In meinem Essay, der den Text „Emotionen als Urteile über Wert und Wichtigkeit“ von Martha C. Nussbaum aus dem Jahr 1997 zur Grundlage hat, wird es um folgende Fragestellung gehen: „Können bzw. sollten die Emotionen eines Menschen die urteilende Instanz in ihm sein, die letztendlich über Wert und Wichtigkeit seines Handelns entscheiden?“
Bereits der Titel des Aufsatzes „Emotionen als Urteile über Wert und Wichtigkeit“ gibt dem Leser Aufschluss darüber, worüber die Autorin in ihrem Text eigentlich redet: über menschliche Emotionen. Die entscheidende Frage wird also lauten: Was sind Emotionen überhaupt? Gibt die Autorin uns darauf eine Antwort? Am Ende schon … ihre Antwort überrascht!
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Emotionen als Urteile
3. Definition des Urteils
4. Emotionen als Formen von Werturteilen
5. Die stoische Ansicht und Gegenpositionen
6. Die Intentionalität von Emotionen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Essays ist die kritische Auseinandersetzung mit der Theorie von Martha C. Nussbaum, welche Emotionen als komplexe kognitive Urteile über Wert und Wichtigkeit definiert. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwieweit Emotionen die urteilende Instanz eines Menschen repräsentieren und maßgeblich die Bewertung des eigenen Handelns beeinflussen.
- Analyse des Begriffs "Emotion" im Kontext der Philosophie
- Diskussion der These "Emotionen als Urteile"
- Verhältnis zwischen rationalem Denken und emotionalem Empfinden
- Rolle der Intentionalität bei der Entstehung von Gefühlen
- Kritische Beleuchtung stoischer versus moderner Auffassungen von Affekten
Auszug aus dem Buch
Emotionen als Urteile
Nussbaum beginnt ihren Aufsatz mit einer biografischen Geschichte aus dem Jahr 1992. Sie war beruflich in Dublin unterwegs, während ihre Mutter im Krankenhaus in Philadelphia eine Routineoperation hatte. Es gab unerwartete Komplikationen. Sie setzte sich in den nächsten Flieger nach Philadelphia. Als sie dort im Krankenhaus ankam, war ihre Mutter gerade verstorben. Nussbaum berichtet dem Leser von ihren Gefühlen, die sie in diesem Augenblick hatte: „zittrige[,] Hände[,]“, „mächtige Wut“, „sie explodierte innerlich“. Ihre persönliche biografische Erfahrung brachte sie zu der Erkenntnis, dass der Mensch nicht nur Emotionen hat, sondern dass diese Emotionen sogar bestimmte Eigenschaften haben. Die Autorin benutzt also ihre biografische Geschichte vom Tod der Mutter dazu, diese verschiedenen Eigenschaften aufzuzeigen, nämlich ihre „Dringlichkeit und Hitze“, ihre „Tendenz, die Persönlichkeit zu übernehmen“ und „einen mit überwältigender Macht zum Handeln zu drängen“. Ihr „Zusammenhang mit wichtigen Bindungen, durch die man sein Leben definiert“ und das „Gefühl der Passivität ihnen gegenüber“. Bei Gefühlen wie Liebe, Hoffnung, Wut oder auch Trauer liegt tatsächlich eine Dringlichkeit in ihnen verborgen. Auf Langeweile trifft das jedoch eher nicht zu. Wenn man traurig ist oder Angst hat, ist die ganze Persönlichkeit davon übernommen. Dies ist auch nachvollziehbar. Man kann sich kaum dagegen wehren. Bei Wut, Angst und Sorge drängt etwas in einem danach, in irgendeiner Form zu handeln und etwas zu tun. Bei der Trauer trifft dies erneut nicht zu. Bei Liebe besteht natürlich ein Zusammenhang zu wichtigen Bindungen, sogar wenn ich Angst um jemanden oder etwas habe. Bin ich traurig oder habe ich Angst, stehe ich diesen Gefühlen passiv gegenüber, indem ich sie aus eigener Kraft nicht so leicht los werde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik und Vorstellung der zentralen Fragestellung anhand des Werkes von Martha C. Nussbaum.
2. Emotionen als Urteile: Erörterung der Grundthese, dass Emotionen nicht bloß Zustände, sondern bewertende Urteile sind.
3. Definition des Urteils: Untersuchung des Begriffs "Urteil" und dessen Anwendung auf emotionale Prozesse.
4. Emotionen als Formen von Werturteilen: Herleitung der Auffassung, dass Emotionen Dingen oder Personen eine spezifische Bedeutung zuschreiben.
5. Die stoische Ansicht und Gegenpositionen: Gegenüberstellung der stoischen Philosophie mit alternativen Sichtweisen auf die Entstehung von Emotionen.
6. Die Intentionalität von Emotionen: Analyse der Annahme, dass Emotionen immer auf ein Objekt gerichtet und durch persönliche Einstellungen geprägt sind.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnis, dass Emotionen mentale Repräsentationen der Außenwelt darstellen und fest mit unseren Überzeugungen verknüpft sind.
Schlüsselwörter
Emotionen, Urteile, Martha C. Nussbaum, Werturteil, Philosophie, Intentionalität, Stoa, Kognition, Handeln, Psychologie, Bindungen, Vernunft, Gefühle, Repräsentation, Lebensgestaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Untersuchung von Emotionen und deren Einordnung als rationale oder bewertende Prozesse im menschlichen Geist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Definition von Emotionen, das Verhältnis zwischen Gefühl und Vernunft sowie die Frage, wie Emotionen als Urteile über Wert und Wichtigkeit fungieren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Theorie von Martha C. Nussbaum zu prüfen, ob Emotionen als eine Form von Urteilen betrachtet werden können, die unser Handeln leiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse und argumentative Auseinandersetzung mit den Thesen von Martha C. Nussbaum.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Urteilen, die Verbindung von Emotionen zu persönlichen Bindungen und die Auseinandersetzung mit stoischen sowie gegenläufigen Argumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Emotion, Urteil, Wertung, Intentionalität, Kognition und philosophische Anthropologie.
Warum spielt das biografische Beispiel der Autorin eine so große Rolle?
Das Beispiel vom Tod der Mutter dient Nussbaum dazu, die "Dringlichkeit und Hitze" von Emotionen sowie deren Macht über die Persönlichkeit empirisch und lebensnah zu illustrieren.
Wie unterscheidet sich die stoische Sichtweise von Nussbaums Theorie?
Während die Stoiker Emotionen oft als kontrollbedürftige Störungen betrachten, integriert Nussbaum diese stärker in den rationalen Prozess der Wertbildung.
Was bedeutet es, dass Emotionen "intentional" sind?
Intentionalität bedeutet hier, dass eine Emotion immer auf ein spezifisches Objekt (einen Gegenstand oder eine Person) gerichtet ist und auf einer persönlichen Interpretation dieses Objekts basiert.
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- Kerstin Reule (Author), 2016, Emotionen. "Was sie sind, was sie sein sollen, was sie sein wollen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427592