Ziel dieser Arbeit ist es, die wieder aufkommende Attraktivität innerstädtischen Wohnens zu erklären und Aufschluss darüber zu geben, in welcher Weise sich die Vorstellungen und Anforderungen des modernen innerstädtischen Lebens in aktuellen Projekten luxuriöser Neubauten äußern und wie Immobilienfirmen durch gezieltes Marketing sowie Projektplanung die Qualitäten des Städtischen hervorheben.
Noch nie wurde so viel über Reurbanisierung gesprochen als zur heutigen Zeit. Die Ausbreitung der Städte und die Bildung von Vororten gehen langsam aber sicher dem Ende zu. In vielen deutschen Gebieten ist eine Landflucht zu verzeichnen und die Bevölkerung schwindet. Innerstädtische Bereiche deutscher Großstädte bleiben davon jedoch weitestgehend unberührt oder verzeichnen sogar ein Wachstum. Dies jedoch geschieht nicht etwa aufgrund von steigenden Fertilitätsraten, sondern durch den Zuzug derer, die einst auf das Land gezogen sind. Auch wird im Hinblick auf das Thema Urbanisierung und Reurbanisierung mehr publiziert denn je. Ob in Fachzeitschriften oder Zeitungen, der Diskurs über die Interessenszunahme innerstädtischen Wohnens ist voll im Gange. Fakt ist, Wohnen in der Innenstadt ist wieder richtig im Trend. Das unüberschaubare Kultur- und Freizeitangebot der Stadt lockt viele Menschen in neu gebaute, moderne und teure „Loft-Wohnungen“ oder „Stadtresidenzen“. Dieser Trend zeichnet sich sowohl in Amerika als auch in Deutschland ab. Auch im oberfränkischen Bayreuth, einer Stadt mit knapp über 70.000 Einwohnern verkörpert sich der Trend zur Reurbanisierung beispielsweise in Neubauprojekten wie der „Stadtresidenz am Roten Main“, wo kaufkräftige Anwohner sogenannte „Riverside-Apartments“ mitten in der Innenstadt mit Blick auf den Roten Main erwerben können. Doch die neu aufkommende Begeisterung für das Städtische wird zu großen Teilen auch von Immobilienfirmen effektiv beeinflusst und gesteuert. So gibt es in Deutschland und den USA zahlreiche Neubauprojekte innerstädtischen Wohnens, bei denen eine Gemeinsamkeit auffällt: Mit dem Kauf einer Wohnung erhalten Kunden nicht mehr nur einen Wohnraum, sondern auch das Angebot eines Lebensstils.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die historische Stadtentwicklung
2.1 Anfänge strukturierter Stadtanlagen
2.2 Die Stadt im Mittelalter und der frühen Neuzeit
2.3 Stadtentwicklung im Industriezeitalter
3 Erneute Phase der Urbanisierung – Die Reurbanisierung
3.1 Was macht innerstädtisches Wohnen attraktiv?
3.1.1 Allgemeine Ursachen
3.1.2 Das Konzept Urbanität im Mittelpunkt öffentlichen Diskurses
3.1.3 Der Lifestyle „Urbanität“ als Marketing-Strategie
3.1.4 Sichergestellte Urbanität
3.2 Einfluss auf das Wohnumfeld
3.2.1 „Schaffen intakter Adressen“
3.2.2 Gentrifizierungstendenzen
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gründe für die Renaissance des innerstädtischen Wohnens und analysiert, wie Immobilienunternehmen durch gezieltes Marketing und Projektplanung einen urbanen Lebensstil inszenieren, um kaufkräftige Zielgruppen anzusprechen.
- Historische Einordnung der Stadtentwicklung
- Die Attraktivität des innerstädtischen Wohnens
- Marketingstrategien für den „Lifestyle Urbanität“
- Maßnahmen zur Sicherung von Privatsphäre und Exklusivität
- Gentrifizierungseffekte durch hochwertige Neubauprojekte
Auszug aus dem Buch
Der Lifestyle „Urbanität“ als Marketing-Strategie
Das Konzept Urbanität rückt auch bei der Vermarktung der einzelnen Immobilien stark in den Fokus und lässt sich anhand der Marketingstrategien sehr schlüssig verstehen.
Zu aller erst bietet das Wohnen in der Innenstadt eine große Menge an Kultur- und Freizeitangeboten sowie Einkaufs- und Shoppingmöglichkeiten, was das Gefühl vermittelt, mitten im Leben zu stehen. Auch soll urbanes Wohnen ein optimales Verhältnis von Spannung, Erlebnisreichtum und Individualität bieten. Dieses Idealbild innerstädtischen Lebens wird nun von Immobilienfirmen und Marketingexperten als eine Basis für das Angebot eines Lebensstils für die Käufer und Mieter urbaner Wohnungen genutzt. In einem Interview erzählte James Atkins, Projektleiter bei Williams & Dame Development, dass mit den Immobilien nicht nur ein Heim, sondern auch ein Lebensstil verkauft werde:
„What is one of the things we are selling is as much a home as a lifestyle.“ (Interview mit James Atkins, Projektleiter Williams & Dame Development, zit. nach Füller et al. 2013, S. 38)
Hierbei werden Neubauten nicht erst im Nachhinein mit moderner und teurer Innenausstattung bestückt, sondern passende Räume für den urbanen Lebensstil bereitgestellt. Das heißt, der Lifestyle beeinflusst die Projektplanung und -gestaltung in allen Bereichen. Beispielsweise das Neubauprojekt „Marthashof“ in Berlin soll, so zumindest von den Immobilienfirma angepriesen, Lebensqualität ohne jegliche Kompromisse durch die Vereinigung von geschmackvoller Architektur, funktionalem Design, urbanem Leben und der ökologischen Lebenseinstellung bieten (Füller et al. 2013, S. 38).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Trend der Reurbanisierung und legt das Ziel der Arbeit fest, die Attraktivität innerstädtischen Wohnens im Kontext von Marketing und Projektplanung zu analysieren.
2 Die historische Stadtentwicklung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historischen Phasen der Stadtentwicklung von der antiken Polis bis zur industriellen Urbanisierung als notwendige Grundlage für das Verständnis heutiger Prozesse.
3 Erneute Phase der Urbanisierung – Die Reurbanisierung: Der Hauptteil untersucht die Motive für die Rückkehr in die Stadt, beleuchtet Marketingstrategien für urbanen Lebensstil und analysiert die räumlichen sowie sozialen Auswirkungen auf das Wohnumfeld.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Reurbanisierung maßgeblich durch kaufkräftige Schichten und das Versprechen exklusiver Lifestyle-Angebote getrieben wird, was jedoch weitreichende Konsequenzen für die soziale Struktur des Wohnumfeldes hat.
Schlüsselwörter
Reurbanisierung, Stadtentwicklung, Urbanität, Innerstädtisches Wohnen, Immobilienmarketing, Lebensstil, Gentrifizierung, Neubauprojekte, Urbane Attraktivität, Soziale Verdrängung, Wohnumfeld, Stadtplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem aktuellen Phänomen der Reurbanisierung und untersucht, warum das Wohnen in der Innenstadt wieder an Popularität gewonnen hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die historische Einordnung der Stadtentwicklung, die Rolle des Immobilienmarketings bei der Vermarktung urbaner Lebensstile sowie die sozialen Auswirkungen, wie etwa Gentrifizierung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuklären, wie Immobilienfirmen durch gezielte Projektplanung und Marketing die Qualitäten des Städtischen für kaufkräftige Zielgruppen nutzbar machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung auf Basis stadtgeographischer Fachliteratur sowie die Analyse von Fallbeispielen luxuriöser Neubauprojekte in Deutschland und den USA.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Motive für urbanes Wohnen, die Rolle des Konzepts der Urbanität im öffentlichen Diskurs sowie die Auswirkungen der Projektplanung auf das nähere Umfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Reurbanisierung, Urbanität, Gentrifizierung und Immobilienmarketing beschreiben.
Wie unterscheidet sich die moderne Reurbanisierung von früheren Phasen?
Im Gegensatz zu früheren Phasen der Urbanisierung, die oft arbeitsorientiert waren, wird der heutige Prozess maßgeblich durch die kaufkräftige Oberschicht und den Wunsch nach einem konsumierbaren „Lifestyle“ getrieben.
Welche Maßnahmen ergreifen Immobilienfirmen, um die „milde Form von Urbanität“ zu sichern?
Um die Vorteile der Stadt ohne deren Risiken zu bieten, nutzen Firmen Sicherheitsdienste, Concierge-Services, Überwachungskameras und bauliche Abgrenzungen wie Privatparks.
- Citar trabajo
- Hannes Emtmann (Autor), 2017, Neue Attraktivität urbanen Wohnens am Beispiel von Neubauprojekten in Deutschland und Amerika, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429157