Die deutschen Verhältnisse, der Pietismus und die Pädagogik. Epoche der Empfindigkeit


Essay, 2017

5 Seiten


Leseprobe

Die deutschen Verhältnisse, der Pietismus, die Pädagogik

Die Empfindsamkeit ist eine Strömung, die aus der literarischen Epoche der Aufklärung erwachsen ist. Die Empfindsamkeit ist jedoch nicht als Gegenbewegung, sondern eher als Ergänzung der aufklärerischen Ideen zu verstehen. Zentrale Motive der Empfindsamkeit waren demnach:

- Das Entdecken und Erleben der Natur;
- Die Freundschaft, der Lebensgenuss;
- Das Beobachten seelischer Regungen;
- Die Ergriffenheit in Bezug auf Tugend, Anmut oder auch Freundschaft.

Charakteristisch ist außerdem die Betonung des Privatlebens, die im Gegensatz zur Betonung der Öffentlichkeit im Absolutismus steht.

Eines der wichtigsten inhaltlichen Merkmale der Empfindsamkeit ist die Gegenüberstellung von Gefühl und Verstand. Da das Betonen der inneren Empfindungen im Vordergrund stand, dominierten vor allem Gattungen, die die verschiedenen Nuancen des Seelenlebens trefflich darstellen konnten. Die Literatur der Empfindsamkeit ist geprägt von Pietismus, Gefühlsbetontheit, Freundschaft und Naturnähe.

Die Empfindsamkeit sollte ein Gleichgewicht zwischen Vernunft und Gefühl, zwischen Kopf und Herz herbeiführen. Im Mittelpunkt standen subjektive Erfahrungen, häufig im Zusammenhang mit Moral, Tugend, menschlicher und künstlerischer Anmut. Das Bürgertum suchte eine Flucht vor der Unterdrückung durch die Obrigkeit - und fand sie in der Welt der Empfindungen.

Im Zeitalter der Empfindsamkeit drängt sich eine Fülle von Ereignissen in der Welt und Europa zusammen:

- Zahlreiche Kriege in Europa (Spanischer, Österreichischer Krieg)
- Der Siebenjährige Krieg (1756-1762)
- Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika (1776)
- Französische Revolution (1789) ua.

Die deutschen Verhältnisse.

Also die politische und ökonomische Situation in Deutschland war widersprüchlich. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation bestand aus mehr als 300 souveränen Staaten.

Aufgrund der rückständigen wirtschaftlichen und politischen Zuständen war das politische und wirtschaftliche Denken im Gegensatz zu Frankreich und England unentwickelt.

Die Gesellschaft. In allen Staaten des Reichs fand man den gleichen Aufbau der Stände vor, den man im Wesentlichen in vier Teile unterscheiden konnte:

Die Fürsten bildeten immer die Spitze der Pyramide und waren die Landherren. Ihr Lebensstil glich dem französischen Vorbild und sie herrschten in einer Autokratie über ihren Staat. Es gab daher sehr wenigen Fürsten, die sich um das Gemeinwohl ihrer Bevölkerung kümmerten.

Der Adel hielt in der Pyramide den zweiten Rang.Der Adel genoss alle nur denkbaren Vorrechte. Der Adelsstand durfte:

- Güter besitzen und erwerben
- war steuerfrei
- trug keunerlei staatliche Lasten
- wurde vom Gericht anders behandelt als Bürger oder Bauer, falls es überhaupt vorkam, dass ein Adliger vor dem Richter stehen musste

Die Bürger bestanden Menschen mit sehr verschiedenen Berufen, wie z.B. Kaufleute, Manufakturbesitzer, Beamte, Handwerker, Intellektuelle, Pfarrer, Schulmeister oder Ärzte. Ihre ordentliche Lebensführung wurden von Genügsamkeit und Sparsamkeit geprägt.Die Tugenden der Bürger waren Bescheidenheit, Ehrlichkeit und Fleiß. Das Bürgertum lebte also in sehr ärmlichen Verhältnissen.

Die Bauern bildeten die unterste Schicht in der Pyramide und war daher auch meistens vom Adel abhängig. Die Lage der Bauern war auch schlecht. Die Bauern mussten auch den ganzen Tag lang arbeiten und wurden von den anderen Schichten als Sklaven oder Knechten angesehen.

In damaliger Zeit war tiefe Kluft zwischen den Ständen in Deutschland. Der wirtschaftliche Schwerpunkt lag in Deutschland im 18. Jahrhundert auf der Agrarwirtschaft. Zwei Drittel der Bevölkerung waren in der Landwirtschaft tätig und lebten auf dem Lande. Die übrigen wohnten in den 1016 Städten, die meisten in Berlin.Die Städte der damaligen Zeit machten auf die Zeitgenossen keinen repräsentativen Eindruck. Zu der Zeit herrschten noch die Gesellschaftsschichten und die Armen, also das Bürgertum wurde von den Reichen unterdrückt. Dadurch entstand eine gefühls-betont, enthusiastisch-sentimentale Weltansicht.

Der Pietismus. Gegen die rationalistische Gefühlskälte der kirchlichen Orthodoxie entstand der Pietismus. Der Begriff Pietismus stammt vom lateinischen Wort pietas = Frömmigkeit ab. Er wurde im 17. Jahrhundert in Deutschland von dem evangelischen Theologen Philipp Jacob Spener (1635–1705) geprägt.

Der Pietismus ist eine protestantische Erneuerungsbewegung, die sich durch eine besondere, gefühlsbetonte Form der Frömmigkeit auszeichnet. Sie fordert von den Gläubigen eine Verinnerlichung des Glaubens und ein vorbildliches moralisches Auftreten in der Öffentlichkeit. Die Träger dieser Bewegung kamen vor allem aus dem mittleren und unteren Bürgertum. Die, die mit Ernst Christen sein wollten, sammelten sich z.B. am Sonntag nach dem Gemeindegottesdienst separat in kleineren Gruppen, um die Predigt des Pfarrers noch einmal zu besprechen, christliche Bücher zu lesen, zu beten und zu singen. Es handelte sich, wie man heute sagen würde, um eine Hauskreisbewegung, wobei die Pietisten sich nicht von der Kirche trennten, sondern als Kirchlein in der Kirche existierten. Eine wichtige Rolle spielte die Persönlichkeit des Predigers, seine Fähigkeit, den einzelnen immer wieder neu zu erwecken. Neben Teologen wurden auch Laien ohne akademische Bildung Prediger geschätzt.

Der Pietismus forderte eine echte Frömmigkeit ohne Einschränkung durch dogmatische Starre. In dieser Bewegung mussten immer fünf Grundanliegen betont und verwirklicht werden:

- Die Bibel als Gottes Wort;
- Die Notwendigkeit von Umkehr und Nachfolge;
- Das allgemeine Pristentum der Gläubigen;
- Liebe zu Mission und Diakonie;
- Hoffnung auf den wiederkommenden Christus.

Der Pietismus hatte positive Züge. Er befreite die Menschen aus der Gefühlsstarre, er befähigte sie zu künstlerischen Höchstleistungen wie auch zum lebendigen Erlebnis der Kunstwerke. Ein starkes Gefühlsleben und große Empfinsamkeit sind für die unsichtbare Kirche kennzeichnend. Diese protestantische Laienbewegung wurde von den bedeutenden religiösen Persönlichkeiten geprägt: Ph.J.Spener, A.H.Francke, Graf Zinzendorf ua.

Die Pädagogik.

In der Oberschichten erwartete man von den Pädagogen die Erziehung der heranwachsenden Generation zu gehorsamen Untertanen. Die Schulen standen somit im allgemeinen auf einem äußerst niedrigen Neveau. Und gerade innerhalb der Pädagogik vereinigten sich aufklärerische und empfindsame Bestrebungen zu einer gemeinsamen Entwicklung und zu gemeinsamen Zielen.

In dieser Zeit erschien der Erziehungsroman Emile von Rousseaus. . Der Mensch sei gut von Natur aus. Und die Erziehung muss nur diese menschliche Natur fördern und unterstützen.

Viele der Gedanken Rousseaus wurden von dem großen Schweizer Pädagogen Pestalozzi (1746-1827) verwirklicht und weitergeführt. Pestalozzi kultivierte das Gefühl für die Menschenwürde . Alles, was ich bin, alles, was ich will, und alles, was ich soll, geht von mir selbst aus. Die pädagogische Fürsorge von Pestalozzi galt in erster Linie den Kindern der Ärmsten, der sozial Schwachen. 1774 gründete er eine Arbeitsschule, in der er seine reformerischen Pläne erprobte.

Pestalozzi veröffentlichte sein pädagogisches Programm . Sein Erziehungsprogramm wendet sich gegen den übersteigerten Individualismus. Nach seiner Meinung ist die Gesellschaft verpflichtet, in jedem Menschen die eingeborenen Anlagen zu entwickeln. Jeder Mensch hat ein Recht auf Erziehung und Bildung unabhängig von Geschlecht, Nationalität und sozialem Rang.

Sein Ziel ist die Erziehung des Menschen zu einem stillen, arbeitsamen Berufsleben. In diesem Erziehungsprogramm verbinden sich fortschrittliche, demokratische Tendenzen mit empfindsamen Zügen und dem alten Obrigkeitsbewusstsein, in dem Ruhe die erste Bürgerpflicht ist.

1774 eröffnete Johann Bernhard Basedow in Dessau ein Bildungsinstitut, das er Philantropinum nannte. Hier versuchte er Rousseaus Gedanken auf seine Weise zu verwirklichen. Am Balaton wurde die erste landwirtschaftliche Hochschule gegründet.

Die Erziehungswelle des späten 18.Jahrhunderts führte nicht zum gewünschten Ziel einer Verwirklichung des paradiesischen Reiches der Menscheliebe, der Glückseligkeit und Freiheit. Dennoch förderte sie eine Reihe von fortschrittlichen Bestrebungen und Entwicklungen.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Die deutschen Verhältnisse, der Pietismus und die Pädagogik. Epoche der Empfindigkeit
Hochschule
Latvijas Universitate
Autor
Jahr
2017
Seiten
5
Katalognummer
V426454
ISBN (eBook)
9783668708532
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pietismus, pädagogik
Arbeit zitieren
Zoja Nikanorova (Autor), 2017, Die deutschen Verhältnisse, der Pietismus und die Pädagogik. Epoche der Empfindigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426454

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