Thema dieser Arbeit ist der Delisch-Attische Seebund als antipersisches Bündnis. Das wirft die Fragen auf, ob das intendierte Ziel, auf das der Seebund gründet, tatsächlich verfolgt wurde. Hat also der Seebund seine Aufgabe als griechisches Bündnis gegen die Perser erfüllt? Dafür bedarf es einer kritischen Betrachtung der uns für diesen Zeitraum vorliegenden Quellen. Im darauf folgenden sei auf die Gründung des Delisch-Attischen Seebundes und seine Zielsetzung einzugehen, um zunächst festzustellen, welche eigentlich die intendierten und anschließend tatsächlich verfolgten Ziele gewesen sind. Danach sind die Unternehmungen des Delisch-Attischen Seebundes gegen die Perser zu betrachten, wobei man jedoch auch nicht die Maßnahmen gegen eigene Bundesgenossen außer Acht lassen sollte, um mögliche Intentionen der Athener als Hegemon des Delisch-Attischen Seebundes rekonstruieren zu können. Wichtig hierbei erscheint, zu analysieren, in welchem Zusammenhang das Vorgehen gegen eigene Bundesgenossen mit den Kämpfen gegen das persische Großreich steht. Abschließend soll anhand der untersuchten Unternehmungen des Seebundes in der Zeit von der Gründung bis zum Ende der Auseinandersetzungen mit den Persern eine Antwort darauf gefunden werden, ob man beim Attisch-Delischen Seebund von einer Institution sprechen kann, die gegründet und geleitet wurde, um gegen das Perserreich vorzugehen und die griechischen Staaten vor eben diesen zu schützen oder vielleicht sogar andere Ziele mit Hilfe der Quellen nachzuweisen sind? Verglichen werden soll dabei die Situation zum Zeitpunkt der Gründung des Seebundes mit der sich im Verlauf der Unternehmungen gegen die Perser entwickelten Situation bis hin zur Beendigung des offensiven Vorgehens gegen den persischen Großkönig.
Inhaltsverzeichnis
1. Abschnitt: Einleitung
2. Abschnitt: Quellen- und Datierungsproblematik
3. Abschnitt: Die Gründung des Delisch-Attischen Seebundes
3.1 Gründung
3.2 Ziele
4. Abschnitt: Die Unternehmungen des Seebundes gegen die Perser
4.1 Eroberung von Eion, Skyros und Karystos
4.2 Der Abfall von Naxos und Thasos
4.3 Schlacht am Eurymedon
4.4 Ägypten Expedition
4.5 Kypros Expedition
5. Abschnitt: Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Delisch-Attischen Seebund hinsichtlich seiner Funktion als antipersisches Bündnis. Das primäre Ziel besteht darin, die bei der Gründung intendierten Motive zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, ob diese tatsächlich verfolgt wurden oder ob die athenische Hegemonialmacht im Verlauf der Pentekontaetie andere, imperialistische Ziele verfolgte.
- Kritische Analyse der antiken Quellen (Thukydides, Diodor, Plutarch) zur Pentekontaetie.
- Untersuchung der Gründungsgeschichte und der ursprünglichen Zielsetzung des Seebundes.
- Analyse der militärischen Unternehmungen gegen das persische Großreich und abtrünnige Bundesgenossen.
- Bewertung der athenischen Hegemonie und deren Einfluss auf die Bündnisstruktur.
- Beurteilung, inwieweit der Seebund eine institutionelle Antwort auf die persische Bedrohung darstellte.
Auszug aus dem Buch
Die Gründung des Seebundes
Im Hinblick auf die intendierten Ziele bei der Gründung des Seebundes und die sich anschließenden Unternehmungen gegen die Perser soll kurz auf die Gründung des Delisch-Attischen Seebundes eingegangen werden. Das bereits vor Beginn der Perserkriege aufständige Ionien, war auch Thema zur Konferenz von Samos 479 v. Chr., zu der sich die Verbündeten des Hellenenbundes mit den Ioniern trafen, um über deren Schicksal zu entscheiden. Die Ionier nämlich wandten sich nach dem Erfolg der Griechen gegen die Perser an den Hellenenbund, mit der Bitte um Schutz vor der persischen Herrschaft. In der Konferenz von Samos etablierte sich Athen als Interessenvertreter der Ionier, die auch gegen den spartanischen Vorschlag einer Umsiedlung stimmten. Für die Ionier und damit im Interesse Athens stimmten Xanthippos und Aristeides, die zur Zeit der Gründung des Seebundes Strategen waren und somit die Führung der athenischen Flotte innehatten. Anders als die Peloponnesier wollte Athen sich nicht zurückziehen, sondern das Land vor den Persern verteidigen und die dort lebendenden Griechen von ihnen befreien. Sparta wollte sich möglicherweise lieber auf die Verhältnisse im eigenen Land konzentrieren, anstatt Experimente in der Ägäis zu unternehmen. Denn der Hellenenbund diente der Verteidigung des europäischen Festlandes, derer es nun nicht mehr bedurfte. Laut dem Bericht von Thukydides liegen hierin auch die Wurzeln des Delisch-Attischen Seebundes, da die Peloponnesier keinen weiteren Krieg gegen die Perser führen wollten, anders als Athen, die sich für die Griechen Kleinasiens einsetzten. Letztendlich führte dieses Bestreben zur Gründung des Delisch-Attischen Seebundes im Jahr 478 v. Chr. Diese Symmachie besteht aus Poleis vom griechischen Festland, von Westkleinasien und Thrakien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abschnitt: Einleitung: Einführung in die Thematik des Delisch-Attischen Seebundes und Darlegung der Forschungsfragen zur Zweckmäßigkeit sowie zur athenischen Hegemonie.
2. Abschnitt: Quellen- und Datierungsproblematik: Darstellung der methodischen Herausforderungen bei der Arbeit mit den zentralen antiken Quellen Thukydides, Diodor und Plutarch.
3. Abschnitt: Die Gründung des Delisch-Attischen Seebundes: Untersuchung der historischen Ursprünge des Seebundes sowie der bei der Gründung formulierten Ziele und Interessen der beteiligten Parteien.
4. Abschnitt: Die Unternehmungen des Seebundes gegen die Perser: Detaillierte Analyse der militärischen Kampagnen, vom Umgang mit abtrünnigen Bundesgenossen bis zu den großen Expeditionen in Ägypten und nach Kypros.
5. Abschnitt: Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der Frage, ob imperialistische Ziele oder die Verteidigung gegen Persien das Handeln Athens dominierten.
Schlüsselwörter
Delisch-Attischer Seebund, Pentekontaetie, Athen, Perserkriege, Hegemonie, Kimon, Thukydides, Phoros, Symmachie, Ägypten Expedition, Kypros, Quellenkritik, Imperialismus, Ionien, Außenpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht, inwieweit der Delisch-Attische Seebund tatsächlich als antipersisches Defensiv- bzw. Offensivbündnis fungierte und ob Athen bei dessen Führung imperialistische Machtziele verfolgte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Gründung des Bundes, die strategischen Ziele Athens, die militärischen Unternehmungen gegen Persien sowie der Umgang Athens mit den eigenen Bundesgenossen.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, ob der Seebund primär gegründet wurde, um die griechischen Staaten vor Persien zu schützen, oder ob er ein Instrument athenischer Machtausweitung war.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde gewählt?
Die Autorin nutzt eine quellenkritische Analyse, indem sie die verschiedenen Perspektiven der antiken Historiker Thukydides, Diodor und Plutarch gegenüberstellt und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die verschiedenen Militäroperationen, darunter Eion, Skyros, Karystos, die Schlacht am Eurymedon sowie die gescheiterte Ägypten Expedition und die Kypros Expedition.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hegemonie, Pentekontaetie, Symmachie, Phoros und das Spannungsfeld zwischen athenischer Machtpolitik und Bündnisverteidigung charakterisiert.
Warum war der Abfall von Naxos und Thasos für die Studie so wichtig?
Diese Ereignisse verdeutlichen, dass Athen bereit war, innerhalb des Bündnisses mit Gewalt gegen Partner vorzugehen, um die eigene Führungsposition zu sichern und den Zerfall des Seebundes zu verhindern.
Welche Rolle spielte der Tod des Strategen Kimon?
Der Tod Kimons während der Kypros Expedition wird als möglicher Wendepunkt diskutiert, der möglicherweise zum Abbruch der Offensive gegen die Perser und zu einer Neuausrichtung der athenischen Politik beitrug.
Was ist das Ergebnis der Quellenkritik bezüglich Diodor und Plutarch?
Die Arbeit stellt fest, dass Diodor und Plutarch zwar wertvolle Detailinformationen liefern, die bei Thukydides fehlen, aber aufgrund ihrer chronologischen Ungenauigkeiten oder literarischen Absichten (Lebensbilder) kritisch hinterfragt werden müssen.
- Quote paper
- Franziska Hönemann (Author), 2015, Der Delisch-Attische Seebund als antipersisches Bündnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427220