Die Sprache ist im Alltag eines Menschen von großer Bedeutung. So kann es für ein Kind nur hilfreich sein, wenn dessen Fähigkeiten in diesem Bereich frühzeitig analysiert werden. Mithilfe einer Vielzahl von Verfahren zur Feststellung des Sprachstandes ist es den pädagogischen Fachkräften möglich, Stärken zu erkennen, möglichen Defiziten entgegenzuwirken, und dadurch für die Zukunft des Individuums vorzusorgen. Konkret behandelt die nachfolgende Arbeit das Marburger Sprach-Screening, bei dem das Kind durch eine pädagogische Fachkraft zu mehreren Bereichen der deutschen Sprache befragt wird und aus den Antworten mittels Auswertungsblatt sodann Schlüsse ziehen kann.
Dieses Verfahren wurde deshalb gewählt, da im Zuge der Praxis im Kindergarten bereits zu den Bögen BESK / BESK DaZ Erfahrung gesammelt, jedoch noch kein anderes Verfahren zur Sprachstandfeststellung kennengelernt wurde. Des Weiteren stellt die Reaktion des Kindes auf die Grafik „Spielplatz“ und der Verlauf der Befragung spannende Eckpunkte dar, weshalb das Interesse für das MSS geweckt wurde.
Diese Arbeit geht der Frage nach, ob sich die direkte Interaktion zwischen der pädagogischen Fachkraft und dem Kind als aussagekräftiger erweist, als eine „reine Beobachtung“. Meine damit in Verbindung stehende These sagt aus, dass es dadurch noch einfacher ist, zu objektiven und aussagekräftigen Ergebnissen zu gelangen.
Zu Beginn sollen die grundlegenden Begriffe „Muttersprache“ sowie „Mehrsprachigkeit“ definiert werden. Es soll sodann näher auf das MSS eingegangen werden. Zudem wurde dieses Verfahren in der Praxis getestet, dessen Durchführung und Ergebnisse an dieser Stelle reflektiert werden. Das MSS wird des Weiteren kritisch betrachtet. Zuletzt werden andere Verfahren zur Sprachstandfeststellung ergänzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Muttersprache / Erstsprache
2.2. Bilingualismus-Mehrsprachigkeit
3. MSS als Sprachstandfeststellungsverfahren
3.1. Grundlagen
3.2. MSS in der Praxis
3.2.1. Reflexion der Durchführung
3.2.2. Zusammenfassung der Ergebnisse
3.3. Kritik
4. Weitere Verfahren zur Sprachstandfeststellung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Marburger Sprach-Screening (MSS) als Instrument zur Sprachstandfeststellung im Kindergartenalltag. Das primäre Ziel ist es zu prüfen, ob die direkte Interaktion („face-to-face“) zwischen Fachkraft und Kind bei der Sprachdiagnose aussagekräftigere Ergebnisse liefert als eine reine Beobachtung, und das Verfahren anhand eines praktischen Beispiels kritisch zu reflektieren.
- Theoretische Fundierung von Muttersprache und Mehrsprachigkeit
- Methodik und Durchführung des Marburger Sprach-Screenings (MSS)
- Reflexion der Anwendung des MSS an einer Fallstudie („Valentina“)
- Kritische Analyse von Sprachstandfeststellungsverfahren
- Vergleich des MSS mit alternativen Erhebungsmethoden wie Beobachtungsbögen
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Reflexion der Durchführung
Zu Beginn der Sprachstandfeststellung wurde das Einverständnis der Mutter eingeholt bezüglich der Durchführung des Marburger Sprach-Screenings. Diese war durchaus interessiert und dankbar für das Angebot, die Sprachentwicklung ihrer Tochter zu analysieren. Es wurde beschlossen, das Ergebnis abschließend gemeinsam zu besprechen.
So wurde das Kind im ersten Schritt gefragt, ob es Interesse hätte, ein Bild anzusehen und diesbezüglich einige Fragen zu beantworten. Da das Kind im Vorhinein schon Vertrauen zu mir aufgebaut hatte und es mit mir generell gerne Zeit verbringt, musste das Mädchen nicht erst überzeugt werden und bejahte mein Angebot. Valentina war sofort voller Begeisterung bei der Sache und wir gingen in den Personalraum des Kindergartens, um das MSS ungestört durchführen zu können.
Schnell wurde ersichtlich, dass die viereinhalb-Jährige über sich selbst und ihre Familie gut Bescheid weiß und auch stolz darauf ist, spanisch zu sprechen. So steigt sie auch auf die Metaebene und antwortet auf eine Zwischenfrage, dass sie Spanisch besser spricht als Deutsch. Zudem drückt sie sich verbal mit „Ich weiß nicht“ aus, wenn sie eine Frage des Tests nicht beantworten kann. Allgemein ist das Kind während der Sprachstandfeststellung ziemlich interessiert und ebenso ist es begeistert von der Bildvorlage (Valentina: „Das schönes Bild“).
Nichtsdestotrotz lässt sich Valentina ablenken, da am Arbeitstisch eine große Schale mit Süßigkeiten stand. Trotz des großen Interesses des Mädchens an der bevorstehenden Befragung, fragte sie von Zeit zu Zeit nach einem Stück Schokolade. Es sollte jedoch angemerkt werden, dass ich darüber im Nachhinein froh war, da dies eine Art Ansporn für das Kind war. Eine zusätzliche Ablenkung, jedoch eine nicht sehr erfreuliche, entwickelte sich durch Kolleginnen, die ständig den Raum betraten und verließen. In diesem Zusammenhang fragten die anderen Pädagoginnen nach dem, was sie sahen. Es kam sodann die Aussage, dass das Verfahren eine gute Basis für ein Entwicklungsgespräch darstellen könnte. Die bald Fünfjährige ließ sich dabei ablenken und war für kurze Zeit nicht mehr bei der Sache. Sie konnte sich jedoch wieder gut einfinden und arbeitete trotz der mehrfachen Störfaktoren toll mit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Sprachförderung im Kindesalter und führt in das Marburger Sprach-Screening als Instrument der Sprachstandfeststellung ein.
2. Definitionen: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe „Muttersprache“ und „Mehrsprachigkeit“ theoretisch definiert, um eine Grundlage für die weitere Analyse zu schaffen.
3. MSS als Sprachstandfeststellungsverfahren: Dieser Abschnitt beschreibt das theoretische Konzept des MSS, reflektiert die Durchführung an einem Fallbeispiel und unterzieht das Verfahren einer kritischen Würdigung.
4. Weitere Verfahren zur Sprachstandfeststellung: Hier werden verschiedene methodische Ansätze zur Sprachdiagnose – wie Schätzverfahren, Beobachtungen und Profilanalysen – gegenübergestellt und eingeordnet.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, bestätigt die Hypothese zur Wirksamkeit direkter Kommunikation in der Diagnostik und weist auf die Grenzen standardisierter Screenings hin.
Schlüsselwörter
Sprachstandfeststellung, Marburger Sprach-Screening, MSS, Sprachförderung, Bilingualismus, Mehrsprachigkeit, Erstsprache, Pädagogische Fachkraft, Sprachdiagnose, Kindheitspädagogik, Sprachkompetenz, Interaktion, Sprachstand, Sprachentwicklung, Fallstudie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung und kritischen Reflexion des Marburger Sprach-Screenings (MSS) zur Überprüfung der Sprachkompetenz von Kindern im Vorschulalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Muttersprache und Mehrsprachigkeit, die standardisierte Durchführung des MSS sowie der Vergleich verschiedener Sprachstanderhebungsverfahren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Autorin geht der Forschungsfrage nach, ob die direkte „face-to-face“-Interaktion zwischen pädagogischer Fachkraft und Kind eine aussagekräftigere Sprachstandsanalyse ermöglicht als eine reine Beobachtung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturanalyse und einer praxisorientierten Fallstudie (Einzelfallanalyse eines zweisprachigen Kindes) angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodischen Grundlagen des MSS, die Durchführung des Screenings an einem konkreten Beispiel, die Ergebnisdarstellung sowie eine ausführliche Kritik am Testverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sprachstandfeststellung, Marburger Sprach-Screening, Sprachkompetenz, Mehrsprachigkeit und pädagogische Interaktion charakterisieren.
Wie bewertet die Autorin die Durchführung des MSS bei dem Fallbeispiel Valentina?
Die Durchführung wird als grundsätzlich erfolgreich bewertet, da die direkte Interaktion das Vertrauensverhältnis nutzte, wobei jedoch äußere Störfaktoren und die Konzentrationsspanne des Kindes als Herausforderungen identifiziert wurden.
Welche Kritik übt die Autorin am MSS?
Die Kritikpunkte umfassen den hohen Zeitaufwand, die mangelnde Aktualität der Normdaten, Schwierigkeiten bei der Interpretation der Ergebnisse bei zweisprachigen Kindern sowie eine teils mangelnde Objektivität in der Auswertung.
- Quote paper
- Verena Stahl (Author), 2015, Das Marburger Sprach-Screening (MSS) als Verfahren zur Sprachstandfeststellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428249