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Psychologische Studien zum Vergeltungsbedürfnis der Menschen

Titel: Psychologische Studien zum Vergeltungsbedürfnis der Menschen

Seminararbeit , 2017 , 25 Seiten , Note: 10,00

Autor:in: Lena Frauenknecht (Autor:in)

Jura - Strafrecht
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im Rahmen der Arbeit erfolgt eine Analyse psychologischer Studien zum Vergeltungsbedürfnis der Menschen im Kontext der Kriminalstrafe.

„Wie du mir, so ich dir.“, „Cui honorem, honorem.“ – Diese Redewendungen aus dem alltäglichen Sprachgebrauch veranschaulichen eines sehr deutlich: Die Menschen sind nachtragend – im negativen wie im positiven Sinne. Der Wunsch nach Vergeltung ist somit eine Art Grundbedürfnis, das fast einem jedem von uns innewohnt. Fälschlicherweise wird das Bedürfnis nach Vergeltung häufig mit Rachsucht gleichgesetzt, weshalb dem Vergeltungswunsch in der Regel vorrangig negative Konnotationen anhaften. Dies hat zur Folge, dass Menschen ihr Verlangen danach, erlittenes Unrecht vergolten sehen zu wollen, oftmals nicht laut äußern, zum Teil sogar leugnen. Auch innerhalb des Strafrechts ist die Bestrafung aus Motiven der Vergeltung teils verpönt, sodass es manchmal scheint, als würde der vergeltende Charakter, der im Grunde jeder Sanktion innewohnt, unter dem Deckmantel der Generalprävention verschleiert.

Das Vergeltungsbedürfnis stellt vor allem im Kontext von Straftaten und deren Sanktionierung einen interessanten Untersuchungsgegenstand dar. In der vorliegenden Arbeit soll daher eine Analyse psychologischer Studien erfolgen, die sich mit der Vergeltung als Strafmotiv auseinandersetzen. Die Tatsache, dass uns der Gedanke an Vergeltung fast allen bekannt ist und in diversesten Lebenssituationen begegnet, lässt den Rückschluss zu, dass sich die Psychologie – ähnlich wie die Philosophie oder die Strafrechtslehre – eingehend mit dem Vergeltungskonzept beschäftigt hat. Tatsächlich aber hat die Psychologie der Frage nach den Gründen, die eine Bestrafung von Menschen rechtfertigen können, bislang vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt. Ob die Vergeltung einen legitimen Strafzweck darstellt, ist im Strafrecht seit jeher stark umstritten. Kaum ein anderer Grund, der zur Rechtfertigung für Strafen herangezogen wird, polarisiert innerhalb der Gesellschaft derart stark wie die Vergeltung.

Im Zuge dieser Arbeit sollen daher psychologische Studien untersucht werden, die gegebenenfalls ein allgemeines Vergeltungsbedürfnis der Menschen belegen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen insbesondere dahingehend näher beleuchtet werden, ob die Vergeltung einen legitimen Strafzweck darstellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. „Strafe“ und „Vergeltung“

I. Terminologie

II. Die Vergeltung als Strafzweck in Relation zu präventiven Ansätzen

1. Absolute Straftheorie

2. Relative Straftheorien

a) Spezialprävention

b) Generalprävention

3. Vereinigungstheorien

4. Empirisch-soziologische Theorie

III. Psychologische Studien zum Vergeltungsbedürfnis der Menschen

1. Tiefenpsychologischer Ansatz

2. Analysekriterien und das Corpus

3. Ausgewählte Studien von Kevin Carlsmith und Kollegen als exemplarische Belege für das Vergeltungsbedürfnis der Menschen

a) „Incapacitation and just deserts as motives for punishment“, Darley/Carlsmith/Robinson (2002)

aa) Studie 1

bb) Studie 2

b) „The roles of retribution and utility in determining punishment“, Carlsmith (2006)

c) „The fine line between interrogation and retribution“, Carlsmith/Sood (2008)

d) „The Paradoxical Consequences of Revenge“, Carlsmith/Gilbert/Wilson (2008)

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das menschliche Bedürfnis nach Vergeltung als Strafmotiv aus sozialpsychologischer Perspektive, um zu klären, ob Vergeltung einen legitimen Strafzweck im Strafrecht darstellt. Dabei steht die Analyse psychologischer Studien im Vordergrund, die aufzeigen sollen, inwieweit das Vergeltungsbedürfnis – oft unter dem Deckmantel präventiver Argumente – die tatsächliche Strafzumessung und das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen prägt.

  • Grundlagen der Straftheorien und deren Verhältnis zueinander
  • Tiefenpsychologische Ansätze des Vergeltungswunsches
  • Analyse empirischer Studien zu Motiven der Strafzumessung
  • Die Rolle der Schuldfrage und des Vergeltungsbedürfnisses bei der Beurteilung von Straftaten
  • Die Diskrepanz zwischen offizieller Begründung von Sanktionen und unterbewussten Vergeltungsbedürfnissen

Auszug aus dem Buch

3. Ausgewählte Studien von Kevin Carlsmith und Kollegen als exemplarische Belege für das Vergeltungsbedürfnis der Menschen

Innerhalb der ersten Studie erfolgt eine Abwägung der beiden Strafzwecke Vergeltung („just deserts“ = gerechte Strafe) und negative Spezialprävention („incapacitation“ = Unschädlichmachung) hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Strafzumessung. Ist für die Entstehung bzw. Stärke eines Strafwunsches eher der Aspekt der Vergeltung relevant, oder überwiegt das Verlangen den Täter wegzusperren und die Gesellschaft so vor etwaigen künftigen Straftaten dieses Täters zu schützen?

Dieser Frage wollten die Psychologen auf den Grund gehen. Unter Vorlage fünf unterschiedlicher kurzer Fallbeschreibungen (Vignetten), in denen fünf Stufen moralischer Verwerflichkeit durchlaufen wurden und bei denen jede Vignette zwei unterschiedliche Versionen bzgl. der Rückfallwahrscheinlichkeit des Täters beinhaltete, sollten die insgesamt 54 Teilnehmer für jedes Szenario eine angemessene Strafe festsetzen. Die Schwere der Straftat reichte dabei vom Diebstahl einer CD (geringe Schwere) bis hin zu einem politisch motivierten Attentat (extreme Schwere). Die Rückfallwahrscheinlichkeit wurde mithilfe der Vorgeschichte des Täters verändert. Einmal handelte es sich um einen Ersttäter ohne kriminelle Vergangenheit, in der zweiten Version handelte es sich um einen Wiederholungstäter, dem eine Reihe vergleichbarer Straftaten nachgewiesen werden konnte.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Vergeltungsbedürfnisses ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung des Vergeltungsmotivs im Kontext des Strafrechts.

B. „Strafe“ und „Vergeltung“: Dieses Kapitel liefert eine terminologische Abgrenzung, erläutert die klassischen Straftheorien (absolut, relativ, Vereinigungstheorien) und stellt den empirisch-soziologischen Ansatz vor.

I. Terminologie: Hier erfolgt eine etymologische und semantische Analyse der Begriffe „Strafe“ und „Vergeltung“, um deren Unterschiede und die häufige begriffliche Vermischung zu verdeutlichen.

II. Die Vergeltung als Strafzweck in Relation zu präventiven Ansätzen: Dieser Abschnitt ordnet die Vergeltung in das System der absoluten, relativen und vereinigungstheoretischen Strafzwecke ein und analysiert deren Verhältnis.

III. Psychologische Studien zum Vergeltungsbedürfnis der Menschen: Dieser Hauptteil analysiert verschiedene psychologische Ansätze und Studien, um die Beweggründe hinter menschlichen Strafwünschen empirisch zu untersuchen.

IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Vergeltung aus psychologischer Sicht ein zentrales, unterbewusst wirkendes und legitimes Strafmotiv darstellt.

Schlüsselwörter

Vergeltung, Strafe, Vergeltungsbedürfnis, Strafzumessung, Straftheorien, Psychologie, Spezialprävention, Generalprävention, Gerechtigkeit, Schuldprinzip, Sozialpsychologie, Kriminalstrafe, Vergeltungsgedanke, Rechtsordnung, Strafmotiv

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das menschliche Bedürfnis nach Vergeltung und dessen Rolle als Motiv bei der Festsetzung von Strafen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Straftheorien, tiefenpsychologische Ursachen des Vergeltungswunsches und die Analyse sozialpsychologischer Studien dazu.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist zu klären, ob Vergeltung als psychologisch verankertes Grundbedürfnis einen legitimen Strafzweck darstellt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche Analyse sowie die Auswertung empirischer sozialpsychologischer Studien von Kevin Carlsmith und Kollegen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert vier größere Studien, die das Vergeltungsmotiv im Verhältnis zu präventiven Strafzwecken untersuchen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Vergeltung, Strafzumessung, Straftheorien, Schuldprinzip und Sozialpsychologie charakterisiert.

Wie unterscheiden sich „Rache“ und „Vergeltung“ laut der Arbeit?

Die Arbeit zeigt etymologische und inhaltliche Unterschiede auf, wobei Vergeltung als Form eines angemessenen Ausgleichs neutraler betrachtet wird als die emotional negativ besetzte Rache.

Welche Erkenntnis lässt sich aus den Studien zur Strafzumessung ableiten?

Die Studien belegen, dass Menschen bei konkreten Entscheidungen über das Strafmaß intuitiv primär retributiven (vergeltenden) Kriterien folgen, selbst wenn sie offiziell präventive Zwecke angeben.

Hat der Vollzug der Vergeltung den gewünschten Effekt auf die Emotionen der Menschen?

Überraschenderweise zeigte sich, dass Vergeltung nicht zu einer Verbesserung der Gemütslage führt, sondern den emotionalen Zustand eher verschlechtert.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Psychologische Studien zum Vergeltungsbedürfnis der Menschen
Hochschule
Universität Regensburg  (Rechtswissenschaft)
Veranstaltung
Vergeltung als Strafzweck. Grund, Grenzen und Folgen einer retributiven Straftheorie
Note
10,00
Autor
Lena Frauenknecht (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V429635
ISBN (eBook)
9783668730168
ISBN (Buch)
9783668730175
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergeltung Strafzweck Psychologische Studien retributive Straftheorie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lena Frauenknecht (Autor:in), 2017, Psychologische Studien zum Vergeltungsbedürfnis der Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429635
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  25  Seiten
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