Die Wahrnehmung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Selbstbild von oberen Führungskräften und ihren nachgeordneten Mitarbeitern am Beispiel der rumänischen Industrieregion Bacău


Doktorarbeit / Dissertation, 2017
431 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Dankesworte

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abstract

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Entwicklung der Forschungsfragen
1.2.1 Leitendes Forschungsanliegen
1.2.2 Selektion des Untersuchungsgebietes: Kreis Bacau
1.2.3 Spezifizierte Forschungsfragen
1.3 Forschungsdesign und Vorgehensweise
1.4 Aufbau der Arbeit

2 Wissenschaftliche Diskussion und theoretische Voruberlegungen
2.1 Begriffsfassungen
2.1.1 Chancengleichheit
2.1.2 Soziale Ungleichheit
2.1.3 Wahrnehmung
2.1.4 Stereotyp, Selbstbild und Fremdbild
2.1.5 Deutungsmuster und Frames
2.2 Deutungsmuster sozialer Geschlechter-Ungleichheit in Unternehmen
2.2.1 Der individualistische Ansatz
2.2.2 Der differentielle Ansatz -potentiell veranderbare Unterschiede
2.2.3 Der strukturalistische Ansatz - potentiell unveranderbare Unterschiede
2.2.4 Gemischter differentieller und strukturalistischer Ansatz am Beispiel Militar
2.2.5 Geschlechterkultur als Ausdruck der Korrelation der Ansatze auf unterschiedlichen Organisationsebenen
2.3 Wahrnehmung und Fuhrung
2.3.1 Wahrnehmung von Chancengleichheit und -ungleichheit in Untemehmen
2.3.2 Selbstbilder und Fremdbilder von Fuhrungskraften
2.3.3 Fuhrungsstereotype als Barrieren
2.4 Diskutierte Erklarungsmodelle zur Geschlechterungleichheit in Untemehmen
2.4.1 Theorie der symbolischen Gewalt
2.4.2 Macht in Organisationen
2.4.3 Das Portfolio der Mikropolitik
2.4.4 Diversity Management
2.4.5 Duale Strukturationstheorie in Form des zweiseitigen Gestaltens
2.4.6 Prozessorientierte Organisationstheorie nach Weick
2.4.7 Systemtheorie nach Niklas Luhmann
2.4.8 Evolutionsbiologischer Diskursansatz
2.4.9 Neoinstitutionalismus
2.5 Entwickelte Matrix-Design-Tabelle als Basis zur Forschungssynopse

3 Grundlagen der Chancengleichheit in Rumanien
3.1 Rahmenindikatoren fur die rumanische Wirtschaft
3.2 Politisch-historisch Relevantes als Grundlage fur die Ereignisse im 20 Jahrhundert - eine Kurzfassung
3.3 Rechtliche Basis der Chancengleichheit
3.3.1 Schritte im Rahmen der Harmonisierung
3.3.2 Schritte nach dem EU-Beitritt
3.3.3 Zusammenfassender Uberblick der Rechtsnormen
3.4 Geschlechterpolitische Ermachtigungen aus Realitatssicht des Jahres 2016 ...
3.4.1 Staatliche Behorden und Organisationen
3.4.2 Rechtsprechung rumanischer Gerichte und Gleichbehandlungsstellen: Zwei Fallbeispiele
3.5 Geschlechterspezifische Vergangenheit, Gegenwart und Ziele
3.5.1 Situation der rumanischen Frauen vor der Wende 1989
3.5.2 Die gegenwartige Situation
3.5.3 Top-Down-Ziele
3.5.4 Bottom-Up-Ziele

4 Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Rumanien
4.1 Demographie
4.1.1 Gesundheit
4.1.2 Lebenserwartung
4.1.3 Ausgewahlte wichtige Todesursachen
4.1.4 Zusammenfassung
4.2 Formale Bildung
4.2.1 Schulbesuch und Absolventen
4.2.2 Bildungsprofile
4.2.3 Lehrkrafte
4.2.4 Zusammenfassung
4.3 Der Arbeitsmarkt: Rumanien und Region Bacau
4.3.1 Das Arbeitskraftepotential und seine Umsetzung
4.3.2 Arbeitsbedingungen
4.3.3 Einkommen
4.3.4 Betriebliche Weiterbildung
4.3.5 Zusammenfassung der Gegebenheiten im Arbeitsmarkt
4.4 Resumee zur Ungleichheit der Geschlechter

5 Forschungsdesign und Methodik
5.1 Forschungsansatz und Phasen
5.2 Verwendete Methoden der Datengewinnung
5.2.1 Leitfadengestutztes Interview: Ansatz und Durchfuhrung
5.2.2 Die Fallauswahl der Fuhrungskrafte
5.2.3 Inhaltliche Zuverlassigkeit der Fuhrungskrafte-Aussagen
5.2.4 Schriftlicher Fragebogen: Ansatz und Durchfuhrung
5.2.5 Das Sample der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
5.3 Verwendete Methoden der Datenauswertung
5.3.1 Operative Umsetzung: Personliche Interviews der Fuhrungskrafte
5.3.2 Operative Umsetzung: Schriftliche Befragung der Mitarbeiterinnen

6 Kontextanalysen zu den Fuhrungskrafteinterviews
6.1 Daten zur Soziographie und Biographie der Fallauswahl
6.1.1 Geschlechter-Situation auf Fuhrungsebene
6.1.2 Position und Verantwortungsbereiche
6.1.3 Individuelle Entwicklung und Karriere
6.1.4 Einfluss auf Manner- und Frauen-Karrieren
6.1.5 Projekte der Frauenforderung
6.2 Zusammenfassung der Analysen zum Kontext

7 Analysen der Fuhrungskrafteantworten zu den spezifizierten Forschungsfragen
7.1 Geschlecht und Karriere (Forschungsfrage FF 1)
7.2 Geschlecht und Hindernisse (Forschungsfrage FF 2)
7.2.1 Hindernisse
7.2.2 Unterschiede im Einkommen
7.3 Unterstutzende Faktoren (FF 3)
7.4 Unterschiede vor/nach 1989 (FF 4)
7.5 Entwicklungen in Unternehmen und vermutete Zukunft von Chancengleichheit der Geschlechter auf Fuhrungseben (FF 5)
7.5.1 Analysen auf Basis vorgegebener Antworten
7.5.2 Quer-Analysen auf Basis spontan hervorgebrachter Antworten
7.6 Zusammenfassung der Ergebnis-Analysen zu den Forschungsfragen

8 Analysen der Antworten aus der Mitarbeiter-Befragung
8.1 Basisdaten und Charakteristika der Stichprobe
8.2 Geschlecht und Karriere (Forschungsfrage FF1)
8.3 Geschlecht und Hindernisse (FF2)
8.4 Unterstutzende Faktoren (FF3)
8.5 Grundungszeitpunkt, Gleichbehandlungsgesetz und zukunftige Entwicklungen (FF4 und FF5)
8.6 Zusammenfassung der Ergebnis-Analysen aufgrund der Mitarbeiter-Befragung
8.7 Diskussion
8.7.1 Limitationen
8.7.2 Zur Erklarungskraft verwendeter Theorien

9 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis
Anhang A: Fragebogen der qualitativen Erhebung bei Fuhrungskraften
Anhang B: Fragebogen der erganzende Erhebung nachgeordneter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Anhang C: Statistische Ubersichten
a) Fuhrungskrafte / Kontext-Analyse: Charakteristika der Fuhrungskrafte- Fallauswahl
b) Fuhrungskrafte / Kontext-Analyse: Situation im Unternehmen
c) Mitarbeiterbefragung: Grunde fur bessere Chancen im gegenwartigen Unternehmen
d) Mitarbeiterbefragung: Familienfreundlichkeit des Unternehmens
e) Mitarbeiterbefragung: Geschlechter-Situation in dieser Firma; Antworten nach Geschlecht der Befragten
Anhang D: Tabelle der qualitativen Inhaltsanalyse gemafi inhaltlicher Strukturierung / Fuhrungskrafte
a) Schlusselkategorien
b) Auswahl der Datenbasis
c) Codier-Buch
d) Codierungstabelle
Anhang E: Tabellarische Antworten der Fuhrungskrafte, nach Forschungsfragen geordnet

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wahrgenomene Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im EU - Landervergleich (Quelle: Eurobarometer Q 1.2, 2008)

Abbildung 2: Kreis Bacau (Quelle: INS, http://www.Bacau.insse.ro/phpfiles/Bacau2.jpg, abegerufen: 21. 11. 2015)

Abbildung 3: Frauen (prozentueller Anteil) in den hochsten Entscheidungsgremen borsennotierter Unternehmen der EU, 2015;

Abbildung 4: Chancengleichheit als interdependentes und dynamisch ausgleichendes Schema (Creative_Commons 2015)

Abbildung 5: Hauptschauplatz der Revolution von 1989 in Bukarest: Das Zentralkomitee-Gebaude und seine Umgebung; Platze wesentlicher Einzelereignisse sind rot markiert: 1: Balkon des ZK-Gebaudes, von dem aus Ceau§escu seine letzte Rede hielt. 2: Dach des ZK-Gebaudes, Landeplatz des Helikopters, mit dem Ceau§escu am 22. Dezember floh. 3: Platz vor dem ZK- Gebaude, wo am 21. Dezember wahrend der Rede Ceau§escus die vom Regime organisierte Versammlung in einen Aufstand umschlug. 4: Palast der sozialistischen Republik Rumanien. 5: Gebaude der funften Abteilung des Staatssicherheitsdienstes Securitate. 6: Gebaude der Universitatsbibliothek. 7: Hotel Intercontinental. 8: Gebaude der Universitat. 9: Universitat fur Architektur. 10: Memorialul Rena§terii - Denkmal fur die Opfer der 1989-Revolution. (Quelle: Ursprung, 2011)

Abbildung 6: Vier-Ebenen-Diversity-Modell nach Gardenswartz und Rowe (Quelle: 1998, S. 15)

Abbildung 7 Die demografische Situation in Rumanien: 2003-2015 Quelle: INSSE, 2016’

Abbildung 8: Die demografische Situation in Rumanien 1990-2006 (INS 2007e)

Abbildung 9 :Alters- und Geschlechtspyramide 1. Juli 1990 gegenuber 1. Juli 2007 (TEMPO 2014)

Abbildung 10: Durchschnittliche Lebenserwartung rumanischer Frauen und Mannern (INSSE, 2016)

Abbildung 11: Herz- und Kreislauferkrankungen in Rumanien nach Geschlecht, 1990­2014, Quelle: INSSE, 2016

Abbildung 12: Tumorerkrankungen in Rumanien nach Geschlecht, 1990-2014, Quelle: INSSE, 2016

Abbildung 13: Atemwegserkrankungen in Rumanien nach Geschlecht, 1990-2014, Quelle: INSSE, 2016

Abbildung 14: Schulbesuchsrate (Vorschule bis Tertiarbereich) der relevanten Altersgruppen nach Geschlecht, 1990 bis 2013 (INSSE, 2016)

Abbildung 15: Graduierte aller Schultypen nach Geschlecht in Rumanien, 1990-2013, INS 2016

Abbildung 16: Bildung: Frauenanteil den Studierenden im Tertiarbereich, Quelle: Eurostat, 2016

Abbildung 17: Lehrkrafte nach Geschlecht in Rumanien, alle Schultypen (inkl Tertiarbereich) , INSSE, 2016

Abbildung 18: Lehrkrafte nach Geschlecht in Industrieregion Bacau, alle Schultypen (inkl. Tertiarbereich) , INSSE, 2016

Abbildung 19: Verfugbare Arbeitskrafte (Arbeitskraftepotential) nach Geschlecht, Rumanien, 1990-2013, (INS, 2016)

Abbildung 20: Verfugbare Arbeitskrafte (Arbeitskraftepotential) nach Geschlecht in Industrieregion Bacau, 1990-2013 (INS, 2016)

Abbildung 21: Beschaftigungsrate (Verhaltnis Beschaftigung zu Arbeitskraftepotential) nach Geschlecht, Rumanien, 1990-2013 (INS 2016)

Abbildung 22: Beschaftigungsrate (Verhaltnis Beschaftigung zum Arbeitskraftepotential) nach Geschlecht, Bacau, 1990-2014 (INS, 2016)

Abbildung 23: Arbeitslosenrate nach Geschlecht, Rumanien, 1991-2014 (INS, 2016)

Abbildung 24: Arbeitslosenrate nach Geschlecht, Bacau, 1991-2014 (INS, 2016)

Abbildung 25: Betriebliche Konflikte in der Industrie, 1993-2008 (INS, 2016)

Abbildung 26: Durchschnittlicher rumanischer Monatsgehalt in Industrie total und Bacau nach Geschlecht, 2008-2014 (INS, 2016)

Abbildung 27: Armuts- und Ausgrenzungsanteil in Stadten oder landlichen Gebieten, ein EU-Vergleich, (Eurostat, PM 104/2016)

Abbildung 28: Durchschnittlicher Monatsgehalt von Vollzeitbeschaftigten in Industrie fur ausgewahlte Beschaftigungsgruppen nach Geschlecht (2009, INS 2016); die rechte Spalte der Tabelle zeigt die, seit 1. Juli 2005 aktuelle rumanische Wahrung RON an. Umrechnungskurs per 28. 01. 2017: 1 Euro = 4,5 RON

Abbildung 29: Teilnehmer an Ausbildung nach Unternehmens-Eigentumer und Geschlecht, 1999 und 2005 (INS, 2016)

Abbildung 30: Ablaufmodell einer inhaltlichen Strukturierung im Rahmen einer qualitativen Inhaltsanalyse; angelehnt an Mayring (2010, S. 93 und S. 99) ...

Abbildung 31: Aufgliederung nach Geschlecht: Lebensalter (Fr.8), Zeit in Fuhrungsposition (Fr.4); Arbeitswoche in Stunden (Fr.7); 2009, n=32

Abbildung 32: Wie zur Firma gekommen und Erfullend in Fuhrungsposition; 2009, n=32

Abbildung 33: Deskriptive Antworten zu den Fragen zur Geschlechtersituation auf der Fuhrungsebene in der gegenwartigen Firma (20, 23, 28, 29 und 32); 2009, n=32

Abbildung 34: Grunde fur die Situation der Geschlechter auf rumanischer Fuhrungsebene im Allgemeinen; Ergebnisse der qualitativen Inhaltsanalyse der Antworten zur Frage 30; 2009, n=32

Abbildung 35: Behinderung in Karriere und spezifische Hindernisse; 2009, n=

Abbildung 36: Unterstutzende Faktoren des personlichen Werdegangs; Mehrfachnennungen, 2009, n=32

Abbildung 37: Grunde, inNach-1989-Unternehmen als Frau leichter Karriere zu machen (Fr.39); 2009, n=23

Abbildung 38: Entwicklungen in der eigenen Firma und vermutete allgemeine Zukunft der Geschlechtergleichheit auf Fuhrungsebene; Fragen 23, 24, 40 und 41; 2009, n=32

Abbildung 39: Bisheriger Trend in Firma und vermutliche zukunftige Entwicklungen allgemein hinsichtlich weiblicher Fuhrungskrafte; inklusive Theoriezuordnungen; F.40, F.41, 2009, n=32

Abbildung 40: Besetzungs- und Karrier-Chancen nach Geschlecht im gegenwartigen Unternehmen, 2014, n=108 bis 110

Abbildung 41: Grunde fur bessere Chancen bei der Besetzung von Fuhrungspositionen im gegenwartigen Unternehmen, 2014,n=110

Abbildung 42: Unterstutzende Faktoren des Mitarbeiter-Berufsweges (F.13), 2014, n = 109, 110

Abbildung 43: Zukunftige Entwicklungen / Nachholbedarf in spezifischen Bereichen; 2014, n=37 bis 72

Abbildung 44: Zuordnungen zu allgemeinen oder gender-sezifischen Erklarungsmodellen aufgrund von wesentlichen Leitbegriffen, Fr. 30, 40 und 41; 2009, n=32

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Geschlechterungleichheit nach dimensionalen Schwerpunkten (eigene Darstellung) in vorab (!) vermuteter Relevanz zur entwickelnden Forschungssynopse (0 = keine, 1 = geringe, 2 = mittlere, 3 = hohe Relevanz)

Tab. 2: Eurostat-Daten 2014 fur Rumanien im europaischen Vergleich, Quelle: https://www.destatis.de/Europa/DE/Staat/EUStaaten/Rumaenien.html (12. 05 2016)

Tab. 3: Ubersicht der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Forderung der Geschlechter-Chancengleichheit

Tab. 4: Schuler nach Profil und Geschlecht, eingeschrieben in den Schuljahren 1999/2000, 2002/2003, 2005/2006 und 2006/2007 (INS 2007c)

Tab. 5: Anzahl der Studenten an den Hochschulen nach Profil und Geschlecht in den akademischen Jahren 2002/2003 und 2005/2006 (INS 2007c)

Tab. 6: Prozentueller Unterschied zwischen Frauen- und Mannergehalter in 2009, Eigene Darstellung, Quelle: INSSE 2016

Tab. 7: Sampling der Fuhrungskrafte fur die qualitative Erhebung, n=32

Tab. 8: Unternehmen der befragten ManagerInnen, Stand 2009

Tab. 9: Kontingenztabelle mit Ergebnissen von Fr. 21 und Fr. 38 inklusive Ergebnistabelle fur Effektstarke Cramers V; 2009, n=32

Tab. 10: Vorab-Verteilung der Fragebogen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fur die erganzende schriftliche Erhebung; ausgefullte erhaltene Fragebogen in Klammer; verteilte n=142, erhaltenes n=110

Tab. 11: Selektierter Corpus: Bezug zwischen Leitendes Forschungsanliegen, spezifizierten Forschungsfragen und Fragen des Interviewleitfadens fur Fuhrungskrafte (ausgenommen soziodemographische Fragen)

Tab. 12: Bezug zwischen Forschungsfragen, Fragen des Interviewleitfadens fur Fuhrungskrafte und Fragen an die Mitarbeiter (Aussagenvergleiche der hauptsachlichen Fragen-Zuordnungen)

Tab. 13:. Zahl der Personen auf Fuhrungsebene der Fallauswahl: insgesamt, Frauen und nach Grundungszeitpunkt; 2009, n= 32

Tab. 14: Kontingenztabelle Direktion nach Kategorien und Geschlecht sowie Tabelle der Qui-Quadrattests und Tabelle der Effekt-Grofien; 2009, n=32

Tab. 15: Kontingenztabelle Direktion bikategoriell und Geschlecht sowie Tabelle der Qui-Quadrattests (inklusive Fisher’s Exact Test) und Tabelle der Effekt-Grofien; 2009, n=32

Tab. 16: Kontingenztabelle Zugeordnete Mitarbeiter und Geschlecht sowie Tabelle der Qui-Quadrattests (inklusive Fisher’s Exact Test) und Tabelle der Effekt-Grofien; 2009, n=32

Tab. 17: Kontingenztabelle Arbeitsstundenje Woche bikategoriell und Geschlecht sowie Tabelle der Qui-Quadrattests (inklusive Fisher’s Exact Test) und Tabelle der Effekt-Grofien; 2009, n=

Tab. 18: Frage 9 und 10 kombiniert als Kontingenztabelle mit Variablen Geschlecht, 2009, n= 32

Tab. 19: Kontingenztabelle gepoolte Variable ,Wie zur Firma gekommen’ mit Variable Geschlecht, 2009, n= 32

Tab. 20: Frage 31- professionelle Frauenforderung; 2009, n=32

Tab. 21: Kontingenztabelle Projekte der Frauenforderung (Fr. 31) mit Positive personalpolitische Entwicklungen hinsichtlich des weiblichen Geschlechtes (Fr 40); 2009, n=30

Tab. 22: Behinderung in Karriere bezogen auf Geschlecht als Vier-Feldertafel; 2009, n=32

Tab. 23: Gehaltsunterschiede zwischen Manner und Frauen im Unternehmen (Fr.22); 2009, n=32

Tab. 24: Kontingenztabelle Firmenprojekte zur Frauenforderung * Alterskategorien; 2009, n=32

Tab. 25: Kontingeztabelle Wird die Anzahl der Frauen in Fuhrungspositionen ansteigen’ * Alterskategorie; Chi-Quadrattest, Effektgrofie Cramer’s V; 2009, n=31

Tab. 26: Kreuztabellierung ’Karriere leicht, wenn anderes Geschlecht’ * Geschlecht; n=109, 2014

Tab. 27: Kreuztabellierung ’ Geschlecht spielte eine/keine Rolle bei der Karriere’ * Geschlecht; n=109, 2014

Tab. 28: Drei Tabellen zur Geschlechtsaufgliederung der Fragen nach Chancengleichheit 23a und 24, 2014, n=110

Tab. 29: Varianzanalyse eines moglichen Einflusses des Geschlechts und Alterskategorien auf Bemessung des Einkommens aufgrund von Geschlecht (F.25), 2014, n=107

Tab. 30: Vier Teiltabellen zur Altersaufgliederung der unterstutzenden Faktoren, 2014, n=110

Dankesworte

Eine wissenschaftliche Arbeit benotigt die wertvolle Unterstutzung zahlreicher Wegbegleiter. Mein Dank gilt daher an dieser Stelle besonders jenen Personen, die mir mit fortwahrender Geduld und kostbarem Rat in diesen intensiven Jahren der Forschung zur Seite standen.

Mein grofier Dank gilt Herrn o. Univ.-Prof. Dr. Johann Bacher, der mich in den wichtigen letzten Phasen meiner Dissertation forderte und unterstutzte. Dies gilt insbesondere fur seine wertvollen methodischen Hinweise zur Analyse, Aufbereitung und Darstellung der empirischen Daten. Herr Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanns Peter Euler befurwortete und begleitete mein Dissertationsprojekt in den ersten Phasen. Die Gesprache mit meinem Zweitbetreuer Herrn Univ.-Prof. Dr. Josef Weidenholzer waren fur mich immer sehr angenehm und zielfuhrend - beiden Herren spreche ich hierfur einen herzlichen Dank aus.

Ebenso bedanke ich mich bei Herrn DDDr. Reinhard Neumeier fur die Unterstutzung bei der Anwendung statistischer Methoden zur Analyse dieser Daten. Dank gebuhrt Frau Dr. Petra Moissi fur das Endlektorat der gesamten Arbeit. Doch all dies hatte nicht durchgefuhrt werden konnen, hatten mir nicht mehr als dreifiig rumanische Top- Managerlnnen ausfuhrliche Interviews gegeben - Interviews, die zwischen 60 und 90 Minuten dauerten. Uberdies bedanke ich mich sehr bei den uber einhundert Mitarbeitern von Industriebetrieben in Bacau, die geduldig und ausfuhrlich den nicht gerade kurzen Fragebogen ausfullten

Diese Arbeit widme ich meinem Mann, Walter Lang, der mir speziell in herausfordernden Phasen mit unermudlicher Toleranz, liebevoller Unterstutzung und motivierenden Worten immer zur Seite stand.

Linz, Mai 2017 Mag.a Beatrice Lang

Abstract

Die Wahmehmung einer Geschlechtsdiskriminierung ist in Rumanien kaum gegeben, obwohl Untersuchungen durchaus eine Ungleichbehandlung von Frauen aufzeigen. Zur Erhellung dieses Widerspruchs wurden Fuhrungskrafte und nachgeordnete Mitarbeiterlnnen der industrialisierten Region Bacau im Rahmen eines qualitativ- quanitativen Forschungsdesigns befragt.

Die analysierten Fuhrungskrafte-Antworten auf Basis von personlichen Interviews zeigen, dass zwischen mangelnder Gleichberechtigung in Rumaniens Wirschaft allgemein und der Wahrnehmung einer positiven, nahezu geschlechtergleichberechtigten Situation im gegenwartigen Unternehmen unterschieden wird. Eine weitere Vertiefung im Rahmen einer anonym gehaltenen, schriftlichen Mitarbeiterbefragung bestatigt teilweise das positive Selbstbild der Top-Fuhrungskrafte in Bezug auf das Unternehmen, fur welches sie tatig sind.

Wie sozialwissenschaftlichen Arbeiten aus methodischer Sicht regelmafiig zeigen, sind Ergebnisse von den angewendeten Forschungsmethoden in voller Scharfte kaum zu trennen. In der vorliegenden Arbeit war dies an zentraler Stelle haufig zu sehen: Wird Chancengleichheit der Geschlechter als ein inhaltliches Wahrnehmungsfeld konkret angesprochen, wird Chancenungleichheit zumindest fur das eigene Unternehmen verneint. Werden dagegen inhaltlich andere Wahrnehmungsfelder angesprochen, wird eine Geschlechter-Chancenungleichheit erkannt, jedoch unmittelbar folgend mittels rationaler Argumentationsmuster begrundet und damit unsichtbar gemacht.

Vorwort

Die Autorin dieser Arbeit kommt aus Rumanien und absolvierte dort in den noch kommunistisch gepragten 1990er Jahren eine funfjahrige Ausbildung zur HTL- Maschinenbauerin. Die Geschlechterzusammensetzung in den Klassen der besuchten technischen Schule war ausgewogen, das heifit, ungefahr die Halfte der Schuler war mannlich und die andere Halfte weiblich. Hier in Osterreich sind die Geschlechteranteile in technischen Schulen erheblich zugunsten der mannlichen Schuler verschoben. Hierzu kommt, dass die Autorin nun zwolf Jahre als Frau eine Fuhrungsposition in einer mannerdominierten Branche - der Mobelbranche - innehat.

Daraus folgten einige Fragen: 1st dies ein uberwiegend subjektiver Eindruck aufgrund der spezifischen Lebensgeschichte? Hat dies mit gesellschaftlichen Ursachen und politischen Gegebenheiten zu tun, die in Rumanien jahrzehntelang ganzlich anders waren? Waren die Eindrucke der Autorin einer tendenziell eher realisierten Gleichberechtigung in ihrem Herkunftsland nur oberflachlicher Art? Hatten sich die individuellen und sozialen Voraussetzungen - wie sie sich in der jeweiligen Sozialisation eines jeden Einzelnen manifestieren - fur eine echte Gleichstellung geandert? Wie sieht es daher eine Generation spater aus?

Aus diesen Erfahrungen und dieser ofter aufgeworfenen personlichen Fragestellungen entstand das Doktoratsprojekt einer Untersuchung der Situation von Frauen in Fuhrungspositionen rumanischer Produktionsbetriebe. Insbesondere sollte hierbei ein Fokus auf Gegebenheiten und Entwicklungen vor 1989 und nach 1989 gerichtet werden. Eingeengt wurde das Thema auf Untersuchung einer industrialisierten Region in Rumanien, namlich Bacau.

1 Einleitung

Dass Frauen im Europa des 21. Jahrhunderts Mannern in alien Belangen gleichgestellt sind, gilt als Binsenweisheit. Doch stimmt das auch? Gilt die vielerorts wahrgenommene Verbesserung der Stellung der Frauen fur alle europaischen Gesellschaften, gilt sie fur alle Lebensbereiche oder nur fur wichtige Lebensbereiche oder gar fur wichtige Lebensbereiche nicht? Hat sie sich eventuell in einigen Bereichen verschlechtert?

Ublicherweise ist es innerhalb eines Systems nicht leicht, hinter dessen Kulissen zu blicken, da die Sicht des Forschers auf Werten und Annahmen eben dieses Systems beruht. Dies gilt auch fur ein Gebilde wie den westeuropaischen Kapitalismus. Eine Chance, Verzerrungen gesellschaftlicher Systeme besser zu erkennen, bilden Zasuren, jahe Veranderungen oder Revolutionen. 1989, das Jahr der grofien Umwalzungen im mittel- und osteuropaischem Raum, bot so eine wissenschaftsmethodisch einzigartige Gelegenheit, die These zu uberprufen, wonach die Gleichstellung der Frau zu erheblichen Teilen schon erreicht wurden sei und demnachst endgultig zum Status der Manner aufschliefien wurde.

Die vorliegende Dissertation blickt auf die Entwicklung und die aktuelle Situation eines EU-Landes. Die Frage nach der Gleichheit oder Ungleichheit der Geschlechter in einem osteuropaischen Land ist eher selten im Blickfeld westeuropaischen sozialwissenschaftlichen Forschung. Daher hofft die Verfasserin, einen Beitrag zum Erkenntnisstand einer gesamteuropaischen Sozialforschung zu liefern.

Die Ausgangssituation dieser Dissertation stellt einerseits die jahrelange und intensive Beschaftigung der Verfasserin mit geschlechtsspezifischen Fragestellungen dar, andererseits ein Interesse fur den Bereich der Personalentwicklung und hier im Besonderen fur die betriebliche Weiterbildung. Wenn davon ausgegangen wird, dass das Fundament eines erfolgreichen Unternehmens qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden (Fuchs 1995; Vanhala & Tuomi 2006), dann ist eine standige Weiterentwicklung und lebenslanges Lernen, sowohl seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch seitens des Untemehmens (Sun & Pan 2011; McClean & Collins 2011; Ji et al. 2012) gefordert. Erst dadurch bleibt das erwahnte Fundament durch langfristige Stabilitat gekennzeichnet. Doch werden jene, die sich zum Beispiel weiterbilden und neue Kenntnisse erwerben, auch belohnt oder gibt es spezifische Diskriminierungen, insbesondere aufgrund des Geschlechts?

Um Antworten auf diese und ahnliche Fragen direkt von Entscheidungstragern und - tragerinnen, den Managerinnen und Managern zu erhalten, wurde als leitendes Forschungsanliegen formuliert: Wie wird die Herstellung von Geschlechter- Chancengleichheit von oberen Fuhrungskraften in Industriebetrieben wahrgenommen? Und wird diese von ihnen begrundet?

1.1 Problemstellung

Artikel 141 (ehemaliger Artikel 119) des Amsterdamer Vertrags der Europaischen Gemeinschaft bietet eine Rechtsgrundlage, Chancengleichheit zwischen Mannern und Frauen zu verwirklichen[1]. Dieser Artikel trat 1999 in Kraft. Mit seiner Ratifizierung sind nun alle EU-Lander verpflichtet, diese Forderung zu verwirklichen.

2007 wurde das Europaische Jahr der Chancengleichheit fur alle ausgerufen, 2008 erschien der Eurobarometer, ein Bericht im Auftrag der Europaischen Kommission. Hierbei wurden rund 27.000 Personen in 27 Landern der EU uber Wahrnehmungen, Erfahrungen und Haltungen zu bestimmten Bevolkerungsgruppen befragt (vgl. Eurobarometer Spezial 296, 2008). Eines der interessanten und erfreulichen Ergebnisse war, dass die Wahrnehmung einer Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes innerhalb der EU zuruckgegangen war.

Doch Rumanien liegt mit 25 Prozent noch deutlich unter dem EU-Schnitt von 36 Prozent (fur die beiden Skalenwerte von sehr verbreitet und ziemlich verbreitet), siehe Abbildung In Rumanien nahm die Wahrnehmung von Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts innerhalb von 2 Jahren sogar um sechs Prozentpunkte ab: von 31 Prozent fur die Addition der Prozentpunkte von sehr verbreitet und ziemlich verbreitet auf 25 Prozent (vgl. Eurobarometer Spezial 296, 2008, S. 77). Insgesamt gesehen, liegt daher die Wahrnehmung von Diskriminierung auf Basis des Geschlechts in Rumanien auf Werten unterhalb des EU-Durchschnitts. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts wird daher in Rumanien nur wenig wahrgenommen. Daraus folgt: Gibt es weniger Diskriminierung in Rumanien oder werden tendenziell die Augen davon abgewendet?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Frage: QA1.2. Bitte sagen Sie mir fiir Jede der folgenden Arten von Diskriminierung, ob

Abbildung 1: Wahrgenomene Diskriminierung aufgrund des Geschlechts im EU- Landervergleich (Quelle: Eurobarometer Q 1.2, 2008); Antworten zu sehr verbreitet + ziemlich verbreitet aufgrund der Frage „Bitte sagen Sie mir furjede der folgenden Arten von Diskrimination, ob sie in Ihrer Meinung nach sehr verbreitet, ziemlich verbreitet, ziemlich selten oder sehr selten ist. Wie ist das mit der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht.”

Die Ergebnisse zu einer konkreten Frage, wie komfortabel/angenehm sich die Antwortenden fuhlen, wenn eine Frau in die obersten politischen Amter gewahlt werden wurde, legen eine erste Spur. Wahrend der EU-Wert bei 78 Prozent kein schlechtes Gefuhl berichtet, weist der rumanische Wert nur 58 Prozent auf (vgl. Tabelle QA8.1 im Anhang des Eurobarometers Spezial 296, 2008). Dies ist der zweitschlechteste Wert von 27 erhobenen EU-Landern. Rumanen fuhlen sich also nicht komfortabel, wenn Frauen in oberste Amter gewahlt werden.

Hier wird eine Diskrepanz sichtbar: Einerseits sagen die befragten Rumanen, dass sie weniger Geschlechtsdiskriminierung wahrnehmen als Bewohner der meisten anderen Lander, andererseits fuhlen sie sich im Falle einer Konfrontation mit einer Situation, in welcher eine Frau eine sehr hohe (politische) Stellung einnimmt, deutlich unwohler als die Befragten der anderen EU-Lander. Offnet sich hier eine Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Wenn ja, wie kann dieses mogliche Auseinanderklaffen zwischen Wahrnehmungen einer eher geringen Diskriminierung von Frauen und dem auftretenden, unangenehmen Gefuhl, wenn Frauen hochste Positionen innehaben, interpretiert werden? Konnte es sein, dass rumanische Burger hierfiir noch weniger sensibilisiert sind als Burger anderer Lander?

Gliedert man die Ergebnisse nach beruflichen Zuordnungen auf, so deuten die Durchschnittsantworten fur eine Wahrgenommene Diskriminierung von Managern in der EU (35 Prozent fur sehr verbreitet und ziemlich verbreitet) gegenuber den Antworten aus Rumanien (25 Prozent) auf eine Diskrepanz auch in der rumanischen Wirtschaft. Dieses Problemfeld fuhrt zu den im nachsten Abschnitt formulierten spezifizierten Forschungsfragen.

1.2 Entwicklung der Forschungsfragen

Aus der skizzierten Problemstellung wurde ein leitendes Forschungsanliegen formuliert, das durch funf spezifizierte Forschungsfragen prazisiert wurde. Der Fokus wurde auf Bacau gelegt, eine rumanische Region, welche traditionell eine hohe Industrialisierung aufweist. Dies gilt sowohl fur die Situation vor der Wende 1989 als auch danach.

1.2.1 Leitendes Forschungsanliegen

Sowohl allgemeine Erfahrungen als auch Eindrucke, die durch die erwahnten statistischen Belege des Eurobarometers bekraftigt werden, fuhren zu der Vermutung, dass Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in einem erheblichen MaB auch in Rumanien bestehen. Die vermuteten Unterschiede zwischen Wirklichkeit und Wahrnehmung bilden die Grundlage, auf der das leitende Forschungsanliegen formuliert wird. Anhand einer Stichprobe aus Betrieben der rumanischen Industrieregion Bacau wird moglichen Widerspruchen in den Angaben von Fuhrungskraften in der oberen Management-Ebene nachgegangen. Fuhrungskrafte stehen deshalb im Fokus, weil definitionsgemaB davon auszugehen ist, dass ihre Sichtweisen und Entscheidungen fur die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen derjeweiligen Unternehmen von groBter Bedeutung sind.

Leitendes Forschungsanliegen (LFA): „Wie wird die Herstellung der Chancengleichheit von Frauen und Manner aus der Sicht von oberen Fuhrungskrafte in Industriebetrieben wahrgenommen und von ihnen begrundet?“

Die daraus abgeleiteten Subfragestellungen werden im Kapitel 1.2.3 Spezifizierte Forschungsfragen auf Seite 7 dargestellt. Vorher werden Grunde genannt, die zur realisierten Selektion des Untersuchungsgebietes gefuhrt hatten.

1.2.2 Selektion des Untersuchungsgebietes: Kreis Bacau

Bacau ist ein rumanischer Kreis (Bezirk) in der Region Nordost, an der ostlichen Grenze der Europaischen Union. Diese Region zahlt zu den armsten Regionen des Landes mit einem hohen landwirtschaftlichen Anteil, verfugt aber uber einige Zentren, die industrialisiert sind und sich deutlich besser entwickeln als das Umfeld:

In diesem Zeitraum [zwischen 1994 und 2005] fand eine VergroBerung der Differenz zwischen den besser entwickelten Kreisen der Region, Iasi und Bacau, und den anderen Kreisen statt. Diese ungleichmaBige Entwicklung ist [...] auch auf die groBere Attraktivitat des Kreises Bacau (bessere Verkehrslage, mannigfaltigere Ressourcen und einige traditionsreiche Industriezweige) [zuruckzufuhren]. (Lanosu.a. 2009, S. 107)

Die Kreishauptstadte verfugen uber Grofibetriebe verschiedener Branchen (vgl. Lanos u.a. 2009, S. 108). Konzentriert gibt es lokale Zentren, die von einer extensiven Industrialisierungspolitik wahrend der kommunistischen Ara profitierten (vgl. Lanos u.a. 2009, S. 119, siehe auch die geographischen Bedingungen) die bestimmte Transportrouten und eine damit einhergehende Konzentration industrieller Aktivitaten erleichtern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Kreis Bacau (Quelle: INS, http://www.Bacau.insse.ro/phpfiles/Bacau2.jpg, abegerufen: 21. 11. 2015)

Einen weiteren Indikator fur Bacau als geeignetes Untersuchungsgebiet zeigt die Arbeitsplatzstatistik: 70,7 Prozent der erwerbsfahigen Manner (15 bis 64 Jahre) in der Region Nordost haben einen Arbeitsplatz gegenuber 61,0 Prozent der Frauen; Frauen ab 55 Jahre sind mit 49,6 Prozent gegenuber 61,4 Prozent der erwerbstatigen Manner uberproportional nicht mehr ins Erwerbsleben integriert[2]. Moglicherweise ist dies ein Hinweis auf doppelte Diskriminierung: sowohl nach Alter als auch nach Geschlecht. Die angefuhrten Gegebenheiten im Kreis Bacau sind daher geeignet, um die zu untersuchenden moglichen Diskrepanzen in der Wahrnehmung, der Argumentation und der Herstellung tatsachlicher Verhaltnisse hervortreten zu lassen.

1.2.3 Spezifizierte Forschungsfragen

FF1 - Karriere: Welche Wahrnehmungs- und Argumentationsmuster gibt es hinsichtlich des Einflusses des Geschlechts auf den beruflichen Karriereweg von Fuhrungskraften und Mitarbeitern?

FF2 - Schwierigkeiten und Einkommensunterschiede: Welche geschlechtsspezifische (oder andere) Hindernisse und Einkommensunterschiede werden bei annahernd gleichen Qualifikationen und Leistungen gesehen?

FF3 - Faktoren: Welche Faktoren beeinflussen (zum Beispiel beim wichtigen Aspekt der Stellenbesetzung) auf welche Art geschlechtsspezifische Karriere-Wege?

FF4 - Grundungszeitpunkt (Grundungsepoche des Unternehmens): Welchen Einfluss hat der Grundungzeitpunkt des Unternehmens (unter dem Aspekt der Wende 1989) auf die Chancengleichheit zwischen Mannern und Frauen auf die wahrgenommene und realisierte Familienfreundlichkeit? Welchen Nachholbedarf gibt es diesbezuglich?

FF5 - Entwicklung und Zukunft: Welchen Entwicklungen der Gleichbehandlung der Geschlechter sind nach Einfuhrung des Gleichbehandlungsgesetzes in Rumanien 2002 in den Unternehmen feststellbar und wie werden die zukunftigen Entwicklungen des Frauenanteils in den vor und nach 1989 gegrundeten Unternehmen - vor allem auf mittleren und hoheren Fuhrungsebenen - von Fuhrungskraften und Mitarbeitern eingeschatzt?

1.3 Forschungsdesign und Vorgehensweise

Um die formulierten Forschungsfragen zu beantworten, wurde eine Fallstudie mit qualitativen und quantitativen Elementen gewahlt (vgl. Borchardt und Gothlich, 2009, S. 34). Fur die erste Phase der zu befragenden Fuhrungskrafte wurde folgendermafien vorgegangen:

- Selektion der Unternehmen und Antwortenden: Aufgrund des qualitativen Forschungsansatzes konnte ein Quotaverfahren zur Anwendung gebracht werden, das auf die spezifizierten Forschungsfragen (wie Geschlecht der Antwortenden, Grundungszeitpunkt, etc.) abgestimmt war, siehe das Subkapitel 5.2.2 Die Fallauswahl der Fuhrungskrafte ab Seite 127. Ein Ziel dieser Dissertation ist es, im Rahmen einer qualitativen Forschung zu den Wahrnehmungen rumanischer Fuhrungskrafte neue Assoziationen und Konzepte zu generieren. Erscheint der Autorin ein Quotensystem geeignet, um in ausreichender Zahl potenziell gehaltvoller und unterschiedlicher Antworten (Daten) zu erhalten.
- Datenerhebung / erste Phase: Zur Gewinnung von zentralen Antworten auf die Forschungsfragen wurdenje vier Personen von acht Produktionsunternehmen der rumanischen Industrieregion Bacau personlich befragt. Von diesen acht Unternehmen wurden vier vor 1989 gegrundet und vier nach 1989. Die insgesamt befragten 32 Personen entstammten den obersten zwei Fuhrungsebenen (Generaldirektion und Bereichsdirektionen). Diese 32 Fuhrungskrafte gliederten sich in 16 Frauen und 16 Manner. Die Methode der Datenerhebung bestand aus personlichen Face-to-Face-Interviews aufgrund eines Gesprachsleitfadens, der aus 42 uberwiegend offenen Fragen bestand.
Diese erste Datenerhebung ergab, dass (wie in den Forschungsfragen detailliert angefuhrt) nur in wenigen Einzelfallen von direkter und aspektspezifischer Diskriminierung gesprochen werden konnte, obwohl in den Betrieben und Verantwortungsbereichen offenkundige Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern vorliegen. Dies fuhrte daher zum zweiten Schritt der Datenerhebung.
- Datenerhebung / zweite Phase: Zum Aufzeigen moglicher Diskrepanzen der obigen Antworten zwischen Anspruch und wahrgenommener Wirklichkeit wurden 110 Personen befragt, die auf den unmittelbar unter den obersten Fuhrungskraften befindlichen Ebenen angesiedelt waren. Sie waren direkt den obersten Fuhrungskraften unterstellt. Diese 110 nachgeordneten Mitarbeiterlnnen entstammten aus vier der oben untersuchten acht Unternehmen. Von diesen vier Unternehmen waren zwei vor 1989 gegrundet worden und zwei Unternehmen nach 1989. Die Methode der Datenerhebung bestand aus einem schriftlichen Fragebogen, der sich uberwiegend aus geschlossenen Fragen zusammensetzte, um die potenziellen Diskrepanzen starker heraustreten zu lassen.
- Datenanalvse zur ersten Phase: Die uberwiegend spontan aufgezeichneten Antworten der Fuhrungskrafte wurden mittels einer qualitativen Inhaltsanafyse nach Philipp Mavring (2010) analvsiert. Von den drei moglichen Grundtechniken wurde die der inhaltlichen Strukturierung gewahlt (vgl. Mavring 2010, S. 98).. Diese Analvse wurden vor dem theoretischen Hintergrund der Forschungssvnopse durchgefuhrt.
- Datenanalvse (Vergleich) erste und zweite Phase: Die vorgegebenen, optionsorientierten Antworten der nachgeordneten Mitarbeiter wurde erstens global beschreibend und zweitens im Vergleich der zugeordneten Antworten der Fuhrungskrafte dargestellt und interpretiert.
Die zweite Erhebungsphase sollte unter anderem:
- klaren, ob Fuhrungskrafte zu einigen Fragen sozial erwunschte Antworten (das heifit, Befragte stellen sich oft in einem gunstigeren Licht dar wie dies insbesondere bei der Anwesenheit des Interviewers haufiger der Fall sein kann, vgl. Groves et al.,S. 170) gegeben hatten,
- erganzende oder vertiefende weiterer Hvpothesen gewinnen.
- alternative Erklarungsmuster zwischen Fuhrungskraften und Mitarbeiterlnnen (etwa hinsichtlich rollenspezifischer Erwartungen an die eigene Position oder aufgrund einer gegebenen beziehungsweise wahrgenommener Selbstbetroffenheit) aufzeigen,

1.4 Aufbau der Arbeit

Nachdem in der Einleitung (dem Kapitel 1) die Problemstellung, die daraus abgeleiteten Forschungsfragen und die Umsetzung der Fragen in ein Forschungsdesign sowie die Vorgehensweise dargelegt wurden, prasentiert das Kapitel 2 fur die vorliegende Dissertation relevante Beitrage der bisherigen ausfuhrlichen und breiten wissenschaftlichen Diskussion zum Thema Geschlechter-Ungleichheit. Verschiedene diskutierte Erklarungsmodelle werden nicht nur vorgestellt, sondern zu einer Forschungssynopse zusammengefuhrt. Eine solcherart entwickelte Matrix-Design- Tabelle bildet den Kapitelabschluss und bietet dadurch fur die Ergebniskapitel 7 und 8 einen theoretischen Hintergrund.

In den beiden Folgekapiteln Kapitel 3 Grundlagen der Chancengleichheit in Rumanien und Kapitel und Kapitel 4 Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Rumanien wird die Situation der Geschlechter in Rumanien aufgezeigt. Hierbei geht es insbesondere um historische Einflusse, rechtliche Grundlagen und geschlechterpolitische Ermachtigungen, die in rumanische Institutionen und staatliche Behorden Einzug gefunden haben. Ebenso werden zielgerichtete Aktivitaten und geschlechterspezifische Strategien beschrieben, welche die aktuelle rumanische Gesellschaft hinsichtlich Teilhabe der Geschlechter am sozialen Leben im weiten Sinne kennzeichnen.

Kapitel 5 Forschungsdesign und Methodik beschreibt detailliert die angewendete Methodik, das umgesetzte Forschungsdesign und wesentliche Merkmale der durchgefuhrten empirischen Interviews und Befragungen. Die Darstellung der Unternehmen in Bezug auf bestimmte - relativ objektiv bestimmbare - Kriterien wie Eintrittsart der Fuhrungskrafte, kumulierte Arbeitsjahre, Anteil der Frauen allgemein und in Fuhrungspositionen, geschlechterspezifische Einkommen und durchschnittliche wochentliche Arbeitszeiten folgt im Kapitel 6 Kontextanalysen zu den Fuhrungskrafteinterviews. Dieses Kapitel fuhrt uberdies Berechnungen zur Reliabilitat der Fuhrungskrafte-Antworten, zur Geschlechter-Situation auf Fuhrungsebene des gegenwartigen Unternehmens und zu biographischen Daten an.

Das zweite empirische Kapitel dieser Arbeit - Kapitel 7 Analysen der Fuhrungskrafteantworten zu den spezifizierten Forschungsfragen - spurt den analysierten Auffassungen der Antworten der obersten Fuhrungskrafte nach und sucht nach Erklarungen fur Diskrepanzen zwischen Anspruch und wahrgenommener Wirklichkeit. Der Ansatz dieses Forschungsteiles ist zwar qualitativ, aufgrund zahlreicher Fragen, die nominal beantwortet wurden, konntenjedoch zur Unterstutzung der qualitativ erhaltenen Ergebnisse mengenmafiige Konturierungen (wie etwa Subgruppen) aufgezeigt werden. Diese quantitativen Berechnungen haben hier nur unterstutzende Funktion.

Das unmittelbar folgende dritte empirische Kapitel dieser Arbeit - Kapitel 8 Analysen der Antworten aus der Mitarbeiter-Befragung - beinhaltet die durchgefuhrte Vertiefung und Erganzung zu den Ergebnissen der Fuhrungskrafte-Interviews. Kapitel 7 und 8 sind nach den spezifizierten Forschungsfragen gegliedert, sodass direkt und unmittelbar Ergebnisse und Interpretationen dieser Ergebnisse als Antworten zur jeweiligen Forschungsfrage gefunden werden konnen. Ein Diskussionsabschnitt bildet den Abschluss des Kapitels 8. Hierin werden sowohl Limitationen der inhaltlichen Ergebnisse als auch eine Ubersicht zugeordneter Theorien und ihrer themenspezifischen Erklarungskraft aus der Forschungs-Synopse angefuhrt.

Das Kapitel 9 Zusammenfassung undAusblick gewichtet nochmals auf hoherer Ebene die Ergebnisse und Hypothesen. Es bietet uberdies Hinweise zur Verwendung theoretischer Modelle als Werkzeug uber einen langeren Zeitraum und einen Ausblick uber mogliche Veranderungen in der Chancengleichheit von Frauen und Mannern.

2 Wissenschaftliche Diskussion und theoretische Voruberlegungen

Wie die folgende Ubersicht relativen Anteile von Frauen in den obersten Gremien der grofier, an der Borse notierter Unternehmen in Europa fur 2015 zeigt, weist keines der 18 EU-Lander eine Geschlechtergleichstellung auf. Die Anteile liegen fur fuhrende Lander um 30 Prozent und fallen auf einen Wert von 10 Prozent oder weniger fur Lander am Ende dieser Liste:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Frauen (prozentueller Anteil) in den hochsten Entscheidungsgremen borsennotierter Unternehmen der EU, 2015; Quelle: DIW, Deutsches Institut fur W irtschaftsforschung,W o chenbericht http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_0kc.524057.de/16-2.pdf, S. 40 (27. 1. 2016)

Betrachtet man die wirtschaftlichen und kulturellen Unterschiede in den 28 EU-Staaten - seien es die skandinavischen Lander im Norden, die mediterranen Landern, die westlichen Lander wie England und Frankreich oder die sudosteuropaischen Lander wie Bulgarien oder Rumanien - so ist zu vermuten, dass kaum ein einziges theoretisches Konzept die Unterschiedlichkeit erklaren kann. Auch aus diesem Grund wurde in den theoretischen Voruberlegungen Wert gelegt auf eine eher breite Darstellung sowohl der Diskussion zur Geschlechterungleichheit in den letzten Jahrzehnten als auch von moglichen erklarungskraftigen Theorien. Dazu wurde eine Forschungssynopse auf Basis einer Design-Matrix - also in Form einer Tabelle - erstellt, siehe auf Seite 56.

2.1 Begriffsfassungen

Die folgenden Begriffe sind fur weite Teile der Dissertation relevant und werden daher naher definiert.

2.1.1 Chancengleichheit

Der Begriff Chancengleichheit zahlt zu den unbestimmtesten Schlagwortern von sozialwissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Kontroversen (Handl 1984). Das Konzept der allgemeinen Chancengleichheit basiert darauf, dass jedes Individuum dieselbe Chance fur eine Gelegenheit erhalten soll (Lawrence 2000; Hansson 2004). Auch der englische Begriff ,,Gender Mainstreaming[44] hat sich im Zuge dieser Diskussion verbreitet, welcher mit ,,Geschlechtergleichstellung als Querschnitts- oder als Gemeinschaftsaufgabe[44] ubersetzt werden kann (Krell & Muckenberger 2004). Dieser Begriff des Gender Mainstreaming scheint bisweilen als ,,Zauberwort“ fur das ultimative Konzept zur tatsachlichen Gleichstellung der Geschlechter eingesetzt zu werden (Hoyng & Schwerma 2002).

Die Begriffe Chancengleichheit und Diskriminierung beziehen sich auf unterschiedliche Aspekte des Gesamtzusammenhanges Chancengleichheit/Diskriminierung. Diskriminierung kann als ,,wahrgenommene ungerechtfertigte Schlechterstellung einer sozialen Gruppe oder einer sozialen Kategorie allein auf der Basis ihrer Gruppen- bzw. Kategoriemitgliedschaft“ (Jonas, 2014, S. 80) aufgefasst werden. Der verwendete Begriff der Wahrnehmung in dieser Definition verweist Unterschiede aus den Perspektiven von ,Tatern’ und ,Opfern’. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen konnen legitim oder illegitim sein. Nicht legitimierte soziale schlechtere Behandlung entspricht dem Begriff von Diskriminierung, wie er in der vorliegenden Dissertation verwendet wird. Dies entspricht auch der Begriffsdefinition der EU-Richtlinie aus 2006 (siehe unten).

Wahrend Diskriminierung auf einer realisierten Schlechterbehandlung beruht (zeitlich gesehen ex-post), verweist Chancengleichheit als Begriff auf eine laufende bzw. vorhergehende geforderte Gleichbehandlung (zeitlich gesehen ex-ante) des Gesamtzusammenhanges Chancengleichheit/Diskriminierung. Bildlich gesehen entspricht dies dem folgenden Schema eines interdependenten und dynamischen Zusammenhanges.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Chancengleichheit als interdependentes und dynamisch ausgleichendes Schema (Creative_Commons 2015)

Wie dieses an sich einfache Schema aufzeigen soll, beinhaltet Chancengleichheit eine - nicht direkt sichtbare - zeitliche Dimension eines laufend auszubalancierenden Gleichgewichtes. Wird dieses Gleichgewicht auf Dauer zugunsten einer Seite verschoben und stellen die Symbole fur die Gewichte soziale Gruppen oder Kategorien dar, so entspricht dies nicht mehr einer Chancengleichheit.

Eine allgemeine potenzielle Umsetzung von Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in Form einer europaweiten Rechtsgrundlage bietet der Artikel 141 des Amsterdamer Vertrages der Europaischen Gemeinschaft (1999 Rechtskraft: 1999)[3]. Im Detail geregelt wurde dies in einer revidierten Richtlinie des Europaischen Parlamentes und des Europaischen Rates zur Gleichheit der Chancen und Gleichbehandlung der Geschlechter in Fragen der Arbeit und Beschaftigung. Hier wird Diskriminierung auf zwei Arten erfasst: unmittelbare und mittelbare Diskriminierung. Wichtig ist hier vor allem die (indirekte, nicht sofort sichtbare) ,,mittelbare Diskriminierung[44]. Im Artikel 2 heifit es definitionsgemafi:

,,[...] „mittelbare Diskriminierung" fist! eine Situation, in der dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien oder Verfahren Personen des einen Geschlechts in besonderer Weise gegenuber Personen des anderen Geschlechts benachteiligen konnen, es sei denn, die betreffenden Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein rechtmafiiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Mittel sind zur Erreichung dieses Ziels angemessen und erforderlich;[44] (RL 2006/54/EG, Artikel 2 (1) b )

In dieser Richtlinie wird Geschlechterdiskriminierung auf zwei Arten gefasst: (a) wenn statistisch Benachteiligungen eines Geschlechtes nachgewiesen werden (,,Vorschriften, Kriterien oder Verfahren [...] benachteiligen konnen") oder (b) wenn eine unterschiedliche Behandlung nicht ,,sachlich gerechtfertigt" ist und ein Ziel nicht ,,angemessen und erforderlich" erreicht wird.

Im Einzelnen wird die Gleichstellung von Frauen und Mannern von der Politic auf internationaler, europaischer und nationaler Ebene angestrebt (Stangel-Meseke 2009) und wurde als Leitprinzip des Handelns bereits in zahlreichen verschiedenen Gesetzen wie beispielsweise in Artikel 3 des Grundgesetzes fur die Bundesrepublik Deutschland (Juris 1994), dem ,,Civil Rights Act of 1964" in den USA (Congress 1964) oder im ,,Sex discrimination law" (Pannick 1985). In Osterreich gilt das Bundesgleichbehandlungsgesetz aus dem Jahr 1993, in der aktuellen Novellierung vom 1. Marz 2011 (fur einen Uberblick siehe § 4a, Begriffsbestimmungen, B-GlBG). Dieses Leitprinzip ist auch in rumanischen Verordnungen (Schwellnus 2005; Chiva 2009; Trif 2008) verankert. Niemand soll generell wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiosen oder politischen Einstellungen diskriminiert werden (Juris 1994).

Zu den bisher aufzeigten Themen der rechtlichen und makrookonomischen Ebenen sind auch Institutionen auf meso- und mikrookonomischen Ebenen (Branchen sowie Einzelunternehmen) zu behandeln. Da das Konfliktpotential industrieller Arbeitsstrukturen auf verschiedenen Ebenen liegt (Euler 1977) und daraus auch diverse Entwicklungstrends der Unternehmensreorganisation abgeleitet werden konnen (Funder et al. 2000), stellt Chancengleichheit speziell fur das Personalmanagement in den Betrieben eine interdisziplinare Herausforderung und ein kontinuierliches Arbeitsgebiet dar (Moller & Allmendinger 2003; Freiburg 2014; Roer 2011).

Das Personalmanagement kann Chancengleichheit als Instrument zum Erreichen einer optimalen Zusammensetzung des Personals eines erfolgreichen Unternehmens verwenden (Krell 2001; Krell 2004; Krell & Sieben 2011; Jungling & Rastetter 2011). Chancengleichheit uberlappt sich mit dem weiten Begriff des Diversity Managements (siehe Franken, 2015, S. VI). Dies kann als Vielfaltsmanagement ubersetzt werden. Die Grundidee dieses Begriffes ist eine Nutzung der sozialen Vielfalt fur das Unternehmen als Teil des Human-Resources-Managements im Sinne von ,,soziale Vielfalt konstruktiv nutzen“ (Scroggins & Benson 2010; Lu et al. 2015).

2.1.2 Soziale Ungleichheit

Fur eine Annaherung und Einordnung des Begriffes ,soziale Ungleichheit’ sind Unterscheidungen zu treffen. Hierbei sollten im Rahmen eines Faktoren-Effekte-Modells einwirkende Faktoren und sich daraus ergebende Effekte unterschieden werden. Soziale Ungleichheit bezieht in einer Annaherung nicht auf Faktoren wie physische oder psychische Unterschiedlichkeiten - etwa Korpergrofie, Alter, ethnische Zugehorigkeit, kognitive Fahigkeiten oder auch Geschlecht. Effekte (vor allem solche langfristiger Natur) aufgrund sozialer Ungleichheit konnen sich dagegen durchaus in den genannten Unterschiedlichkeiten ergeben. Denn die Betonung im Begriff soziale Ungleichheit liegt auf ,sozial’. Nicht die biologische Basisausstattung steht im Brennpunkt des wissenschaftlichen Begriffes von sozialer Ungleichheit, sondern gesellschaftlich festgezurrte Begunstigungen und Bevorzugungen einerseits, denen Benachteiligungen und Diskriminierungen andererseits gegenuberstehen[5].

Der Diskurs zur sozialen Ungleichheit und Geschlecht im 20. Jahrhundert fuhrte nach Gottschall zu einem „orthodoxen Konsens“ in der Sozialforschung, wonach Ungleichheit der Geschlechter vor allem erwerbsarbeitsvermittelt zu einer vertikalen Strukturierung gefuhrt habe (vgl. Gottschall 2000, S. 34 ff.). Betrachtet man die gesamte Lebenswelt (beispielsweise das Feld der Bildung), so erscheint dieser Konsens als nicht unbetrachtliche Einengung. In der vorliegenden Dissertation wird daher versucht, ausgehend von einer Definition eines in diesem Feld tatigen Sozialwissenschaftlers (Kreckel 2004), zumindest formal sprachlich wieder zu einem umfassenderen Begriff zu kommen, woraus wieder neue Ansatzpunkte fur eine allgemeinere Begriffsfassungen entstehen konnten.

Die gewahlte Definition, welche konkrete Ansatzpunkte und Auswirkungen nennt, stammt von Reinhard Kreckel. Ihm zufolge liegt soziale Ungleichheit dann vor, wenn

„Die Moglichkeiten des Zuganges zu allgemein verfugbaren und erstrebenswerten sozialen Gutern und/oder zu sozialen Positionen, die mit ungleicher Macht- und/oder Interaktionsmoglichkeiten ausgestattet sind, dauerhafte Einschrankungen oder dauerhafte Erweiterungen [,oder dauerhafte Erweiterungen’ ist eine Erganzung durch die Autorin] erfahren und dadurch die Lebenschancen der betroffenen Individuen, Gruppen oder Gesellschaften beeintrachtigt bzw. begunstigt werden“ (2004, S. 17).

Diese Definition, welche einige sehr allgemeine Behauptungen zu Macht, Interaktionsmoglichkeiten und entsprechenden Lebenschancen enthalt (tendenziell eventuell schon als Allgemeinplatze bezeichenbar), besitzt doch einige formal- definitorische Vorzuge:

(1) Sie berucksichtigt beide Seiten der Ungleichheit: sowohl die benachteiligte Seite als auch die bevorzugte Seite, wenn auch diese Definition an einer Stelle durch den Zusatz „oder dauerhafte Erweiterungen“ dem Gegensatz zu Einschrankungen - durch die Autorin erganzt werden musste, um auch hier eine sprachliche Ausgewogenheit zu erreichen. Durch diese Berucksichtigung beider Seiten einer Ungleichheit bleibt das Ganze, eben die voneinander bereits definitionsgemafi nicht trennbaren Seiten einer sozialen ,,Bevorteilung“ oder ,,Benachteiligung“, weiter im Blickfeld detaillierter Betrachtungen.
(2) Sie bezieht sich auf Moglichkeiten von Interaktionen oder Machtausubung und schrankt dadurch den definierten Bereich auf das Soziale ein. Die Verwendung des Begriffes Macht verweist wiederum auf das Soziale, indem sie eine „asymmetrische Relation zwischen einem Machthaber und einem Beherrschten“ impliziert (Six, 2014, S. 1041).
(3) Sie bezieht durch die Verwendung von ,dauerhaft’ sowohl Zeit als auch verankerte langlebige Bezuge in die Begriffsbestimmung ein.
(4) Sie benennt Ergebnisse sozialer Ungleichheit als ,,beeintrachtigte oder begunstige Lebenschancen“. Dass an dieser Stelle auch der Begriff Individuum eingebracht wird, ist ein Ausdruck einer Auffassung, dass sich Soziales auch im Individuum realisiert. Dies steht somit nicht im Widerspruch zu den ubrigen Elementen der Definition, die sich rein auf das Soziale beziehen.

Zusatzlich zu den anfangs genannten allgemeinen Annahmen ist als weiterer Kritikpunkt zu nennen, dass der Begriff ,,allgemein verfugbare soziale Guter“ eine gewisse Widerspruchlichkeit zu den Folgeelementen der Definition enthalt, in welchen etwa der Zugang zu sozialen Gutern eingeschrankt wird. Daher konnen nun soziale Guter kaum mehr als „allgemein verfugbar“ bezeichnet werden. Moglicherweise hatte eine unmittelbar vorher eingefugtes „formal“ diesen inneren Widerspruch entscharft.

Kreckel unterscheidet in der Folge zwei unterschiedliche Arten sozialer Ungleichheit: distributive Ungleichheit und relationale Ungleichheit (vgl. 2004, S. 20). Distributive Ungleichheit liegt vor, wenn bereits die Zugangsmoglichkeiten zu sozialen Gutern und Positionen eingeschrankt sind. Relationale Ungleichheit liegt vor, wenn die vorhandenen Beziehungen zwischen Individuen, Gruppen oder Gesellschaften durch unterschiedliche Interaktions- oder Handlungsbefugnisse gekennzeichnet sind.

2.1.3 Wahrnehmung

Der in dieser Dissertation verwendete Begriff Wahrnehmung enthalt mehrere Komponenten, die einander uberlappen und voneinander nur grob abzugrenzen sind. Nach Drewing (2014) ist Wahrnehmung „Vorgang und Ergebnis der Reizverarbeitung“ (S. 1777). Wahrnehmung ist ein erzeugtes Bild von der Aufienwelt und der eigenen Person, das heifit ein Erzeugnis der Innenwelt (ebd.). Wahrnehmung ist somit sowohl ein Erkenntnisprozess als auch eine Erkenntnis, welche in diesem erweiterten Sinn Vorstellungen (ebd.) miteinschliefit. Wahrnehmung ist gegenuber (emotional orientierten) Empfindungen abgrenzbar, kann diese Empfindungen aber auch enthalten. Wahrnehmung kann sowohl an ein Erleben gebunden sein (bewusste Wahrnehmung) als auch ohne Erlebnisbindung (also unbewusst) auftreten. Ebenso sind Abgrenzungen gegenuber Denken oder Gedachtnisinhalten im Einzelnen schwer moglich (vgl. Drewing 2014, S. 1777). Fazit: Der Begriff Wahrnehmung beinhaltet eine erhebliche Unscharfe.

Interessant fur das vorliegende Thema sind Verknupfungen des Begriffes Wahrnehmung mit in diesem Kapitel definierten Begriffen wie Selbstbild und Fremdbild. Interaktionen mit anderen[6] fuhren zur Wahrnehmung des Selbst und zur Wahrnehmung des anderen (des Fremden). Aus dieser Sicht bildet Wahrnehmung einen eher kurzfristigen Aspekt ab. Selbstbild und Fremdbild beruhen auf eher langfristigen Aspekten (zur naheren Befassung mit den Begriffen Selbstbild und Fremdbild in der allgemeinen Diskussion siehe nachsten Abschnitt ab Seite 20). Dies darf jedoch noch als Basis fur einen Aufbau langfristiger Konzepte auf Basis kurzfristiger Konzepte gesehen werden. Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmung, Selbstbild und Fremdbild bilden psychologisch-systemisch gesehen ein ruckwirkendes Geschehen, sodass auch kurzfristig[6] basiertes Geschehen, Empfinden, etc. (einer Selbst- oder Fremdwahmehmung) durch assoziierte Selbst- und Fremdbilder gefarbt und dadurch beeinflusst werden.

Nicht enthalten in den verknupften Begriffen der Wahrnehmung zu Selbstbild und Fremdbild sind Annahmen, wie sie fur die kognitionswissenschaftliche Theory of Mind kennzeichnend sind (siehe etwa die Ubersicht von Leverage, 2011). Hierbei geht es um Annahmen der Fahigkeit, Bewusstseinsvorgange auch anderen zu attribuieren, wie es etwa Alemann soziologisch als Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung (als eigene Wahrnehmung) in ihren Arbeiten konstruiert.

2.1.4 Stereotyp, Selbstbild und Fremdbild

Ein Stereotyp (griech.: feste Form) ist vor dem theoretischen Hintergrund eines kognitiven Ansatzes „eine Menge (set) von Uberzeugungen bezuglich der individuellen Merkmale der Mitglieder einer bestimmten sozialen Kategorie“ (Bergius / Six 2014, S. 1597). Diese gegenwartig neutral formulierte Definition hing ursprunglich eng mit dem Begriff des Vorurteils zusammen. Stereotyp bezeichnete im 20. Jahrhundert meist schematisierte und vereinfachte Aspekte der sozialen Welt im pejorativen Sinne von Starrheit und mit einer nur geringen Beeinflussungsmoglichkeit durch individuelle Erfahrungen versehen (ebd.).

Viele Arbeiten zu Stereotypen befassten sich in den letzten Jahren mit Geschlechterrollen (Bussey/Bandura 2004). Die Unterschiede zu den ebenfalls in dieser Arbeit haufig verwendeten Begriffen von Selbstbild und Fremdbild liegen darin, dass das Stereotyp sich uberwiegend auf soziale Gruppen bezieht, wahrend das Selbst- bzw. Fremdbild individuell-psychologische bzw. sozialpsychologische Aspekte aufweist.

In den Begriffen Selbstbild und Fremdbild ist sprachlich der Begriff Image enthalten. Dadurch bietet sich eine Annaherung an Selbst- und Fremdbild an. Eine Definition von Image lautet: ,,Das Image (engl. image) eines Objektes ist die Vorstellung, die sich einzelne oder mehrere Menschen von dem Objekt [...] machen.“ (Endruweit 2014, S. 176). Objekte konnen materielle Gegenstande, Menschen, Organisationen, Institutionen oder Prozesse sein. Die Quellen dieser Vorstellungen sind eigene Erfahrungen, gelerntes Wissen, Informationen von Dritten, Erwartungen, Gefuhle, Geruchte, etc. Sind die Elemente dieser Vorstellungen kaum objektivierbar, so entspricht das Image weitgehend einem Vorurteil. Haufig impliziert das Image ein Werturteil (ebd.). Zusammengefasst kann man sagen, dass ein Image objektive, subjektive, realitatsnahe und realitatsferne Komponenten enthalten kann. Als Metapher ist Image eher mit einem - subjektiv getonten - gemalten Bild zu vergleichen als einer Photographie.

In einem weiteren Annaherungsschritt konnte ein Bild von sich selbst als Identitat nach Mead aufgefasst werden. Eine grundsatzliche Unterscheidung im sozialen Feld fuhrt auf diese Weise zur jenen von Selbstbild und Fremdbild. Diese Unterscheidung entsteht vorerst - scheinbar einfacherweise - daraus, ob das Objekt des Images die eigene Person oder eine andere ist (Endruweit 2014, S. 176). Fur beide gilt grundsatzlich das unter Image Geschriebene. Eine interessante Verbindung beider Konzepte stellte der amerikanische Soziologe George Herbert Mead vor. Er bezeichnet das „Me“ als „meine Vorstellung von dem Bild, das der andere von mir hat“ (Joas 1999, S. 176). In einer sozialen Umwelt fuhrt ein entsprechendes Sich-selbst-mit-den-Augen-des-anderen- Sehen nach Mead in Form eines scheinbar paradoxen Umweges zur Identitat. Beide Arten von Bildern enthalten verschiedene Umfange von Internalisierungen und externen Zuschreibungen. Eine wesentliche soziologische Funktion von Fremdbildern besteht aus dem Potenzial, die fremde Gruppe von der eigenen abzugrenzen. Aus dieser Sicht sind Selbstbild und Fremdbild eng miteinander verknupft.

Diese angesprochenen Verknupfungen konnen auch durch Ubernahme von Stereotypen und Integration vorab inkonsistenter Fremd- und Selbstbilder entstehen. Ein Beispiel hierfur ist die ,,Baurin [sic] als Unternehmerin mit einer sozialen Stellung als Magd“ (Dorhofer, 1996, S. 113). Die Ambivalenz von sozialen Unterschieden, die grofier kaum denkbar sind, wird deutlich. Weiters tritt hinzu, dass Selbstbilder mit Fremdbildern nicht ubereinstimmen mussen. Dies wird in den Analysen der empirischen Daten dieser Arbeit ein zu beachtender methodischer Aspekt sein.

Den Modellen von Selbstbild und Fremdbild kann das methodologische Instrument des Idealtypus nach Max Weber erganzend an die Seite gestellt werden. Dieser konstruierte Typus ,,wird gewonnen durch einseitige Steigerung eines oder e i n i g e r Gesichtspunkte [...] zu einem in sich einheitlichen Gedanken bilde.“ (1922a, S. 191). Eine solche in sich konsistente, aber einseitige Steigerung fuhrt zu einem Bild, das in der Realitat - eben ins Extreme gesteigert - nicht vorkommt. Der Zweck einer solchen Vorgehensweise ist ein verstarktes Herausarbeiten und Isolieren bzw. Abstrahieren bestimmter Punkte zu einem Konzept, einem „rein idealen G r e n z begriff ‘ (ebd. S. 194), das in sich widerspruchslos ist. Dadurch eignet sich eine solche Vorgangsweise als Werkzeug zur Analyse komplexer Gegebenheiten und der Darstellung konsistenter Zusammenhange.

Im Rahmen einer sinnverstehenden Soziologie differenziert Max Weber Sinngebungen des Handelns in vier zentrale Bestimmungsgrunde (1922b, S. 12 f.): zweckrationale, wertrationale, affektuelle und traditionale. Im Sinn dieses Handeln uberwiegen tradierte Sitten und habituell erworbene Gewohnheiten. Jedes individuelle Nachdenken und Reflektieren uber den zugrundeliegenden Sinn des Handeln, wenn es denn uberhaupt vollzogen wird, tritt in den Hintergrund. Fur die Frage der Ungleichheit von Geschlechtern in Unternehmen bietet sich von diesen vier Bestimmungsgrunden vor allem die traditionale an. Die Verbindungslinien einer solchen subjektiven Sinngebung eines Handelnden nach Weber etwa zur prozessorientierten Organisationstheorie nach Weick (einem nachtraglichen Rationalisieren vorher entstandener Entscheidungen, siehe im Detail das Subkapitel 2.4.6 auf Seite 48) oder zum Habitus-Begriff nach Bourdieu (siehe die Darstellung im Subkapitel 2.4.1 auf Seite 41) werden sichtbar.

Konkrete praktische Umsetzungen einer solchen Typenbildung im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit waren Hausfrau oder Sekretarin fur idealtypische Frauen bzw. Ernahrer oder Fuhrer fur idealtypische Manner. Methodisch wird in den spateren Auswertungen darauf geachtet, ob verschiedene Mannlichkeits- oder Weiblichkeitsentwurfe, die in den Interviewsituationen entsprechend der Fragen salient werden (,greifen’), eher dem Weberschen bereinigten Idealtypus entsprechen oder eher als Fremd- und Selbstbild einzustufen sind.

2.1.5 Deutungsmuster und Frames

In der Diskussion zum Thema Soziale Ungleichheit und Geschlecht war und ist der Begriff Deutungsmuster ein wesentlicher. Im Folgenden wird der zusammengesetzte Begriff Deutungsmuster in seine beiden Detailbegriffe zerlegt, diese werden naher betrachtet, um sie sodann wieder zusammenzusetzen und dadurch den gesamten Bedeutungsinhalt besser darzustellen.

Zum Begriff Deutung kann gesagt werden: Da viele Erkenntnisse in diesem Feld aufgrund ausfuhrlicher personlicher Interviews und deren analytischer Deutungen in Form von Deutungsmuster in der Vergangenheit und Gegenwart entstanden sind (vergleiche etwa Alemann, 2008; Alemann 2015; Apelt, 2015; Ferguson, 1984; Funder, 2005), scheint es methodisch berechtigt, den Begriff Deutung auch aus psychologischer Sicht naher zu betrachten. Nach Fahrenberg entspricht Deutung ,,weitgehend der psychologischen Interpretation, hat jedoch einen starkeren Beiklang von spekulativen Tendenzen und Interpretationskunst: [Anmerkung der AutorIn: In der Psychologie beispielsweise verwendet bei der] Deutung der Ergebnisse projektiver Tests, Schriftdeutung und Traumdeutung“ (2014, S. 390).

Diese Begriffsumschreibung verweist mit Wortern wie spekulativ, Kunst oder Traum auf die allgemein akzeptierte etymologische Wurzel von hypothetischer „Auslegung“ des „Gottlichen“ durch romische Auguren und Traumdeuter, den ,,interpres divum“ (vgl. Anton, 1976, S. 516). Aus wissenschaftlicher Sicht gesehen handelt es sich bei der Interpretation um einen Vorgang, dessen Voraussetzungen und Ergebnisse in der philosophischen Hermeneutik behandelt werden, deren Ziel nach Wilhelm Dilthey ein „Nachfuhlen fremder Seelenzustande“ [ist, mit der Voraussetzung,] ,,dass dieses Nachverstandnis des Singularen zur Objektivitat erhoben werden konne“ (1900, S. 317). Die grundsatzliche Anwendung ist jedoch jeweils durch die jeweilige wissenschaftliche Disziplin zu begrunden. Wesentliche Eigenschaften einer Interpretation sind die Historizitat der Deutung und die innewohnende Zirkularitat der Inhalte. Zirkularitat bedeutet Erst-Deutung in einem primaren Schritt mit einer rekursiven Anwendung des Inhaltes der Erst-Deutung auf das ursprunglich zu deutende Objekt. Dadurch kann es zu einer erweiterten oder viertieften Zweit-Deutung und damit zu Erkenntnisgewinn kommen. Eine Themen-Allgemeingultigkeit kann einer Interpretation (Deutung) nur dann zugeordnet werden, wenn die Sachinhalte zu Themen fuhren, deren Bezug und Belang intersubjektiv nachvollzogen werden konnen (vgl. Anton, 1976, S. 516).

Zum Begriff Muster kann gesagt werden: In erweiternder Anlehnung an den Pattern- Begriff in Dorsch (vgl. 2014, S. 1232) werden Muster in dieser Arbeit allgemein als rituell-dauerhafte, miteinander verknupfte Folgen von Verhalten aufgefasst (Aussagen werden als eine Verhaltensform angesehen), die sowohl als gebrauchlich angesehen (soziale Sicht) als auch wiederholt verwendet werden (individuelle Sicht).

Zum zusammengesetzten Begriff Deutungsmuster kann festgehalten werden: Deutungsmuster werden daher fur die vorliegende Dissertation grundsatzlich definiert als rituelle Aussagen, deren Sachinhalte aus subjektiven Interpretationen mit spekulativen, zum Teil ruckbezuglichen Tendenzen bestehen. Je nach den Inhalten, den zentralen Sprechakten, konnen Deutungsmuster schwerpunktmafiig beschreiben, bewerten, Ursachen benennen, ankundigen, appellieren etc. (vgl. Scheufele, 2013, S. 122). Eine bestimmte Situation begrundende Muster (eben Begrundungsmuster) werden daher als Sonderform der Deutungsmuster angesehen.

Deutungsmuster beruhen auf einer zirkularen Abfolge von Realitat und Erklarung dieser einzelnen Aussagen, welche zu Sinnzusammenhangen verknupft werden. Aus einer wissenssoziologischen konstruktiven Sicht der Wirklichkeit, wie jener klassischen von Berger und Luckmann, dienen solche Sinnkomplexe als eine theoretische Konstruktion, die Orientierung und Legitimitat hervorbringt und stutzt (vgl. 1987, S. 112-138). Mit Deutungsmustern eng verwandt sind Frames, welche innerhalb der Kommunikationswissenschaften zunehmend Aufmerksamkeit gewinnen (vgl. Scheufele 2013). Frames weisen die Funktion auf, fur alltaglich erlebte Szenen und Verhalten einen Rahmen des Verstehens zu haben. Ein solcher Rahmen bietet dadurch sowohl dem Verstehen der Umwelt als auch dem eigenen Handeln einen (erarbeiteten) Sinn.

Erving Goffman gilt mit seiner Veroffentlichung ,Rahmen-Analyse. Ein Versuch uber die Organisation von Alltagserfahrungen’ (1996) als der Begrunder dieses Konzeptes. Ihm ging es in erster Linie um eine Deutung von Situationen im Alltagsgeschehen, um die Organisation von Erfahrungen [...] und nicht um die Organisation der Gesellschaft (ebd., S. 22). Es geht ihm „nicht um die Struktur des sozialen Lebens, sondern um die Struktur der Erfahrungen, die die Menschen in jedem Augenblick ihres sozialen Lebens haben.“ (ebd.). Inhaltlich und in Bezug auf das verwendete Material betrachtet er dieses Werk als einen „weiteren Anlauf zur Analyse von Betrug, Tauschung, Schwindelmanovern, verschiedenartigen Vorfuhrungen usw.“ (ebd., S. 23). Teilnehmer an sozialen Interaktionen konnten sich fragen: Was lauft - jenseits der tatsachlichen Handlungs- und Sprechakte - tatsachlich ab? Was ist der eigentliche Hintergrund?

Goffman unterscheidet zwischen primaren Rahmen und Theaterrahmen (vgl. 1996, S. 31 ff. und S. 143 ff.). Innerhalb des primaren Rahmens unterscheidet Goffman zwei grofie Klassen: naturliche und soziale Rahmen (vgl. 1996, S. 31). Primare naturliche Rahmen beinhalten Deutungen von Geschehnissen ohne menschliche Einwirkungen, etwa Ereignisse in der Natur). Primare soziale Rahmen hingegen bieten eine Basis zum Verstandnis von Ereignissen, in denen steuerndes, zweck- oder zielorientiertes Eingreifen von intelligenten Lebewesen vorkommt (vgl. ebd. S. 32). Inhaltlich zahlt Goffmann einige grundlegende Module des sozialen primaren Rahmens auf: So-tun-als-Ob, Wettkampfe, Zeremonien, Sonderausfuhrung/Probelaufe oder In-anderen- Zusammenhang-Stellen. Gemeinsames Merkmal dieser genannten Module ist das Modulieren, das heifit, eine systematische Transformation und Umwandlung des zugrundeliegenden Materials (vgl. ebd. S. 57). Diese Transformation bzw. Umwandlung hat jedoch raumliche und zeitliche Begrenzungen: ,,es gibt Hinweise darauf, wann die Transformation beginnen und enden soll“ (ebd.).

Diese erwahnten Begrenzungen sind in der anderen grofien Klasse der Rahmen - dem Theaterrahmen - zwar scharfer erkennbar, die Inhalte erstrecken sich aber uber grofiere zeitliche und raumliche Gegebenheiten, sie sind mehr als nur einfache Modulationen. Fur Goffman rollte der Theaterrahmen ,,das Problem der Buhne von Grund her auf“. Goffman beschreibt den Theaterrahmen ausfuhrlich, „weil die Sprache des Theaters tief in die Soziologie eingedrungen ist“ (S. 143). Um einen Theaterrahmen zu verstehen, ist die Organisation der inneren Welt eines Buhnenstuckes“ (S. 153) zu klaren. Ein hierfur notwendiger Werkzeugkasten besteht aus Transkriptionsmethoden wie Aufschneiden von Gebauden und Gesprachssituationen, der haufigen Konzentration auf je eine Person auf der Buhne, etc. (vgl. S. 159 f.).

Unter Framing kann verstanden werden, „dass in einem Kommunikationstext bestimmte Aspekte der Wirklichkeit ausgewahlt und in einer Weise salient gemacht werden, die eine bestimmte Problemdefinition, Ursachenzuweisung, moralische Bewertung und / oder Umgangsweise mit dem dargestellten Gegenstand fordert“ (Kempf, 2014, S. 606). Framing ist daher alltags- und handlungsorientierter als der oben dargestellte Begriff Deutungsmuster, die erhebliche Ahnlichkeit ist jedoch nicht zu ubersehen. Es uberrascht daher nicht, wenn Deutungsmuster und Frames synonym verwendet werden (vgl. Scheufele, 2013, S. 40). Anders hingegen Wefiler; fur ihn sind Frames tatsachlich nur Rahmen, die unterschiedliche Elemente enthalten konnen. Frames weisen somit die Funktion einer Klammer auf:

„Wahrend ein Frame eine Klammer fur verschiedene, auch einander widersprechende Idee- Elemente darstellt, die das Problem aus der gleichen Perspektive betrachtet, ist ein Deutungsmuster durch eine spezifische Kombination von Idee-Elementen definiert, die ihrer Tendenz nach zusammengehoren“ (Wefiler, 1999, S. 184; kursiv im Originaltext).

Deutungsmuster hingegen weisen im Inneren eine gewisse Einheitlichkeit auf im Sinne miteinander plausibel verknupfter Ideen, die ein zusammenhangendes Muster darstellen.

Versuche, mittels Theorien und Modellen Deutungsmuster oder Frames naher zu klaren, sind zahlreich. Herangezogen wurden in der Diskussion der letzten Jahrzehnte unter anderem Attributionstheorie (Zuschreibungen von Grunden fur ein bestimmtes Verhalten, vgl. Aronson et al., 2004, S. 115), Modelle der Informationsverarbeitung (aufgenommene Informationen werden hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile bewertet, vgl. Schenk, 2007, S. 259) oder die Schematheorie (im Menschen vorhandene Schemata werden aufgrund eines Inputs aktiviert, vgl. Schenk, S. 295). Einlangende Information kann aus Sicht der letzten beiden Modelle sowohl top-down als auch bottum-up ver- und bearbeitet werden; bottom-up als stimulusorientierter Anstofi und top-down als schemageleitete Verarbeitung gesehen werden (vgl. Scheufele, 2013, S. 14). Luders und Meuser teilen grundsatzlich in strukturtheoretische und wissenssoziologisch- interaktionistische Ansatze (vgl. 1997, S. 60 ff.). Strukturtheoretische Ansatze begreifen Deutungsmuster als dauerhaft-latente Sinnstrukturen. In wissenssoziologisch- interaktionistischen Ansatzen hingegen wird zusatzlich die hervorbringende und gestaltende Rolle des handelnden Subjektes hervorgehoben, sodass sich ein mehrseitiger Verweisungszusammenhang ergibt zwischen kollektiven Sinnangeboten, subjektivem Verhalten und jeweiligen Situationen.

2.2 Deutungsmuster sozialer Geschlechter-Ungleichheit in Unternehmen

Soziale Ungleichheit der Geschlechter ist in Unternehmen - zumindest in den EU- Landern - nach wie vor gegeben, wie das dieses Kapitel einleitende Diagramm darstellt. Sinnzusammenhange treten hervor, wenn gefragt wird: Wie begrunden Fuhrungskrafte Ungleichheit in deutschen Unternehmen? Der folgende Abschnitt fasst klassifikatorisch gegebene Deutungsmuster zusammen. Diese Klassifikation ist eine theoretisch- analytische, viele gehorte oder geschriebene Deutungsmuster konnen nicht zur Ganze einer einzigen Klasse, sondern nur ubergreifend zugeordnet werden.

2.2.1 Der individualistische Ansatz

Argumentationen dieser Kategorie gehen von zwei Annahmen aus: 1. Frauen und Manner haben die gleichen Moglichkeiten und Chancen, 2. Frauen setzen andere Bedurfnisse und Prioritaten; sie entscheiden sich aufgrund individueller Grunde gegen eine Karriere. Dieses Argumentationsmuster wurde nach Alemann vor allem von weiblichen Fuhrungskraften genannt (vgl. 2015, S. 269). Lange Arbeitszeiten und ein Verzicht auf Urlaub verhinderten „schone andere (Lebens-)Wege“ (ebd.). Ebenso gehen einzelne Deutungsmuster dieser Kategorie hiervon aus, dass Frauen andere Studienfacher wahlten als Manner oder weniger an naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen interessiert seien. (vgl. ebd., S.271).

[...]


[1] Amsterdamer Vertrag, Amtsblatt der Europaischen Gemeinschaft, C340/36, 10. 11. 97 http://eur- lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:11997D/TXT&rid=1 (abgerufen am 8. 11. 2015)

[2] INS, Nationales Institut fur Statistik, Arbeitsplatzstatistik http://www.neamt.insse.ro/ cmsneamt/rw/resource/10r_structura.htm (abgerufen am 15.08.2016)

[3] Amsterdamer Vertrag, Amtsblatt der Europaischen Gemeinschaft, C340/36, 10. 11. 97 http://eur- lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:11997D/TXT&rid=1 (abgerufen am 8. 11. 2015)

[5] Hiervon zu trennen sind Begrundungen einer Ungleichheit, welche fundamentalen Bezug auf die biologische Ausstattung herstellen. Hauptfunktion dieser Vermengung unterschiedlicher Kategorien kann eine Verteidigung oder Festigung der durch soziale Ungleichheit geschaffenen gunstigeren Positionen der Bevorzugten sein.

[6] Worauf vor allem das Me-Konzept des US-amerikanischen Soziologen George Herbert Mead beruht.

Ende der Leseprobe aus 431 Seiten

Details

Titel
Die Wahrnehmung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Selbstbild von oberen Führungskräften und ihren nachgeordneten Mitarbeitern am Beispiel der rumänischen Industrieregion Bacău
Hochschule
Johannes Kepler Universität Linz  (Soziologie)
Veranstaltung
Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
431
Katalognummer
V429662
ISBN (eBook)
9783668738010
ISBN (Buch)
9783668738027
Dateigröße
15789 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Industriebetrieb, Soziologie, Stereotyp, Gleichberechtigung, Selbstbild, Fremdbild, Bacau, Weibliche Führungskraft, Rumänien
Arbeit zitieren
Mag. Dr. Beatrice Lang (Autor), 2017, Die Wahrnehmung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Selbstbild von oberen Führungskräften und ihren nachgeordneten Mitarbeitern am Beispiel der rumänischen Industrieregion Bacău, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/429662

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