Unterstützungsbedarf und gesundheitliche Auswirkungen des Ehrenamtes in der Flüchtlingshilfe

Qualitative Interviews mit ehrenamtlich Tätigen


Bachelorarbeit, 2016
49 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Zusammenfassung

Abstract

1 Einleitung

2 Flüchtlingssituation in Deutschland
2.1 Zum Flüchtlingsbegriff
2.2 Entwicklung der Flüchtlingsbewegungen

3 Ehrenamtliche Arbeit
3.1 Definition des Begriffs Ehrenamt
3.2 Statistische Daten zum Ehrenamt
3.3 Ehrenamtliche Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe
3.4 Ehrenamt und Gesundheit

4 Vorstellung des Projekts

5 Methodisches Vorgehen
5.1 Fragestellung und Zielsetzung
5.2 Stichprobe
5.3 Das qualitative Leitfaden-Interview
5.4 Aufbau des Leitfadens
5.5 Durchführung der Befragungen
5.6 Transkription
5.7 Auswertung: Qualitative Inhaltsanalyse

6 Ergebnisse der Befragung
6.1 Beschreibung der Tätigkeiten
6.2 Gründe für das Engagement
6.3 Positive Aspekte und Ressourcen des Ehrenamtes
6.4 Negative Aspekte und Belastungen durch das Ehrenamt
6.4.1 Strukturelle Rahmenbedingungen des Ehrenamtes
6.4.2 Zwischenmenschliche Konflikte
6.4.3 Gesundheitliche Auswirkungen
6.5 Umgang mit Belastungen
6.5.1 Wissen über Unterstützung
6.5.2 individuelle Bewältigungsstrategien
6.6 Verbesserungswünsche und Vorschläge der Befragten

7 Handlungsempfehlungen

8 Diskussion und Fazit

9 Literaturverzeichnis

Anhang A: Interviewleitfaden

Anhang B: Einverständniserklärung für die Interviews

Anhang C: Übersicht der verwendeten Kategorien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenfassung

Hintergrund

Die Flüchtlingszahlen in Europa und damit auch in Deutschland haben sich in den letzten Jahren, insbesondere seit 2014, stark erhöht.

Diese neue Situation bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich. Um diese zu bewältigen, setzt der Staat zunehmend auf die Hilfe von Ehrenamtlichen. Die Anzahl der Freiwilligen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, ist in diesem Zusammenhang angestiegen, obwohl die Zahl der Ehrenamtlichen sich insgesamt nicht verändert hat.

In der Kürze der Zeit, in der die Flüchtlingsströme bewältigt werden mussten, fand keine Prüfung der Unterstützungsangebote für Ehrenamtliche statt. Es wurden viele neue Angebote entwickelt, deren Effektivität ist jedoch bisher nicht untersucht worden.

Die vorliegende Arbeit stellt eine Auswertung der Unterstützungsbedarfe für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe dar und gibt einen Überblick über die gesundheitlichen Auswirkungen des Ehrenamtes.

Methoden

Im Rahmen dieser Arbeit wurden zehn Personen befragt, welche ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig sind. Die qualitativen Interviews wurden anhand eines Interviewleitfadens geführt und die Ehrenamtlichen beantworteten Fragen zu verschiedenen Themenblöcken in den Bereichen gesundheitliche Auswirkungen und Unterstützungsmöglichkeiten für Ehrenamtliche.

Für die Auswertung fand eine Transkription der Interviews statt. Die Transkripte wurden anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring kategorisiert und ausgewertet.

Ergebnisse

Es konnte festgestellt werden, dass die von den Befragten ausgeführten Tätigkeiten sehr vielfältig sind und verschiedene Bereiche umfassen. Die Motivationen und Beweggründe sind ebenfalls individuell und vielschichtig.

Obwohl sie unter einer hohen Anzahl von erheblichen Belastungen und Störfaktoren leiden, haben die Interviewten das Gefühl, dass ihre ehrenamtliche Tätigkeit sich positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkt.

Weiterhin haben die Befragten ein großes Wissensspektrum über bestehende Unterstützungsangebote und können konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Situation nennen.

Handlungsempfehlungen

Ausgehend von der Analyse der Ergebnisse und den Vorschlägen der Befragten konnten zahlreiche Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Diese beziehen sich insbesondere auf Veränderungen der strukturellen Rahmenbedingungen, aber auch auf eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Flüchtlingsunterkünften. Zudem konnten Vorschläge zur Erweiterung des Fortbildungsangebotes gemacht werden, um die Ehrenamtlichen stärker zu unterstützen.

Diskussion und Fazit

Die vorliegende Arbeit zeigt das Bestehen eines hohen Bedarfes an Unterstützungsangeboten für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe.

Es konnte gezeigt werden, dass das Ehrenamt als Ressource genutzt werden kann, aber auch eine Vielzahl verschiedener Belastungen mit sich bringt, die durch Verbesserungsmaßnahmen verringert werden müssen.

Außerdem konnte festgestellt werden, dass weiterer Forschungsbedarf besteht, um mehr über die Situation der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe herauszufinden.

Abstract

Background

The number of refugees who came to Europe and Germany have increased during recent years, especially since 2014.

During this new situation, which presents many new challenges, the government needs the support of volunteers. The number of people who work voluntarily in refugee relief has increased in this new situation; however the number of volunteers in other sectors stayed the same.

The flow of refugees had to be handled within a short period of time and the offers to support volunteers were not scientifically analyzed. Many new offers were developed without examining their efficiency first.

This thesis presents an analysis of the needs of volunteers in refugee relief and provides an overview of the effects on the volunteers’ health.

Methods

In the context of this thesis, ten qualitative interviews with volunteers in refugee relief were performed. These interviews were based on a pre-prepared interview guideline and contained questions about different thematic categories. The main purpose was to identify the needs of the volunteers in dealing with refugees, and also to learn the health implications of this work.

For the examination of the interviews, all audio records were transliterated and categorized and analyzed based on the qualitative content analysis of Mayring.

Results

The analysis of the interviews suggested that the work undertaken by these volunteers is multilayered and differs between volunteers. The motivation and reasoning for the volunteers’ willingness to be involved with refugee relief was also individual and divers.

The volunteers believe that their commitment will have a positive influence on their own wellbeing, although they are constantly exposed to various stressful and disruptive factors.

Furthermore, the volunteers have a broad knowledge about existing supporting offers and during the interviews, they discussed numerous ideas which could potential improve the situation.

Recommended Actions

By analyzing the results and the volunteers’ suggestions for improvement, numerous recommended actions can be developed.

These are mostly improvements concerning the structural general conditions of the volunteers’ work, but also recommendations to improve their co-operation with refugee camps. With the aim to strengthen the volunteers’ health, proposals to improve the existing offers in trainings for volunteers could be made.

Discussion and Conclusion

This thesis illustrates that the support for volunteers in refugee relief is in need of strengthening and enhancement in numerous areas.

It is evident that the voluntary commitment can be seen as a resource to assist volunteers, however this resource is exposed to numerous burdens which need to be addressed in order to further support the volunteers.

This thesis also suggests that there is a need for further studies within this academic area in order to better fulfill the needs and overall situation of the volunteers.

1 Einleitung

Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das! “ – diese viel diskutierte Aussage traf Bundeskanzlerin Angela Merkel in Bezug auf die veränderte Flüchtlingssituation in Europa. Sie implizierte damit, dass Deutschland die Flüchtlingsströme bewältigen kann und die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft gelingen wird (Die Bundesregierung, 2015).

Die Zahlen der Flüchtlinge weltweit sind in den letzten Jahren so hoch wie zuletzt in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg; obwohl nur ein eher geringer Teil dieser Menschen nach Europa und Deutschland flieht, steigen auch in der Bundesrepublik die Zahlen enorm an. In den Jahren 2014 und 2015 war die Anzahl der Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl beantragten, besonders hoch (Han-Broich, 2015, S. 43f).

Diese neue Situation stellt die Bundesrepublik vor Herausforderungen, welche der Staat nicht alleine bewältigen kann. Somit wurde insbesondere im Jahr 2015 stark auf die Mithilfe von Ehrenamtlichen gesetzt. Es bildeten sich neue Initiativen und viele Menschen engagierten sich in verschiedenen Bereichen der Flüchtlingshilfe. Außerdem vergrößerten zahlreiche gemeinnützige Institutionen ihr Unterstützungsangebot für Ehrenamtliche. Aufgrund der fehlenden Zeit wurde nicht geprüft, welche Angebote tatsächlich angenommen werden und in welchem Themenbereich der größte Unterstützungsbedarf für Ehrenamtliche vorhanden ist. (ebd.).

Freiwilligenarbeit ist jedoch von hoher Bedeutung. Auf der einen Seite trägt sie dazu bei, dass die Flüchtlinge sowohl kurzfristig als auch auf lange Sicht gesehen erfolgreich integriert werden können. Auf der anderen Seite kann sie auch den Ehrenamtlichen selbst zu besserer Gesundheit und einer längeren Lebenserwartung verhelfen (BMFSFJ, 2011, S. 11). Um die Gesundheit der Ehrenamtlichen zu bewahren und sie vor Belastungen zu schützen, sollten die Freiwilligen vom Staat auf bestmögliche Art und Weise unterstützt werden.

Die vorliegende Arbeit soll dazu beitragen, fehlende Informationen zusammenzutragen, damit Ehrenamtliche von verschiedenen Stellen unterstützt werden können. Es sollte versucht werden, dass die Freiwilligen ihre Tätigkeit als eine Ressource nutzen können und die positiven Aspekte in der Arbeit gegenüber den negativen überwiegen. Die Arbeit soll einen Überblick darüber geben, welche Unterstützungsbedarfe für Ehrenamtliche sinnvoll sind; der Fokus liegt dabei auf der Verringerung der gesundheitlichen Belastungen, welche das Ehrenamt mit sich bringt.

Für den thematischen Einstieg wird ein theoretischer Hintergrund dargestellt, in dem zunächst die Flüchtlingssituation in Deutschland und anschließend der Bereich der ehrenamtlichen Arbeit thematisiert werden.

Der zweite Teil der Arbeit besteht aus einer Vorstellung des Gesamtprojektes und dem methodischen Teil der Untersuchung, in dem die Durchführung und Analyse der Befragungen erläutert werden.

Darauf folgen die Ergebnisdarstellung und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen und letztlich eine Diskussion der Ergebnisse sowie das Fazit.

2 Flüchtlingssituation in Deutschland

Dieses Kapitel gibt Aufschluss darüber, worin die Gründe in den steigenden Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre liegen. Diese sind besonders seit August 2015 stark angestiegen.

Für eine thematische Einführung wird im folgenden Kapitel zunächst der Begriff des Flüchtlings definiert. Anschließend wird die Entwicklung der globalen und bundesweiten Flüchtlingsbewegungen in den vergangenen Jahren detaillierter dargestellt.

2.1 Zum Flüchtlingsbegriff

Um den Begriff des Flüchtlings zu definieren, sollte zunächst eine Abgrenzung zu dem Begriff Migrant/in gezogen werden. Migranten/innen verlassen ihr Heimatland freiwillig mit dem Ziel, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Flüchtlinge hingegen sind „ aufgrund äußerer Einflüsse zur Flucht gezwungen “ (BMZ, o.J.).

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist die Definition des Begriffs Flüchtling sehr weit gefasst: Flüchtlinge sind all diejenigen Menschen, die aufgrund von „politischen, wirtschaftlichen oder ökologischen Gründen gezwungen sind, ihre Wohnsitze zu verlassen“. Diese Definition beinhaltet sowohl Binnenvertriebene, also Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes fliehen, als auch Menschen, die ihr Heimatland verlassen (Kroner / Palmberger, 2011, S. 85).

Im Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge aus dem Jahr 1951, der sogenannten Genfer Flüchtlingskonvention, wird die Definition des Begriffs Flüchtling enger gefasst. Als Flüchtling wird eine Person bezeichnet, die „ aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will “ (Genfer Flüchtlingskonvention, Art. 1a, Abs. 2).

Die 146 Vertragsstaaten dieses Abkommens haben sich dazu verpflichtet, Flüchtlingen Schutz zu gewähren. Dieser Schutz muss unabhängig von Rasse, Religion oder Herkunftslandes des Flüchtlings gewährt werden (Genfer Flüchtlingskonvention, Art. 3). Es liegt dabei jedoch im Ermessen des jeweiligen Landes, wer von einem Staat als Flüchtling anerkannt wird (Han-Broich, 2012, S. 46).

Um in der Bundesrepublik Deutschland anerkannt zu werden, müssen Flüchtlinge einen Asylantrag stellen. Im Rahmen eines Asylverfahrens wird festgestellt, ob tatsächlich eine Verfolgung vorliegt (BMZ, o.J.)

Abhängig von der letztendlich anerkannten Fluchtursache ergibt sich für die Flüchtlinge ein bestimmter Rechtsstatus. Es gibt beispielsweise Asylberechtigte mit Niederlassungserlaubnis (rechtskräftig anerkannte Flüchtlinge) oder Flüchtlinge, bei denen die Abschiebung vorübergehend ausgesetzt wurde und deren Aufenthalt lediglich für eine begrenzte Zeit gestattet ist (Han-Broich, 2012, S. 46ff).

Je nach Status der Anerkennung erhalten die Flüchtlinge unterschiedliche Leistungen und Privilegien vom Staat (Han-Broich, 2012, S. 47); die Geflüchteten selbst sind gegenüber dem Aufnahmeland in der Pflicht, die dort geltenden Gesetze und Rechtsvorschriften einzuhalten (Genfer Flüchtlingskonvention, Art. 2).

2.2 Entwicklung der Flüchtlingsbewegungen

Aus dem Mittjahresbericht 2015 der UNHCR, welcher die Daten des Jahres 2014 analysiert, geht hervor, dass Ende des Jahres 2014 weltweit rund 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht waren. Vermutlich ist diese Zahl im Jahr 2015 weiter gestiegen, sodass sie zum heutigen Zeitpunkt schätzungsweise bei über 60 Millionen liegt. Weiterhin berichtete die UNHCR darüber, dass seit Juni 2015 besonders viele Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa einreisten und sich dadurch die Anzahl der Geflüchteten noch weiter erhöhen wird (UNHCR, 2015, S. 3). Aufgrund der Aktualität des Themas und der hohen Dunkelziffer sind jedoch keine konkreten Daten in diesem Bereich verfügbar.

In Deutschland wurden im Jahr 2015 476.649 Asylanträge gestellt, damit haben sich die Antragszahlen, welche im Vorjahr bei 202.834 lagen, mehr als verdoppelt. Die meisten Anträge im Jahr 2015 wurden in den Monaten Oktober (54.877 Anträge) und November (57.816 Anträge) gestellt (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2016, S. 4).

Im Januar und Februar des Jahres 2016 setzte sich der steigende Trend fort, die Antragszahlen lagen bei 52.103 beziehungsweise 67.797 Anträgen. Im März und April wurden jedoch rund 7.000 Anträge weniger gestellt als noch im Februar (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2016, S. 5).

Der Hauptgrund für den weltweiten Anstieg der Flüchtlingszahlen ist der Krieg in der Arabischen Republik Syrien. Doch auch die Konflikte in anderen Ländern wie Afghanistan, Somalia und dem Irak tragen zu erhöhten Flüchtlingszahlen bei (UNHCR, 2015, S. 4).

Dadurch ergibt sich, dass der Großteil der Geflüchteten weltweit aus Syrien kommt, danach folgen Afghanistan, Somalia und der Südsudan (UNHCR, 2015, S. 6). Die in Deutschland ankommenden Flüchtlinge kommen ebenfalls zum größten Teil aus Syrien, danach folgen Afghanistan, der Irak und die Islamische Republik Iran (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2016, S. 8).

Der immense Anstieg der Flüchtlingszahlen stellt die Länder und Kommunen vor große Herausforderungen. An dieser Stelle ist das ehrenamtliche Engagement enorm wichtig; die ehrenamtlich Tätigen sollten die Hauptamtlichen unterstützend begleiten, damit die herausfordernde Situation gemeistert werden kann. Zudem fördert ehrenamtliches Engagement nicht nur die Integration der Flüchtlinge, sondern dient auch als Multiplikatorfunktion, indem die Ehrenamtlichen als Bindeglied zwischen Flüchtlingen und Aufnahmegesellschaft wirken (Han-Broich, 2015, S. 43-49).

3 Ehrenamtliche Arbeit

Die ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe ist nur eingeschränkt vergleichbar mit ehrenamtlichen Tätigkeiten in anderen Bereichen. Der Großteil der Tätigkeiten in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe findet in engem Kontakt mit Flüchtlingen statt, welche teilweise traumatisierende Erlebnisse durchlebt haben. Somit sind die Belastungen, unter denen einige Freiwillige leiden, stark an das Thema der Flüchtlingshilfe gebunden und sehr speziell im Vergleich zu anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Für den Einstieg in das Thema des Ehrenamtes wird in diesem Kapitel zunächst eine allgemeine Definition des Begriffs Ehrenamt dargestellt, darauf folgen statistische Daten zum Ehrenamt in Deutschland.

Im anschließenden Abschnitt werden verschiedenen Aufgaben aufgelistet, die in der Flüchtlingshilfe von Ehrenamtlichen übernommen werden und es werden Studien zum Einfluss des Ehrenamtes auf die Gesundheit der Ehrenamtlichen vorgestellt.

3.1 Definition des Begriffs Ehrenamt

Die Brockhaus Enzyklopädie definiert das Ehrenamt als „ die Wahrnehmung eines öffentl. Amtes bzw. einer soziale Aufgabe ohne Bezüge, ggf. mit Möglichkeiten zur Aufwandsentschädigung “ (Brockhaus, 2006, S. 504).

Der Ursprung des Wortes ist historisch das öffentliche Ehrenamt. Kriterien für den Begriff des Ehrenamtes sind demnach die unbesoldete Ausführung, die Rekrutierung durch eine Wahl oder durch Ernennung sowie der öffentliche Charakter der Tätigkeit (Winkler, 2011, S. 94).

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird eine ehrenamtliche Tätigkeit häufig mit unbezahlter Arbeit gleichgesetzt. Diese Definition impliziert jedoch, dass auch Hilfen im Rahmen persönlicher Netzwerke, Selbsthilfe oder soziale Hilfe als Ehrenamt bezeichnet werden. Dies ist allerdings nur richtig, wenn diese Arbeit in einem festen organisatorischen Rahmen stattfindet (Winkler, 2011, S. 95).

Ein Ehrenamt wird in der Regel neben der Berufstätigkeit ausgeführt; es dient auch im Falle der Zahlung einer Aufwandsentschädigung nicht zur Bestreitung des Lebensunterhalts (Winkler, 2011, S. 94).

In der Literatur werden Begrifflichkeiten wie Ehrenamt, bürgerschaftliches Engagement und Freiwilligenarbeit weitestgehend synonym verwendet, so wird auch in dieser Arbeit verfahren.

3.2 Statistische Daten zum Ehrenamt

In Deutschland hat freiwilliges Engagement einen hohen Stellenwert. Das BMFSFJ führt alle fünf Jahre Befragungen mit Ehrenamtlichen durch und stellt umfassende Daten zur Verfügung (BMFSFJ, 2010, S. 7).

Im Verlaufe der Jahre 1999 bis 2009 hat sich der Anteil der ehrenamtlich Engagierten von 34 Prozent (1999) auf 36 Prozent (2009) leicht erhöht. Stark gestiegen ist jedoch der Anteil derjenigen, die angaben, eventuell bereit zu sein, sich zu engagieren. Im Jahr 1999 lag dieser Anteil noch bei 16 Prozent, zehn Jahre später bereits bei 26 Prozent der Bevölkerung (BMFSFJ, 2010, S. 22).

Der größte Anteil von Freiwilligen, rund ein Drittel der Ehrenamtlichen, ist in den Bereichen Sport und Bewegung tätig. Nach den Daten von 2009 folgen darauf die Bereiche Kindergarten und Schule sowie Religion und Kirche. Auch im sozialen Bereich und in Kunst, Kultur und Musik engagieren sich viele Menschen (BMFSFJ, 2010, S. 18).

Die Untersuchung des BMFSFJ zeigt außerdem, dass Männer sich häufiger ehrenamtlich engagieren als Frauen: insgesamt 40 Prozent der Männer in Deutschland führen ein Ehrenamt aus, bei den Frauen hingegen liegt der Anteil bei 32 Prozent.

Im Jahr 2011 hat das BMFSFJ Daten zu dem Engagement älterer Menschen veröffentlicht. Da der Altersdurchschnitt derjenigen, die ihm Rahmen dieser Arbeit befragt wurden, mit 60,3 Jahren relativ hoch ist, werden auch diese Daten in Kürze vorgestellt[1].

Aus den Daten vom BMFSFJ ergibt sich, dass insbesondere die Altersgruppe der 50 – 64-Jährigen in starkem Maße ehrenamtlich engagiert ist. Der Prozentsatz liegt bei 37 Prozent im Jahr 2009, fünf Jahre vorher sogar bei 39 Prozent (BMFSFJ, 2011, S. 8).

Menschen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren engagieren sich insgesamt weniger. Der Prozentsatz liegt hier bei 33 Prozent und ist innerhalb von zehn Jahren bis 2009 kontinuierlich um insgesamt 7 Prozent gestiegen. In der Altersgruppe derjenigen, die 75 Jahre und älter sind, ist das Niveau im Vergleich zur Gesamtbevölkerung eher gering: rund ein Fünftel der Hochbetagten engagiert sich ehrenamtlich (BMFSFJ, 2011, S. 8).

In den vorgestellten Daten des BMFSFJ sind die Ehrenamtlichen, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, nicht gesondert aufgeführt und es sind keine Untersuchungen zu speziell diesem Bereich vorhanden.

Einen Einstieg in dieses Thema gibt eine im Jahr 2014 durchgeführte Befragung zum Thema ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Es handelt sich um eine Untersuchung zu Strukturen und Motiven der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit in Deutschland. Die ermittelten Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, es können jedoch Tendenzen aufgezeigt werden (Karakayali / Kleist, 2015, S. 13).

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in der Flüchtlingshilfe vermutlich größtenteils Frauen die Ehrenämter besetzen: der Anteil der weiblichen Befragten liegt bei 72,1 Prozent. Zudem stellten Karakayali und Kleist fest, dass Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe über einen überdurchschnittlich hohen Bildungsstand verfügen. Auch der Anteil derjenigen Menschen mit Migrationshintergrund ist unter Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe höher als in der Gesamtbevölkerung (Karakayali / Kleist, 2015, S. 15 - 19).

3.3 Ehrenamtliche Tätigkeiten in der Flüchtlingshilfe

Die Tätigkeitsbereiche von Ehrenamtlichen, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, sind breit gefächert. Um einen Überblick über die einzelnen Tätigkeitsbereiche zu geben, werden an dieser Stelle beispielhaft die Aktivitäten, welche auf der Homepage des Vereins Bergedorfer für Völkerverständigung e.V., einem Verein für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe, dargestellt. Die dargestellten Tätigkeiten überschneiden sich dabei mit den Einsatzbereichen von Helfern, die in anderen Vereinen tätig sind.

Aus der Homepage des Vereins Bergedorfer für Völkerverständigung e.V. ergibt sich, dass folgende Tätigkeitsbereiche bestehen:

- Begleitung zu Behördengängen und der Unterstützung bei der Wohnungssuche
- Patenschaften für Flüchtlingsfamilien oder Einzelpersonen
- Deutschunterricht in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Folgeunterkünften
- Spiel- und Bastelangebote für Kinder
- Fahrradwerkstatt
- sportliche Aktivitäten in verschiedenen Sparten
- künstlerische Kreativangebote
- Organisation von Freizeitaktivitäten wie gemeinsamen Ausflügen zum Kennenlernen der Umgebung (Bergedorfer für Völkerverständigung, e.V., 2016)

Bei den im Rahmen der Arbeit durchgeführten Befragungen wurde zudem ein weiterer Aufgabenbereich genannt: die Tätigkeit als Vormund für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

3.4 Ehrenamt und Gesundheit

Der Zusammenhang von Ehrenamt und Gesundheit wurde in verschiedenen Studien untersucht. Diese zeigten übereinstimmend, dass ein Ehrenamt einen positiven Effekt auf die Gesundheit von Ehrenamtlichen ausübt. So leiden diese Menschen weniger unter depressiven Symptomen und körperlichen Beeinträchtigungen; gleichzeitig fühlen sie sich vergleichsweise gesünder und zufriedener als Menschen, die kein Ehrenamt ausführen (Warner, 2009, S. 2).

Bei älteren Menschen zeigt sich dieser Effekt besonders ausgeprägt: mit zunehmenden Alter sinkt zwar die Zufriedenheit über den eigenen Gesundheitszustand, das eigene Gesundheitsempfinden ist insgesamt jedoch deutlich positiver als bei Menschen, die sich nicht ehrenamtlich engagieren. Gerade bei über 75-Jährigen sind die Unterschiede besonders hoch; insgesamt 35,7 Prozent der Befragten beschreiben ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut. Wenn lediglich die Zahl der Befragten betrachtet wird, welche sich ehrenamtlich engagieren, liegt dieser Anteil bei 53,3 Prozent (BMFSFJ, 2011, S. 11).

In einer weiteren Studie konnte gezeigt werden, dass die Lebensdauer älterer Menschen steigt, wenn diese sich ehrenamtlich engagieren (Spritzer, 2006, S. 994ff). Der Grund hierfür könnte sein, dass diejenigen Menschen, die ein Ehrenamt ausführen, ihr soziales Netzwerk vergrößern und in ihrer Freizeit körperlich aktiver sind (Warner, 2009, S. 3).

Die Ausführung eines Ehrenamtes kann jedoch auch negative Effekte haben. Insbesondere Menschen, die sich in mehreren gemeinnützigen Organisationen gleichzeitig engagieren leiden häufig darunter, mehrere soziale Rollen ausfüllen zu müssen, ohne darauf ausreichend vorbereitet zu sein. Dies kann durch eine fachliche Vorbereitung und eine unterstützende Begleitung während der Dauer ihrer Tätigkeit verhindert werden (Warner, 2009, S. 4).

Laut Warner ist die Wahrscheinlichkeit, ein Burnout-Syndrom zu erleiden, bei Ehrenamtlichen höher als bei professionell Tätigen; dies gilt insbesondere für Menschen, die eine hohe emotionale Last tragen und die das Gefühl haben, wenig zum Guten verändern zu können. Auch für diejenigen Ehrenamtlichen, die sich nicht gut auf ihre Tätigkeit vorbereitet fühlen oder deren Erwartungen nicht erfüllt werden, besteht ein höheres Risiko für das Auftreten negativer Effekte (Warner, 2009, S. 5).

Insgesamt überwiegen jedoch die positiven Aspekte in der Freiwilligenarbeit. Diese sind vor allem dann zu sehen, wenn die Hilfe tatsächlich angenommen wird und wirkungsvoll ist. Dies ist die Grundvoraussetzung nicht nur für effektive Hilfe, sondern insbesondere für eine Zufriedenheit von Seiten der Ehrenamtlichen (Warner, 2009, S. 5f).

Bezüglich der Gesundheit von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe wurde im Rahmen dieser Arbeit eine Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken und Bibliothekskatalogen (SpringerLink, PubMed, HAW Katalog, beluga Katalog) durchgeführt. Dabei wurden die Schlagwörter „Flüchtlingshelfer“, „Ehrenamtliche“, „Flüchtlingsarbeit“, „Gesundheit“, „Gesundheitslage“, „Belastungen“ in verschiedenen Kombinationen verwendet. Die Suche ergab, dass bisher zum Gesundheitszustand von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe keine wissenschaftlichen Studien vorhanden sind.

Dieses Ergebnis untermauert die Notwendigkeit der Durchführung von wissenschaftlichen Untersuchungen in diesem Bereich.

4 Vorstellung des Projekts

Diese Arbeit wurde im Rahmen eines Projektes zur Analyse der Unterstützungsbedarfe für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe erstellt. Das Projekt hat zum Ziel, die gesundheitlichen Auswirkungen des Ehrenamtes zu analysieren und Unterstützungsbedarfe für die Ehrenamtlichen herauszufiltern.

Es entstand durch die Initiative der Koordinatoren/innen des Vereins Bergedorfer für Völkerverständigung e.V., einem Verein für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Diese hatten die Intention, zusätzliche Unterstützungsangebote für die Mitglieder des Vereins zu schaffen, da die steigenden Flüchtlingszahlen eine stärkere Belastung der Vereinsmitglieder mit sich bringen und der Verein es für wichtig erachtet, dass die Ehrenamtlichen die nötige Unterstützung erhalten. Vor der Schaffung weiterer Angebote war es jedoch notwendig, zunächst die Bedarfe der Ehrenamtlichen zu untersuchen, damit die Angebote auch tatsächlich nützlich sind und gut angenommen werden. Da zwischen dem Verein und dem Gesundheitsamt in Bergedorf eine enge Zusammenarbeit besteht, nahmen die Vereinsvorsitzenden Kontakt zum Bergedorfer Gesundheitsamt auf und unter Einbeziehung der HAW entstand das Projekt, welches insgesamt drei Bachelorarbeiten umfasst.

Die Durchführung einer Bedarfsanalyse ist bei der Planung eines Programmes sowohl im Bereich Gesundheitsförderung als auch in anderen Bereichen essentiell, um die Bedarfe einer Zielgruppe zunächst erkennen und messen zu können (McKenzie, Neiger, Thackeray, 2012, S. 72).

Der Begriff ‚Bedarf‘ ist definiert als die Diskrepanz zwischen den gegenwärtigen Umständen und einer erwünschten Situation. Ein Bedarf wird nicht nur von objektiv feststellbaren Faktoren, sondern auch individuellen, subjektiv empfundenen Kriterien beeinflusst. Diese verschiedenen Bedarfe sollten umfassend identifiziert werden, damit ein Programm entsprechend geplant werden kann. Der Prozess, während dessen die Bedarfe der Zielgruppe zunächst identifiziert und im Anschluss analysiert werden, wird als Bedarfsanalyse bezeichnet (McKenzie, Neiger, Thackeray, 2012, S. 72).

Die Durchführung einer Bedarfsanalyse sollte zudem sicherstellen, dass Planungsmittel an den richtigen Stellen eingesetzt werden und keine Ressourcen verschwendet werden (McKenzie, Neiger, Thackeray, 2012, S. 72).

Um herauszufinden, was die konkreten Bedarfe der Ehrenamtlichen sind und welche Angebote hilfreich sein könnten, wurden im Rahmen dieser Arbeit zehn in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich Tätige befragt. Durch die direkte Befragung war es möglich, Informationen von der Zielgruppe der Ehrenamtlichen selbst zu sammeln und die Bedarfe auf dem direkten Wege zu erkennen.

Um die Bedarfsanalyse umfassend durchzuführen, wurde zusätzlich zu der vorliegenden Arbeit noch eine zweite Bachelorarbeit von Valerie Borkel (ebenfalls Studentin der Gesundheitswissenschaften) verfasst. Im Rahmen dieser zweiten Arbeit wurden Befragungen mit hauptamtlich in der Flüchtlingshilfe Tätigen durchgeführt, welche beispielsweise in Flüchtlingsunterkünften oder Behörden arbeiten und das Ehrenamt koordinieren oder als Ansprechpartner/innen für Ehrenamtliche fungieren. Auch Ehrenamtliche, die koordinative Arbeiten in Vereinen oder Initiativen übernehmen, werden zu der Gruppe der sogenannten Professionellen gezählt (Borkel, 2016).

Durch die zweite Arbeit ist es möglich, den Blickwinkel auf die Situation der Ehrenamtlichen zu erweitern und es können weitere Unterstützungsbedarfe erfasst werden, da über die Professionellen die Bedarfe und der Gesundheitszustand der Ehrenamtlichen abgefragt wurde.

Im Anschluss an diese beiden Arbeiten ist noch eine dritte Befragung geplant. Hierbei wird es sich um eine quantitative Befragung handeln, bei der die Zielgruppe in einem größeren Umfang erreicht werden kann. Im Rahmen dieser Befragung können die Handlungsempfehlungen, welche in diesen ersten beiden Arbeiten gegeben werden, nochmals auf ihre Nützlichkeit überprüft werden. Zudem kann in einem größeren Rahmen abgefragt werden, ob die Ehrenamtlichen unter ähnlichen Belastungen leiden, welche endgültigen unterstützenden Maßnahmen für die Ehrenamtlichen sinnvoll sind und von welchen Institutionen sie durchgeführt werden sollten.

5 Methodisches Vorgehen

Die im Rahmen der Arbeit durchgeführte Studie wurde nach wissenschaftlichen Standards erstellt, welche in diesem Kapitel erläutert werden.

Dafür wird zunächst die Fragestellung der Arbeit vorgestellt, darauf folgen die Darstellung der Stichprobe und die Erläuterung des methodischen Vorgehens: Begründung der Interviewform, Beschreibung des Leitfaden-Aufbaus und der Interview-Durchführung. Abschließend wird erläutert, nach welchen Regeln die Befragungen transkribiert wurden und die Auswertungsmethode der qualitativen Inhaltsanalyse erklärt.

5.1 Fragestellung und Zielsetzung

Wie bereits in Kapitel 4 vorgestellt, wurde diese Arbeit erstellt, um Informationen darüber zu erhalten, welche Unterstützung Ehrenamtliche, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, benötigen. Im Fokus steht dabei die Analyse der Unterstützungsbedarfe von Ehrenamtlichen mit dem Schwerpunkt der Verbesserung der Gesundheit der Ehrenamtlichen.

Mit Hilfe der Arbeit soll die Leitfrage „Wie können Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe besser unterstützt werden und welche gesundheitlichen Auswirkungen hat das Ehrenamt?“ beantwortet werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die bestehenden Ressourcen zu schaffen, herauszufinden, wie diese genutzt werden können, und zudem die Belastungsfaktoren herauszufiltern und Verbesserungsmöglichkeiten in diesem Bereich zu suchen. In den Handlungsempfehlungen können somit konkrete Vorschläge gemacht werden, in denen insbesondere herausgearbeitet werden soll, inwiefern der Verein Bergedorfer für Völkerverständigung e.V. die Vereinsmitglieder stärker unterstützen kann und welche Unterstützungsangebote vom Bergedorfer Gesundheitsamt sowie von anderen Institutionen geschaffen werden sollten.

Als Datengrundlage wurden dafür die Transkripte der Befragungen verwendet, die für diese Arbeit mit Ehrenamtlichen durchgeführt wurden.

5.2 Stichprobe

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden zehn Ehrenamtliche befragt. Die Akquise der Interviewpartner/innen wurde durch das Gesundheitsamt in Hamburg-Bergedorf durchgeführt. Dafür wurde ein Rundschreiben an zahlreiche Initiativen und Vereine, welche im Bereich der Flüchtlingshilfe aktiv sind, verschickt. Zunächst beschränkte sich die Akquise auf den Bereich Hamburg-Bergedorf, das Gebiet wurde dann jedoch ausgeweitet insgesamt, um eine ausreichende Zahl an Ehrenamtlichen für Interviews zu finden; letztendlich kontaktierten zehn Freiwillige die Interviewerin.

Da die Teilnehmenden sich freiwillig und aus eigenem Antrieb gemeldet haben und keine zufällige Stichprobe aus der Grundgesamtheit gezogen wurde, können die Daten nicht repräsentativ verwendet werden. Die Ergebnisse sind jedoch als Tendenz und Richtungsweiser zu sehen.

Die regionale Aufteilung der Befragten verteilt sich auf den gesamten Bereich der Hansestadt Hamburg. Der Großteil der Befragten (n=7) ist im Rahmen der Arbeit des Vereins Bergedorfer für Völkerverständigung e.V. in Flüchtlingsunterkünften in der Region Bergedorf tätig. Die anderen drei Interviewten sind ebenfalls über Vereine organisiert und engagieren sich in Unterkünften in unterschiedlichen Stadtteilen Hamburgs.

Von den zehn befragten Personen sind sieben weiblich und drei männlich. Das durchschnittliche Alter der Befragten lag bei 60,3 Jahren mit einer Spannweite von 15 Jahren; die Befragten sind zwischen 54 und 69 Jahren alt[2].

Die Hälfte der Befragten gab an, berentet oder pensioniert zu sein, zwei Interviewte arbeiten als Angestellte, zwei sind selbstständig tätig und eine Befragte ist arbeitslos.

Zum Familienstand kann festgestellt werden, dass sechs Befragte verheiratet sind, zwei Befragte sind geschieden und zwei ledig.

5.3 Das qualitative Leitfaden-Interview

In der qualitativen Forschung werden Daten mithilfe von Erzählungen oder Leitfadeninterviews gesammelt. Da in diesem Fall eine Fragestellung zu einem konkreten Thema beantwortet werden soll, ist ein Leitfadeninterview die geeignete Methode (Mayer, 2013, S. 37).

Bei Leitfadeninterviews handelt es sich um eine sogenannte semi-strukturierte Erhebungsform (Misoch, 2015, S. 65). Diese Art des Interviews zeichnet sich dadurch aus, dass ein Leitfaden dem Gespräch zugrunde liegt und die Befragten frei antworten können. Dabei muss die Reihenfolge der Fragen nicht strikt eingehalten werden, der Leitfaden dient vielmehr als Steuerungs- und Strukturierungshilfe (Mayer, 2013, S. 37). Inhaltlich sollten im Leitfaden alle Themenbereiche abgedeckt sein, die im Interview behandelt werden sollen (Misoch, 2015, S. 66).

Das Ziel eines Leitfadens ist die inhaltliche Steuerung des Erhebungsprozesses. Ein Leitfaden sichert die Vergleichbarkeit der erhobenen Daten ab, lässt jedoch gleichzeitig ausreichend Raum für neue Erkenntnisse (Misoch, 2015, S. 66).

Der für die Befragungen verwendete Leitfaden ist im Anhang A dieser Arbeit angefügt.

5.4 Aufbau des Leitfadens

Ein Interviewleitfaden sollte zunächst verschiedene Kriterien der qualitativen Forschung erfüllen. Leitfäden müssen eine Offenheit beinhalten, das heißt, dass „ keine vorab festgelegten Hypothesen geprüft werden sollen, sondern das Ziel darin liegt, subjektive Erlebnisse, Handlungen und Einstellungen und deren Bedeutung für das Individuum zu analysieren“ (Misoch, 2015, S. 66).

Zudem gilt das Prinzip der Prozesshaftigkeit, welches besagt, dass Aussagen der Untersuchten nicht statistisch, sondern vielmehr als ein prozesshafter Ausschnitt der Realität, erfasst werden sollen (Misoch, 2015, S. 67).

Das dritte Grundprinzip in der qualitativen Forschung ist das Prinzip der Kommunikation. Dieses beinhaltet den Ansatz, dass in der qualitativen Forschung Daten mithilfe von Kommunikation, insbesondere zwischen Interviewer/in und Befragtem/r, gewonnen werden. Dafür müssen verschiedene Aspekte beachtet werden, wie beispielsweise eine Anpassung an das Sprachniveau des/der Befragten und die Verständlichkeit der Fragen (Misoch, 2015, S. 67f).

Weiterhin sollte ein Fragebogen eine gewisse Struktur aufweisen. Diese Struktur besteht aus vier aufeinander folgenden Interviewphasen (Misoch, 2015, S. 68).

1. Das Interview beginnt zunächst mit einer „Informationsphase“, in der die Befragten über die Studie und die vertrauliche Behandlung informiert werden (Misoch, 2015, S. 68). In den durchgeführten Interviews stellte die Interviewerin sich zunächst vor und legte anschließend dar, wie das Projekt entstanden ist, in welchem Rahmen es durchgeführt wird und wer die Kooperationspartner sind. Zudem wurde im Vorlauf des Interviews von den Befragten eine Einverständniserklärung unterzeichnet, die unter anderem die Zustimmung zur Aufnahme der Interviews beinhaltete[3].
2. Die darauf folgende „Aufwärmphase“ dient einem erleichterten Einstieg in die Interviewsituation für die Befragten. Dafür wird eine Frage gestellt, die möglichst offen ist und den Interviewten die Unsicherheit nimmt. Während dieser Phase ist es besonders wichtig, eine offene und vertrauensvolle Gesprächssituation zu schaffen (Misoch, 2015, S. 68). Für diesen inhaltlichen Einstieg wurden die Befragten gebeten, ihre ehrenamtliche Tätigkeit zu beschreiben. Um sicherzustellen, dass bestimmte Aspekte genannt wurden, fragte die Interviewerin, falls noch nicht genannt, nach dem Umfang, dem Ort, der Zielgruppe und der Dauer der Tätigkeit. Auch die Motivation aufgrund derer die ehrenamtliche Tätigkeit begonnen wurde, wurde abgefragt.
3. Während der „Hauptphase“ des Interviews werden die eigentlich relevanten Themen behandelt. Dafür können Fragen deduktiv sein, also schon aus dem Vorwissen heraus entwickelt, oder induktiv, sodass neue Informationen gesammelt werden können. Es sollte darüber hinaus eine Strukturierung anhand einzelner Themenbereiche vorgenommen werden (Misoch, 2015, S. 68f). Die Hauptphase begann in den durchgeführten Interviews zunächst mit den Fragen nach positiven und negativen Aspekten des Ehrenamtes sowie deren Auswirkungen auf die eigene Gesundheit. Auch besonders belastende Situationen im Ehrenamt wurden abgefragt. Anschließend wurden die Interviewten dazu befragt, wie diese belastenden Situationen verbessert werden könnten und welche Art von Unterstützung gewünscht wird. Dabei wurde auch der Wissensstand der Befragten bezüglich vorhandener Unterstützungsmöglichkeiten abgefragt.
4. Die „Abschlussphase“ beendet das Interview. Es findet eine Reflektion des Gesprächs statt, zudem werden die Befragten aufgefordert, bislang unerwähnte Themen anzusprechen. Durch die abschließende Phase wird die Interviewsituation beendet und die Interviewten aus dieser Situation herausgeführt (Misoch, 2015, S. 69). In der Abschlussphase wurden die Interviewten dazu befragt, was sie gerne an ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit verändern würden. Diese Frage diente der Überprüfung, ob alle relevanten Bereiche abgedeckt wurden, da so für die Befragten die Möglichkeit bestand, auch neue Informationen einzubringen. Anschließend wurde den Interviewten die Möglichkeit gegeben, Fragen zu stellen oder weitere Informationen hinzuzufügen. Das Gespräch wurde beendet mit der Abfrage soziodemographischer Daten und einem Dank für das Interview.

[...]


[1] Eine Übersicht der Altersverteilung der Befragten wird im Kapitel 5.2 dargestellt.

[2] Im Vergleich zu dem Durchschnittsalter von Ehrenamtlichen ist das Alter der Befragten dieser Studie relativ hoch – diese Auffälligkeit wird im Rahmen dieser Arbeit nicht weitergehend analysiert. Es wurde jedoch festgestellt, dass das Durchschnittsalter und der daraus resultierende hohe Anteil an berenteten Personen einen Einfluss auf die Motive zum Engagement haben kann. Die Motivation wird im Kapitel 6.2 näher erläutert.

[3] Ein Muster der verwendeten Einverständniserklärung ist dieser Arbeit im Anhang B angefügt.

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Unterstützungsbedarf und gesundheitliche Auswirkungen des Ehrenamtes in der Flüchtlingshilfe
Untertitel
Qualitative Interviews mit ehrenamtlich Tätigen
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
49
Katalognummer
V426511
ISBN (eBook)
9783668711204
ISBN (Buch)
9783668711211
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Flüchtlinge, Ehrenamtliche, Ehrenamt, Geflüchtete, Flüchtlingshilfe, Gesundheit, Unterstützungsbedarf, Gesundheitliche Auswirkungen, ehrenamtliches Engagement, Flüchtlingskrise
Arbeit zitieren
Beke Freyer (Autor), 2016, Unterstützungsbedarf und gesundheitliche Auswirkungen des Ehrenamtes in der Flüchtlingshilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426511

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