt die Tasse auf, die wegen der herumliegenden Torfmullreste weich gefallen und nicht kaputt gegangen war, sie hebt sie auf, geht zum Wasserhahn, spült sie sorgfältig - es war schon provo­zierend, wie sorgfältig sie das tat -, und ich glaube, von diesem Augenblick an tat sies absichtlich provozierend. Mein Gott, Sie wissen doch, daß man so ne Tasse rasch mal ausspülen kann, meinetwegen auch gründlich, aber sie spülte sie, als wärs ein heiliger Kelch - dann tat sie, was vollkommen überflüssig war -, trocknete die Tasse auch noch sorgfältig mit einem sauberen Taschentuch ab, ging zu ihrer Kaffeekanne, schüttete die zweite Tasse, die drin war - es waren so Zwei-Tassen-Kännchen, wissen Sie -, ein und bringt sie seelenruhig dem Russen, ohne den Kremp auch nur anzusehen. Nicht stumm tat sies. Nein, sagte auch noch: >Bitte sehr.< Jetzt kams auf den Russen an. Der wußte wohl, wie politisch die ganze Situation war [...]. Leni hat das Ihre getan - was tut er? Nun, er nimmt den Kaffee, sagt laut und deutlich, in einem makellosen Deutsch: >Dan- ke, mein Fräulein und fängt an, ihn zu trinken. Schweißtropfen auf seiner Stirn, und sie müssen sich vorstellen, der hatte wahrscheinlich schon ein paar Jahre keinen Tropfen Bohnenkaffee oder Tee bekommen - es wirkte auf ihn wie ne Spritze auf nen ausge­mergelten Körper. (GmD, S. 214ff.)

Diese gerade ausführlich zitierte Szene ist für den weiteren Fortgang des Romans von essentieller Bedeutung.

Auf der einen Seite kommt in dieser „Stunde der Tasse Kaffee“ (GmD, S. 220) Lenis „reine naive Menschlichkeit“ (GmD, S. 218) im Sinne des utopi­schen Menschenbildes zum tragen. Die Tatsache, dass Lenis non-verbaler Protest vollständig frei ist von jeglicher politischer Motivation und einzig auf einer humanen Grundhaltung basiert, führt dazu, dass dieser Szene eine Schlüsselstellung für Bölls Utopie einer unverstellten Menschlichkeit zu­kommt.[62] Böll ging es sein gesamtes literarisches Schaffen hindurch darum, zu zeigen, wie eine Menschwerdung des Menschen in kleinen alltäglichen Vorgängen vollzogen werden kann. Beispielhaft dafür ist unter anderen die Szene, in der Leni dem „Sowjetmenschen“ eine Tasse Kaffee einschenkt. Einer der Zeugen, die der Verfasser befragt, resümiert das Resultat der Kaf­fee-Szene: „Der Boris wurde einfach durch Lenis mutige Tat zum Men­schen gemacht, zum Menschen erklärt - und damit hatte es sich, trotz all der miesen Dinge, die da noch kommen sollten“ (GmD, S. 218). Auch wenn in dieser Szene schlichte Menschlichkeit zum Tragen kommt, so ist aufgrund der inhumanen Lebensbedingungen im Zuge von Krieg und Faschismus längerfristig kein Raum verfügbar, in dem die Abfälligen ihre Liebe leben können.[63]

Die Wirkung dieser Tat ist aber auch für Leni selbst und ihr weiteres Leben nicht unerheblich. Auch wenn die Szene der sogenannten „Stunde der Tasse Kaffee“ (GmD, S. 220) erst einmal noch nichts mit der darauffolgenden Liebesbeziehung zu tun hat, so bildet diese Szene den Ausgangspunkt für die leidenschaftliche Beziehung zu dem russischen Kriegsgefangenen, wel­che sich in Form der Diffamierungen bis in die Gegenwart hinein auf Leni auswirkt.

[...]


[1] Vgl. Römhild, Dorothee: „Undines gewaltiger Vater“ und die 'Menschin' vor der Flußlandschaft. Bölls Zivili sationskritik im Spiegel elementarer Weiblichkeit. In: Irmgard Roebling (Hrsg.): Sehnsucht und Sirene. Vier­zehn Abhandlungen zu Wasserphantasien. Pfaffenweiler 1992 (=THETIS - Literatur im Spiegel der Geschlech­ter, Band 1), S. 245.

[2] Vgl. Ebd.

[3] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll. Pfaf­fenweiler 1991 (=THETIS - Literatur im Spiegel der Geschlechter, 2), S. 11.

[4] Böll, Heinrich: Frankfurter Vorlesungen (1966). Köln 1966. (=Essay 7 herausgegeben von Manés Sperber),S. 14.

[5] Reich-Ranicki: Marcel: Böll, Heinrich - Frauen vor Flußlandschaft - Rezension. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 08.10.1985. Unter: http://www.gbv.de/dms/faz-rez/851008 FAZ 0041 L1 0001.pdf (abgerufen am: 13.10.2016).

[6] Böll, Heinrich: Frankfurter Vorlesungen, S. 14.

[7] Vgl. Jochen Vogt / Oliver Ruf: Böll, Heinrich. In: Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschspra­chigen Kulturraumes. Band 2. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Herausgegeben von Wilhelm Kühlmann. Band 2. Berlin, New York 2008, S. 41.

[8] Böll, Heinrich: Frankfurter Vorlesungen (1964). In: Bernd Balzer (Hrsg.): Essayistische Schriften und Reden 2. 1964-1972. Zuerst erschienen 1978 in Heinrich Böll Werke, Band Essayistische Schriften und Reden 2 Köln 1979, S. 53.

[9] Vgl. Behring, Jürgen: Bölls Entwurf einer Gegengesellschaft. - In: Georg Langenhorst (Hrsg.): 30 Jahre Nobe- preis Heinrich Böll. Zur literarisch-theologischen Wirkkraft Heinrich Bölls. Münster 2002. (=Literatur - Medien - Religion. Bd. 7), S.170-173.

[10] Vgl. Ebd.

[11] Vgl. Durzak, Manfed: Der deutsche Roman der Gegenwart. Entwicklungsvoraussetzungen und Tendenzen. Böll Grass Johnson Wolf. Dritte, erweiterte und veränderte Auflage. W. Kohlhammer, Stuttgart 1979 (=Sprache und Literatur 70), S. 61.

[12] Vgl. Lindner, Christian: Böll. Reinbek bei Hamburg 1978, S. 28f.

[13] Vgl. Herlyn, Heinrich: Abfälligkeit - Kritik und Utopie. In: Bernd Balzer (Hrsg.): Heinrich Böll 1917-1985. Zum 75. Geburtstag. Bern 1992, S. 119.

[14] Vgl. Ebd.

[15] Böll, Heinrich: Frankfurter Vorlesungen,S. 74.

[16] Vgl. Römhild, Dorothee: „Undines gewaltiger Vater“ und die 'Menschin' vor der Flußlandschaft. Bölls Zivi­lisationskritik im Spiegel elementarer Weiblichkeit, S. 245.

[17] Vgl. Silén, Ulla Grandel: Marie, Leni, Katharina und ihre Schwestern. Eine Analyse des Frauenbildes in drei Werken von Heinrich Böll. Stockholm 1982 (=Schriften des deutschen Instituts der Universität Stockholm, 13), S. 1.

[18] Vgl. Ebd.

[19] Vgl. Lehnick, Ingo: Der Erzähler Heinrich Böll. Änderungen seiner narrativen Strategie und ihrer Hinter­gründe. In: Walter Falk (Hrsg.): Beiträge zur neuen Epochenforschung. Frankfurt am Main 1997, S. 108.

[20] Vgl. Bernhard, Hans Joachim: Es gibt sie nicht, und es gibt sie. Zur Stellung der Hauptfigur in der epischen Konzeption des Romans Gruppenbild mit Dame. In: Renate Matthaei (Hrsg.): Die subversive Madonna. Ein Schlüssel zum Werk Heinrich Bölls. Köln 1975, S. 60.

[21] Vgl. Lehnick, Ingo: Der Erzähler Heinrich Böll. Änderungen seiner narrativen Strategie und ihrer Hinter­gründe, S. 108.

[22] Heinrich Böll / Dieter Wellershoff: Gruppenbild mit Dame. Ein Tonbandinterview. In: Renate Matthaei (Hrsg.): Die subversive Madonna. Ein Schlüssel zum Werk Heinrich Bölls. Köln 1975, S. 141.

[23] Vgl. Lehnick, Ingo: Der Erzähler Heinrich Böll. Änderungen seiner narrativen Strategie und ihrer Hinter­gründe, S. 108.

[24] Im Gespräch: Heinrich Böll mit Heinz Ludwig Arnold. Fotos von Renate Oesterhelt. München 1971, S. 56.

[25] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 101.

[26] Vgl. Lehnick, Ingo: Der Erzähler Heinrich Böll. Änderungen seiner narrativen Strategie und ihrer Hinter­gründe, S. 108.

[27] Vgl. Durzak, Manfred: Ich tendiere nur zu dem scheinbar Unpolitischen. Gespräch mit Heinrich Böll. - In: Manfed Durzak: Gespräche über den Roman. Mit Joseph Breitbach, Elias Canetti, Heinrich Böll, Siegfried Lenz, Hermann Lenz, Wolfgang Hildesheimer, Peter Handke, Hans Erich Nossack, Uwe Johnson, Walter Höllerer. Formbestimmungen und Analysen. Frankfurt am Main 1976, S. 161.

[28] Vgl. Korn, Karl: Heinrich Bölls Beschreibung einer Epoche. Auszug aus Artikel zum Vorabdruck des Ro­mans „Gruppenbild mit Dame“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28. Juli 1971. In: Heinrich Böll Leben & Werk. Herausgegeben von Stadt Köln, Stadt Bibliothek Köln und Heinrich-Böll-Stiftung e.V.. Köln 1995, S. 33.

[29] Vgl. Lange, Victor: Erzählen als moralisches Geschäft. In: Renate Matthaei (Hrsg.): Die subversive Madonna. Ein Schlüssel zum Werk Heinrich Bölls. Köln 1975, S. 112.

[30] Vgl. Hartwig, Wolfgang: Gruppenbild mit Dame. In: Romanführer A-Z. 20. Jahrhundert. Der österreichische und schweizerische Roman, Romane der BRD. Band III: Herausgegeben vom Kollektiv für Literaturgeschichte unter Leitung von Kurt Böttcher in Zusammenarbeit mit Günther Albrecht. Berlin 1978. S. 58

[31] Vgl. Schröter, Klaus: Heinrich Böll. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt. Reinbek bei Ham­burg 1982, S. 90.

[32] Vgl. Rückwald, K.: Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann. In: Reclams Romanlexikon. Band 4 (20. Jahrhundert II). Herausgegeben von Frank Rainer Max und Chris­tine Ruhrberg. Stuttgart 1999. S. 425

[33] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 142.

[34] Vgl. Durzak, Manfred: Ich tendiere nur zu dem scheinbar Unpolitischen. Gespräch mit Heinrich Böll, S. 173.

[35] Vgl. Böll, Heinrich: Gruppenbild mit Dame. In: Ders. Heinrich Böll Werke - Kölner Ausgabe. Hg. v. Árpád Bernáth, Hans Joachim Bernhard, Robert C. Conrad, Frank Finlay, J.H. Reid, Ralf Schnell, Jochen Schubert. Bd. 17. Hrsg. von Ralf Schnell und Jochen Schubert in Zusammenarbeit mit Klaus-Peter Bernhard. Köln: Kiepen­heuer und Witsch 2005, S.449.

[36] Vgl. Jeziorkowski, Klaus: Das Entschwinden der Realität nach innen. Zu Heinrich Bölls letztem Roman „Frauen vor Flußlandschaft“. In: Árpád Bernáth (Hrsg.): Geschichte und Melancholie. Über Heinrich Bölls Ro­man Frauen vor Flußlandschaft, 1995 Köln, S. 30.

[37] Heinrich Böll / Dieter Wellershoff: Gruppenbild mit Dame. Ein Tonbandinterview, S. 154.

[38] Vgl. Heinrich Böll / Dieter Wellershoff: Gruppenbild mit Dame. Ein Tonbandinterview, S. 154.

[39] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 24.

[40] Böll, Heinrich: Eine deutsche Erinnerung. Interview mit René Wintzen. Köln 1979, S. 52.

[41] Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 207.

[42] Vgl. Heinrich Böll / Dieter Wellershoff: Gruppenbild mit Dame. Ein Tonbandinterview, S. 154.

[43] Böll, Heinrich: Eine deutsche Erinnerung, S. 50.

[44] Heinrich Böll / Dieter Wellershoff: Gruppenbild mit Dame. Ein Tonbandinterview, S. 147.

[45] Vgl. Rückwald, K.: Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann, S. 426.

[46] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 17.

[47] Vgl. Ebd., S. 18.

[48] Vgl. Ebd., S. 126.

[49] Vgl. Ebd., S. 120.

[50] Böll, Heinrich: Frankfurter Vorlesungen, S. 101.

[51] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 199f.

[52] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 120.

[53] Vgl. Ebd., S. 126.

[54] Vgl. Schröter, Klaus: Heinrich Böll. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt, S. 90.

[55] Vgl. Hübner, Raoul: Der diffamiert-integrierte 'Anarchismus'. Zu Heinrich Bölls Erfolgsroman 'Gruppenbild mit Dame'. In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Deutsche Bestseller - Deutsche Ideologie Ansätze zu einer Ver­braucherpoetik. Stuttgart 1975, Literaturwissenschaft - Gesellschaftswissenschaft. Materialien und Untersu­chungen zur Literatursoziologie. Bd. 15, S. 113-144, S. 137.

[56] Vgl. Bernáth, Arpád: Zur Stellung des Romans „Gruppenbild mit Dame“ in Bölls Werk. In: Renate Matthaei (Hrsg.): Die subversive Madonna. Ein Schlüssel zum Werk Heinrich Bölls. Köln 1975, S. 127.

[57] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 126.

[58] Vgl. Silén, Ulla Grandel: Marie, Leni, Katharina und ihre Schwestern. Eine Analyse des Frauenbildes in drei Werken von Heinrich Böll, S. 16.

[59] Vgl. Bernáth, Arpád: Zur Stellung des Romans „Gruppenbild mit Dame“ in Bölls Werk, S. 54.

[60] Vgl. Silén, Ulla Grandel: Marie, Leni, Katharina und ihre Schwestern. Eine Analyse des Frauenbildes in drei Werken von Heinrich Böll, S. 16.

[61] Vgl. Römhild, Dorothee: Die Ehre der Frau ist unantastbar. Das Bild der Frau im Werk Heinrich Böll, S. 126.

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Die Ästhetik des Humanen und die Funktion der Frauen in ausgewählten Romanen Heinrich Bölls
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,1
Autor
Jahr
2017
Seiten
68
Katalognummer
V426416
ISBN (eBook)
9783668707801
ISBN (Buch)
9783668707818
Dateigröße
891 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ästhetik, humanen, funktion, frauen, romanen, heinrich, bölls
Arbeit zitieren
Sarah Müller (Autor), 2017, Die Ästhetik des Humanen und die Funktion der Frauen in ausgewählten Romanen Heinrich Bölls, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426416

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