Die Ressource Sand im Kontext des globalen Wandels unter besonderer Berücksichtigung des Sandabbaus in Mecklenburg-Vorpommern


Examensarbeit, 2018

82 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff „Sand“ und den Prozess seiner Entstehung

3. Sand als unterschätzter Rohstoff und endliche Ressource
3.1 Der Einfluss und die Nutzung globaler Vorkommen von Sand

4. Die Sand- und Kiesvorkommen in Deutschland
4.1 Die Entstehung von Sanden und Kiesen
4.2 Die Gewinnungsverfahren von Sanden und Kiesen in Deutschland
4.3 Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Sanden und Kiesen in Deutschland
4.4 Der Wert des Naturschutzes und der Nachhaltigkeit

5. Die Sand- und Kiesvorkommen in Mecklenburg-Vorpommern
5.1 Die Entstehung und Verbreitung von Sanden und Kiesen in M-V
5.2 Die oberflächennahe Sand- und Kiesgewinnung in M-V
5.3 Die marine Sand- und Kiesgewinnung in M-V
5.4 Bergrechtliche Genehmigungsprozesse der marinen Sand- und Kiesgewinnung
5.5 Der Küstenschutz und die marine Rohstoffsicherung im LEP
5.6 Die ökologischen Auswirkungen der marinen Sand- und Kiesgewinnung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Virtuelle Quellen

Sonstige Quellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteil der wichtigsten Länder an der Zementproduktion

Abbildung 2: Flächenausdehnung Singapurs von 1973-

Abbildung 3: Siebanlage beim Klassieren

Abbildung 4: Bodenschätze der Bundesrepublik Deutschland

Abbildung 5: Eisrandlagen des Weichselglazial und die Rohstoffverbreitung in M-V

Abbildung 6: Höfigkeitsgebiete und Sand- und Kieslagerstätten in und um Rügen

Abbildung 7: Lagerstätte Strachtitz auf der Insel Rügen

Abbildung 8: Aufforstung und Wiedernutzbarmachung der Lagerstätte

Abbildung 9: Ehemalige geflutete Lagerstätte I Zirkow

Abbildung 10: Lagerstätte im Abbau Zirkow II

Abbildung 11: Marine Kieslagerstätten in der Ostsee (gewerbliche Nutzung in M-V)

Abbildung 12: Marine Lagerstätten in der Ostsee (Küstenschutzmaßnahmen in M-V)

Abbildung 13: Ein Saugbagger beim Absenken des Saugrohres

Abbildung 14: Ladevorgang beim Saugbagger

Abbildung 15: Rücktransport der Kiese zur Entladung

Abbildung 16: Umgestaltung des Lebensraumes Rostock-Warnemünde seit

Abbildung 17: Auszug einer Biotopschutzrechtliche Prüfung

Abbildung 18: Gesamtanteil der § 20-Biotope in M-V

Abbildung 19: Nationale Schutzgebiete des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Abbildung 20: Lagerstätten Maßnahmen des Küsten- und Hochwasserschutzes

Abbildung 21:Die Küste von Mecklenburg-Vorpommern

Abbildung 22: Querprofil eines typischen breiten Sandstrandes

Abbildung 23: Landesschutzdünen in Mecklenburg-Vorpommern

Abbildung 24: Wirkprinzip der Regeneration in marinen Gewinnungsgebieten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Allgemeine Bezeichnungen für Sand- und Kieskorngrößen

Tabelle 2: Direkte wirksame Umweltschutz-Minerale

Tabelle 3: Auszug der gegliederten Sandverbreitungsgebiete n. KOR 50 M-V

Tabelle 4: Stratigraphische Stellung der Steine- und Erden Rohstoffe in M-V

Tabelle 5: Geologische und Gewinnbare Rohstoffe aus erkundeten Lagerstätten Vorkommen in Mecklenburg-Vorpommern in Milliarden

Tabelle 6: Fördermengen Sand und Kies in der Ostsee in Tonnen Stand, 2016.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Bei Sand denken die meisten von uns an Strände, Sandburgen, Meer und Sonne. Im Alltagsleben richten wir unser Augenmerk kaum auf diesen unterschätzten Rohstoff, dennoch ist er dort allgegenwärtig ohne, dass wir es wirklich bemerken. Sand ist die Grundlage der urbanen Entwicklung auf unserer Erde und ein wesentlicher Bestandteil von Beton, Asphalt, Glas und Elektrotechnik. Er ist billig und leicht abzubauen. Der Rohstoff Sand ist nach Luft und Wasser das meist verwendete Rohmaterial der Welt und als gemeinschaftlich genutzte Ressource leicht zugänglich. Die Verfügbarkeit von Sanden führte im letzten Jahrzehnt zu einem achtlosen Umgang und zur Verdrängung, dass diese Ressource endlich ist.

Die Verknappung von Sand ist ein ernsthaftes und wachsendes Problem für die globale Umwelt und die Gesellschaft, da die Verwendung von Sand und Kies die natürlichen Erneuerungsraten erheblich überschreitet. Darüber hinaus steigen die Fördermengen exponentiell, vor allem durch das Wirtschaftswachstum rund um den Globus. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) werden jährlich 15 Millionen Tonnen Sand abgebaut. Besonders in den asiatischen Staaten ist der Verbrauch von Sand, aufgrund der unermesslichen Bauwut erheblich hoch (vgl. UNEP 2014).

Der Sandabbau hat negative Auswirkungen auf die Umwelt, er zerstört bevorzugte Standorte vieler Tier- und Pflanzenarten und verursacht eine starke Küstenerosion. Er stellt ebenso ein großes Problem für die Biodiversität dar. Die Folgen des Abbaus bekommen nicht diejenigen zu spüren, die ihn brauchen, sondern meist die, aus dessen Regionen er entnommen wird. Es besteht eine große Diskrepanz zwischen der Größe des Problems und dem öffentlichen Bewusstseins dafür. Es gibt bis heute keine globale Sandbilanz, die aufschlüsselt, in welchem Maße sich die Differenz zwischen den Erneuerungsraten und der Abbaurate vollzieht (vgl. TORRES 2017).

Deutschland ist, aufgrund seiner geologischen Vergangenheit, zwar reich an Sanden, trotz allem spiegelt die geologische jedoch nicht die tatsächliche Verfügbarkeit an Sanden und Kiesen in Deutschland wider. Ein Großteil der Vorkommen von Sanden und Kiesen ist aufgrund von konkurrierenden Nutzungen wie Natur-, Wasser- und Umweltschutz, NATURA 2000 Schutzgebieten, Wohn- und Gewerbegebieten und Straßen- und Eisenbahnlinien erst gar nicht brauchbar. Meist sind Landesflächen, die potenzielle Rohstoffvorkommen besitzen, bereits verplant oder werden anderweitig genutzt. Aber auch langwierige Genehmigungsverfahren behindern die Eröffnung von Rohstoffgewinnungsbetrieben und erschweren somit die Nachfrage an Sanden und Kiesen zu decken (vgl. BGR a 2018).

Durch die Zunahme der Verknappung an Land steigen das Interesse und der Raubbau von Sanden im Meer und an der Küste. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Abbau von marinen Sanden- und Sandkiesen nach dem Bergrecht streng geregelt. Die Verfahren dauern oft mehrere Jahre und werden durch andere Nutzungskonflikte im Bereich des Küstenmeeres erschwert (POLZIN 2018: persönliche Kommunikation 24. Januar 2018). Aber auch hier sind die ökologischen Auswirkungen auf den Meereslebensraum und die verstärkte Küstenerosion sichtbar. Auch wenn die Mehrheit der marinen Sandlagerstätten in der Ostsee vorrangig für den Küstenschutz abgebaut werden, helfen sie nur teilweise die Küstenerosion aufzuhalten, da der feine Sand an den Küsten nach einigen Jahren wieder abgetragen wird. Durch künstliche Eingriffe in die Natur, wie zum Beispiel durch den Bau von Staudämmen, Flussbegradigungen oder durch den Bau von Betonmauern zur Schutz der Küsten, wird der natürliche Sandtransport abgefangen und somit der Sandnachschub beeinflusst (vgl. UNEP 2014).

Im Rahmen dieser Staatsexamensarbeit gilt es im ersten Teil zu untersuchen, wie weit der Rohstoff Sand als globale Ressource unser Leben bestimmt, welche Folgen der Sandraubbau in den Staaten der Erde einnimmt und warum diese Sandverknappung ein globales Problem darstellt. Zu Beginn muss jedoch zuerst eine Bestimmung des Begriffes „Sand“ erfolgen und kurz erläutert werden, in welchem Prozess die Genese von Sand erfolgt, damit die Bedeutung als endliche und wertvolle Ressource nachvollzogen werden kann. Im zweiten Teil wird ein kurzer Abriss über die Entstehung der Sande und Kiese in Deutschland gegeben, um die Verteilung der terrestrischen und marinen Sandvorkommen bis heute zu erfassen. Anschließend wird eine Übersicht über die Sand- und Kiesgewinnung in Deutschland im Hinblick auf die starke Entwicklung des weltweiten Sandverbrauchs und der volkswirtschaftlichen Bedeutung des Sandes für unser Land, beschrieben. Dabei werden Faktoren, wie die Gewinntechnik, der Umgang mit der Nachhaltigkeit und die Frage nach der Geltung des Naturschutzes aufgrund des anthropogenen Eingriffs thematisiert.

Der dritte Teil der Arbeit richtet seinen Schwerpunkt auf die oberflächennahe und marine Gewinnung von Sanden und Kiesen in Mecklenburg-Vorpommern, da gerade in der norddeutschen Region aufgrund seiner geologischen Vergangenheit, den Sand- und Kiesvorkommen eine hohe Bedeutung zukommt. Der Fokus soll besonders auf die Küstenregionen Mecklenburg-Vorpommerns und ihrer Rolle in der Rohstoffsicherung gelegt werden. Dabei wird zu Beginn ein kurzer Überblick zu den Rahmenbedingungen ihrer Entstehung gegeben und ein Ausgangspunkt für die weiteren Ausführungen geschaffen. Im Hinblick auf die terrestrische und marine Rohstoffgewinnung richtet sich der darauffolgende Abschnitt auf die rechtlichen Verfahren im Zuge des Abbaus der marinen Lagerstätten an den Küsten. Dabei spielen der Küstenschutz und die marine Rohstoffsicherung im aktuellen Landesraumentwicklungsprogramm von Mecklenburg- Vorpommern eine Rolle. Um die eingenommene Stellung des Bundeslandes in der marinen Rohstoffsicherung im Zusammenhang mit dem Küstenschutz herauszufiltern, soll eine Erläuterung über die Küstenregion und ihrer potenziell überflutungsgefährdeten Flächen herausgestellt und in Verbindung, der dafür benötigten marinen Lagerstätten, eingeordnet werden. Weiterhin muss geklärt werden, welchen Einfluss dem Eingriff in die Flora und Fauna der Meeresumwelt zukommt. Am Ende soll erläutert werden, inwieweit die Rohstoffsicherung für die Versorgung der Wirtschaft mit Baustoffen und als eine wichtige Grundlage für den Küstenschutz zukünftig für die Menschen in ihrem Lebensraum gesehen werden kann und welche Rolle Mecklenburg-Vorpommern im globalen Kontext der Sandverknappung einnimmt.

2. Zum Begriff „Sand“und dem Prozess seiner Entstehung

Der Begriff „Sand“ ist eine Korngrößenbezeichnung für ein natürlich entstandenes, zerkleinertes Gestein. Die Korngrößenbezeichnung sagt nichts über die mineralogische petrographische Zusammensetzung, noch über die Herkunft von Sand aus. In der Petrographie bezeichnet man natürliche, körnige, unbefestigte Abtragungsprodukte mit Korndurchmessern von 0,063-2 mm als Sande und Korndurchmessern von 2-63 mm als Kiese (vgl. GWOSDZ /LORENZ 2003: 9).

Zur Charakterisierung von Sanden und Kiesen dient die Korngrößenverteilung (vgl. Tab. 1). Die Kornform (eckig, kantig, kantengerundet, gerundet) und der Ungleichförmigkeitsgrad1 sind bestimmende Merkmale für ihren Verwendungszweck. Demnach werden in der Bauindustrie Sande und Kiese nach ihrer Verwendung oder nach ihrer Gewinnungsart bezeichnet, wobei bezüglich der Kornform zwischen Rundform und künstlichem Brechkorn unterschieden wird (vgl. GWOSDZ /LORENZ 2003: 9). Neben den in der Bauindustrie verwendeten Gesteinskörnungen werden die Sande auch als „Spezial- oder Industriesande“ angegeben. Dabei handelt es sich in der Regel um Quarzsande mit einem hohen SiO2 -, niedrigem Fe2O3- und niedrigem Al2O3 - Gehalt. Sie sind auch unter der Bezeichnung Glas- oder Gießereisande zu finden. Die Gesteinskörnung bewertet man nach ihren physikalisch-technischen Belangen. Neben der Korngröße, Kornform, Rohdichte und Schüttdichte sind andere Gesteinsparameter wie: der Widerstand gegen Schlagbeanspruchung, der Polier(bei)wert, der Schleifverschleiß und die Raum- und Frostbeständigkeit wichtig für die Beurteilung. Die mineralogisch-petrographische Zusammensetzung charakterisiert den Stoffbestand. Die hochwertigen Kiese und Sande bestehen hauptsächlich aus Quarz oder anderen verwitterungsandauernden, mineralogischen Komponenten. An der Zusammensetzung von Sanden und Kiesen sind weiterhin in unterschiedlichen Anteilen Kalkstein, Feldspäte, Glimmer, Eisen- und Manganminerale, Schichtsilikate sowie Gesteinsbruchstücke beteiligt.

Tabelle 1: Allgemeine Bezeichnungen für Sand- und Kieskorngrößen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: GWOSDZ /LORENZ 2003: 12

Die Kornform von Kiesen und Sanden ist für das menschliche Auge kaum erfassbar. Dennoch beeinflusst sie entscheidend die Verdichtbarkeit und Verarbeitbarkeit der Zuschläge2. Wichtig ist bei der Verarbeitung, dass die Zuschlagskörner möglichst eine kugelige oder würfelige Form aufweisen sollen, da solch eine Form besser Druck- und Zugfestigkeiten aufnehmen können. Ist ein Korn flach, lässt es sich schwer verdichten. Daher ist auch der Transportweg bzw. die Herkunft des Korns entscheidend für die Kornform und den benötigten Verarbeitungsprozess. Ein langer Transportweg rundet das Korn ab. Je länger der Weg, umso runder wird das einzelne Korn.

Sand gehört zu den Gesteinsgruppen der Sedimentgesteine. Diese Gesteine entstehen durch exogene Vorgänge, wie physikalische (mechanische) und chemische Verwitterung von Festgesteinen unterschiedlicher Zusammensetzung. Infolge stofflicher Transportprozesse und Massenverlagerungen, sowie den damit verbundenen natürlichen Aufbereitungs- und Abtragungsvorgängen wurden diese meist oberflächennah als Vorkommen akkumuliert (vgl. BGRb 2012: 17).

Die Aufstellung der verschiedenen Materialien, aus denen sich Sand zusammensetzt, bildet den Ausgangspunkt zur Genese von Sand. Am stärksten vertreten sind Silicatminerale, unter diesen kommt Quarz am häufigsten vor, gefolgt von Feldspat. Diese Minerale stellen neben Amphibolen und Glimmer die Hauptminerale der Erdkruste dar. Die Erdkruste der Erde besteht zu 95 % aus magmatischen und metamorphen Gesteinen, 4 % Tonschiefer, 0,75 % Sandsteine und 0,25 % aus Resten von organischen und chemischen Gesteinen (vgl. KÜSTER 2013: 17). Zu jedem Silicat- mineral was in der Form eines Sandkorns sichtbar ist, kann man das entsprechende Silicat in dem magmatischen, sedimentären und metamorphen Muttergestein des Sandes entdecken. Diese Minerale der Erdkruste haben eine chemische Eigenschaft gemeinsam: Sie sind unlöslich. Diese Eigenschaft resultiert aus der Resistenz gegenüber Regen-, Fluss- und Meerwasser, von denen der Sand zu seinem Ablagerungsort transportiert wird (vgl. GWOSDZ /LORENZ 2003: 14).

Es gibt auch Ausnahmen von Sandbestandteilen, die wasserlöslich sind, zum Beispiel Sande aus Calcit (Kalkspat) und Aragonit. Diese bestehen aus zwei verschiedenen Formen von Caliciumcarbonat auch als Carbonatsande bezeichnet. Einerseits enthalten diese Sandkörner Fragmente von Schalentieren, die „Eltern“ dieser Fragmente sind gehäusetragende Muscheln und Schnecken der warmen Flachwasserzone von den Küsten einzelner Karibikinseln, anderseits bestehen die Sandkörner aus konzentrischen, chemischen Ausfällungen von Carbonat. Diese sogenannten „Ooide“ bilden sich im aufgewühlten Flachwasser entlang von Sandbänken. Auch hier lassen sich Rückschlüsse auf deren Beschaffenheit, wie zum Beispiel Schalentiere, ziehen. Neben den Ursprungsmineralen in Sanden, kann Sand aus noch ungewöhnlicheren Mineralen bestehen, zum Beispiel aus Gipskristallen. Gips ist ein mäßig wasserlösliches Mineral, das in ariden Gebieten vorzufinden ist. Das Ausgangsmaterial stammt aus der unmittelbaren Umgebung. Gipssandkörner bilden sich in Talebenen aus verdunstenden Solen, die wiederum durch die Auslösung älterer Gipsvorkommen entstanden sind (vgl. SIEVER 1988: 30).

Trotz dieser Ausnahmen sind die meisten Sande, die aus Quarz und anderen Silicaten bestehen, zermahlene Produkte aus der Erosion eines Muttergesteins. Im Prozess des Werdens und Vergehens von Gesteinen werden durch Hebung und Abtragung magmatische Tiefengesteine, metamorphe Gesteine und Sedimentgesteine aus der Tiefe an die Erdoberfläche befördert. Dort sind sie der Verwitterung und der Erosion (exogene Kräfte) ausgesetzt. Alle Gesteine, die sich im Inneren der Erdkruste befanden, sind aufgrund der Spannungen, die durch die endogenen Kräfte (Druck und Temperatur) entstehen können, bis zu einem gewissen Grad rissig. Das heißt, nachdem die Gesteine an die Erdoberfläche befördert wurden, öffnen sich die Fugen in den Gesteinen weiter zu mikrometerfeinen Haarrissen. Durch die Einwirkung der nun physikalischen Verwitterung, wie durch das Eindringen von Wasser, werden diese Fugen schnell zu Spalten erweitert. Entlang dieser Spalten trennen sich schließlich Blöcke unterschiedlicher Gesteine ab, die sich zum Teil an Abhängen sammeln und in kleinere Fragmente zerfallen. Die Verwitterung ist demnach die Voraussetzung von Materialumlagerungen an der Erdoberfläche, die von verschiedenen natürlichen Faktoren (Durchfeuchtung, Austrocknung, Kälte, Hitze, sowie das Auftreten von Säuren im Grundwasser) abhängig ist. Neben der physikalischen Verwitterung (Frostverwitterung, Wurzelsprengung, Temperaturverwitterung) gibt es noch die chemische Zersetzung (Hydrolyse, Lösungsverwitterung) von Festgestein (vgl. KÜSTER 2013).

Die Einzelkörner bestehen aus Gesteins- und Mineralfragmenten, die wie bereits bei der Begriffsbestimmung angegeben, unterschiedliche Formen annehmen können. Je nach dem Ort der Ablagerung werden terrestrische und marine Sedimente unterschieden. Sande und Kiese bilden dabei folgende Lagerstätten: 1. Ablagerungen aus fließenden Gewässern, welche im Bereich ehemaliger oder heutiger Flüsse und Ströme, in marinen Ablagerungen im Meer und an Küsten und in Beckenfüllungen aufzufinden sind 2. Die glazialen Ablagerungen des Eises und der Gletscher. 3. Die windtransportierten äolischen Ablagerungen wie Dünen und Ausblasungssande und -kiese und 4. Verwitterte (entfestige) körnige Gesteine, wie Sandsteine, Granite (Gruppe der magmatischen Gesteine), Konglomerate und Brekzien. Neben der Genese der Lockersedimente gibt es noch die, der Festgesteine. Aus Festgesteinen magmatischer, metamorpher und sedimentären Ursprungs mit Druckfestigkeiten >60 N/mm²3 werden durch Brechen Gesteinskörnungen gebildet. Geeignet sind dafür unterschiedliche Gesteine wie Basalte, Dolerite, Granite, Gneise, quarzitische Sandsteine (Zementquarzite) und einige mehr (vgl. GWOSDZ /LORENZ 2003: 18ff.). Wie sich nun Sand zu einem in solch großen Mengen verbrauchten Massenrohstoff, welcher Überwiegend im Bau als Zement, Beton, Ziegel oder Naturstein verwendet wird, entwickelt hat und welche Folgen dieser Verbrauch mit sich zieht, wird in den Abschnitten geklärt werden.

3. Sand als unterschätzter Rohstoff und endliche Ressource

3.1 Der Einfluss und die Nutzung globaler Vorkommen von Sand

Sand ist neben Wasser einer der unterschätzten und kostbarsten Rohstoffe auf der Erde. Seine Kostbarkeit besteht darin, dass er keine unendliche Ressource und mengenmäßig der am meisten verbrauchte Vorrat nach Luft und Wasser ist. Der Verbrauch von Sand für die Welt beträgt 40 Milliarden Tonnen pro Jahr. Sand und Kies machen dabei den größten Anteil aus. Davon werden 10 Milliarden Tonnen für die Herstellung von Glas, Reinigungsmitteln Mikrochips, Fracking und weitere 30 Milliarden Tonnen für die Herstellung von Beton benötigt. Allein 15 Milliarden Tonnen davon sind Sand (vgl. UBA 20164 ). Das Problem, welches sich aus diesem hohen Verbrauch ergibt ist, dass das die doppelte der jährlichen Sedimentmenge ist, die von allen Flüssen der Welt überhaupt getragen wird. Das heißt, die Verwendung von Sand übertrifft stark seine eigentlichen natürlichen Erneuerungsraten (vgl. UNEP5 2014). Obwohl mehr Sand und Kies abgebaut wird, als irgendein anderer Rohstoff, sind Daten über die Gewinnung in bestimmten Ländern nicht verfügbar. Über das Ausmaß der Sandgewinnung und der Neu-Entstehungsrate gibt es kaum wissenschaftliche Studien (vgl. KRAUSMANN 2009: 2). Eine Möglichkeit jedoch, den globalen Zuschlag von Sand als Zuschlagstoff indirekt abzuschätzen, ist die Herstellung von Zement zu Beton. Denn Beton wird mit Hilfe von Zement, Wasser, Sand und Kies hergestellt. Die Produktion wurde im Jahr 2012 von 150 Ländern gemeldet. Für jede Tonne Zement, die verbraucht wird, benötigt die Bauindustrie etwa sechs bis sieben Mal mehr Tonnen Sand und Kies (vgl. USGS 2013). Somit wurde für das Jahr 2013 eine weltweite Verwendung von Zuschlagstoffen für Beton von 25, 9 Billionen bis 29,6 Billionen Tonnen pro Jahr geschätzt. Dass die Nachfrage an Zuschlagstoffen so hoch ist, begründet sich aus den Anfragen vieler industrieller Sektoren aus der Wirtschaft, einschließlich der Herstellung von Glas, Elektronik und Luftfahrt. Der größte Verbrauch liegt jedoch im Bausektor und in der Landgewinnung (vgl. Abb. 1). Die Grafik zeigt, dass China an der Spitze der Zement- produktion weltweit steht und im Jahr 2015 mehr als 2,4 Milliarden Tonnen Zement produziert hat. Vor allem das schnelle Wirtschaftswachstum in Asien ist Grund für die Entfaltung der Zementproduktion. Die Nachfrage nach Zement steigt stetig, vor allem mit den Erneuerungen der Infrastruktur (Straßen, Häuser, Dämme und Brücken). Die fünf Länder China, Indien, USA, Brasilien und die Türkei produzieren 70 Prozent der weltweiten Zemente (vgl. USGS 2018). Sand wurde bis vor einigen Jahren noch aus Landsteinbrüchen und Flussmündungen gewonnen. Aufgrund des Rückgangs der Binnenressourcen auf der Welt kam es zu einer Verlagerung des Abbaus im Meer und an den Küstenlinien (vgl. UNEP 2014). Der Abbau von Sand und Kies im Schelfbereich stellt derzeit den wichtigsten Posten der gegenwärtigen Nutzung von marinen mineralischen Ressourcen dar (vgl. KELLERSOHN 1983: 25).

Die Gründe dafür sind ziemlich schlicht. Es gibt große Vorkommen in Küstennähe, der Abbau ist relativ einfach, der Bedarf ist vorhanden, da ein immer schnelleres Wachstum der Erdbevölkerung sowie der Industrie erfolgt und die Konzentration der Bevölkerung an den Küsten zunimmt. Demnach steigt der Bedarf an Aufschüttungen für Landgewinnung, Füllsand auf Baustellen und in Häfen, sowie im Küstenschutz für Strandvorspülungen. Jedoch ist die Entnahme mariner Sande und Kiese nicht unproblematisch. Sie wirkt sich auf die Biodiversität, die Wassertrübung, den Wasserspiegel, die Landschaft und das Klima aus. Auch sozioökonomische, kulturelle und politische Konsequenzen kann solch ein mariner Abbau haben, da sich in einigen Fällen sogar die internationalen Grenzen durch den Abbau verändern (NEW YORK TIMES 2010: 4). Gewonnen werden Sand und Kies mit speziellen Schiffen, welche das Material mit einem großen Rohr vom Meeresboden saugen. Diese Art und Weise des Gewinnens wird als Saugbaggern bezeichnet (vgl. WOR 2014: 57).

Abbildung 1: Anteil der wichtigsten Länder an der Zementproduktion 2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Cembureau6 2018 / US Geologie Institute; Diagramm selbst erstellt

Aufgrund des weltweiten auftretenden illegalen Sandabbaus werden auch unkonventionelle Maßnahmen angewendet, um Sand zu gewinnen. In Entwicklungsländern werden häufig Bergbau- und Baggerregelungen ohne wissenschaftliches Verständnis der Folgen aufgestellt und Projekte werden ohne Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt (vgl. MAYA 2012: 36ff.). Allein im indonesischen Archipel sind mehr als 25 Inseln infolge von Erosion durch illegalen Sandabbau verschwunden (vgl. UNEP 2014). Auch wenn Reste einer Insel über den Wellen bleiben, kann der Sandabbauprozess die lokale Fischpopulation zerstören. Indonesien, das aus 17.500 Inseln besteht, von denen mehr als 7.000 unbewohnt sind, verbot 2007 den Export von Sand und Kies. Dennoch geht der illegale Sandraubbau in Ländern wie Indien, Indonesien, Afrika und Singapur weiter (vgl. NEW YORK TIMES 2010: 4).

Wie viel Sand aus den Meeren der Welt entnommen wird, ist kaum erfasst. Nach Schätzungen wurden 2012 in Europa 93,5 Millionen Kubikmeter Sand aus dem Meer entnommen (vgl. WOR 2014: 56). Den größten Anteil dabei hatten die Niederlande mit 63 Millionen Kubikmetern. Dieser Anteil wurde für Vorspülungen an der Küste, besonders für die niederländischen Inseln, benötigt. Ein anderer Teil wurde für die Erweiterung des Seehafens in Rotterdam genutzt. Hinter den Niederlanden steht der zweitgrößte europäische Verbraucher: England. Sand und Kies werden dort zu 80 Prozent für die Betonherstellung genutzt. Andere Staaten der Erde bauen Sand und Kies nicht in so großen Mengen ab. Dennoch benötigen auch diese Staaten enorm viel Sand für ihre riesigen Bauvorhaben. Ein Beispiel ist der Ausbau des Flughafens in Hongkong. Städte wie Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Malaysia und der Stadtstaat Singapur haben ebenfalls einen hohen Sandverbrauch (vgl. WOR7 2014: 57). Dies ist vor allem dem Bauboom geschuldet. Dubai gehört weltweit zu den größten architektonischen Prestige Projektenim Städtebau. Mit der Schaffung der Inselgruppe „The Palm“, welche aus einem künstlichen Satz von Sandinseln besteht, wurden 150 Millionen Tonnen Sand benötigt, den man vor der Küste Dubais gewonnen hat. Ein anderes Projekt Dubais, mit einem noch größeren Ausmaß ist: „The World“, ein Archipel aus 300 künstlichen Inseln in Form einer Weltkarte. Dieses Bauvorhaben hat 14 Mrd. Dollar gekostet und dreimal mehr Sand verbraucht, als der Bau von „The Palm“. Das makabere an dieser riesigen Sandverschwendung ist, dass dieses Projekt nicht fertiggestellt wurde und zum Teil mehrere Inseln bis heute schon wieder versandet sind. Die eigenen Sandreserven Dubais sind durch diese großen Bauvorhaben erschöpft, somit importiert Dubai Sand aus Australien, da der eigene Wüstensand zum Bauen und für Aufschüttungen nicht geeignet ist. Wenn solche Sandkörner zum Bau verwendet werden würden, hielten sie sich nicht zusammen. Die marinen Sandvorkommen sind aufgrund ihrer mineralischen Zusammensetzung und ihrer kantigen Form besser haftbar und sind daher für Aufschüttungen und als Baustoff bzw. Zusatzstoff geeignet. Die Ironie daran ist, dass ein Wüstenstaat Sand importieren muss, um seine Bauvorhaben zu Ende zu führen. Sand ist zu einen unentbehrlichen Material für Städte wie Dubai geworden. 3500 australische Unternehmen exportieren jährlich Sand auf die Arabische Halbinsel (vgl. HANDELSBLATT 2013). Singapur hat sich innerhalb von vierzig Jahren zu den reichsten Ländern der Welt entwickelt und seine Einwohnerzahl hat sich fast vervierfacht. Die Einwohnerzahl ist von 1963 mit 1,63 Millionen Menschen auf 5,53 Millionen Einwohner im Jahr 2015 gestiegen (vgl. FISCHER 2017: 442). Um diesem Bevölkerungszuwachs gerecht zu werden, benötigt Singapur immer mehr Lebensraum. Seine Fläche ist in den letzten vierzig Jahren um 20 Prozent gewachsen. Diese Ausdehnung wurde vor allem durch die Verwendung von Zuschlagstoffen (vgl. Abb. 2) und durch Aufschüttungen im Meer erreicht (vgl. UNEP 2014).

Abbildung 2: Flächenausdehnung Singapurs von 1973-2013

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: UNEP 2014

Singapur ist der größte Sandimporteur weltweit mit 517 Millionen Tonnen Sand in den letzten zwanzig Jahren. Der Pro Kopf Sandverbrauch liegt bei 5,4 Tonnen pro Einwohner (vgl. GLOBALWITNESS8 2010). Singapur will bis 2030 seine Fläche noch weiter vergrößern. Der Sand, der dafür benötigt wird, importiert Singapur aus seinen Nachbarländern Malaysia, Vietnam, Kambodscha, Indonesien und Thailand. Da jedoch der illegale Sandimport so hoch ist, wurde ein Verbot eingeführt, um diesen zu stoppen. Der Sandimport nach Singapur ist ein großes Problem. Alle asiatischen Länder mit wachsender Wirtschaft und demnach steigender Bevölkerungszahl sind auf hohe Sandmengen angewiesen, so auch Staaten wie Indien. Trotz vieler Verbote liegen laut statistischen Meldungen des Sandexports und -imports drastische Unterschätzungen der Sandimporte vor. Die illegalen Einfuhren von Sand sind in öffentlichen Statistiken nicht vermerkt. Mit zunehmender Sandnachfrage steigt der Sandhandel durch lokale kriminelle Organisationen. Der durchschnittliche Preis von Sand lag zwischen 1995 - 2001 bei 3 US Dollar pro Tonne. Zwischen den Jahren 2003-2005 stieg der Preis bereits auf 190 Dollar pro Tonne (vgl. UNEP 2014). Leider fehlt es an einem internationalen Vertragswerk zum Schutz der Ressource Sand und der Umwelt. Keine internationalen Konventionen regeln die Gewinnung, Nutzung und den Handel von Sand auf Landbasis (Sandsteinbruch, Fluss- und Seeanhäufung). Aufgrund der Betriebskosten werden die meisten Meeresaggregatextraktionen in kurzer Entfernung von den Anlandehäfen und in Wassertiefen von weniger als etwa 50 Metern durchgeführt. Da diese Aktivitäten in Küstennähe stattfinden, unterliegen sie in der Regel nationalen Rechtsprechungen. Gleiches gilt auch für die Wirtschaftszonen oder das Kontinentalschelf, wo die Küstenstaaten souveräne Rechte zur Erkundung und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen ausüben (vgl. RADZEVICIUS 2010: 1ff.). Demzufolge ist die Notwendigkeit, eines geeigneten Regelwerkes von wichtigem Interesse, um die Auswirkungen auf die Flora und Fauna des Meeresbodens, sowie der Flusslandschaften einzudämmen (vgl. KRAUSE 2010: 215ff.). Die folgenden Ausführungen sollen verdeutlichen, welche Stellung der Rohstoff Sand und Kies in Deutschland einnimmt.

4. Die Sand - und Kiesvorkommen in Deutschland

4.1 Die Entstehung von Sanden und Kiesen

Wie bereits in der Begriffsbestimmung zu „Sand“ angemerkt, entstanden natürliche Sande und Kiese durch physikalische und chemische Verwitterung und Umlagerung aus zersetztem Festgestein zu Lockerungssedimenten. Gesteine der Erdoberfläche sind fortwährend den verschiedenen exogenen Kräften ausgesetzt. Exogene Kräfte wie Frost, Regen sowie Sonneneinstrahlung lassen das Gestein verwittern und es wird so in kleinere Bestandteile zerlegt. Fließendes Wasser, Wind oder Eis transportieren die Bruchstücke, bearbeiten sie weiter und lagern sie dann als Lockersedimente an geeigneten Stellen wieder ab. Je nach Art und Kraft des Transports wird die Sortierung beeinflusst, die nach Korngröße bzw. durch eine Schichtung des Materials erfolgt. Auf diese Art entstehen mechanische Sedimente, auch Trümmergesteine oder klastische Sedimente genannt. Darunter fallen Sande und Kiese. Unter der Last immer weiterer Ablagerungen steigt der Druck auf die unteren Schichten, so dass die Porenräume verkleinert werden und Wasser bzw. flüchtige Bestandteile ausgepresst werden und diese sich dann verfestigen. Dieser Prozess nennt sich Diagenese (vgl. KÜSTER 2013).

Es entstehen dabei die klastischen Sedimentgesteine, die man je nach Art der enthaltenen Gesteinstrümmer unterscheidet. Das heißt, je nach Entstehungsort werden marine Meeressedimente, terrestrische Festlandssedimente, fluviatile (Fluss-) Sedimente, äolische durch Wind transportierte Sedimente und glaziale durch Gletscher bzw. Inlandeis transportierte Sedimente unterschieden. In Flüssen werden und wurden Kiese und Sande durch die Strömung und sinkender Transportkraft in Flussterrassen abgelagert.

Vor allem durch die erdgeschichtliche Phase des Pleistozäns mit seinen Wechsel von Kalt-und Warmzeiten und den damit verbundenen Gletschervorstößen und Rückphasen, ist die entscheidende Entstehung von Sanden und Kiesen in Deutschland geprägt. Durch die eiszeitlichen Schmelzwasser wurden während der großen Vereisungszyklen in den geschaffenen Landschaftsformen, wie Urstromtälern und Sandern, großflächige Ablagerungen aus Sanden und Kiesen (glaziale Sedimente) gebildet. Die Strandsande (Marine Sedimente) wurden durch die Kraft von Meereswellen umgelagert und durch die weitergehende Verwitterung in Strandwällen abgelagert. Die dritte wichtige Transportart ist die äolische, der Windtransport. Diese Art des Transports kann je nach klimatischen und ökologischen Vorrausetzungen zu Flugsanddecken oder der Bildung von Dünen führen. Aus diesen geologischen Gründen kommen in Deutschland, vor allem in Nord- und Mittedeutschland und im Alpenvorland, eizeitlich abgelagerte Sande und Kiese, sowie fluviatile Terrassenablagerungen vor, so zum Beispiel in den größeren Flüssen Rhein (Oberrheintal bis zur Niederrheinischen Bucht), Donau, Main, Elbe (vom Elbsandsteingebirge bis nördlich von Magdeburg) und Flussterrassen von Mosel, Weser, Werra, Mulde, Saale, Unstrut und Oder (vgl. BGR9 2007: 2). Im weiteren Fortgang der Arbeit, werde ich ausführlicher auf die marinen Sedimente (Sande) zurückkommen.

4.2 Die Gewinnungsverfahren von Sanden und Kiesen in Deutschland

Für den Einzelnen, sowie für Unternehmen und öffentliche Institutionen in Deutschland, ist es heute selbstverständlich, auf die Vorkommen dieses mineralischen Rohstoffs und den daraus gewonnenen Produkten jederzeit und in gewünschter Menge zurückzugreifen. Ohne seinen Nutzen als vielseitiger Rohstoff für Produkte des täglichen Bedarfs (vom Glas, Handy bis hin zum Computerchip), wären die vielen Anschaffungen unserer Industriegesellschaft nicht denkbar. Doch bevor Sand zum Gegenstand unseres täglichen Lebens wird, muss er erschlossen und gewonnen werden. In Deutschland steht man der Sand- und Kiesgewinnung immer noch kritisch gegenüber. Ein Streit um Ökonomie und Ökologie ist in diesem Zusammenhang unerlässlich (vgl. BUJA 2013: 777).

Bei der Genehmigung von Abbauvorhaben in Deutschland sind die unterschiedlichsten Interessen und öffentliche Belange zu berücksichtigen. Diese betreffen neben dem volkswirtschaftlichen Interesse, auch die unternehmerischen Interessen an einer gesicherten Rohstoffversorgung sowie verschiedene Umweltaspekte. Der Abbau von Sand und Kies erfolgt in Deutschland am häufigsten im Nassabbau. Dabei wird das Grundwasser angeschnitten und ein Baggersee entsteht auf der nutzbaren Fläche (vgl. BUJA 2013: 777). Dieser Prozess fällt in das Wasserhaushaltsgesetz von Deutschland. Von den Genehmigungen im Wasserhaushaltsgesetz unterscheiden sich die Genehmigungen von Abgrabungen der Rohstoffe, die dem Bundesberggesetz unterliegen. Das ist bei Sanden und Kiesen sehr oft der Fall, wenn sich diese zur Herstellung von feuerfesten Erzeugnissen eignen. Das speziell geregelte Bergrecht in Deutschland, berücksichtigt, dass der Abbau einer Rohstofflagerstätte ein dynamischer Vorgang ist, welcher nur vorrübergehend statt- findet. Anschließend wird die Fläche der Natur zurückgegeben oder einer anderweitigen Nutzung zugeführt (vgl. BUJA 2013: 778). Das Bergrecht schreibt genau vor, welche Maßnahmen vor dem Abbau einer Lagerstätte getroffen werden müssen, wie die Forderung nach einem Rahmenbetriebsplan, den der Antragsteller erstellen muss. Dieser ersetzt nicht den Hauptbetriebsplan, welcher zusätzlich in einem Verfahren für die Genehmigung zum Abbau einer Lagerstätte durchgeführt werden muss. Bei Nassauskiesungen, welche größtenteils in Deutschland vollzogen werden, führen die Unternehmen im Rahmen des Abbaus Umweltverträglichkeitsprüfungen durch. Dieser Schritt dient der Entscheidungsvorbereitung im Hinblick auf die Gewinnung in einer möglichen Lagerstätte. Die Planfeststellungsbehörde muss den Antrag prüfen und genehmigen. Überdies ist die Öffentlichkeit zu informieren und eventuelle Einwände sind zu untersuchen.

Das hier Erwähnte ist nur eine sehr kurze Zusammenfassung der eigentlichen Genehmigungsverfahren, die bei der Gewinnung von Sand und Kies in Deutschland durchlaufen werden müssen. Daher erhebt es keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird im Unterkapitel 4 ergänzt und im Kapitel 5 vervollständigt.

Die Abbauverfahren vollziehen sich in Deutschland durch die Trocken- und Nassgewinnung von Sanden und Kiesen. Die zahlreichen Lagerstätten von Sanden und Kiesen in Deutschland ermöglichen den Abbau von Schichten, die sich oberhalb des Grundwasserspiegels befinden. Um das Material später als Baustoff zu verwenden, muss eine hinreichende Qualität sichergestellt werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die fachgerechte Beseitigung des Abraums (vgl. BUJA 2013: 779). Beim selektiven Abbau des Materials, wird es an verschiedenen Stellen des Abraums so gewonnen, wie es die jeweilige Absatzsituation erfordert. Zur Beseitigung des Abraums und für die Gewinnung der Ressource Sand gibt es sehr unterschiedliche Maschinen, die von der maschinenherstellenden Industrie entwickelt wurden. Eingesetzt werden in diesem Prozess Rad- und Raupenlader, Hydraulikbagger und Seilbagger mit Schleppschaufeln sowie Schrapper und Schub- und Schürfkübelraupen. In Lagerstätten mit einem geringen Verunreinigungsfaktor erfolgt die Aufbereitung des gewonnen Materials durch Klassieren mittels moderner Siebanalgen (vgl. Abb. 3). In welche Korngruppe der Sand klassiert wird, hängt von seiner mineralischen Qualität und den DIN Normen10, EN Normen11 und technischen Verfahren ab. Die in den Kieswerken Deutschlands am häufigsten klassierten Sande und Kiese, sind die Körnungen, welche für die Herstellung von Beton gebraucht werden. Diese Körnungen dürfen in Deutschland nur verkauft werden, wenn ihre Eignung durch Übereinstimmung der DIN EN 12620 nachgewiesen ist. Diese Übereinstimmung wird durch das CE-Zeichen und durch die EU-Konformitätserklärung des Herstellers dokumentiert (vgl. EUROQUARZ 2017).

Abbildung 3: Siebanlage beim Klassieren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: REMAV Vertriebsbüro 2018

Diese Siebanlagen können dem Abbauvorgang ohne weiteres folgen. In großen Abbauflächen finden heute in Deutschland folgende Geräte ihren Einsatz: Radlader mit einem Schaufelinhalt von bis zu 36 Kubikmeter, Hydraulikraupenbagger mit einem Löffelinhalt von sechs Kubikmetern und Muldenkipper mit einem Muldeninhalt von bis zu 30 Kubikmeter. Da ein Teil des abgebauten Sandes und Kieses in Deutschland auch für den Export zur Verfügung gestellt wird, verfügen viele Lagerstätten über Anleger für Lastkähne oder über einen Bahnanschluss. Neben diesen großen Geräten sind auch Geräte der Mittelklasse im Einsatz (Hydraulik-Raupenbagger). Diese sind besonders für Erd- und Kiesbewegungen konzipiert.

Die Sand- und Kiesförderungsanlagen Deutschlands sind mit entsprechenden Aufbereitungsanlagen ausgestattet, die das Material in die erforderliche Korngröße aufbereiten. Oft sind an die Sand- und Kieswerke Transportunternehmen angegliedert, so dass die Transportkosten gemindert werden können (vgl. BUJA 2013: 779). Die Verladung von Sand und Kies erfolgt ab dem Silo mittels einer Batchkarte. Der Kunde erhält eine Chipkarte mit den genauen Daten über die Menge und die Verordnung zur jeweiligen Sandmischung. Diese Daten sind gespeichert in der Disposition des jeweiligen Sand- und Kieswerkes. Die Lieferung wird alsdann an der Verladestation abgeholt. Manche Werke bieten auch Nachtverladungen an. Kunden können dann unabhängig von den Öffnungszeiten nachts über einen Außenterminal den Sand oder Kies selbständig zu verladen (vgl. MÜLLER 2018). Die abbauwürdigen Quarzsande (Sand, der einen besonders hohen Wert des Minerals Quarz aufweist) in Deutschland stammen vorwiegend aus der Kreide- und Tertiärzeit. Sie werden ebenso im Trocken- und Nassbauverfahren gewonnen.

Bei der Nassgewinnung von Sand und Kies wird zwischen der Nassgewinnung mit schwimmenden oder landgestützten Gerät (bergmännische Baggerei) und der Nassbaggerei (die wasserbauliche Baggerei) mit schwimmenden Gerät zur Herstellung von Verkehrswegen, Kanälen, Hafenbecken mit deren Unterhaltung, Aufspülung von Dämmen und Deichen sowie zur Landgewinnung unterschieden (vgl. BUJA 2013: 785). Die bergmännische Nassgewinnung wird angewendet, wenn ein wesentlicher Teil der Lagerstätte unterhalb des Wasserspiegels liegt und eine Grundwasserabsenkung aus ökologischen Gründen verboten ist. Die Auswahl des Abbauverfahrens ist von den Eigenschaften der Lagerstätte abhängig. Dabei haben die Korngröße, Kornform, Festigkeit, Mächtigkeit, Material sowie Verunreinigungen einen großen Einfluss. Die spezifischen Eigenschaften der Lagerstätte sind die entscheidenden Merkmale für die Auswahl der Geräte und der daraus resultierenden Unterteilung zwischen landgestützten oder schwimmenden Geräten (vgl. BUJA 2013: 785). Bei den vom Land aus operierenden Maschinen erfolgt der Transport des abgebauten Materials mit Gummiförderern oder Muldenkippern. Bei den schwimmenden Geräten erfolgt er hydraulisch und mit Hilfe von Schuten12.

4.3 Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Sanden und Kiesen

Mineralische Rohstoffe wie Sand und Kiese, die mengenmäßig zur größten gewonnenen Rohstoffgruppe in Deutschland zählen, sind unverzichtbar für Deutschland, gerade derartige Rohstoffe, die selbst in Deutschland erzielt werden. Die sichere und nachhaltige Versorgung mit mineralischen Bodenschätzen ist daher eine Grundlage für den Industrie- und Technologiestandort Deutschland, der gerade im Zuge der Energiewende große Mengen für die Umsetzung, wie zum Beispiel für den Bau von Windkraftanlagen, benötigt (vgl. BGRc 2017: 1).

Durch die in Deutschland großzügig abgelagerten Vorkommen (vgl. Abb. 4) von Sanden und Kiesen, wird eine angenehme Versorgungslage mit Hilfe der angesiedelten Gewinnungsbetriebe ermöglicht. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland 572 Millionen Tonnen mineralischer Rohstoffe gewonnen, darunter auch große Mengen an Sanden und Kiesen. Ohne ausreichende Sande und Kiese würde der deutsche Bausektor wahrscheinlich in wenigen Tagen erlahmen, denn er benötigt jährlich etwa 140 Millionen Tonnen hochwertige Sande und Kiese als Grundlage für die Herstellung von Estrich, Mörtel, Transport- und Porenbeton, Betonfertigwaren und Betonteilen wie etwa Dachsteine, Gehwegplatten, Palisaden, Rohre, Fertighäuser und Treppen und vieles mehr. Desweiteren finden in der Bauindustrie rund 90 Millionen Tonnen Sand und Kies als Straßenbaumaterial, als Auffüllungsmaterial, zur Verfüllung von Rohrleitungen, als Drainagekies und als Dachkies Verwendung. Zu den bereits genannten Mengen kommen außerdem in noch ungefähr 10 Millionen Tonnen Sand für die Zement- und Ziegelindustrie, der keramischen Industrie und im Garten - und Landschaftsbau hinzu.

[...]


1 Bezeichnet die Neigung der Körnungslinie (=Siebkurve); sie gibt die Gleichförmigkeit bzw. die Ungleichförmigkeit eines Bodens an, die für verschiedene Bodeneigenschaften von Bedeutung ist. Dabei ist der Ungleichförmigkeitsgrad ein Parameter zur Charakterisierung von vorwiegend Sanden und gröberen Korngemischen hinsichtlich ihrer Verdichtbarkeit. Der zahlenmäßige Ausdruck dafür ist die Ungleichförmigkeitszahl U:U=d60/d10. vgl. Lexikon der Geowissenschaften 2002, Bd. 5: Silc-Z. (Abrufdatum: 12.01.2018)

2 „Zuschlagstoffe sind eine Gruppe von Bestandteilen eines Gemenges, das als Werkstoff verwendet wird, die keine primären Funktionsträger sind. Die Zuschlagstoffe gehören damit zu den Hilfsstoffen (Additiven ).“ vgl. http://www.chemie.de/lexikon/Zuschlagstoff.html 2018 (Abrufdatum: 01.02.2018).

3 Einheit der Druckfestigkeit. Die Druckfestigkeit wird als Kraft pro Fläche ausgedrückt. Die Druckfestigkeit von Beton wird in Festigkeitsklassen angegeben. Die Charakteristik der Festigkeit des Gesteins wäre hier: >60 /mm². vgl. http://www.bwloebnitz.de/images/wissen/Wissenswertes_Kalksandstein_Druckfestigkeit_Rohdichte.pdf 2018 (Abrufdatum: 03.02.2018).

4 Umweltbundesamt Deutschland

5 United Nation Environment Programme (UN- Umweltprogramm der Vereinten Nationen) vgl. https://www.unenvironment.org (Abrufdatum: 02.02.2018).

6 The European Cement Association vgl. https://cembureau.eu/cement-101/key-facts-figures/ (Abrufdatum: 18 Januar 2018).

7 world ocean review: ein in mehreren Bänden gedruckter erschienener Bericht, der sich mit dem Zustand des Meeres und mit seinen unterschiedlichen Zusammenhängen auseinandersetzt.

8 „Weltweite Zeugenschaft“, ist eine Nichtregierungsorganisation. Sie setzt sich dafür ein, das Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen die durch die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, und Korruption im globalen politischen und Wirtschaftlichen System verursacht werden zu beenden bzw. aufzudecken vgl. https://www. Globalwitness.org/en/.. (Abrufdatum: 20.02.2018)

9 Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: pdf- Bodenschätze der Bundesrepublik Deutschland https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Min_rohstoffe/min (Abrufdatum: 15.01.2018).

10 Die Bestimmung der Korngröße erfolgt im Korngrößenbereich >0,063 mm nach DIN 52 098 durch Soebanalyse, im Korngrößenbereich <0,063 mm z.B. durch Sedimentationsanalyse nach DIN 18 123.Die neue Siebnorm DIN ISO 3310 ersetzt die in Deutschland bis lang gültigen Normen DIN 4187 und DIN 4188 (vgl. GWOSDZ /LORENZ 2003: 11-12).

11 Aus praktischen Erwägungen hat das europäische Norminstitut CEN (Cimite Europeen de Normalisation) für alle Anwendungsbereiche von Gesteinskörnungen eine „Grundsiebreihe“ festgelegt, die in allen Ländern der EU Gültigkeit besitzt (vgl. GWOSDZ /LORENZ 2003: 12).

12 Ist ein Antriebsloses Schiff was Güter transportiert (vgl. ROSSIN 2018: persönliche Kommunikation Thomas Rossin- Besitzer einer ehemaligen Schute auf der Insel Dänholm bei Stralsund.

Ende der Leseprobe aus 82 Seiten

Details

Titel
Die Ressource Sand im Kontext des globalen Wandels unter besonderer Berücksichtigung des Sandabbaus in Mecklenburg-Vorpommern
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
82
Katalognummer
V426837
ISBN (eBook)
9783668709294
Dateigröße
2839 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ressource, sand, kontext, wandels, berücksichtigung, sandabaus, mecklenburg-vorpommern
Arbeit zitieren
Francis Sieler (Autor), 2018, Die Ressource Sand im Kontext des globalen Wandels unter besonderer Berücksichtigung des Sandabbaus in Mecklenburg-Vorpommern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/426837

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