"Ich als Text". Das Verfahren des Samplings unter der Berücksichtigung Thomas Meineckes selber als Figur in seinem Werk "Lookalikes"

Mit besonderem Blick auf die Frage nach der Originalität


Hausarbeit, 2014

15 Seiten, Note: 3,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Samplen als literarisches Verfahren
2.1 Allgemeine Veranschaulichung Thomas Meineckes Verfahren des Samplings: Das Einsetzen der Person Hubert Fichte
2.2 Die Frage nach der Originalität „Beim Samplen gibt es kein Original nur Variationen des Immeranderen.“ Bezug zu Derriads Dekonstruktion und die Saussurische Denkweise (Problematik des Körper-Seelen-Verhältnisses)

3. Die Selbstinszenierung von Thomas Meinecke
3.1 Warum macht sich Thomas Meinecke selbst zur literarischen Figur? Die Frage nach der Identität – Tod des Autors?
3.2 Kritische Hinterfragung der Selbstdarstellung: Inwiefern inszeniert er sich als Figur?

4. Fazit

Quellen

1. Einleitung

Überträgt man die Definition des Samplings aus dem Duden, welche wie folgt lautet:„Zusammenstellung von Teilen digital gespeicherter Tonaufnahmen zu etwas Neuem (z.B. einer neuen Musik) mithilfe eines Computers“[1] auf das literarische Verfahren des Samplings des Systems Pop kann man es mit der Aussage von Thomas Meinecke ausdrücken:

„Das System Pop und dessen Ausweidungswut von Allem ist die Folie, auf die sich sämtliche Protagonisten/Wortspender einigen können. Darüber und darunter blubbern unzählige Subsysteme, deren Namen selbst wieder neue Stil- und Denkschubladen aufmachen.“[2] Der Computer ist in diesem Sinne der Autor und die Teile sind Textausschnitte die auf Papier archiviert sind, mit derer Hilfe ein neues literarisches Werk konstituiert wird.

In seinem Werk „Lookalikes“ wird diese von ihm erwähnte Ausweidungswut verdeutlicht. Dort vermischt er unter anderem eigene Erfahrungen mit Schriftstellern, Wissenschaftlern, Popstars und das das System Pop. Der Pop hat für Meinecke nichts Authentisches oder Originäres, denn „Pop spricht immer von der Vermitteltheit seiner Gegenstände, auch der Autorposition.“[3] An dieser Stelle ist ebenfalls zu nennen, dass Pop nicht schöpft und eben nur auf der Vermittlungsebene stattfindet.[4] Auch gibt es keine starken autonomen Subjekte in der Popwelt.[5] Um dieses unauthentische System zu verdeutlichen, verwendet Meinecke die „Lookalikes“ in seinem Roman um der Frage nach der Identität des Menschen nachzugehen. Identität ist für ihn das Performative, als etwas Gemachtes und Geschriebenes.[6] Im Hinblick auf dieses Thema spielt das Gemacht-Seins eine große Rolle für ihn, was über die Sprache abläuft.[7]

Um diesen Fragen nachzugehen, beschäftige ich mich im Folgenden mit seinem Verfahren des Samplings; inwiefern er das System Pop in der Literatur umsetzt. Unter anderem ist es von Belang dem Aspekt der Originalität im Hinblick auf die „Lookalikes“ nachzugehen und hier die Dekonstruktion von Derrida und die Saussurische Denkweise zu berücksichtigen. Am Ende meiner Arbeit möchte ich veranschaulichen, warum sich Meinecke selber als Figur darstellt und diesen Punkt kritisch hinterfragen.

Zuerst möchte ich jedoch in einer allgemeinen Analyse seinem Verfahren des Samplings nachgehen.

2. Samplen als literarisches Verfahren

2.1 Allgemeine Veranschaulichung Thomas Meineckes Verfahren des Samplings: Das Einsetzen der Person Hubert Fichte

„Der Sampler revolutionierte aber vor allem das Produzenten-Dasein. Er ist in erster Linie ein Sammel- und ein Speichermedium.“[8] Somit war es gegeben, dass der Produzent quasi im Alleingang produzieren konnte.[9] - Eben so wie Thomas Meinecke, der sich als DJ in seinem Werk „Lookalikes“ versucht. Das Sampling macht es möglich Musik oder eben auch Literatur im Do-it-yourself- Verfahren herzustellen.[10] Er mixt Vorhandenes mit eigener Idee und kreiert somit sein eigenes neues System Pop.

Meinecke verknüpft zwei Handlungs- und Diskursebenen miteinander.[11] Ein auktorialer Erzähler beschreibt die Verhältnisse und Beziehungen der „Lookalikes“, welche Doubles bekannter Personen wie Josephine Baker oder auch Britney Spears darstellen, die in Düsseldorf leben. Dort verhandelt er dann anhand derer aktuellen Diskurse über Indentitätspolitiken.[12]

Thomas Meinecke taucht als Figur auf, von der in der dritten Person erzählt wird, welche durch ein Stipendium des Goethe-Instituts 2010 für drei Monate in Salvador da Bahia ist. Er macht sich auf die Spuren von Hubert Fichte und es werden „literarische Versatzstücke aus Texten Fichtes zitiert und im Sinne von Meineckes Textverfahren diskursiv eingespannt.“[13]

Bei seinem Verfahren des Zitierens geht er ohne Anführungszeichen vor und erschwert so den Lesefluss. Aber „dennoch zielt das Vorgehen Meineckes, Textbausteine in semantischer Kontiguität zu verketten, nicht auf Kryptik oder Latenz, und erfordert keinen dahingehend hermeneutischen Lektüreansatz.“[14] Dies bedeutet, dass seine Textpassagen einen semantischen Zusammenhang aufweisen, da sie explizit und transparent wirken.[15] Sie sind nur nicht durch Satzzeichen erkennbar gemacht, was den Leser verwirrt. Ein ausgeprägtes Vorwissen der dort verwendeten Lektüren muss nicht gegeben sein, um die Handlung nachvollziehen zu können.

Die Zitate spielen für Meinecke eine große Rolle. Das zeige sich auch in seiner Mitarbeit bei F.S.K, welche er als Zitat - Band beschreibe.[16] Er „zieht es vor, mit Versatzstücken und Zitaten als Samples zu arbeiten.“[17] Nach Fiebig gibt es zwei Arten von Samplen zu unterscheiden: in der Musik und der in Literatur.[18] F.S.K. samplet auf beiden Ebenen. Das literarische Samplen sei für ihn ein traditionelles, philologisches Zitat, das sich nicht als Parallele zur Technomusik eigne.[19] Der Techno ziele nur auf eine „ästhetische Inszenierung von Namenlosigkeit“ ab, was so viel wie „die Auflösung fester symbolischer Strukturen in der Informationsgesellschaft“[20] bedeutet.

Der Roman „Lookalikes“ steht als Lookalike von Hubert Fichtes Büchern, Explosion und Xango.[21] Meinecke sagt selber:„Bestimmte Sachen schreibe ich nur, weil auch Fichte das so gemacht hätte. Bestimmte Aufzählungen, den Einsatz von Absätzen, dass plötzlich nur ein Satz da steht, hat es vorher bei mir nicht gegeben.“[22]

Fichte spielt für Meinecke eine wichtige Rolle. In seinem Werk referiert Meinecke insgesamt dreißig mal mit direkten Zitaten auf Fichte und insgesamt auf sechzehn Seiten des Romans.[23]

[...]


[1] http://www.duden.de/rechtschreibung/Sampling

[2] Meinecke, Thomas. Ich als Text. Edition Suhrkamp. Suhrkamp Verlag. Berlin: 2012, S. 319.

[3] Meinecke, Thomas. Ich als Text. Edition Suhrkamp. Suhrkamp Verlag. Berlin: 2012, S. 305.

[4] Vgl.: Ebd., S. 303.

[5] Vgl.: Ebd., S. 305.

[6] Vgl.: Ebd.

[7] Vgl.: Ebd., S.306.

[8] Feiereisen, Florence. Der Text als Soundtrack. Der Autor als Dj. Postmoderne und postkoloniale Samples bei Thomas Meinecke. Verlag Königshausen & Neumann GmbH. Würzburg: 2011, S. 25.

[9] Vgl.: Ebd.

[10] Vgl.: Ebd.

[11] Vgl.: Bierwirth, Maik. Anja Johannsen. Mirna Zeman. Doing Contemporary Litertaur. Praktiken, Wertungen, Automatismen. Wilhelm Fink Verlag. München: 2012, S. 97.

[12] Vgl.: Ebd.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

[15] Vgl.: Ebd.

[16] Vgl.: Feiereisen, Florence. Der Text als Soundtrack. Der Autor als Dj. Postmoderne und postkoloniale Samples bei Thomas Meinecke. Verlag Königshausen & Neumann GmbH. Würzburg: 2011, S. 29.

[17] Ebd.

[18] Vgl.: Ebd.

[19] Vgl.: Ebd.

[20] Ebd., S. 30.

[21] Vgl.: Meinecke, Thomas. Ich als Text. Edition Suhrkamp. Suhrkamp Verlag. Berlin: 2012, S. 298.

[22] Meinecke, Thomas. Ich als Text. Edition Suhrkamp. Suhrkamp Verlag. Berlin: 2012, S. 300.

[23] Vgl.: Bierwirth, Maik. Anja Johannsen. Mirna Zeman. Doing Contemporary Litertaur. Praktiken, Wertungen, Automatismen. Wilhelm Fink Verlag. München: 2012 ,S. 99.

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Details

Titel
"Ich als Text". Das Verfahren des Samplings unter der Berücksichtigung Thomas Meineckes selber als Figur in seinem Werk "Lookalikes"
Untertitel
Mit besonderem Blick auf die Frage nach der Originalität
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
3,0
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V428922
ISBN (eBook)
9783668726178
ISBN (Buch)
9783668726185
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
text, verfahren, samplings, berücksichtigung, thomas, meineckes, figur, werk, lookalikes, blick, frage, originalität
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, "Ich als Text". Das Verfahren des Samplings unter der Berücksichtigung Thomas Meineckes selber als Figur in seinem Werk "Lookalikes", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/428922

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