Die Frage nach dem Umgang mit anderen Religionen oder Weltanschauungen ist keine rein gesellschaftliche Frage, sondern auch eine theologische. Denn allein die Existenz von anderen Religionen neben dem Christentum stellt eine gewisse Herausforderung dar, zum einen, was den Umgang mit diesen anderen Religionen angeht, zum anderen stellt sich aber auch die Frage nach dem eigenen Selbstverständnis. Die Auseinandersetzung mit diesen anderen Religionen hat im Christentum eine lange Tradition.
Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll in der Auseinandersetzung mit der Theologie der Religionen nach dem Ansatz Carl Heinz Ratschows liegen. Dazu sind jedoch einige Vorüberlegungen notwendig, beispielsweise um klarzustellen, mit welchem Religions- oder Gottesbegriff Ratschow überhaupt arbeitet.
Der Hauptteil dieser Arbeit soll dann zunächst Aufschluss darüber geben, was genau das Christentum eigentlich ausmacht, also das sogenannte Proprium des Christentums bildet. Anschließend sollen sowohl die Gemeinsamkeiten, welche das Christentum mit anderen Religionen teilt, als auch die Besonderheiten im Christentum untersucht werden, um auf die Frage hinzuarbeiten, welche Folgen sich denn für einen Dialog mit den Religionen ergeben und was das für den Missionsauftrag und die Mission bedeutet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorüberlegungen
2.1 Was ist Religion?
2.2 Ansätze für eine Theologie der Religionen
2.3 Carl Heinz Ratschows Ansatz zur Theologie der Religionen
2.4 Religiöse Strömungen
3. Das Christentum und die Religionen
3.1 Das Proprium des Christentums
3.1.1 Gott
3.1.2 Glaube
3.1.3 Frömmigkeit
3.1.4 Hoffnung
3.2 Gemeinsamkeiten zwischen dem Christentum und den Religionen
3.2.1 Gottesbild
3.2.2 Menschenbild
3.2.3 Tod
3.3 Besonderheiten des Christentum im Vergleich zu den Religionen
3.3.1 Jesus Christus
3.3.2 Der Heilige Geist
3.3.3 Rechtfertigung
4. Fazit
4.1 Folgen für einen Dialog mit den Religionen – Mission?
4.2 Gewinn für den eigenen Glauben aus einer Theologie der Religionen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis des Christentums zu anderen Religionen unter Berücksichtigung des theologiegeschichtlichen Ansatzes von Carl Heinz Ratschow. Das primäre Ziel besteht darin, das christliche Selbstverständnis (das Proprium) sowie die Gemeinsamkeiten und Besonderheiten im Vergleich zu anderen religiösen Überzeugungen herauszuarbeiten, um daraus Konsequenzen für den interreligiösen Dialog und das Missionsverständnis abzuleiten.
- Theologie der Religionen nach Carl Heinz Ratschow
- Bestimmung des christlichen Propriums (Gott, Glaube, Frömmigkeit, Hoffnung)
- Strukturelle Analogien und Unterschiede zwischen den Religionen
- Die Herausforderung des interreligiösen Dialogs und des Missionsauftrags
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Jesus Christus
Die Kondeszendenz, also das Herabsteigen oder sich-Erniedrigen, des christlichen Gottes ist eindeutig eine der Besonderheiten im christlichen Glauben. Zwar gibt es auch in anderen Religionen Beispiele für ein Herabsteigen einer Gottheit aus dem Himmel, als Beispiel sei hier Zeus zu nennen, der nach der griechischen Mythologie desöfteren tierische oder menschliche Gestalt annahm und auf die Erde kam. Doch die Kondeszendenz Jesu Christi reicht viel weiter als alle anderen Formen. Nicht nur, dass Jesus komplett und vollkommen zum Menschen wird – von der Geburt bis zum Tod. Die Kondeszendenz bleibt auch noch nach Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu bestehen, nämlich in der sich verschenkenden Liebe Gottes, die sich in Jesu Barmherzigkeit irdisch abgebildet hat. Einzigartig ist auch, die Ursache für diese Wandlung Gottes, „die Entfremdung des Menschen von ihm [Gott], und das heißt, die Sünde des Menschen“79. Da die Wandlung Gottes schließlich in Kreuzigung und Auferstehung gipfelt und dieses Heilsereignis in Raum und Zeit in der Vergangenheit liegt, sind wir auf die überlieferten Zeugnisse dieser Geschehnisse angewiesen.80
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit einer theologischen Auseinandersetzung mit der multireligiösen Gesellschaft und führt in den Ansatz von Ratschow ein.
2. Vorüberlegungen: Es werden der Religionsbegriff nach Ratschow sowie die historischen Strömungen Exklusivismus, Pluralismus und Inklusivismus erörtert.
3. Das Christentum und die Religionen: Dieser Hauptteil analysiert das christliche Proprium sowie Gemeinsamkeiten und Besonderheiten des Christentums gegenüber anderen Religionen.
4. Fazit: Das Kapitel reflektiert die Implikationen der gewonnenen theologischen Erkenntnisse für den interreligiösen Dialog und das Konzept der Mission.
Schlüsselwörter
Theologie der Religionen, Carl Heinz Ratschow, Christentum, Interreligiöser Dialog, Mission, Proprium, Epiphanie, Kondeszendenz, Heilshandeln, Welthandlung, Religion, Glaube, Jesus Christus, Rechtfertigung, Religionswissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, die andere Religionen für das christliche Selbstverständnis darstellen, und untersucht diese Fragestellung auf Basis der Theologie von Carl Heinz Ratschow.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Bestimmung des christlichen Propriums, der Vergleich mit anderen Religionen hinsichtlich Gottesbild, Menschenbild und Tod sowie die Konsequenzen für den Dialog und die Mission.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Christentum sich in einer multireligiösen Welt positionieren kann, ohne den eigenen Glauben preiszugeben, und welche Rolle der Dialog dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse, die primär auf den Schriften von Carl Heinz Ratschow aufbaut und diese im Kontext der Religionswissenschaft reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des christlichen Wesens (Gott, Glaube, Frömmigkeit, Hoffnung) sowie den detaillierten Vergleich von Gemeinsamkeiten und spezifischen Besonderheiten des Christentums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Theologie der Religionen, Epiphanie, Kondeszendenz, Interreligiöser Dialog und Rechtfertigung.
Was versteht Ratschow unter der „Konvenienz der Religionen“?
Ratschow bezeichnet damit die Vergleichbarkeit von Religionen in ihrem „Religionsein“, welches sich durch die Bezogenheit auf das Hervortreten eines Gottes (Epiphanie) definiert.
Warum ist das „heilvolle Einmal“ für das christliche Kultverständnis zentral?
Weil Gott frei in den Weltzusammenhang eingetreten ist und diese Urerfahrung nicht durch kultische Wiederholung erzwungen werden kann; der christliche Kult ist daher auf den Modus des Gedächtnisses angewiesen.
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- Anonym (Author), 2013, Die Auswirkungen von C. H. Ratschows "Theologie der Religionen" auf den interreligiösen Dialog, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428858