Soziale Arbeit hat eine wichtige Rolle indem sie mit allen Akteuren zu tun hat (Hilfe und Kontrolle), nichtsdestotrotz vertraut sie entsprechend ihres fachlichen Selbstverständnisses und ihres professionellen Ethikkodexes auf die Kraft der Menschen, ihr Leben selbst zu gestalten. So ist zu verstehen, dass SozialarbeiterInnen den Auftrag haben, Menschen im Sinne ihrer Selbstbestimmung, Partizipation und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern.
In dieser Konstellation sind die Herausforderungen und Handlungserfordernisse vielgestaltig: Sozialintegration, Gesundheitsversorgung, Sprache und Werte, Bildung, Wohnbau, Arbeits- und Berufsintegration, Förderung der Selbstständigkeit... Doch die Soziale Arbeit muss gerade deswegen Konzepte finden, Geflüchtete zu stärken und ihnen Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Um die Herausforderungen der Fluchtdynamiken zu meistern, sollte sich die Soziale Arbeit wieder auf ihre Ursprünge, die sozialen Bewegungen und auf die Menschenrechtskonventionen beziehen.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel I: Die Flucht: Ein Blick auf die Welt und auf Deutschland
1.1 Die Genfer Flüchtlingskonvention
1.2 Ursachen der Flucht: Komplexität und Vielfältigkeit
1.3 Wie fliehen Menschen und wohin?
1.4 Flucht und Trauma
Kapitel II: Das deutsche Asylverfahren: zwischen Bürokratie und Hoffnungslosigkeit
2.1 Aufnahme, Erstverteilung, Unterbringung und Asylantragstellung
2.2 Dublin-Verfahren, Drittenstaatenregelung und sichere Herkunftsländer
2.3 Status und Rechtsstellungen von Asylsuchenden nach deutschem Recht
2.4 Entscheidungen von BAMF und deren Folgen
Kapitel III: Der lange und schwierige Weg zur Integration: wie schaffen sie das?
3.1 Was ist eigentlich Integration?
3.2 Systemintegration und Sozialintegration
3.3 Reaktionen des Gesetzgebers auf die letzte „Flüchtlingskrise“: Integration, Exklusion oder strukturelle Diskriminierung?
3.4 Bildungsmaßnahmen und Arbeitsmarktzugang
Kapitel IV: Flüchtlingssozialarbeit: (kein) Ort der Menschenrechte?
4.1 Menschenrechtsorientierte (Flüchtlings)Sozialarbeit
4.2 Kritischer Blick auf die Realität: Spannungsfelder und Paradoxien in der Flüchtlingssozialarbeit
4.3 Anerkennung, Empowerment und Partizipation als Leitideen der Integration in der Flüchtlingssozialarbeit
4.4 Bedarf an Flüchtlingssozialarbeit, Fort- und Weiterbildung und Empfehlungen an die Politik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen der Integration von Geflüchteten in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession. Ziel ist es, den Integrationsprozess kritisch zu hinterfragen und die notwendigen Handlungskompetenzen für Fachkräfte zu definieren.
- Analyse der Fluchtursachen und der Situation geflüchteter Menschen.
- Untersuchung des bürokratischen Asylverfahrens und seiner Auswirkungen auf Betroffene.
- Erörterung theoretischer Integrationskonzepte und deren Umsetzung in der Praxis.
- Reflexion der Rolle der Sozialen Arbeit zwischen Hilfe, Kontrolle und Menschenrechten.
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis zur Förderung einer menschenrechtsorientierten Integrationsarbeit.
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Genfer Flüchtlingskonvention
Das Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Genfer Flüchtlingskonvention, Abkürzung GFK) wurde am 28. Juli 1951 auf einer UN-Sonderkonferenz in Genf unterzeichnet und trat am 22. April 1954 in Kraft. Nach den Verfolgungen und Folterungen der Kriegszeiten setzt sich die GFK für die Sorgen und Wünsche von Geflüchteten ein, die 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bekannt gegeben wurde:
„Artikel 13: 1. Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen. 2. Jeder hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren. Artikel 14: 1. Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen. 2. Dieses Recht kann nicht in Anspruch genommen werden im Falle einer Strafverfolgung, die tatsächlich auf Grund von Verbrechen nichtpolitischer Art oder auf Grund von Handlungen erfolgt, die gegen die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen verstoßen“ (OHCHR).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel I: Die Flucht: Ein Blick auf die Welt und auf Deutschland: Dieses Kapitel definiert den Flüchtlingsbegriff nach der Genfer Flüchtlingskonvention, analysiert Fluchtursachen und beleuchtet die mit Flucht einhergehende Traumatisierung.
Kapitel II: Das deutsche Asylverfahren: zwischen Bürokratie und Hoffnungslosigkeit: Hier wird der bürokratische Ablauf des deutschen Asylverfahrens, die verschiedenen Rechtsstellungen von Geflüchteten und die Konsequenzen der Entscheidungen des BAMF detailliert dargelegt.
Kapitel III: Der lange und schwierige Weg zur Integration: wie schaffen sie das?: Der Fokus liegt auf dem Integrationsbegriff, der Differenzierung zwischen System- und Sozialintegration sowie den gesetzgeberischen Reaktionen auf die Fluchtsituation und den Zugang zum Arbeitsmarkt.
Kapitel IV: Flüchtlingssozialarbeit: (kein) Ort der Menschenrechte?: Das Abschlusskapitel thematisiert die Rolle der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession, diskutiert Spannungsfelder in der Praxis und gibt Empfehlungen zur Professionalisierung und politischen Gestaltung.
Schlüsselwörter
Integration, Flüchtlinge, Asylverfahren, Soziale Arbeit, Menschenrechte, Traumatisierung, Empowerment, Partizipation, Flüchtlingssozialarbeit, Diskriminierung, Migrationspolitik, Rechtsstellung, Aufenthaltsrecht, Fluchtursachen, Gemeinwesenarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen bei der Integration von Geflüchteten in Deutschland und prüft, inwiefern die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession diesen Prozess adäquat begleiten kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die globale Fluchtsituation, das deutsche Asylrecht, soziologische Integrationskonzepte, psychologische Aspekte wie Trauma sowie die professionellen Standards der Flüchtlingssozialarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen politisch-bürokratischen Anforderungen und dem menschenrechtlichen Anspruch der Sozialen Arbeit aufzuzeigen und Strategien für eine gelingende Integration zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche und der kritischen Auseinandersetzung mit Theorien, rechtlichen Beschreibungen und aktuellen Diskursen der Flüchtlingssozialarbeit.
Was ist der Schwerpunkt im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des bürokratischen Rahmens (Asylverfahren), die theoretische Reflexion von Integration und die ethische sowie fachliche Positionierung der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Integration, Flüchtlingssozialarbeit, Menschenrechte, Empowerment, Partizipation und die Spannungsfelder zwischen Hilfe und staatlicher Kontrolle.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Systemintegration und Sozialintegration?
Die Systemintegration bezieht sich auf das Funktionieren der Gesellschaft als Ganzes, während die Sozialintegration das Einbeziehen der Individuen und Akteure in das gesellschaftliche Geschehen (z.B. durch Arbeit oder Sprache) beschreibt.
Welche Bedeutung hat das Empowerment-Konzept für die Flüchtlingssozialarbeit?
Empowerment dient dazu, Geflüchteten in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken, ihre Autonomie zu fördern und sie von Objekten staatlicher Maßnahmen zu handelnden Subjekten ihres eigenen Lebens zu machen.
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- Ngalula Tumba (Author), 2018, Wer schafft das? Fragen zur Integration von Geflüchteten in Deutschland und Herausforderungen der Sozialarbeit als Menschenrechtsprofession, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427720