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Die Ästhetik des Humanen und die Funktion der Frauen in ausgewählten Romanen Heinrich Bölls

Título: Die Ästhetik des Humanen und die Funktion der Frauen in ausgewählten Romanen Heinrich Bölls

Tesis de Máster , 2017 , 68 Páginas , Calificación: 2,1

Autor:in: Sarah Müller (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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In der vorliegenden Arbeit wird es zunächst einen allgemeinen Kontextteil geben, in dem ich auf Bölls „Ästhetik des Humanen“ und den Gedanken einer alternativen Gesellschaftsform eingehe und dies in Bezug zu den weiblichen Figuren stelle. Anschließend werde ich auf die Zäsur durch den Roman Gruppenbild mit Dame hinsichtlich der Frauenfiguren aber auch in Bezug auf sein literarisches Konzept eingehen. Daraufhin werde ich mich konkret mit den drei Werken befassen. Hier werde ich zunächst darauf eingehen, welche Bedeutung die Liebeserfahrung für Bölls Heldinnen hat, um anschließend zu zeigen, inwiefern die weiblichen Figuren hinsichtlich des Entwurfs einer Gegengesellschaft fungieren.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Heinrich Bölls Idee des Humanen oder der Entwurf einer alternativen Gesellschaftsform

3. Gruppenbild mit Dame – eine Zäsur

4. Die Bedeutung der Liebe für Bölls Frauenfiguren

5. Der Ansatz einer Gegengesellschaft hinsichtlich der Frauenfiguren

6. Die Hoffnung stirbt zuletzt

7. Abschließende Überlegungen

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Masterarbeit untersucht die zentrale Rolle der Frauenfiguren in den Romanen von Heinrich Böll ab "Gruppenbild mit Dame". Dabei wird analysiert, inwiefern diese Charaktere als Trägerinnen einer "Ästhetik des Humanen" fungieren, wie ihre Liebeserfahrungen mit dem Wunsch nach einer alternativen Gesellschaftsform verknüpft sind und ob Bölls Gesamtwerk letztlich vom Prinzip Hoffnung oder von Resignation geprägt ist.

  • Die Bedeutung weiblicher Charaktere für Bölls literarische Botschaft
  • Die "Ästhetik des Humanen" und der Entwurf einer Gegengesellschaft
  • Die Funktion der Liebe als Medium der existentiellen Gegenposition
  • Die Zäsur durch den Roman "Gruppenbild mit Dame"
  • Vergleichende Analyse der Frauenfiguren in Bölls Spätwerk

Auszug aus dem Buch

Die Stunde der Tasse Kaffee

Nun gut – und was tut unsere Leni am ersten Tag, wo der Russe bei uns auftaucht? Sie schenkt dem Russen eine Tasse von ihrem Kaffee ein – 1:3 müssen sie wissen, während der Kremp seine flaue Pampe schlürfte -, schenkt dem Russen aus ihrer Kanne Kaffee in ihre Tasse ein und bringt sie ihm rüber an den Tisch, wo er in den ersten Tagen mit Kremp zusammen im Kranzkörperkommando arbeitete. Das war für die Leni eine Selbstverständlichkeit, jemand, der weder ne Tasse noch Kaffee hatte, eine Tasse Kaffee anzubieten – aber glauben Sie, die hat geahnt, wie politisch das war. Ich habe gesehen, daß sogar die Ilse Kremer blaß wurde – die wußte nämlich, wie politisch das war: einem Russen eine Tasse 1:3-Kaffee bringen, der mit seinem Duft alle anderen Plempegemische sowieso totschlug.

Was tut der Kremp? Der sitzt meistens da, hat seine Beinprothese bei der Arbeit abgeschnallt, weil sie ihm noch nicht richtig saß, er nimmt also die abgeschnallte Prothese von dem Haken an der Wand [...] und schlägt dem völlig verwirrten Russen die Tasse aus der Hand. [...] und was tut Leni, während na sagen wir ne Art atemlose und angstvolle Spannung herrscht? Was tut sie? Sie hebt die Tasse auf, die wegen der herumliegenden Torfmullreste weich gefallen und nicht kaputt gegangen war, sie hebt sie auf, geht zum Wasserhahn, spült sie sorgfältig – es war schon provozierend, wie sorgfältig sie das tat -, und ich glaube, von diesem Augenblick an tat sies absichtlich provozierend. Mein Gott, Sie wissen doch, daß man so ne Tasse rasch mal ausspülen kann, meinetwegen auch gründlich, aber sie spülte sie, als wärs ein heiliger Kelch – dann tat sie, was vollkommen überflüssig war -, trocknete die Tasse auch noch sorgfältig mit einem sauberen Taschentuch ab, ging zu ihrer Kaffeekanne, schüttete die zweite Tasse, die drin war – es waren so Zwei-Tassen-Kännchen, wissen Sie -, ein und bringt sie seelenruhig dem Russen, ohne den Kremp auch nur anzusehen. Nicht stumm tat sies. Nein, sagte auch noch: >Bitte sehr.< Jetzt kams auf den Russen an. Der wußte wohl, wie politisch die ganze Situation war [...]. Leni hat das Ihre getan - was tut er? Nun, er nimmt den Kaffee, sagt laut und deutlich, in einem makellosen Deutsch: >Danke, mein Fräulein und fängt an, ihn zu trinken. Schweißtropfen auf seiner Stirn, und sie müssen sich vorstellen, der hatte wahrscheinlich schon ein paar Jahre keinen Tropfen Bohnenkaffee oder Tee bekommen – es wirkte auf ihn wie ne Spritze auf nen ausgemergelten Körper. (GmD, S. 214ff.)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit: Einführung in die These, dass Bölls Frauenfiguren komplexe Persönlichkeiten und zentrale Trägerinnen seiner gesellschaftskritischen Utopie sind.

2. Heinrich Bölls Idee des Humanen oder der Entwurf einer alternativen Gesellschaftsform: Erläuterung des Konzepts der "Ästhetik des Humanen" und des Strebens nach einem bewohnbaren Land durch die Verteidigung des Alltäglichen.

3. Gruppenbild mit Dame – eine Zäsur: Analyse der narrativen Wende in Bölls Werk und der Bedeutung der Figur Leni Pfeiffer als erste weibliche Hauptfigur.

4. Die Bedeutung der Liebe für Bölls Frauenfiguren: Untersuchung der Liebe als Medium der humanen Existenz und als Gegenbild zu inhumanen Machtstrukturen.

5. Der Ansatz einer Gegengesellschaft hinsichtlich der Frauenfiguren: Darstellung, wie die Protagonistinnen durch ihre Haltung und Lebensweise einen symbolischen Entwurf einer menschlicheren Gesellschaft verkörpern.

6. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Betrachtung der resignativen versus hoffnungsvollen Tendenzen in den Schlüssen der analysierten Romane.

7. Abschließende Überlegungen: Fazit zur Notwendigkeit der Frauenfiguren für Bölls politische Erzählintentionen und die Realisierbarkeit seiner utopischen Ansätze.

Schlüsselwörter

Heinrich Böll, Frauenfiguren, Ästhetik des Humanen, Gegengesellschaft, Liebesideal, Leistungsgesellschaft, Fortschreibung, Leni Pfeiffer, Katharina Blum, Erika Wubler, Gesellschaftskritik, Utopie, Humanität, Abfälligkeit, Widerstand

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Rolle, Funktion und Charakterisierung weiblicher Figuren in ausgewählten Romanen von Heinrich Böll, insbesondere im Hinblick auf seine gesellschaftskritische Ästhetik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Begriffe der "Ästhetik des Humanen", die Suche nach einer alternativen Gesellschaftsform ("Gegengesellschaft"), die Bedeutung der Liebe als moralischer Gegenentwurf sowie das Prinzip der Hoffnung versus Resignation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Frauenfiguren in Bölls späterem Werk unverzichtbar sind, um seine humanistischen Botschaften zu vermitteln, und wie sie als "positive Antiheldinnen" fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die die ausgewählten Werke chronologisch untersucht und mittels Sekundärliteratur auf ihre inhaltliche und ästhetische Dimension hin befragt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Romanen "Gruppenbild mit Dame", "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" und "Frauen vor Flußlandschaft", wobei die Figuren Leni Pfeiffer, Katharina Blum, Erika Wubler und Elisabeth Blaukrämer im Zentrum stehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie "Ästhetik des Humanen", "Gegengesellschaft", "Leistungsverweigerung", "Liebesideal" und "gesellschaftlicher Abfall" beschreiben.

Warum wird "Gruppenbild mit Dame" als Zäsur betrachtet?

Der Roman markiert einen Neuanfang, da Leni Pfeiffer die erste weibliche Hauptfigur Bölls ist und der Roman eine neue, episodenhaft-dokumentarische Erzählweise einführt.

Welche Rolle spielt der Rhein in Bölls Spätwerk?

Der Rhein dient als Symbol für den Lauf der Geschichte und als Ort der Erinnerungsarbeit, an dem die Protagonistinnen ihre kritische Reflexion gegenüber der korrupten bundesdeutschen Gesellschaft vollziehen.

Ist Bölls Gesamtwerk eher hoffnungsvoll oder resignativ?

Die Autorin argumentiert gegen die gängige Lehrmeinung der Resignation im Alterswerk und sieht in der Entwicklung hin zu einem realistischeren, gesellschaftsverändernden Ansatz der jüngeren Generation einen durchaus hoffnungsvollen Ausklang.

Final del extracto de 68 páginas  - subir

Detalles

Título
Die Ästhetik des Humanen und die Funktion der Frauen in ausgewählten Romanen Heinrich Bölls
Universidad
University of Cologne
Calificación
2,1
Autor
Sarah Müller (Autor)
Año de publicación
2017
Páginas
68
No. de catálogo
V426416
ISBN (Ebook)
9783668707801
ISBN (Libro)
9783668707818
Idioma
Alemán
Etiqueta
ästhetik humanen funktion frauen romanen heinrich bölls
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Sarah Müller (Autor), 2017, Die Ästhetik des Humanen und die Funktion der Frauen in ausgewählten Romanen Heinrich Bölls, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426416
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