Der Zusammenhang zwischen Scheidung und beruflichem Erfolg

Eine qualitative Studie


Projektarbeit, 2016

48 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsfrage und -design
1.2. Forschungsmethode
1.3. Aufbau der Arbeit

2. Scheidungsforschung -Einfuhrung und Stand der Forschung
2.1. Scheidung - eine psychologische Betrachtung
2.2. Scheidungsgrunde
2.3. Scheidungskonsequenzen
2.4. Scheidungsbewaltigung
2.4. Zugrundeliegende Forschungsarbeiten

3. Durchfuhrung
3.1. Datenerhebung
3.2. Stichprobenauswahl
3.1. Datenanalyse bzw. -auswertung

4. Ergebnisse und Interpretation
4.1. Ergebnisse
4.1.1. K’1 Freiheit zum individuellen Zeit- und Lebensmanagement
4.1.2. K’2 Bewusstseinfurdieeigenen Bedurfnisse
4.1.3. K’3 Kompensation des Schmerzes
4.1.4. K’4 Scheidung bringt personliche Chancen
4.1.5. K’5 Scheidung bringt berufliche Chancen
4.1.6. K’6 Beruf kompensiert den Verlust der Ehe

5. KritischeAuseinandersetzung und Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Eheschlieftungen und Scheidungen in Deutschland

Abbildung 2: Auszug der Ergebnisse der qualitativen Forschungsarbeit von Sagstetter (1989)

Abbildung 3: Auszug der Ergebnisse der qualitativen Forschungsarbeit von Fester­Waltzing (1983)

Abbildung 4: Materialreduktion nach Mayring (2015, S. 72)

Abbildung 5: Beispiel fur Paraphrasierung

Abbildung 6: Auszug 1. Reduktion

Abbildung 7: Auszug 2. Reduktion

Abbildung 8: Ergebnisse "Wurden Sie sich fur den beruflichen Erfolg noch einmal scheiden lassen?"

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Stichprobe, Befragte

Tabelle 2: Induktiv gebildete Kategorien 13

1. Einleitung

Diese Projektarbeit im Fach Qualitative Forschungsmethoden beschaftigt sich mit dem Thema: Inwiefern beeinflusst eine Scheidung den beruflichen Erfolg?

Das Thema Scheidung ist aufgrund der stetig steigenden Zahlen von Ehescheidungen in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten sozio-demographischen Vorgange in vielen Industrielandern geworden und somit immer mehr in den Untersuchungsbereich der Psy- chologie geruckt. Untersucht werden sowohl Ursachen, Verlaufe und Konsequenzen als auch Langzeitauswirkungen auf die betroffenen Partner sowie Folgen fur Kinder. Ver- schiedenste psychologische Stromungen beleuchten das Phanomen der Scheidung uber individuelle Studien, Langzeitstudien, Metaanalysen und mehrdimensionale Modelle uber Verlauf und Auswirkungen (Werneck & Werneck-Rohrer, 2008, S. 9 ff.; Guttmann, 1993, S. 31 ff.).

Dabei ergibt sich die Komplexitat des Forschungsgebietes daraus, dass es nicht die ,,Mus- ter“-Scheidung gibt. Bei jeder einzelnen Scheidung liegt ein komplexes, individuell geprag- tes System verschiedenster Beteiligter mit unterschiedlichsten Beziehungen zueinander vor. Fur alle Beteiligten, aber vor allem die betroffenen Scheidungspartner, geht eine Scheidung mit gravierenden Veranderungen der Lebenssituation einher. Diese Verande- rungen werden individuell auf unterschiedlichste Weise wahrgenommen, womit sich so­wohl Chancen als auch Moglichkeiten des Scheiterns erschlieften (Werneck & Werneck- Rohrer, 2008, S. 11 ff.).

Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich mit den Chancen, die eine Scheidung fur die be­troffenen Personen mit sich bringen kann. Dabei liegt der Fokus vor allem auf beruflichen Erfolgen als Resultat der Scheidung. Damit findet eine Abgrenzung zu bisherigen Studien und Untersuchungen zu allgemeinen Konsequenzen einer Scheidung statt.

1.1. Forschungsfrage und -design

Das umfangreiche Thema „Scheidung“ wurde auf die Untersuchung der Auswirkungen im beruflichen Kontext der betroffenen Partner beschrankt. Fokussiert wurden die beruflichen Chancen, wobei auch Veranderungen im privaten Leben als Einflussfaktor auf die berufli- che Entwicklung berucksichtigt wurden. Mittelpunkt der Forschung war die Frage: Inwie­fern beeinflusst eine Scheidung den beruflichen Erfolg und welche Einflussgroften spielen dabei eine Rolle?

1.2. Forschungsmethode

Die Projektarbeit besteht aus zwei Teilen. Ein theoretischer Teil leitet in das komplexe Thema Scheidung ein und gibt einen Uberblick zum aktuellen Stand der Scheidungsfor- schung. Der zweite Teil beantwortet die Forschungsfrage in einem qualitativen For- schungsansatz. Der theoretische Teil der Projektarbeit zur Erarbeitung der Grundlagen wurde als Literaturarbeit angefertigt. Dabei umfasste die Literaturrecherche deutsch- und englischsprachige Literatur. Schwerpunkt der Recherche bildeten die Datenbanken PSYNDEX, PsycARTICLES und Springerlink uber die Bayerische Staatsbibliothek und den FOM Online Campus. Zur Recherche wurden hauptsachlich die Schlagworter Schei­dung, Divorce und Scheidungspsychologie verwendet. Fur den zweiten Teil der Projektar­beit, den Hauptteil, wurde der qualitative Forschungsansatz zur Beantwortung der For­schungsfrage gewahlt. Die qualitative Forschung ist auf das Beschreiben und Verstehen ausgerichtet und geht in ihrem induktiven Vorgehen nicht von theoretischen Annahmen aus (Hussy, Schreier & Echterhoff, 2013, S. 191).

1.3. Aufbau derArbeit

Die Projektarbeit ist in funf Kapitel gegliedert. Im 1. Kapitel werden Forschungsfrage und -methode erlautert. Kapitel 2 umfasst die theoretischen Grundlagen zum Untersuchungs- gegenstand „Scheidung“ sowie den aktuellen Stand der Forschung. Kapitel 3 beschreibt die Erhebung der Interviews sowie die Durchfuhrung der qualitativen Analyse. Kapitel 4 fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen. Abschlieftend finden sich in Kapitel 5 das Fazit und die kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen sowie ein kurzer Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.

2. Scheidungsforschung -Einfuhrung und Stand der Forschung

Dieses Kapitel soil eine kurze Einfuhrung in das Thema Scheidung, sowie deren Auswir- kungen auf die betroffenen Personen geben. Daruber hinaus werden die dieser Projektar- beit zugrundeliegenden Forschungsarbeiten vorgestellt.

2.1. Scheidung - eine psychologische Betrachtung

Die steigende Anzahl der Scheidungen fuhrt in Verbindung mit den sinkenden Zahlen von Eheschlieftungen zu einer deutlich hoheren Scheidungsquote in Deutschland als noch vor 20 Jahren (siehe Abbildung 1). Dies bildet die Grundlage fur die Notwendigkeit einer um- fassenden Auseinandersetzung mit der Thematik Scheidung/Trennung, mit deren Ursa- chen und Folgen fur alle Beteiligten, auch aus psychologischer Sicht (Werneck & Werneck-Rohrer, 2003, S. 9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Entwicklung der EheschlieRungen und Scheidungen in Deutschland

Aus der juristischen Perspektive handelt es sich beim Vollzug der Scheidung um ein Er- eignis. Der sozialwissenschaftliche und auch psychologische Standpunkt betrachtet die Scheidung jedoch vielmehr als einen komplexen, mehrdimensionalen und dynamischen Veranderungsprozess, der uber mehrere Jahre andauern kann. Dabei ist jede Phase von verschiedenen Problemen, Bedurfnissen, Emotionen, Chancen usw. gepragt, weil sowohl Manner als auch Frauen ein Bedurfnis nach Liebe, Zusammengehorigkeit und Geborgen- heit haben (Djurdjevic, 2008, S. 19 f.; Grossinger, 2008, S. 27): „Wenn wir uns keine Sorgen uber Gefahren machen mussen, konnen wir uns durch Bin- dungsbedurfnisse motivieren lassen, durch Bedurfnisse nach Zusammengehorigkeit mit anderen, nach Lieben und Geliebtwerden." (Zimbardo, 1995, S. 415).

2.2. Scheidungsgrunde

Eine Scheidung ist nicht einfach ein kritisches Ereignis, sondern vielmehr ein oft langfristi- ger Prozess des Scheiterns der Ehe. Dieser Prozess ist gepragt durch unbewusstes Aus- einanderdriften und jahrelange Entfremdung, infolge der Vernachlassigung der eigenen Bedurfnisse und denen des Partners (De Angelis, 2008, S. 51; Guttmann, 1993, S. 39 ff.). Loidl (1985, S. 160) beschreibt den Zerfall einer Ehe anhand folgender Charakteristika:

1. Zentrale Erwartungen an die Ehe (bspw. Kommunikation, Liebe, Geborgenheit) werden nicht erfullt.
2. Daraus resultierend nehmen die subjektiven Belastungen durch Frustration, Spannun- gen und Auseinandersetzungen zu.
3. Kommt es in Phase 2 zu keiner Konfliktlosung, pragen totale Ablehnung und Aggressi- onshaltungen die Endphase des Scheiterns der Ehe.

Verschiedenste Studien belegen, dass die subjektiven Scheidungsgrunde letztendlich nur die Folgen des Auseinanderlebens sind und das Scheitern der Ehe darin wurzelt, dass infolge von Kommunikationsschwierigkeiten und ungunstigem Konfliktverhalten keine ge- meinsame Wirklichkeit geschaffen werden konnte (De Angelis, 2008, S. 52 ff.). Je nach- dem wie stark die eigenen Bedurfnisse in der Ehe unterdruckt wurden, ergeben sich nach der Scheidung individuelle Chancen, diese Bedurfnisse zu befriedigen.

2.3. Scheidungskonsequenzen

Fur die Betroffenen bedeutet die Trennung von einem Partner eine extreme Veranderung der gewohnten Lebenssituation. Die Reaktionen auf eine Trennung sind sehr verschieden und reichen von Trauer, Wut und Depression, uber Zukunftsangste und Einsamkeit bis zu Erleichterung, Befreiung Oder Arbeitswut. Daruber hinaus sind die Betroffenen mit weitrei- chenden Umstellungen und Problemen im sozialen Umfeld konfrontiert: Bspw. Verlust von Freunden Oder Abwendung von verstandnislosen Verwandten. Aus entwicklungspsycho- logischer Sicht konnen derartige kritische Lebensereignisse oftmals aber auch Chancen auf Wachstum und Personlichkeitsreifung ermoglichen. So konnen Arbeitswut, Ablenkung Oder das Hinterfragen eigener Bedurfnisse berufliche Erfolge unterstutzen (Djurdjevic, 2008, S. 20 f.; Werneck & Werneck-Rohrer, 2008, S. 11 ff.; Kaslow & Schwartz, 1987, S. 235 f. & S. 243 f.). Insbesondere, wenn die eigenen Bedurfnisse in der Ehe vernachlassigt Oder verdrangt wurden. Denn die Qualitat einer Ehe wird entscheidend dadurch beein- flusst, ob der Partner wichtige personliche Entwicklungsschritte und Ziele, auch im berufli- chen Kontext, unterstutzt (Engenhart-Klein, 2008, S. 39).

Die Scheidungskonsequenzen fur die betroffenen Partner konnen somit in zwei Gruppen gegliedertwerden (Hirsch, 2008, S. 116 ff.):

1. Psychische Folgen einer Trennung - Identitat und Selbstkonzept: Scheidungen sind mit Erschutterungen des Selbstkonzeptes, Identitatskrisen und -anderungen verbunden.
2. Veranderungen im sozialen Umfeld: Wegbrechen von Kontakten, die uber den Partner bestanden, sowie der Wunsch nach neuen sozialen Kontakten.

2.4. Scheidungsbewaltigung

Analog der Komplexitat der Themen Scheidungsursachen und Scheidungskonsequenzen gibt es auch eine Vielzahl an individuellen Bewaltigungsstrategien. Im Folgenden werden drei Theorien im Zusammenhang mit der Scheidungsbewaltigung zur Beschreibung und Erklarung von Neuorientierungs- und Neubewertungsprozessen vorgestellt (Hirsch, 2008, S. 119 ff.):

1. Copingtheorie von Lazarus: Die emotionale Bewaltigung einer Stresssituation ist das Resultat der subjektiven Bewertung der Umweltsituation. Wenn die betroffene Person eine Nachscheidungssituation positiv bewerten kann, tragt dies zur Bewaltigung bei (die neugewonnene Zeit wird frei gestaltet und als Selbstverwirklichung bewertet).
2. Soziale Austauschtheorie von Thibault und Kelley: In der Beziehung kommt es zum rati- onalen Abwiegen von Kosten und Nutzen. Als Nutzen einer Beziehung gelten dabei bspw. Liebe, Einkommen, Besitz und sexuelle Befriedigung. Dem gegenuber stehen Barrieren bzw. Kosten wie bspw. finanzieller Verlust, religiose Einstellung und sozialer Druck durch das Umfeld.
3. Kognitive Dissonanztheorie von Festinger: Menschliche Entscheidungen seien nicht rational sondern, von erworbenen kognitiven Einstellungen verzerrt. So haben Men- schen eine naturliche Tendenz zwischen neuen Erfahrungen und erworbenen Einstel­lungen Konsistenz herzustellen. Entstehende Attributionsmuster (z.B. wenn die Einstel- lung besteht, dass eine Scheidung etwas Unmoralisches darstellt, wird dem Partner die alleinige Schuld zugeschrieben, um die eigene Selbstachtung aufrechtzuerhalten) kon- nen die Scheidungsbewaltigung jedoch behindern, da die Situation nicht objektiv bewer- tet werden kann.

Greifbarer wird die Thematik durch die Beschreibung konkreter Bewaltigungsstrategien durch Beelmann (1994, S. 77):

- aktive Strategien, Fremdhilfe aufsuchen
- Ablenkung allein
- Ablenkung durch Kontakt mit anderen
- Emotionen ausleben

Jedoch ist das Bedingungsgefuge weitaus komplexer. Es mussen verschiedene Ebenen wie bspw. gesellschaftliche Rahmenbedingungen, soziale Netzwerke, materielle Ressour- cen, Qualitat der Beziehungen in der Familie sowie die individuelle Personlichkeit mit ihren Schwachen und Kompetenzen mit einbezogen werden. Weiterfuhrend konnen auch Fakto- ren wie Alter und Geschlecht, Dauer der Ehe und Bildungsstand eine wichtige Rolle bei der individuellen Scheidungsbewaltigung spielen (Hirsch, 2008, S. 120 f.). Die qualitative Studie von Sagstetter (1989, S. 140 f.) nennt drei zentrale Faktoren, die die Effektivitat von Bewaltigungssituationen beeinflussen: 1) soziales Stutzsystem, 2) personliche Ressour- cen (sog. Bewaltigungskompetenz), 3) Grad der Vorhersehbarkeit und Kontrollierbarkeit von Belastungssituationen.

2.4. Zugrundeliegende Forschungsarbeiten

Die Ergebnisse der Dissertation zum Thema „Belastungssituationen und Bewaltigungs- formen emotionaler Probleme bei der Trennung und Scheidung vom Ehepartner" von Sagstetter (1989) bildet eine wichtige Grundlage fur diese Projektarbeit. Die qualitative Forschungsarbeit kommt zu den in Abbildung 2 dargestellten Ergebnissen (Sagstetter, 1989, S. 80ff.&S.146ff):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Auszug der Ergebnisse der qualitativen Forschungsarbeit von Sagstetter (1989)

Auf Basis dieser Ergebnisse wurde die Bewaltigungsform „Abwendung von Gefuhlen und Trauer", im Speziellen der Wunsch nach Ablenkung durch berufliche Aktivitaten, in den Interviews der vorliegenden Projektarbeit als zentraler Punkt berucksichtigt.

Weitere zentrale Anregungen lieferte Fester-Waltzing (1983) mit der qualitativen Studie zum Thema „Scheidung - eine psychologische Analyse. Unterschiede im Erleben und in der Bewaltigung". Diese Analyse liefert unter anderem die, in Abbildung 3 dargestellten, Erkenntnisse (Fester-Waltzing, 1983, S. 199ff.):

Erleben des personlichen Bereichs: Selbstverwirklichung, Interessen, Hobbys Die Gruppe, die die Scheidung bezuglich des personlichen Bereichs bzw. der Selbstverwirklichung sehr positiv erlebt hat (20 Personen von 41), hat zum groftten Teil (17 Personen) ein starkeres berufliches Engagement nach der Scheidung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Auszug der Ergebnisse der qualitativen Forschungsarbeit von Fester-Waltzing (1983)

Diese beiden Analysen bilden die empirische Grundlage fur die Konstruktion des Inter- view-Leitfadens, weil hier zumindest in Teilbereichen ahnliche Forschungsfragen verfolgt werden. Zwar kommt der berufliche Aspekt nur am Rande der Analysen vor, dennoch stutzen sie die Forschungsfrage dieser Arbeit. Detailliertere Beschreibungen zum Vorge- hen finden sich im nachsten Kapitel „Durchfuhrung.“

3. Durchfuhrung

In den folgenden Kapiteln wird die Durchfuhrung der gewahlten qualitativen Forschungs- methode beschrieben und naher auf die Datenerhebung, Stichprobenauswahl und Daten- analyse bzw. -auswertung eingegangen.

3.1. Datenerhebung

Die qualitative Forschung unterscheidet bei der Datenerhebung verbale und visuelle Da- ten. Verbale Daten vermitteln dabei den Zugang zur Innensicht der Teilnehmenden. Die Daten konnen sowohl aktiv generiert werden, als auch aus bereits vorhandenem Material ausgewahlt werden. Zu den am haufigsten verwendeten Erhebungsmethoden verbaler Daten zahlen 1) das Interview, 2) die Gruppendiskussion sowie 3) weitere offene Verfah- ren wie bspw. die schriftliche offene Befragung, lautes Denken Oder die Zusammenfuh- rung bereits vorhandener Daten. Wichtigste Voraussetzung fur eine aktive verbale Daten­erhebung ist dabei die Auskunftsbereitschaft und -fahigkeit der teilnehmenden Personen. Visuelle Daten werden durch Beobachtung, bonreaktive Verfahren Oder der Eigenproduk- tion und Sampling visueller Daten gewonnen (Hussy u.a., 2013, S. 222 ff.).

Diese Projektarbeit wahlt als Methode die Erhebung von verbalen Daten in einem Inter­view. Beispiele fur Interviews sind das Leitfadeninterview, das biographische Interview, sowie das problemzentrierte Interview. Dabei ist das Interview laut Hussy u.a. (2013, S. 224) ein Gesprach mit festgelegten Rollen und einer bestimmten Zwecksetzung. Die Be­fragung erfolgt mittels offener Fragen und wird meist aufgezeichnet.

Das Leitfadeninterview nach Hussy u.a. (2013, S. 225) stellt die gewahlte Methode fur diese Arbeit dar. Vor Beginn des Interviews werden relevante Aspekte identifiziert. Dazu werden Fragen stichpunktartig formuliert und in einem Interviewleitfaden zusammenge- stellt. Damit wird die Vergleichbarkeit der Interviews sichergestellt. Daruber hinaus konnen jederzeit spontane Nachfragen gestellt werden, um individuelle Gesichtspunkte zu vertie- fen. Die Kombination aus vorgegebenen Fragestellungen innerhalb des Leitfadens und variabler Handhabung von Reihenfolge und Formulierung sowie spontanen Nachfragen macht das Leitfadeninterview zu einem sowohl systematischen als auch gleichzeitig flexib- lem Instrument der Erhebung verbaler Daten. Auch der Fragebogen der vorliegenden For- schungsarbeit orientiert sich an den, fur das Leitfadeninterview typischen Fragen: einlei- tende Fragen, Leitfadenfragen und Ad-hoc-Fragen. Diese Methodik wurde gewahlt, da uber den Untersuchungsgegenstand beruflicher Erfolg in Folge einer Scheidung bereits Erkenntnisse aus der Literaturrecherche vorliegen und die verschiedenen Erfahrungen der Befragten innerhalb der gewahlten Stichprobe miteinander vergleichbar sein sollen.

Der fur diese Projektarbeit erstellte Leitfaden (vgl. Anhang I, S. VII) beinhaltet funf Blocke:

1. Einleitende Fragen
2. Veranderungen seit der Scheidung
3. Berufliche Veranderungen seit der Scheidung
4. Beruf als Chance Oder Ablenkung?
5. Abschlieftende soziographische Angaben

Offen gestellte Fragen im einleitenden Teil eroffnen das Gesprach und erfragen den aktu- ellen Stand der Scheidung sowie einige zentrale Rahmenbedingungen (was ist der aktuel- le Stand der Scheidung, wer hat die Scheidung eingereicht). Anschlieftend werden die subjektiv wahrgenommenen Veranderungen seit der Scheidung naher beleuchtet, um im spateren Verlauf Ruckschlusse auf den Zusammenhang zum beruflichen Erfolgt ziehen zu konnen. Die zentralen Leitfragen bilden die Blocke drei und vier, die konkrete Fragen zur beruflichen Veranderungen stellen. Die abschlieftenden Angaben zur Person dienen der Reprasentativitatsbewertung der Stichprobe. Zu jedem Zeitpunkt des Interviews ist es je- doch moglich, daruber hinaus ad-hoc Fragen zu stellen.

Die Inhaltsanalyse benotigt als Grundlage einen niedergeschriebenen Text, der das Inter­view moglich authentisch und prazise widerspiegeln soil. Dazu wurden digitale Tonauf- zeichnungen der Interviews angefertigt und als Vorbereitung auf die Analyse transkribiert.

3. 2. Stichprobenauswahl

In der qualitativen Forschung wird mit bewusst gezogenen Stichproben gearbeitet (Hussy и. a., 2013, S. 193 ff.). Anders als in der quantitativen Forschung soil die Stichprobe nicht der statistischen Verallgemeinerung dienen, sondern vielmehr nach bestimmten Kriterien ausgewahlt werden, um dem Untersuchungsgegenstand gerecht zu werden. Dabei wird zwischen Bottom-Up und Top-Down Verfahren zur bewussten Stichprobenauswahl unter- schieden (Hussy u.a., 2013, S. 194 ff.). Fur die Interviews dieser Projektarbeit wurden Mit- arbeiter einer Bank befragt (vgl. Tabelle 1). Die Auswahl der Personen erfolgte vor dem Hintergrund von Reprasentativitatsuberlegungen, gilt jedoch nicht als reprasentativ. Die Interviews wurden an neutralen Orten durchgefuhrt und dauerten jeweils ca. 10 Minuten.

Tabelle 1: Stichprobe, Befragte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1. Datenanalyse bzw. -auswertung

Voraussetzung zur Analyse der erhobenen Daten ist die Transkription der Interviews. Da- zu wurde das Programm f5 der Firma Dr. Dresing & Pehl GmbH1 verwendet. Mit der Tran­skription werden die aufgezeichneten Interviews verschriftlicht, um diese zu vergegen- standlichen (Hussy u.a., 2013, S. 246). Zur Datenauswertung in dieser Projektarbeit lagen vier Interviews zu Grunde, die nach dem einheitlichen und einfachen System nach Dresing und Pehl (2013) transkribiert wurden. Durch das einfache Transkript wird ein schneller Zugang zum Gesprachsinhalt gewahrleistet, auf Details zur Aussprache wird verzichtet, sodass eine gute Lesbarkeit erzielt wird.

Ziel der Analyse der verbalen Daten ist das Verstehen ihrer Bedeutung (Hussy u.a., 2013, S. 248). Zur Analyse der erhobenen Datensatze wurde die Inhaltsanalyse als Verfahren zur systematischen Erfassung der Textbedeutung verwendet. Im Zentrum der Inhaltsana­lyse steht das Bilden eines Kategoriensystems, das alle relevanten Textbedeutungen als inhaltsanalytische Kategorien beinhaltet (Hussy u.a., 2013, S. 255 ff.).

Fur die qualitative Inhaltsanalyse stellt Mayring (2015, S. 67) drei Analysentechniken vor:

- Zusammenfassung - Eine Reduzierung des Materials bei Erhalt der wesentlichen Inhalte
- Explikation - Das Hinzufugen von zusatzlichem Material zu einzelnen Textstellen, um das Verstandnis zu erweitern
- Strukturierung: Das Herausfiltern bestimmter Aspekte aus dem Material unter zuvor fest- gelegten Ordnungskriterien

In dieser Projektarbeit werden die transkribierten Interviews durch Zusammenfassung und induktive Kategorienbildung analysiert. Zu dieser Analysenform zahlen das Paraphrasie- ren der texttragenden Stellen und die Reduktion durch Streichen bzw. Bundelung bedeu- tungsgleicher Paraphrasen (vgl. Abbildung 4):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Materialreduktion nach Mayring (2015, S. 72)

Abbildung 5 zeigt beispielhaft eine Paraphrasierung, d.h. die Kennzeichnung inhaltstra- gender Textstellen der Interviewtexte. In zwei darauffolgenden Reduktionsdurchlaufen wurden die Aufterungen auf eine pragnante Form zusammengefasst. mehr diese turnusmaBigen Gesprache. Man mus5 auf den anderen keine Riicksicht mehr nehmen. Vor allem auf die Kinder nicht, die sind jetzt erwachsen. Ich denke mal, das5 einfach diese neugewonnene Zeit einen ganz groken Einflussfaktor spielt. Und|

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Beispiel fur Paraphrasierung

[...]


1 Zur Verfugung gestellt unter http://www.audiotranskription.de

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen Scheidung und beruflichem Erfolg
Untertitel
Eine qualitative Studie
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
48
Katalognummer
V428125
ISBN (eBook)
9783668718296
ISBN (Buch)
9783668718302
Dateigröße
5434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Scheidung, beruflicher Erfolg, qualitativ, Wirtschaftspsychologie, Forschungsmethoden
Arbeit zitieren
Lisa Marie Schmidt (Autor:in), 2016, Der Zusammenhang zwischen Scheidung und beruflichem Erfolg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428125

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