Die Behandlung des Dersim-Aufstands 1937-38 im Geschichtsunterricht. Didaktische Analyse und Methodenauswahl


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Sachanalyse des historischen Gegenstandes

3. Geschichtsdidaktische Analyse und Profilierung

4. Methodisch und Mediale Konkretisierung

5. Fazit

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

8. Internetverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Dersim-Aufstand, welcher im Jahr 1937/38 stattfand und ein wichtiges Ereignis für die Türkisch-Kurdische Gesellschaft darstellt. Auf den nächsten Seiten soll die Wichtigkeit dieses Themas im Geschichtsunterricht dargestellt werden. Daher wird sich diese Arbeit wie folgt gliedern:

Im ersten Teil meiner Arbeit wird die Sachanalyse des historischen Gegenstandes aufgegriffen. Hierbei wird der historische Kontext kurz dargestellt und ein kleiner Einblick in das Themenfeld gegeben. Der Dersim-Aufstand wird durchleuchtet und seine Hintergründe werden aufgezeigt. Daraufhin soll eine didaktische Analyse und Profilierung stattfinden, bei der es darum geht die Relevanz des Dersim-Aufstandes für den Geschichtsunterricht zu erläutern und sie in den Lehrplan einzuordnen. Die Relevanz des Unterrichtsthemas soll sowohl aus curricularer Sicht, als auch aus Gegenwartsbezogener Sicht veranschaulicht und begründet werden. In dem nächsten Schritt, dem Hauptteil meiner Hausarbeit, wird eine methodisch- mediale Analyse durchgeführt, bei der es darum geht eine wesentliche Methodenauswahl des Unterrichts darzustellen und diese zu begründen. In diesem Schritt werden viele Methoden benannt und erläutert: Bilder, Think-Pair-Share, Tafelanschrieb und noch einige weitere. Diese Methoden sollen den Verlauf des Unterrichts stützen und legitimieren.

Anschließend wird die Arbeit mit einem Fazit gefestigt und abgerundet. Eine letztliche Vervollständigung erfolgt durch das Literaturverzeichnis und den Anhang.

2. Sachanalyse des historischen Gegenstandes

Wo liegtüberhaupt Dersim und warum gab es dort einen Aufstand? Viele Schüler kennen diese Stadt nicht und haben in ihrem Geschichtsunterricht keine Informationenüber dieses historische Ereignis erhalten, da sich diese Stadt nicht in Europa befindet und nicht an erster Stelle des Lehrplans steht. Nun soll dieses Ereignis jedoch näher durchleuchtet werden. Bevor wir das Thema näher durchleuchten soll kurz aufgegriffen werden wer die Kurden sind. Es stellt sich die Frage, ob Kurden ethnische Minderheit, ein Volk oder eine Nation sind. Die Kurden haben keine einheitliche Schrift- Standartsprache, trotz dessen können sie als gemeinsames Volk angesehen werden:

„sie besitzen offenkundig eine gemeinsame Kultur, sie sind durch das Zugehörigkeitsgefühl miteinander verbunden und sie unterscheiden sich in dieser Hinsicht von allen anderen benachbarten Ethnien, die sie und ihr Siedlungsgebiet zwischen sich -innerhalb ihrer „Nationalstaaten "- aufteilen. Die Kurden stellen daher eine selbstständige Ethnie dar. (...) Die Kurden sind demzufolge mehr eine geteilte staatslose (Volks)Nation oder „non-state nation"."1

Dersim war bis 1935 eine kurdische Provinz des osmanischen Reiches, doch die Aufstände in den Jahren 1937/38 sorgten dafür, dass „Dersim" zu „Tunceli" wurde, da der kurdische Stadtname durch einen türkischen Namen ersetzt wurde. Dersim liegt im Nordwesten, einem kurdischen Umland, welches sich jedoch im Besitz der Türkei befindet. Trotz dessen, dass sich Dersim in der Türkei befand, war sie nicht der türkischen Herrschaft untergeordnet. Die Türkei wollte jedoch auch Dersim für sich gewinnen und versuchte mit Dorfzerstörungen, Deportationen und Türkisierungsversuchen die Stadt zu erobern, doch es gelang ihnen nicht in das Zentrum von Dersim einzudringen. Immer wieder wurden neue Versuche durch die türkische Regierung gestartet, wie z.B der Bau von neuen Schulen in Dersim. Die Bevölkerung von Dersim boykottierte gegen jegliche Versuche der Assimilation, sei es aus religiösen als auch aus nationalen Vorbehalten. Die Bevölkerung leistete somit starken Widerstand gegen den türkischen Staat.2 Die kurdische Bevölkerung, welche nahezu ausschließlich aus Alewiten bestand, bestand auf eine Selbstverwaltung.3 Die Kurden wurden als anarchistisch von der Regierung in Ankara beschrieben und sie behaupteten, dass die Bevölkerung von Dersim Banditen und Kriminelle seien. Innerhalb der Türkei waren große Spaltungen sichtbar und Dersim machte einen Teil der Spaltung aus. Die Lage spitzte sich immer weiter zu.4

„Dolayisiyla Dersimdeki iki halk hareketini ”isyan, ayaklanma" degil; kendi varligini imhaya yönelik bir direnme/direni§, birölüm kalím mücadelesi olarak nitelemek gerçege daha yakindir."

In diesem Zitat wird gesagt, dass die Konfrontation zwischen beiden Völkern nicht als „Aufruhr und Aufstand" angesehen werden kann, sondern als ein Widerstand gesehen werden konnte. Ein Widerstand um Leben und Tod, indem es darum ging am Leben zu bleiben.5

Da keine Lösung zwischen der kurdischen Bevölkerung von Dersim und der türkischen Regierung gefunden werden konnte wurde ein Ausnahmezustandüber die Stadt Dersim verhängt, sodass die türkische Militärmacht nach Dersim zog. Die kurdische Bevölkerung war dem zahlenmäßig höheren Militär nicht gewachsen, sodass viele Menschen aus Dersim flüchten mussten. Trotz der Forderung nach Hilfe, blieb die Hilfe für das kurdische Volk aus, sodass der Dersim-Aufstand für die Kurden einen gescheiterten Aufstand darstellt.6 Trotz der Errungenschaft der türkischen Bevölkerung starteten sie weitere Einsätze in Dersim, in denen sie ihre Autorität für immer stärken wollten. Über 7000 Menschen wurden bei diesem Einsatz „ausgelöscht", viele dieser Menschen wurden getötet, während auch ein großer Teil in andere Städte geschickt wurde.7 Durch die Niederlage der kurdischen Bevölkerung und des Scheiterns des Aufstandes waren die Kurden zu einem langen Schweigen verurteilt, welches Jahrelang andauerte. Der Aufstand hatte somit negative Folgen für die Bevölkerung von Dersim und die Stadt endete im Besitz der Türkei und ist, wie zu Beginn gesagt, nun Tunceli.8

3. Geschichtsdidaktische Analyse und Profilierung

In diesem Abschnitt der Arbeit werden wir uns mit der Frage beschäftigen, warum dieses Thema relevant für unsere heutige Zeit ist und welche Bedeutung ihr in unserem Unterricht zugetragen wird.

Der Dersim Aufstand zeigt ein Ereignis der Flucht und Vertreibung in der Zeit des zweiten Weltkrieges. Abgesehen von der Flucht und Vertreibung wird die Zeit darauf als undemokratische Zeit angesehen und kann daher wichtige Diskussionsthemen in der Klasse zum Besprechen veranlassen.9 Besonders wichtig ist auch, dass das Problem zwischen der kurdischen Gesellschaft und der Türkei immer noch nicht endgültig gelöst wurde. Es bestehen weiterhin Probleme zwischen den beiden „Völkern", welche sich ein Land teilen. In Bezug auf das Thema „Flucht und Vertreibung" kann zusätzlich gesagt werden, dass sich ein Großteil der kurdischen Bevölkerung in der Türkei nicht wohl fühlt, da sie stets das Gefühl der Diskriminierung und Ausgrenzung erfahren.10 Der Konflikt zwischen den Ländern und die Entstehung der Peschmerga, einer kurdischen Freiheitskämpfergruppe, welche bis heute in Syrien und anderen muslimischen Ländern kämpft, um unschuldigen Menschen zu helfen zeigt auch die Wichtigkeit dieses Themas auf. An dieser Stelle ist das Thema jedoch mit Vorsicht zu betrachten, da oftmals eine Verwechselung zwischen der PKK, der IS und der Peschmerga stattfindet. Die Peschmerga steht für sich alleine und sie versuchen den Menschen in Kriegsgebieten zu helfen. Dadurch, dass mehrere Gruppen entstanden sind und es in einigen Gebieten kämpferische Auseinandersetzungen gibt ist dieses Thema relevant. Es ist ein aktuelles und wichtiges Thema, welches weiterhin den Konflikt zwischen den Türken und den Kurden widerspiegelt.11

Unter diesem Aspekt sollte jedoch auch der Lehrplan betrachtet werden, welcher diese Themen vorgibt: Strukturmerkmale traditionaler europäischer Gesellschaften und Wandel und Veränderung traditionaler Strukturen im Unterricht. An dieser Stelle würde sich das Thema des Dersim-Aufstandes eignen, da verschiedene Gesellschaften unter Betracht gezogen werden und eine Veränderung stattfindet. Der zweite Weltkrieg in Deutschland kann hierbei auch analysiert werden, denn die Lage in der Türkei steht im Zusammenhang damit.12 Außerdem ist der Erwerb der Europäischen Geschichte für die Schüler/innen eine Bereitschaft zur Verständigung. Es soll ein Bewusstsein entstehen, welches die europäische Zusammengehörigkeit untermauert.13

[...]


1 Düzen, Deniz: Kurdische Jugendliche in Deutschland zwischen Inklusion und Exklusion, eine sekundäranalytische Studie. Hamburg 2014. S.26.

2 Vgl. Alte, Rüdiger: Der Aufstand von Dersim 1937/38, Die Vollendung der Kolonisation Kurdistans. In: Hösler, Joachim & Kessler, Wolfgang: Finis Mundi - Endzeiten und Weltenden imöstlichen Europa, Stuttgart. S.147-148.

3 Vgl. Strohmeier, Martin & Yalcin-Heckmann, Lale: Die Kurden, Geschichte Politik Kultur. C.H Beck 2013.

4 Vgl. Lundgren, Asa: The Unwelcome Neighbour, Turkeys Kurdish Policy. London 2007, 43-44.

5 Bulut, Faik: Dersim Raporlari. Istanbul 2005. S.97.

6 Vgl. Strohmeier, Martin & Yalcin-Heckmann, Lale: Die Kurden, Geschichte Politik Kultur. C.H Beck 2013.

7 Vgl. Lundgren, Asa: The Unwelcome Neighbour, Turkeys Kurdish Policy. London 2007. S.44.

8 Vgl. Strohmeier, Martin & Yalcin-Heckmann, Lale: Die Kurden, Geschichte Politik Kultur. C.H Beck 2013.

9 Vgl. Strohmeier, Martin & Yalcin-Heckmann, Lale: Die Kurden, Geschichte Politik Kultur. C.H Beck 2013.

10 Vgl. Schweizer, Gerhard: Türkei verstehen, von Atatürk bis Erdogan. Stuttgart 2016. S.145-148.

11 Vgl. Tekkal, Düzen: Deutschland ist bedroht, Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen. Berlin 2016. S.56.

12 Vgl. https://kultusministerium.hessen.de/sites/default/files/media/g8-geschichte.pdf, Aufgerufen: 13.03.2017.

13 Vgl. Schulte, Klaus: Europa im Unterricht. In: Lexikon für den Geschichtsunterricht. Definition, Fakten, Tendenzen, Stellenwert, Unterrichtspraxis mit Beiträgen zum Politikunterricht. Hg. von Gerold, Niemetz. Würzburg 1984, S. 49.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Behandlung des Dersim-Aufstands 1937-38 im Geschichtsunterricht. Didaktische Analyse und Methodenauswahl
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V427083
ISBN (eBook)
9783668733602
ISBN (Buch)
9783668733619
Dateigröße
1371 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kurden, Türken, Krieg, Unterricht, Vermittlung
Arbeit zitieren
Burcu Asya Ekinci (Autor), 2017, Die Behandlung des Dersim-Aufstands 1937-38 im Geschichtsunterricht. Didaktische Analyse und Methodenauswahl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427083

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