Möglichkeiten und Grenzen von Elternbildung am Beispiel des STEEP-Programms


Hausarbeit, 2015
16 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über die Notwenigkeit von Elternkursen
Struktureller Wandel von Familie
Bedeutung von Erziehung

Beispiele für Formen der Elternbildung
Elternberatung
Elternkurse

Vorstellung des STEEPTM-Programms
Ursprung & Zielgruppe
Grundsätze & Ziele
Kurzdarstellung Dauer & Ablauf
Grenzen des STEEPTM-Programms

Fazit

Literatur

Einleitung

„Eltern werden ist nicht schwer – Eltern sein dagegen sehr.“[1] In diesem im Volksmund weit verbreiteten Sprichwort scheint zumindest insofern ein Fünkchen Wahrheit zu stecken, als dass aufgrund verschiedener Umstände, wie etwa der veränderten Sichtweise auf die Bedeutung von Erziehung oder den Veränderungen in der Struktur der Familie, welche im ersten Kapitel dargestellt werden, die Unsicherheiten bei Eltern bezüglich einer für das Kind förderlichen Erziehung zunehmen und Eltern außerdem Belastungen zusätzlich zu ihrer Erziehungsaufgabe ausgesetzt sind, was sich wiederum auf diese auswirken kann.

Um Eltern in ihrer Erziehungstätigkeit zu unterstützen, gibt es inzwischen ein breites Angebot an Elternkursen, beispielsweise „Starke Eltern – starke Kinder“, „Triple P“ oder der „Erziehungsführerschein“, wobei nicht jeder Kurs für alle Eltern gleich geeignet ist. Das zweite Kapitel soll sich mit grundlegenden Aspekten von Elternkursen beschäftigen, z.B. welche Ziele sie haben und welche Themen bearbeitet werden, wobei die Schwerpunkte bei einzelnen Kursen unterschiedlich gesetzt sind.

Eine weitere Möglichkeit der Elternbildung stellt die Elternberatung dar, welche ebenfalls im zweiten Kapitel dieser Arbeit kurz beschrieben wird.

Im dritten Kapitel wird das STEEP-Programm, welches als eine Kombination von Elternkurs und Elternberatung bezeichnet werden kann, beschrieben. Dazu gehören Ursprung, Zielgruppe, Ablauf sowie Inhalte und Grundsätze. Anschließend werden die Grenzen dieses Programms dargestellt.

Abschließend beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage, inwiefern die dargestellte Elternbildungsangebote tatsächlich zu einer Verbesserung der Erziehungskompetenzen beitragen bzw. ob dies mit solchen Programm überhaupt möglich ist und wie dies noch weiter verbessert werden können.

Über die Notwenigkeit von Elternkursen

Die Anforderungen an Eltern haben zugenommen, oftmals sind Eltern durch den Beruf, Armut oder andere Faktoren belastet. (vgl. Sonnenbaum 2008, S. 53) Zudem wird der Erziehung heutzutage eine viel größere Bedeutung zugeschrieben, was die Eltern zusätzlich unter Druck setzt. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 25) Oftmals finden sie zudem in Erziehungsratgebern widersprüchliche, von Trends beeinflusste Aussagen und sind zusätzlich verunsichert. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 18)

Im Folgenden wird der strukturelle Wandel von Familie beschrieben und inwiefern dies Auswirkungen auf die Erziehung hat sowie die Veränderung von der Bedeutung der Erziehung dargestellt und die damit entstehenden Herausforderungen genannt.

Struktureller Wandel von Familie

Historisch betrachtet war die Erziehung lange Zeit nicht die Aufgabe der Eltern allein, sondern wurde durch den ganzen Stamm, später das Dorf, geleistet. Auch das Leben in Großfamilien über mehrere Generationen diente zum Einen dazu, die Aufgabe der Erziehung auf mehrere Erwachsene zu verteilen, andererseits konnte man sich durch das Beobachten von der Erziehung jüngerer Geschwister oder anderer Verwandte profitieren, indem man sich an diesen Vorbildern orientierte. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S.17f)

Heutzutage sind „Pflege und Erziehung der Kinder [...] das natürliche Recht der Eltern [...]“ (Art. 6 Abs. 2 GG), beschränkt sich damit also auf einen sehr kleinen Personenkreis, dessen Privatsphäre weitestgehend geschützt ist. Neben der fehlenden Vorbilder in Bezug auf Erziehung, gibt es auch keine „Standart-Biographie“ mehr, an der man sich orientiert. Diese zunehmende Freizügigkeit bei der Lebensgestaltung eröffnet allerdings auch mehr Möglichkeiten des Scheitern und gibt Raum für Verunsicherung und daraus resultierender Überforderung, bei der man oftmals größtenteils auf sich allein gestellt ist. (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 21f)

Möglicherweise auch durch diese Freizügigkeit sind u.a. steigende Scheidungsraten für eine Pluralität der Familienmodelle verantwortlich, wodurch auch von „der Normalfamilie“ längst nicht mehr die Rede sein kann. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 23f) Laut statistischem Bundesamt lebten 2013 ca. 8,1 Mio Familien mit minderjährigen Kindern, davon knapp 70% Ehepaare, etwa 10% Lebensgemeinschaften und ca. 20% Alleinerziehende (vgl. Statistisches Bundesamt 2013), wobei hier keine Aussage getroffen werden kann, ob es sich um leibliche, Stief-, Adoptiv- oder Pflegekinder handelt.

2009 waren in Deutschland 10% der Familien Stief- bzw. Patchworkfamilien, 11% Alleinerziehende und 79% Kernfamilien, bei denen die leiblichen Elternteile zusammen leben. (vgl. BMFSFJ 2013, S. 10) Zusätzlich ist zu bedenken, dass auch die Elternteile, bei denen die Kinder nicht ihren Lebensmittelpunkt haben, oftmals aber an Wochenenden oder in den Ferien zu Besuch sind, in neuen Partnerschaften leben können. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 23f)

Bedeutung von Erziehung

Auch die Bedeutung von Erziehung hat sich mit der Zeit verändert. Waren Kinder im Mittelalter nur „kleine Erwachsene“, setzte sich vor allem Rousseau im 18. Jahrhundert dafür ein, die Kindheit vom Erwachsenenalter zu differenzieren und den Kindern einen Freiraum zuzugestehen. Es entstand außerdem die Idee, dass Kinder durch Erziehung formbar seien. (vgl. Sonnenbaum 2008, S. 11f)

Neben vielen anderen Pädagogen waren auch die Werke von Janusz Korczak bedeutend für die Entwicklung bis hin zur heutigen Ansicht von förderlicher Entwicklung, wenngleich sie erst in jüngerer Zeit Bedeutung erlangten. Bereits 1919 veröffentlichte er die Magna Charta Libertalis in seinem Werk „Wie man ein Kind lieben soll“, mit denen er ein Grundgesetz für Kinder beschreibt. (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 42) Weiter prägte er den Begriff der „Pädagogik der Achtung“ und beschreibt Erziehung als ein dialogisches Verhältnis. (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 61f)

Dennoch dauerte es 70 Jahre, bis 1989 die UN-Kinderrechtskonvention den Weg für die Gleichstellung von Kindern und Erwachsenen ebnete und ihnen das Recht auf Überleben, Entwicklung, Schutz und Partizipation einräumte. (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 43f)

Es dauerte weitere 11 Jahre, bis in Deutschland das Recht auf gewaltfreie Erziehung in § 1631 Abs. 2 BGB gesetzlich verankert wurde. (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 44f). Dennoch wird „[e]mpirischen Studien zufolge [...] körperliche Züchtigung durchaus noch als Mittel der Erziehung von Kindern toleriert.“ (Polizeiliche Kriminalprävention 2011, S. 6) Als mögliche Ursachen für eine solche Kindesmisshandlung werden Erfahrungen mit Gewalt in der eigenen Kindheit sowie Überforderung genannt. (vgl. Polizeiliche Kriminalprävention 2011, S. 6)

Auch die Sichtweise auf ersten Lebensjahre hat sich verändert. Vor etwa 50 Jahren glaubte man noch, die physische Versorgung der Kinder bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres wäre ausreichend. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S.25) Heute weiß man, dass in diesem Alter der Grundstein für die spätere Entwicklung gelegt wird. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S.7)

Viele Eltern wollen ihren Kindern natürlich die bestmögliche Förderung bieten und fühlen sich deshalb unter Druck gesetzt. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 25) Bei dem Versuch, sich Erziehungstipps in Büchern, dem Internet oder aus anderen Quellen anzueignen, sind Eltern mit einer Vielzahl von Informationen, welche beeinflusst von aktuellen Trends und teilweise widersprüchlich sind, konfrontiert. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 18)

Beispiele für Formen der Elternbildung

Mit der Veränderung der Beeedeutung von Erziehung wurde auch die Elternbildung zunehmend thematisiert, wobei die dadurch entstandene Fülle an Angeboten einerseits die Eltern zusätzlich unter Druck setzt, andererseits zu weiterer Verunsicherung führen kann. Zunächst lässt sich festhalten, dass allen Eltern und Erziehungsberechtigten im Rahmen des §16 SGB VIII das Recht auf Förderung der Erziehung zugesichert wird. (vgl. Smolka 2006, S. 44)

Es gibt neben Elternkursen und Elternberatung für Eltern außerdem die Möglichkeit, sich über Bücher, Zeitschriften oder das Internet zu informieren (vgl. Smolka 2006, S. 51), wobei die Eltern sich mit Erziehungsfragen bevorzugt an Personen in ihrem privaten Umfeld wenden, Beratungsstellen und andere professionelle Hilfen werden oft erst in akuten Situationen aufgesucht. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 49f) Die größte Nutzergruppe stellen Mütter der Mittelschicht dar. Die Gruppe der Nicht-Nutzer ist dagegen weitaus heterogener, die Gründe für die Ablehnung reichen von fehlender Kenntnis der Angebote bis hin zu Ablehnung der Hilfe von außen. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 53ff)

Als wichtige Aspekte für die Wahrnehmung von Angeboten der Elternbildung werden Vertrauen, Vertraulichkeit, Prävention, Niedrigschwelligkeit und bedarfsorientierte Angebote beschrieben. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 57f) Inwieweit dies auf Elternkurse, Elternberatung und das STEEPTM-Programm zutrifft, wird im Folgenden beschrieben.

Elternberatung

Eltern- bzw. Erziehungsberatung gibt es seit über 100 Jahren in Deutschland, wobei bis heute kein flächendeckendes Angebot gemäß der vom Staat empfohlenen Richtlinien erreicht wurde, teilweise sogar Stellen in den letzten Jahren gestrichen wurden. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 59) Das Recht auf Erziehungsberatung ist im Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt. Demnach haben Eltern und andere Erziehungsberechtigte, aber auch die Kinder und Jugendlichen selbst, ein Recht auf Beratung bezüglich „[...] Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme und der zugrunde liegenden Faktoren, bei der Lösung von Erziehungsfragen sowie bei Trennung und Scheidung [...]“ (§28 SGB VIII). Durch die u.a. im ersten Kapitel beschriebenen veränderten Lebensumstände hat in der jüngeren Zeit aufgrund der zunehmenden Verunsicherung die Nachfrage an Beratungen zugenommen, die Diversität und teilweise Pluralität der Probleme stellt die Erziehungsberatung dabei zusätzlich vor Herausforderungen. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 61f)

In Bezug auf die zuvor genannten Kriterien für eine erfolgreiche Elternbildung lässt sich feststellen, dass zwar die Vertraulichkeit gesetzlich gesichert ist (vgl. §§61-68 SGB VIII, nach Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 60), die präventive Nutzung aber nur selten der Fall ist, da die Elternberatung oft erst dann in Anspruch genommen wird, wenn andere Bewältigungsversuche gescheitert sind. Zwar nehmen im Rahmen der Freiwilligkeit, welches ebenfalls ein wichtiger Aspekt ist, größtenteils die Mütter selbst den Kontakt zu den Beratungsstellen auf, oftmals geschieht dies wohl aber auf Anraten anderer Institutionen, z.B. Schule oder Kindergarten, oder sogar als Auflage des Jugendamtes (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S.64f), wobei hier die Freiwilligkeit in Frage gestellt werden sollte. In Bezug auf die Niedrigschwelligkeit wird außerdem häufig die „Komm-Struktur“ kritisiert, (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 63) einerseits weil für viele Eltern dieser Schritt „[...] ein Eingeständnis [...] des eigenen Versagens [...]“ (Mutter, 30 Jahre alt, 3 Kinder, zit. nach Smolka 2006, S. 51) bedeutet, andererseits weil Eltern natürlich Kenntnis über das Beratungsangebot haben müssen. In Bezug auf den Faktor Vertrauen sehen es viele Eltern durchaus als schwierig, sich einer fremden Person anzuvertrauen. Eher noch würden sie sich professionellen Personen anvertrauen, zu denen sie bereits Kontakt haben, wie Lehrer*innen[2], Erzieher*innen oder Ärzt*innen. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S. 49f)

Auch wenn sich viele Eltern von der Beratung u.a. konkrete Handlungsanweisungen erhoffen, welches aber dem Prinzip der „Hilfe zur Selbsthilfe“, nachdem die Klient*innen ihre eigenen Lösungsstrategien erarbeiten sollen, widerspricht und diese Erwartung somit überwiegend enttäuscht wird, sind ein Großteil der*diejenigen, die eine Beratung in Anspruch genommen haben, damit sehr zufrieden gewesen. (vgl. Wahl, Hees (Hrsg.) 2006, S.68ff)

Elternkurse

„Das Ziel der meisten Elternkurse ist die Vermittlung eines gewaltfreien Umgangs mit Konfliktsituationen im Erziehungsalltag [...]“ (Tschöpe-Scheffler 2003, S. 114f) Hierfür werden Inhalte und Fähigkeiten vermittelt, die im Alltag nützlich sein sollen, sowie Handlungsmöglichkeiten und Bewältigungsstrategien für Konflikt- und Stresssituationen erarbeitet. Elternkurse sind meist primär- oder sekundärpräventiv und werden eher von bildungsnahen Eltern besucht. (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 114) Als primärpräventive Angebote werden nach Caplan solche bezeichnet, die „[...] das Auftreten von Gewalt bereits vorbeugend verhindern [sollen] [...]“ (vgl. Caplan 1974, zit. nach Tschöpe-Scheffler 2003, S. 112), sekundäre Präventionsmaßnahmen „[...] versuch[en], die Weiterentwicklung bereits vorhandener Gewaltpotenziale sowie Wiederholungen von störungsverursachenden Situationen, Kommunikation und/oder Interaktionen zu verhindern.“ (vgl. Caplan 1974, zit. nach Tschöpe-Scheffler 2003, S. 112) Tschöpe-Scheffler beschreibt 4 Bereiche, die, je nach Konzept zu unterschiedlichen Anteilen, in Elternkursen bearbeitet werden.

[...]


[1] Ursprünglich „Vater werden ist nicht schwer / Vater sein dagegen sehr“ aus der „Knopp-Trilogie“ (1875/1876/1877) von Wilhelm Busch; im Volksmund abgewandelt

[2] Hier und im Folgenden sind mit dieser Form der Gender-Gap alle Geschlechter gemeint.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen von Elternbildung am Beispiel des STEEP-Programms
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V428752
ISBN (eBook)
9783668725850
ISBN (Buch)
9783668725867
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elternbildung, STEEP
Arbeit zitieren
Lou Hennicke (Autor), 2015, Möglichkeiten und Grenzen von Elternbildung am Beispiel des STEEP-Programms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428752

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Möglichkeiten und Grenzen von Elternbildung am Beispiel des STEEP-Programms


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden