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Das Motiv der Eisenbahn in der bildenden Kunst und der Lyrik des frühen 19. Jahrhunderts

Geschwindigkeitsdarstellungen bei Turner, Spitzweg, Chamisso und Kerner im Vergleich

Titel: Das Motiv der Eisenbahn in der bildenden Kunst und der Lyrik des frühen 19. Jahrhunderts

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2017 , 46 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sabrina Rutner (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Mit der technischen Errungenschaft der Dampflokomotive wurde bereits im frühen 19. Jahrhundert der Grundstein für die Entwicklung einer revolutionären Raum-, Zeit- und Geschwindigkeitserfahrung gelegt, die bestimmend für die Wahrnehmung des neuen Zeitalters der Industrialisierung war. Künstler und Dichter des neunzehnten Jahrhunderts suchten gleichermaßen nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und innovativen Bild- und Sprachdynamiken, um die große Kraft und Schnelligkeit der Maschine, und das revolutionierte Verhältnis von Technik, Mensch und Natur ästhetisch angemessen darzustellen. Es ist daher kaum verwunderlich, dass es in beinah allen Künsten zu unterschiedlichen medialen Verarbeitungen des Wahrnehmungswandels von Raum-, Zeit- und Geschwindigkeit gekommen ist.

Dessen ungeachtet gibt es in der Forschung bislang nur wenige Beiträge, die sich mit den verschiedenen ästhetischen Adaptionen von moderner Geschwindigkeitserfahrung im frühen 19. Jahrhundert in einer interdisziplinären Weise auseinandersetzen und das Motiv der Eisenbahn in Text und Bild vergleichend untersuchen. Doch gerade im Hinblick auf die Frage, ob es den Zeitgenossen des frühen 19. Jahrhunderts denn gelungen ist, die innovative Geschwindigkeit der Eisenbahn und die neuen Wahrnehmungs- und Sehweisen darstellungsästhetisch angemessen auszudrücken, ist eine medienvergleichende
Analyse von zentraler Bedeutung. Diese Arbeit macht es sich zur Aufgabe, die aufgeworfene Frage zu beantworten und einen Teil dazu beizutragen, die Lücke in der Forschung zu schließen. Durch eine vergleichende Analyse einiger exemplarisch ausgewählter Arbeiten aus der bildenden Kunst und der Lyrik soll aufgezeigt werden, dass Dichter und Künstler sich bis auf einige wenige Ausnahmen gleichermaßen schwertaten, neue Ausdrucksmöglichkeiten für die innovative Geschwindigkeit der Eisenbahn zu finden und sich von traditionellen Bild- und Sprachmustern zu lösen.

Auf welche Weise setzen sich die Künstler und Dichter des frühen 19. Jahrhunderts mit der technischen Innovation der Eisenbahn und der Wahrnehmung ihrer Geschwindigkeit und Bewegung auseinander? Wie reagieren sie inhaltlich auf die Geschwindigkeitsrevolution und mit welchen stilistisch-ästhetischen Mitteln und Formen stellen sie den Wahrnehmungswandel dar? Welche Bedeutung und welche Funktion hat die Eisenbahn in Text und Bild? Und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen letztendlich zwischen den ästhetischen Geschwindigkeitsdarstellungen in Kunst und Lyrik?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Veränderung der Wahrnehmung von Raum und Zeit durch die technische Innovation der Eisenbahn

3. Eisenbahn- und Geschwindigkeitsdarstellungen in der bildenden Kunst

3.1. William Turner – „Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway” (1844)

3.2. Carl Spitzweg – „Gnom, Eisenbahn betrachtend“ (1848)

4. Eisenbahn- und Geschwindigkeitsdarstellungen in der Lyrik des frühen 19. Jahrhunderts

4.1. Adelbert von Chamisso – „Das Dampfroß“ (1830)

4.2. Justinus Kerner – „Im Eisenbahnhofe“ (1852)

4.2.1. Die Strophen 1 – 3: Beschreibung der Eisenbahn und der Bahnhofsatmosphäre

4.2.2. Die Strophen 4 – 8: Verlust der Poesie und einstiger naturnaher Reiseformen

4.2.3. Die Strophen 9 – 11: Fortschrittskritik des lyrischen Ichs

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

6.1. Primärliteratur

6.2. Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetische Verarbeitung der technischen Innovation der Eisenbahn im frühen 19. Jahrhundert. Im Fokus steht die Forschungsfrage, ob es Künstlern und Dichtern gelang, die revolutionäre neue Geschwindigkeit sowie die damit einhergehenden Veränderungen der Wahrnehmung von Raum und Zeit in ihren Werken darstellungsästhetisch angemessen auszudrücken.

  • Vergleichende medienübergreifende Analyse von Kunst und Lyrik.
  • Untersuchung der Wahrnehmungspsychologie der Eisenbahnreise.
  • Kritische Analyse von Fortschrittsbegeisterung versus Romantik-Tradition.
  • Fallstudien zu Werken von William Turner, Carl Spitzweg, Adelbert von Chamisso und Justinus Kerner.

Auszug aus dem Buch

3.1. William Turner – „Rain, Steam and Speed – The Great Western Railway” (1844)

Joseph Mallord William Turner (1775-1851) ist einer der ersten Künstler, der mit seinem Ölgemälde „Rain, Steam and Speed – the Great Western Railway“ (Regen, Dampf und Geschwindigkeit – die Great Western Railway) von 1844 auf das neuartige Phänomen der Eisenbahn reagiert und der neuen Dimension von Geschwindigkeit und Bewegung künstlerisch Ausdruck verleiht. Turners Bild zeigt einen Zug der britischen Eisenbahngesellschaft „Great Western Railway“, der inmitten einer kaum definierbaren englischen Regen- und Nebellandschaft mit rasanterer Geschwindigkeit über die Eisenbahnbrücke bei Maidenhead und die darunter fließende Themse donnert.

In der Komposition des Bildes fällt zuerst die dunkle hohe Eisenbahnbrücke auf, die vom zentralperspektivisch angelegten Bildmittelpunkt in einer schnurrgeraden Linie auf die rechte untere Ecke zuläuft und über die Bildfläche hinauszuführen scheint. Braun zufolge wird das Moment der Geschwindigkeit in Turners Bild vor allem durch die beiden Fluchtlinien der mächtigen Brückenbrüstungen anschaulich, die den Raum vom Fluchtpunkt aus diagonal durchschneiden und einen nach vorne führenden Bewegungsimpuls suggerieren. So folgt das Auge des Betrachters den beiden auseinanderstrebenden Geraden der Brückenbrüstungen „wie mit Gewalt“. Die diagonale Linie der Eisenbahnbrücke trennt das Bild zudem in zwei ungleich große Teile. Durch die asymmetrische Bildkomposition wird das gesamte Bild in Spannung und Bewegung versetzt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Dampflokomotive als Auslöser für eine revolutionäre Raum-, Zeit- und Geschwindigkeitserfahrung im 19. Jahrhundert ein und umreißt das Ziel der Arbeit, die ästhetischen Reaktionen darauf zu untersuchen.

2. Die Veränderung der Wahrnehmung von Raum und Zeit durch die technische Innovation der Eisenbahn: Dieses Kapitel erläutert die verkehrsökonomische und wahrnehmungspsychologische Revolution, die durch die Eisenbahn ausgelöst wurde, und thematisiert den Topos der „Vernichtung von Raum und Zeit“ sowie neue panoramatische Sehweisen.

3. Eisenbahn- und Geschwindigkeitsdarstellungen in der bildenden Kunst: Dieser Abschnitt analysiert, wie bildende Künstler mit der Schwierigkeit rangen, die gleichbleibende „Maschine“ Eisenbahn visuell dynamisch darzustellen, wobei insbesondere auf die Bildzeichen von Turner und Spitzweg eingegangen wird.

4. Eisenbahn- und Geschwindigkeitsdarstellungen in der Lyrik des frühen 19. Jahrhunderts: Dieser Teil untersucht, wie Dichter versuchten, die neue technische Dynamik in traditionelle romantische Sprachmuster zu integrieren und dabei oft ambivalente Haltungen zwischen Fortschrittsglauben und Technikfeindlichkeit offenbarten.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Turner in der Kunst als Vorreiter gilt, während Lyriker wie Chamisso und Kerner sprachlich weitgehend in der Tradition der Romantik verhaftet blieben, ohne neue Ausdrucksformen für die technisierte Moderne zu finden.

6. Literaturverzeichnis: Hier werden sämtliche für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärquellen chronologisch und systematisch aufgelistet.

Schlüsselwörter

Eisenbahn, 19. Jahrhundert, Geschwindigkeitsdarstellung, Wahrnehmungsästhetik, Industrialisierung, Malerei, Lyrik, William Turner, Carl Spitzweg, Adelbert von Chamisso, Justinus Kerner, Romantik, Raum-Zeit-Veränderung, Technikskepsis, Fortschrittsoptimismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Künstler und Dichter des frühen 19. Jahrhunderts auf die durch die Eisenbahn ausgelöste technische Revolution und die damit verbundenen radikalen Veränderungen der Wahrnehmung von Raum und Zeit reagierten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die ästhetische Verarbeitung von Geschwindigkeit, der Kontrast zwischen industriellem Fortschritt und romantischen Traditionen sowie der Wandel der menschlichen Seh- und Erlebnisweise im Maschinenzeitalter.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, herauszufinden, ob es den Zeitgenossen gelang, die neue Geschwindigkeit und die veränderte Realität in ihrer Kunst und Literatur durch neue Ausdrucksformen darzustellen oder ob sie an althergebrachten Mustern festhielten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine vergleichende Analyse exemplarisch ausgewählter Werke aus der Malerei und der Lyrik vorgenommen, ergänzt durch eine theoretische Grundlage basierend auf wahrnehmungsästhetischen Erkenntnissen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Gemälde von William Turner und Carl Spitzweg sowie Gedichte von Adelbert von Chamisso und Justinus Kerner hinsichtlich ihrer Darstellung der Eisenbahn und der damit verbundenen emotionalen oder kritischen Reaktionen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Eisenbahn, Wahrnehmungsästhetik, Industrialisierung, Romantik, Geschwindigkeit, Zeitkritik und mediale Transformation.

Wie unterscheidet sich die Darstellung von Turner von der von Spitzweg?

Turner gelingt es, durch dynamische Komposition und Unschärfe die Schnelligkeit der Eisenbahn impressionistisch greifbar zu machen, während Spitzweg die Eisenbahn eher als Bedrohung der romantischen Idylle in einem traditionellen, statischen Landschaftsbild darstellt.

Inwiefern stellt Chamisso die Eisenbahn als "Zeitmaschine" dar?

Chamisso nutzt die Eisenbahn in seinem Gedicht als fantastisches Mittel, um die Grenzen von Raum und Zeit aufzuheben, und lässt das lyrische Ich in die Vergangenheit reisen, was die durch die Technik gewonnene Kontrolle über Zeit symbolisiert.

Warum kritisiert Kerner die Eisenbahn so stark?

Kerner betrachtet die Eisenbahn als dämonisches Ungeheuer, das die romantische Natur und die Poesie des Reisens zerstört und den Menschen in eine entfremdete, technisierte und unpersönliche Welt drängt.

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Details

Titel
Das Motiv der Eisenbahn in der bildenden Kunst und der Lyrik des frühen 19. Jahrhunderts
Untertitel
Geschwindigkeitsdarstellungen bei Turner, Spitzweg, Chamisso und Kerner im Vergleich
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik – Neuere Deutsche Literatur)
Note
1,0
Autor
Sabrina Rutner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
46
Katalognummer
V426484
ISBN (eBook)
9783668708587
ISBN (Buch)
9783668708594
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motiv eisenbahn kunst lyrik jahrhunderts geschwindigkeitsdarstellungen turner spitzweg chamisso kerner vergleich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sabrina Rutner (Autor:in), 2017, Das Motiv der Eisenbahn in der bildenden Kunst und der Lyrik des frühen 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426484
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Leseprobe aus  46  Seiten
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