Übergänge von der Schule in die Berufsausbildung sind, so die naheliegende Annahme, aufgrund der heute viel besseren, vielfältigeren Möglichkeiten, dem überdimensionalen Informationsangebot des WorldWideWeb und den schnellen Kommunikationsmöglichkeiten von Mobiltelefonen, E-Mail und Online-Bewerbungen leichter zu bewältigen. Schulabgänger können auf deutlich mehr Ausbildungsmöglichkeiten und Alternativangebote als Moratorien zur Entwicklung eines beruflichen Selbstkonzeptes zurückgreifen.
Auch die Angebote, die eigenen Kompetenzen den Anforderungen des Marktes gerechter zu gestalten und sich noch vor Beginn der beruflichen Erstausbildung weiterzubilden scheinen in unüberschaubarer Zahl vorhanden zu sein. Doch warum befinden sich dann im Vergleich zu den 1960er Jahren viel weniger Schulabgänger in Ausbildung oder Beruf? Welche Bewältigungsherausforderungen beschäftigen die jungen Menschen und was ist für die Entwicklung eines beruflichen Selbstkonzeptes auf Basis geeigneter beruflicher Orientierung hinderlich? Schulsozialarbeit arbeitet zeitlich und räumlich besonders nah an den Schülerinnen und Schülern des Übergangs. Welchen Aufgaben muss dort nachgegangen werden, um die Anschlussfähigkeit junger Menschen auch in besonderen Lebenssituationen zu gewährleisten?
In der vorliegenden Ausarbeitung soll einerseits die Problematik heutiger Übergangssituationen beleuchtet, das Aufgabenfeld der Schulsozialarbeit geklärt und im Besonderen die Soziale Gruppenarbeit als Werkzeug in der Begleitung von Schülerinnen und Schülern im Übergang mit seinen Vor- und Nachteilen überprüft werden.
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung
3 Übergänge
3.1 Übergangssituation Schule – Beruf
3.2 Akteure
3.3 Phasen der Berufswahl
3.4 Anforderungen an die und Aufgaben der Schulsozialarbeit
4 Soziale Gruppenarbeit
5 Möglichkeiten, Risiken und Grenzen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendung der Sozialen Gruppenarbeit als pädagogisches Instrument für Schulsozialarbeiter, um Jugendliche bei der komplexen und zunehmend unsicheren Übergangsphase von der Schule in den Beruf zu unterstützen.
- Analyse der aktuellen Übergangssituation von der Schule in die Berufsausbildung.
- Darstellung der Aufgabenfelder der Schulsozialarbeit im Übergangsmanagement.
- Einführung in die Methodik der Sozialen Gruppenarbeit in verschiedenen Kontexten.
- Bewertung von Möglichkeiten, Risiken und Grenzen der Gruppenarbeit für Jugendliche.
- Diskussion der Bedeutung von Reflexion, Selbstexploration und Identitätsentwicklung.
Auszug aus dem Buch
3.1 ÜBERGANGSSITUATION SCHULE – BERUF
In der Biografie der Menschen sind Kindheit und Jugendphase mit einer Häufung an Übergangssituationen gespickt, welche teils formal initiiert und teils auf die Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter zurückzuführen sind (Reißig 2016, S. 12). Ein formaler Übergang von zentraler Bedeutung ist der Übertritt von der Schule in den Beruf, dessen gelingen, Reißig zufolge, entscheidenden Einfluss auf viele weitere Lebensbereiche und Chancen junger Menschen hat, so zum Beispiel auf die Ablösung vom Elternhaus oder Zeitpunkt und Umfang von finanzieller Selbständigkeit (ebd., S. 13). Korrekterweise muss erwähnt werden, dass bereits beim Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I wichtige Vorentscheidungen im Hinblick auf die späteren beruflichen Optionen gefällt werden, wenngleich sich dieser Übergang größerer Einflussnahme durch die Kinder bzw. ihrer Familien in weiten Teilen entzieht und eine bedeutende Steuerung der Institution Grundschule zukommt (vgl. Neuenschwander et al. 2012, S. 135).
Eben diese Übergangssituation hat sich in den vergangenen Jahrzehnten noch einmal stark verändert. Während sich in den 1960er Jahren noch etwa 80 % der jungen Menschen zwischen 16 und 20 Jahren in Ausbildungs- oder Erwerbsarbeit befunden haben, sind es nach einer Grafik von Münchmaier (2008, S. 20) im Jahr 2006 nur noch 30 %. 70 % dieser jungen Menschen befinden sich nach wie vor im Bildungssystem, während es noch etwa 40 Jahre zuvor nur 20 % waren. Der Übertritt in die Erwerbsarbeit findet demnach deutlich später statt – die Phase der Adoleszenz hält länger an. Ablösungs- und Reifeprozesse verschieben sich in der Biografie immer weiter nach hinten und die Grenzen der Entwicklungsphasen verschwimmen mit dem Verbleib im Schulsystem zusehends (Reißig 2016, S. 12).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umreißt die Komplexität der Übergangssituation von der Schule in den Beruf und begründet das wissenschaftliche Interesse an der Sozialen Gruppenarbeit als Werkzeug der Schulsozialarbeit.
Übergänge: Analysiert die theoretischen Grundlagen des Übergangs von der Schule in den Beruf, die Akteure, die Phasen der Berufswahl sowie die speziellen Anforderungen an die Schulsozialarbeit.
Soziale Gruppenarbeit: Definiert die Soziale Gruppenarbeit als Methode, erläutert das Verständnis von sozialen Gruppen und stellt Phasenmodelle der Gruppenentwicklung vor.
Möglichkeiten, Risiken und Grenzen: Diskutiert den praktischen Nutzen der Sozialen Gruppenarbeit für die berufliche Orientierung, weist aber auch auf methodische Risiken und institutionelle Grenzen hin.
Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung der Sozialen Gruppenarbeit im Kontext des Übergangsmanagements als einen von vielen möglichen Bausteinen.
Schlüsselwörter
Schulsozialarbeit, Übergang Schule-Beruf, Soziale Gruppenarbeit, Berufsorientierung, Adoleszenz, Übergangsmanagement, Berufsfindung, Gruppenphasen, Schulsozialarbeiter, Erwerbsbiografie, Bildungsbenachteiligung, soziale Kompetenzen, Gruppenpädagogik, Identitätsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Methode der Sozialen Gruppenarbeit in der Schulsozialarbeit eingesetzt werden kann, um junge Menschen bei der Bewältigung des Übergangs von der Schule in den Beruf zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit deckt Themen wie die aktuelle Situation an der „ersten Schwelle“ (Schule zu Beruf), die Aufgaben der Schulsozialarbeit, gruppendynamische Prozesse sowie die Chancen und Limitationen von Gruppenarbeit im schulischen Kontext ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische und kritische Auseinandersetzung mit der Sozialen Gruppenarbeit als pädagogisches Werkzeug zur Förderung der beruflichen Identitätsentwicklung und Anschlussfähigkeit von Schülern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Ausarbeitung, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender fachwissenschaftlicher Diskurse zur Sozialarbeit und Bildungsforschung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Übergangsproblematiken, die Rolle der Akteure (insbesondere der Schulsozialarbeit), die theoretische Fundierung der Gruppenarbeit und eine abschließende kritische Reflexion der Einsatzmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schulsozialarbeit, Übergang Schule-Beruf, Soziale Gruppenarbeit, Berufsorientierung, Gruppenphasen und soziale Ungleichheit.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von rein theoretischen Abhandlungen?
Die Arbeit ist sehr praxisorientiert, da sie die theoretischen Gruppenphasenmodelle direkt auf die spezifische Situation von Schulklassen am Übergang in das Berufsleben anwendet.
Welche Rolle spielt die Gruppenleitung laut dem Dokument?
Die Gruppenleitung, in diesem Fall der Schulsozialarbeiter, ist als pädagogisch geschulte Fachkraft gefordert, den Gruppenprozess zielgerichtet unter Berücksichtigung ethischer Prinzipien zu moderieren, um Exklusionsrisiken zu minimieren.
- Arbeit zitieren
- Maike Gehlert-Orth (Autor:in), 2018, Soziale Gruppenarbeit als Beitrag zur Bewältigung der Übergangssituation von der Schule in den Beruf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427739