Wenn die Rede von verschiedenen Weltanschauungen ist, wird häufig der „Nationalismus“ semantisch vermengt mit anderen Begriffen, wie zum Beispiel dem „Faschismus“. Diese Arbeit setzt sich deshalb mit der Frage auseinander, inwieweit sich das analytische Konzept des „Nationalismus“ mit der Forschung vergleichen lässt, die sich mit dem Propagandabegriff der „Volksgemeinschaft“ im Nationalsozialismus befasst.
Um die These zu untermauern, dass beide Forschungskonzepte ähnliche Ansätze zeigen, wird eine historisch-semantische Perspektive eingenommen. Hierzu werden mögliche Ähnlichkeiten im Forschungsvokabular betrachtet, um dann anschließend die Vieldeutigkeit der Terminologien zum Anlass zu nehmen, diese auch vor dem Hintergrund des Aspekts ihrer inhaltlichen Unschärfe hin zu untersuchen. Nach der Analyse weiterer Gemeinsamkeiten und Unterschiede liegt besonderes Augenmerk auf der Ergründung und den Erklärungsversuchen der Wirkungsmacht beider Modelle.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Hauptteil
2.1. Ähnlichkeiten im Forschungsduktus
2.2. Gemeinsamkeit der inhaltlichen Unschärfe
2.3. Gleiche Prämisse: die Erklärung der Wirkungsmacht der Konzepte
3. Schlussbetrachtung
4. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend das analytische Konzept des Nationalismus und den Propagandabegriff der Volksgemeinschaft im Nationalsozialismus, um Gemeinsamkeiten in der Wirkungsweise, semantischen Unschärfe und Sinnstiftung dieser Konzepte aufzuzeigen.
- Historisch-semantische Analyse der Forschungskonzepte
- Untersuchung der inhaltlichen Unschärfe und Wirkungsmacht
- Vergleich der Integrationsmechanismen und Exklusionspraktiken
- Analyse der Rolle von Sinnstiftung und politischer Identität
Auszug aus dem Buch
2.2. Gemeinsamkeit der inhaltlichen Unschärfe
Die Exklusion derer, die der jeweiligen Nation fremd sind, ist also ebenfalls Kernbestandteil nationalistischen Gedankengutes. Eugen Lemberg definiert „Nationalismus“ als ein „System von Vorstellungen, Wertungen und Normen“, das eine „Großgruppe integriert und gegen ihre Umwelt abgrenzt“ Gleichzeitig erhebt der „Nationalismus“ einen Anspruch auf grundsätzliche Egalität. Dieser Verheißungsmodus macht einen Großteil der Wirkungsmacht des „Nationalismus“ aus, er ist aber auch Kernthema des Forschungsfeldes der „Praxeologie der Volksgemeinschaft“ wie ich im Folgenden ausführen werde. Benedict Anderson, der die Nationsvorstellung einer „Imagined community“ vertritt, begründete diese Ansicht darin, dass „die Mitglieder selbst der kleinsten Nation die meisten anderen niemals kennen, ihnen begegnen, oder auch nur von ihnen hören werden, aber im Kopf eines jeden die Vorstellung ihrer Gemeinschaft existiert.“
Wenn also die Nationen aus dem Nationalismus heraus entstehen, so leuchtet auch dessen Einfügung in schon zuvor bestehende gemeineigene Bezugsrahmen ein. Bilder von der eigenen Nation als das „gelobte Land“ oder die Vorstellung von dem „auserwählte Volk“, das einen „privilegierten Status innerhalb der Völkergemeinschaft genießt und allen übrigen Nationen überlegen“ sei, speisen gleichermaßen die Weltanschauung des „Nationalismus“, wie das philosophische Motiv des Naturrechts, die „Idealisierung des Ursprünglichen, Natürlichen und Individuellen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, den Nationalismus mit dem nationalsozialistischen Propagandabegriff der Volksgemeinschaft zu vergleichen, und legt die methodische Vorgehensweise sowie die zentrale Fragestellung dar.
2.Hauptteil: Der Hauptteil analysiert Ähnlichkeiten in der Semantik, die inhaltliche Unschärfe beider Konzepte sowie deren gemeinsame Prämisse zur Erklärung ihrer jeweiligen Wirkungsmacht.
2.1. Ähnlichkeiten im Forschungsduktus: Dieses Kapitel arbeitet die semantische Übereinstimmung der Forschungskonzepte heraus, insbesondere in Bezug auf Praktiken der Inklusion, Exklusion und Homogenisierung.
2.2. Gemeinsamkeit der inhaltlichen Unschärfe: Es wird untersucht, wie die Vagheit der Begrifflichkeiten und die Verheißung von Egalität als Basis für die soziale Integrationskraft und Wirkungsmacht dienen.
2.3. Gleiche Prämisse: die Erklärung der Wirkungsmacht der Konzepte: Dieses Kapitel vergleicht, wie beide Modelle als Instanzen der Sinnstiftung fungieren und trotz fehlender allgemeinverbindlicher Definitionen durch ihre interpretatorische Offenheit operieren.
3. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass beide Forschungsbereiche ähnliche Integrations- und Exklusionsmechanismen aufzeigen und verweist auf den weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich der Abgrenzung oder Pervertierung des Nationalismus im Nationalsozialismus.
4. Literatur: Dieses Kapitel listet die für die Untersuchung herangezogene Fachliteratur auf.
Schlüsselwörter
Nationalismus, Volksgemeinschaft, Nationalsozialismus, Inklusion, Exklusion, Semantik, Sinnstiftung, Wirkungsmacht, Propaganda, Identität, Forschungsduktus, Ideologie, Gemeinschaft, Integration, Historische Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht das wissenschaftliche Konzept des Nationalismus mit dem propagandistischen Begriff der Volksgemeinschaft im Nationalsozialismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die semantische Ähnlichkeit, die inhaltliche Unschärfe der Begriffe sowie die Mechanismen, durch die beide Konzepte soziale Wirkungsmacht entfalten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die Forschung zur Volksgemeinschaft Parallelen zum Nationalismus-Konzept aufweist und ob beide durch ähnliche strukturelle Ansätze charakterisiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine historisch-semantische Analyse, um das Forschungsvokabular und die Interpretationsmuster beider Konzepte gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Gemeinsamkeiten im Forschungsduktus, die Bedeutung der inhaltlichen Unschärfe und die Rolle beider Begriffe als Instrumente der Sinnstiftung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Nationalismus, Volksgemeinschaft, Inklusion, Exklusion, Sinnstiftung und Wirkungsmacht.
Welche Rolle spielt die "Gewaltpolitik" laut der Arbeit?
Gewalt wird im Kontext der Volksgemeinschaft als Mittel beschrieben, um soziale Ordnung zu konturieren und die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zu erzwingen.
Wie unterscheidet sich die Theorie von der Alltagspraxis laut des Autors?
Während in der Theorie der Nationalismus nach in sich geschlossenen Einheiten strebt, zeigt die Praxis im Nationalsozialismus eine große Mehrdeutigkeit und "gewollte Diffusität", die den Begriff anpassungsfähig machte.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2016, Gemeinsamkeiten des "Nationalismus"-Forschungsvokabulars mit dem der "NS-Volksgemeinschaft", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430032