Im ersten Teil dieses Essays wird eingehend die Position Gräb-Schmidts zur Hermeneutik des Alten Testaments wiedergegeben, wobei im zweiten Teil auf die Auffassungen Huizings Bezug genommen wird.
Zum Abschluss des Essays werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Positionen herausgearbeitet, wobei in einem kurzen Fazit die Frage geklärt wird, inwieweit die beiden Ansätze für die hermeneutische Aufgabe fruchtbar gemacht werden können.
Es wird letztendlich die entscheidende Frage gestellt, welchen Beitrag die Systematische Theologie überhaupt zu einer Hermeneutik des Alten Testaments leisten kann. Auf eine biographische Einführung wird indes aus Rücksichtnahme auf die inhaltliche Fokussierung dieses Essays verzichtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema
2. Struktur und Zielsetzung des Essays
3. Elisabeth Gräb-Schmidts Position zur Hermeneutik des Alten Testaments
4. Klaas Huizings Position zur Hermeneutik des Alten Testaments
5. Vergleich der Positionen Gräb-Schmidts und Huizings zur Hermeneutik des AT
6. Resümee: Welchen Beitrag kann die Systematische Theologie überhaupt zu einer Hermeneutik des Alten Testaments leisten?
Zielsetzung & Themen
Das Essay untersucht die systematisch-theologischen Perspektiven von Elisabeth Gräb-Schmidt und Klaas Huizing auf die Hermeneutik des Alten Testaments, um deren jeweiligen Beitrag zur wissenschaftlichen Theologie zu analysieren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Interpretation des biblischen Kanons herauszuarbeiten.
- Bedeutung des kulturellen Gedächtnisses und der Bultmannschen Hermeneutik bei Gräb-Schmidt
- Rezeptionsästhetischer Ansatz und literarische Fiktionalität bei Huizing
- Interdisziplinärer Dialog zwischen Exegese und Systematischer Theologie
- Rolle des Kanons für das individuelle Glaubensverständnis
Auszug aus dem Buch
Elisabeth Gräb-Schmidts Position zur Hermeneutik des Alten Testaments
Elisabeth Gräb-Schmidt beginnt ihren Aufsatz mit einem kurzen Rekurs auf „Die Kanonisierung der biblischen Schriften“ sowie auf die „Bemühungen um eine biblische Theologie“ und bezieht sich dabei vor allem auf die Positionen Franz Overbecks und Jörg Lausters. Zwischen dem Prinzip und der Methode könne man seit der Aufklärung eine ständige Andersgewichtung vernehmen, wobei insbesondere in der Exegese die Methode die führende Stellung für sich beanspruchen konnte.
Gräb-Schmidt teilt vollkommen die Auffassung Lausters, nach der die historisch-kritische Methode zwar einerseits für unverzichtbar gehalten, aber andererseits ihre Erkenntnisse in der Systematischen Theologie nur zu wenig Beachtung finden. Sie bedauert hiermit insbesondere den mangelnden interdisziplinären Austausch zwischen den exegetischen Disziplinen und der Systematischen Theologie, die ihrerseits schon ihrem Wesen nach auf die Forschungsergebnisse der historisch-kritischen Exegese angewiesen ist, um überhaupt selbst Forschungsarbeit leisten zu können und sich dabei möglichst nicht zu weit vom biblischen Kanon zu entfernen.
Einzig Bultmann mit seinem sogenannten Enmythologisierungsprogramm war nach Gräb-Schmidt dazu imstande, „die Kontextbedingtheit des biblischen Textes und […] seine Historizität festzuhalten“. Maßgeblich ist vor allem, dass Bultmann die Theologie stets aus der Perspektive der Geschichtlichkeit betrachtet hat, weshalb er mit seiner historisch-kritischen Methode auch verständlich machen konnte, welche kulturelle Relevanz alles Historische eigentlich besitzt. Vielmehr noch muss man Bultmanns Hermeneutik nach der Auffassung Gräb-Schmidts sogar noch als eine vertiefende Fortführung der lutherischen Hermeneutik auffassen, da das Historische mit seiner historisch-kritischen Methode noch viel präziser verortet werden konnte. Bultmanns Ansatz der Entmythologisierung ist für Gräb-Schmidt dazu in der Lage, auch den modernen Zweifeln am Schriftprinzip standzuhalten und dieses wieder einzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Hinführung zum Thema: Einleitung in die thematische Grundlage des Seminars und Vorstellung der zu untersuchenden Autoren.
Struktur und Zielsetzung des Essays: Definition des methodischen Vorgehens und der zentralen Fragestellung zur systematisch-theologischen Hermeneutik.
Elisabeth Gräb-Schmidts Position zur Hermeneutik des Alten Testaments: Analyse des Ansatzes, der sich stark an Bultmann orientiert und das kulturelle Gedächtnis sowie die Kontextbedingtheit biblischer Texte betont.
Klaas Huizings Position zur Hermeneutik des Alten Testaments: Untersuchung des rezeptionsästhetischen Zugangs, der die literarische Fiktionalität des Alten Testaments als Ausgangspunkt für die Hermeneutik wählt.
Vergleich der Positionen Gräb-Schmidts und Huizings zur Hermeneutik des AT: Gegenüberstellung beider Ansätze hinsichtlich ihrer gemeinsamen Fokussierung auf die Bedeutung des Kanons für das zeitgenössische Glaubensverständnis.
Resümee: Welchen Beitrag kann die Systematische Theologie überhaupt zu einer Hermeneutik des Alten Testaments leisten?: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Leitfrage nach der Notwendigkeit des interdisziplinären Austauschs.
Schlüsselwörter
Hermeneutik, Altes Testament, Systematische Theologie, Elisabeth Gräb-Schmidt, Klaas Huizing, biblischer Kanon, historisch-kritische Methode, Entmythologisierung, kulturelles Gedächtnis, literarische Fiktionalität, Rezeptionsästhetik, Exegese, Dogmatik, Offenbarungsgeschehen, Interdisziplinarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Systematische Theologie zur Hermeneutik des Alten Testaments beitragen kann, exemplarisch dargelegt anhand der Positionen von Elisabeth Gräb-Schmidt und Klaas Huizing.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die Frage nach der Bedeutung des biblischen Kanons, die Relevanz der historisch-kritischen Exegese, die Rolle der literarischen Fiktionalität sowie der Stellenwert des kulturellen Gedächtnisses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage des Essays?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden theologischen Entwürfe herauszuarbeiten und zu beantworten, welchen Beitrag die Systematische Theologie zur Hermeneutik des Alten Testaments leisten kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in diesem Essay verwendet?
Es wird ein vergleichender, analytischer Ansatz gewählt, der auf der kritischen Würdigung spezifischer fachwissenschaftlicher Aufsätze basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Positionen von Gräb-Schmidt und Huizing sowie deren anschließenden Vergleich im Hinblick auf ihre Bedeutung für das gegenwärtige Glaubensverständnis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hermeneutik, Kanon, Systematische Theologie, Fiktionalität, kulturelles Gedächtnis und interdisziplinärer Diskurs.
Warum bezieht sich Gräb-Schmidt explizit auf Bultmann?
Gräb-Schmidt sieht in Bultmanns Ansatz der Entmythologisierung ein wirksames Mittel, um die Geschichtlichkeit biblischer Texte zu bewahren und den Anforderungen der Moderne an das Schriftprinzip gerecht zu werden.
Wie unterscheidet sich der Ansatz von Klaas Huizing von dem Gräb-Schmidts?
Während Gräb-Schmidt das kulturelle Gedächtnis betont, setzt Huizing bei der literarischen Fiktionalität an und fordert einen offeneren Umgang mit dem Kanon unter Berücksichtigung moderner Rezeptionsprozesse.
- Quote paper
- Jan Mark Budde (Author), 2018, Gegenwärtige Positionen zur Hermeneutik des Alten Testaments aus der Systematischen Theologie am Beispiel von Gräb-Schmidt und Huizing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/427741