Fortune favors the bold (and the italicized). Effects of disfluency on educational outcomes


Hausarbeit, 2013
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2.1. Hintergrund
2.2 Methoden und Ergebnisse Studie
2.3 Methoden und Ergebnisse Studie
2.4 Schlussfolgerungen

3) Kritische Würdigung

1) Einleitung

Ein zentraler Bestandteil der Lehr- und Lernforschung ist die Untersuchung, wie effektiver Unterricht mit anhaltenden Lernerfolgen aussehen sollte. Während sich die instruktionsorientierte Sichtweise hierbei auf den Lehrer fokussiert und versucht Lehrerverhalten zu optimieren, beschäftigt sich die konstruktionsorientierte Sichtweise vermehrt mit der Frage, wie das Lernen an sich optimiert werden kann und wodurch sich Expertentum beim Lernen kennzeichnet. Beiden Sichtweisen gemeinsam ist jedoch die Frage, wie durch sinnvoll ausgewählte Unterrichtsmaterialen und entsprechende hierdurch angeregte Lernprozesse das Lernergebnis optimiert werden kann (Krapp, A. & Weidenmann, B., 2006).

Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich durch die Darstellung einer Studie näher auf die Frage eingehen, inwieweit die Erhöhung der Schwierigkeit des Lernmaterials einen Einfluss auf den Lernerfolg hat.

2) Studie zum Einfluss unterschiedlicher Schriftarten auf den Lernerfolg

2.1. Hintergrund

Wie Book, Byers und Freemann 1983 in einer Studie zeigen konnten, besteht die weit verbreitete Auffassung, dass Unterricht dann eine hohe Effektivität aufweist, wenn ein Lehrer viel Erfahrung und einen guten Instinkt mitbringt. Das Fachwissen eines Lehrers hat zwar durchaus einen signifikanten Effekt auf die Schülerleistung (Krauss et al., 2004), das instinktgeleitete Lehrerverhalten kann sich hingegen sogar negativ auswirken und widerlegt somit die häufige Annahme einer grundsätzlich positiven Auswirkung (Bjork, 1994).

Ähnlich verhält es sich auch mit Annahmenüber den Effekt, den eine Reduzierung von kognitiver Anstrengung mit sich bringt. Sowohl unter Lehrern als auch unter Forschern findet man häufig die Annahme, dass es grundsätzlich positiv ist, wenn ein Schüler weniger Lernaufwand und geringere kognitive Anstrengung für eine Aufgabe erbringen muss (Sweller, & Chandler, 1994). Hierbei wird allerdings außer Acht gelassen, dass leichteres Lernen zwar zunächst einmal positiv erscheinen mag, der Schüler aber gegebenenfalls nicht in der Lage ist, das gelernte Material zu einem späteren Zeitpunkt abzurufen (Diemand-Yauman, C., Oppenheimer, D. M. & Vaughan, E. B., 2010).

Schon 1994 konnte Bjork zeigen, dass es durchaus auch sinnvoll sein kann, den Schwierigkeitsgrad des Lernmaterials in gewünschter und gezielter Weise zu erhöhen und somit eine tiefere Informationsverarbeitung zu erreichen. Durch die tiefere Verarbeitung des zu lernenden Stoffes, kann das Langzeitlernen signifikant verbessert werden, sodass die erhöhte Schwierigkeit letztlich zu einem positiven Lernergebnis führt. Hierbei spielt nicht die Schwierigkeit an sich die entscheidende Rolle, sondern die kognitiven Prozesse, die dadurch ausgelöst werden und das Lernen effektiv unterstützen (Diemand-Yauman et al., 2010). Beispielsweise werden durch eine Schwierigkeitserhöhung des Lernmaterials weniger Heuristiken benutzt und es wird mehr auf systematische Denkstrategien zurückgegriffen (Alter, Oppenheimer, Epley & Eyre, 2007). Auch zu unterscheiden ist die objektive und die subjektive Schwierigkeitserhöhung. Der für die tiefere Informationsverarbeitung entscheidende Aspekt ist die subjektiv empfundene Schwierigkeit des zu lernenden Materials und nicht der objektive Schwierigkeitsgrad (Alter & Oppenheimer, 2009).

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Schwierigkeit von Lernmaterial in gezielter Weise zu erhöhen, beispielsweise indem man Schüler Informationen selber generieren lässt anstatt die Informationen zu präsentieren und die Schüler diese in passiver Weise aufnehmen zu lassen (Richland, Bjork, Finley & Linn, 2005). Alter & Oppenheimer konnten 2009 zeigen, dass die Schwierigkeit außerdem durch die Verwendung von schwieriger lesbaren Schriftarten erhöht werden kann. Auf dieses Forschungsergebnis griffen Diemand-Yauman et al. im Jahr 2010 zurück. Zunächst untersuchten sie unter Laborbedingungen, ob Lernmaterial, das in einer anderen Schriftart und in grauer Farbe präsentiert wurde, den späteren Abruf erleichtern kann. Um die Generalisierbarkeit der Ergebnisse zuüberprüfen und um zu sehen inwiefern hieraus eventuell entstehende motivationale Faktoren eine Rolle spielen, wurde im Anschluss daran eine zweite Studie im Rahmen eines Feldexperimentes durchgeführt.

2.2 Methoden und Ergebnisse Studie 1

Im ersten Experiment von Diemand-Yauman et al. im Jahr 2010 wurden 28 bezahlte Teilnehmer im Alter von 18 bis 40 Jahre untersucht. Die Teilnehmer wurden in einer Kontrollgruppe sowie in zwei Experimentalgruppen aufgeteilt. Während die Kontrollgruppe das Lernmaterial in der 16-point großen und schwarzen Schriftart Arial präsentiert bekam, wurde den Experimentalgruppen das Lernmaterial in den Schriftarten Comic Sans MS bzw. Bodoni MT jeweils in grauer Farbe und in der Größe 12-point vorgelegt.

Während des Experimentes hatten die Teilnehmer 90 Sekunden Zeit sich jeweils sieben Eigenschaften von drei unterschiedlichen Alienarten einzuprägen. Nach einer 15 minütigen Ablenkungszeit, wurden den Teilnehmern Fragen zu dem zuvor gelernten Material gestellt um die Erinnerungsleistung zuüberprüfen. Bei dem Experiment handelte es sich um ein between-subjects Design, sodass jeder Gruppe nur eine Schriftart präsentiert wurde und eine bewusste Wahrnehmung der veränderten Schwierigkeit unwahrscheinlich war.

In der anschließenden Auswertung konnte anhand eines t- Tests ein signifikanter Unterschied zwischen der Kontrollgruppe (72.8%) und den beiden Experimentalgruppen (86.5%) festgestellt werden, wobei der p -Wert <.05 war.

Die fehlende Signifikanz im Vergleich der beiden Experimentalgruppen deute daraufhin, dass es keine Rolle für den Lernerfolg spielt, welche der schwieriger lesbaren Schriftart verwendet wird.

2.3 Methoden und Ergebnisse Studie 2

In der zweiten Studie von Diemand-Yauman et al. im Jahr 2010, die außerhalb von Laborbedingungen stattfand, wurde einähnliches Experiment an einer amerikanischen Hochschule in Chesterland durchgeführt. Die Rate der Schüler, die die Hochschule erfolgreich absolvierten und einen Abschluss erlangen konnten, lag an dieser Hochschule bei 98.6%. An der Studie nahmen sechs verschiedene Klassen mit insgesamt 222 High-School Schüler teil. Die Schüler waren alle zwischen 15 und 18 Jahren alt und es handelte sich sowohl um humanistische als auch um naturwissenschaftliche Klassen.

Die regulären Unterrichtsmaterialien wurden von den Versuchsleitern im Vorfeld so manipuliert, dass die Schriften der Experimentalgruppen schwieriger zu lesen waren. Bei der Kontrollgruppe fand keine Änderung der Unterrichtsmaterialien statt. Randomisiert wurden die Klassen den Experimentalgruppen oder der Kontrollgruppe zugeordnet. Um Effekte durch den Lehrer zu vermeiden, wusste dieser nicht, was der Untersuchungsgegenstand des Experimentes war.

Nachdem der regulär Unterricht mit den in den Experimentalgruppen manipulierten Unterrichtsmaterialien beendet und die Klausuren geschrieben waren, sollten die Schüler einen Fragebogen mit 4 Items ausfüllen, um herauszufinden, ob die schwierigeren Bedingungen der Experimentalgruppen einen Einfluss auf motivationale Faktoren hatten.

In der anschließenden statistischen Auswertung, ergab der t -Test, der nach einer Z-Transformation der Leistungsergebnisse durchgeführt wurde, dass ein signifikanter Unterschied zwischen den Experimentalgruppen (M =.164) und der Kontrollgruppe (M =-.295) bestand mit einem p- Wert von <.001 und einer Effektstärke von d =0.45.

Auch in diesem Experiment konnte kein signifikanter Unterschied zwischen den verschiedenen Experimentalgruppen festgestellt werden, was wie in der vorherigen Studie die Vermutung nahelegt, dass es keine Rolle spielt, welche schwieriger lesbare Schriftart verwendet wird.

Beim Fragebogen zur Überprüfung des Einflusses schwierigerer Bedingungen auf motivationale Faktoren konnte kein signifikanter Unterschied festgestellt werden.

2.4 Schlussfolgerungen

Diemand-Yauman et al. (2010) schlussfolgerten aus den hier dargestellten Ergebnissen, dass unabhängig vom Fach und vom Schwierigkeitslevel die Leistung signifikant verbessert werden kann, indem Lesematerial in einem schwieriger lesbaren Format präsentiert wird. Es ist anzunehmen, dass sich aus der Schwierigkeit der Schrift und der davon abhängigen Leistung eine u-förmige Kurve ergibt. Diemand-Yauman et al. (2010) nahmen an, dass zwar eine erschwerte Lesbarkeit die Leistung verbessert, eine zu undeutliche Schrift hingegen eher lernhinderlich ist.

Die Gründe für den hier sichtbaren Effekt sind vermutlich durch mehrere Faktoren bedingt, was ein Verstehen der genauen Mechanismen, die diesen Effekt erzielen, schwierig macht. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass eine vertiefte Verarbeitung des Lernmaterials dadurch zustande kommt, dass die Schriftarten ungewohnt sind in Vergleich zu der sonst häufig verwendeten Schriftart Arial. Da die hier verwendeten Schriftarten allerdings auch in Lehrbüchern vorkommen und hier in den Experimentalgruppenüber den gesamten Untersuchungszeitraum konstant waren, ist diese Argumentation eher unwahrscheinlich. Doch auch ohne ein exaktes Verständnis der genauen Mechanismen haben die hier dargestellten Ergebnisse eine hohe Relevanz für die praktische Anwendung im Unterricht zumal eine Manipulation der Schriftart leicht umsetzbar und ohne zusätzliche Kosten möglich ist (Diemand-Yauman et al., 2010).

Allerdings sind weitere Studien nötig um sicherzustellen, dass auch Schüler von leistungsschwächeren Schulen von dieser Intervention profitieren und sie nicht aufgrund geringerer Fähigkeiten und Motivation durch eine Schwierigkeitserhöhung schneller aufgeben (Diemand-Yauman et al., 2010).

3) Kritische Würdigung

In der hier präsentierten Studie konnte gezeigt werden, dass eine zunächst trivial erscheinende und einfach umsetzbare Änderung des Unterrichtsmaterials zu einer signifikanten Leistungsverbesserung führt. Daraus resultierend könnte man annehmen, dass die praktische Umsetzung in den Schulen problemlos folgen kann. Ein in meinen Augen wichtiger Aspekt ist jedoch die Berücksichtigung der Tatsache, dass eine Schwierigkeitserhöhung vermutlich mit einer Erhöhung des Zeitaufwandes einhergeht. Es ist zu vermuten, dass Texte in einer schwieriger lesbaren Schriftart mehr Lesezeit erfordern und früher zu einer Ermüdung führen. Je nachdem wie stark diese Auswirkung ist, hat das meines Erachtens nach einen wichtigen Einfluss auf die praktische Umsetzbarkeit. Da vielen Lehrern nur wenig Zeit zur Verfügung steht um den Schülern den erforderlichen Lernstoff beizubringen, ist anzunehmen, dass ein eventuell mit solchen Interventionen einhergehender erhöhter Zeitaufwand bei vielen Lehrern nur wenig praktische Umsetzung findet – vermutlich trotz der verbesserten langfristen Lernleistung der Schüler.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Fortune favors the bold (and the italicized). Effects of disfluency on educational outcomes
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V429587
ISBN (eBook)
9783668732476
ISBN (Buch)
9783668732483
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fortune, Bild, Italia, Effects, Disfluency, Education
Arbeit zitieren
Katrin Gehlhaar (Autor), 2013, Fortune favors the bold (and the italicized). Effects of disfluency on educational outcomes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429587

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