Die Entwicklung des Machtkampfes zwischen Friedrich I. und Hadrian IV.

Konfliktfelder mit dem Resultat des Papstschismas 1159


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Voraussetzungen des kaiserlich-päpstlichen Verhältnisses

3.) Der Konstanzer Vertrag von 1153

4.) Die Rolle der römischen Kommune

5.) Der Vertrag von Benevent als Wendepunkt

6.) Die Verschärfung des Konflikts
6.1) Der Eklat von Besancon
6.2) Regalienstreit und der Hoftag in Roncaglia 1158
6.3) Eskalation des Konflikts und Ausbruch des Schismas

7.) Fazit

8.) Quellen- und Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Das Papstschisma von 1159 repräsentiert das Ergebnis der jahrelangen politischen Auseinandersetzung zwischen dem staufischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Hadrian IV., dem einzigen Papst der Geschichte, der einer englischer Herkunft entstammte. Durch die Wahl Barbarossas zum König im Jahre 1152 sollte ein Herrscher das Stauferreich übernehmen, der es sich zum Ziel erklärte, die Macht im Reich wiederherzustellen und Ansprüche auf weltliche Hoheitsrechte in Italien durchzusetzen. Im Laufe des 12. Jahrhunderts häufte das Papsttum wiederum durch verschiedene Schenkungen seinen territorialen Besitz außerhalb der Stadt Rom immer mehr an, weshalb sich die Kurie auch immer stärker mit weltlichen Angelegenheiten beschäftigte.

Die Entwicklung sowohl auf höchster geistlicher als auch auf höchster weltlicher Machtebene schien also zwangsläufig in die selben Interessensgebiete zu verlaufen. Aus Unzufriedenheit mit der neuen, auch weltlich behafteten Rolle des Papsttums erwuchs im Jahre 1144 schließlich auch die Römische Kommune als politisch selbstständiger Faktor heraus. Auch innerhalb des kaiserlich- päpstlichen Gegensatzes sollte die Stadt Rom eine bedeutende Rolle einnehmen, vor allem auch deshalb, weil der Papst nun auf eine neue Weise auf den staufischen König angewiesen war.

Die zentrale Problemfrage der Arbeit beschränkt sich deshalb vordergründig auf die verschiedenen Konfliktfelder zwischen Kaiser und Papst und zudem, wieso hieraus eine Spaltung der Kardinäle entstanden ist, an deren Ende letztlich das Alexandrinische Schisma von 1159 steht. Die Auseinandersetzung zwischen Imperium und Sacerdotium wird hierbei in der Chronologie der Ereignisse analysiert. Zusätzlich soll jedoch auch der neue politische Faktor in Gestalt der Römischen Kommune in die Untersuchung mit einbezogen werden und in seiner Wirkung auf das kaiserlich-päpstliche Verhältnis eingeschätzt werden.

Hinsichtlich des Seminarthemas „Der Aufstieg der Staufer. Reichspolitik und europäische Konstellationen“ nimmt das Thema der Arbeit eine positive und zugleich finale Rolle ein, da mit der frühen Herrschaftszeit Barbarossas bereit früh klar wurde, dass ein staufischer Herrscher es verstanden hat, der römisch-katholischen Kirche gegenüber die eigenen Ansprüche zu behaupten. Anders gesprochen symbolisiert die frühe Regierungszeit Barbarossas den erfolgreichen Aufstieg der Staufer und bildet ein Gegenstück zu seinem Vorgänger Konrad III., der in vielen Teilen noch als „Pfaffenkönig“, also als Marionette der Kirche, wahrgenommen wurde.

Bei den verwendeten Quellen nimmt die von Bischof Otto von Freising verfasste „Gesta Friderici“ eine zentrale Rolle ein. Mit dem Tatenbericht von Friedrich erhalten wir zwar eine sehr detaillierte und sehr umfassende Beschreibung der Geschehnisse, jedoch auch eine sehr einseitige. Otto von Freising wurde vom Kaiser beauftragt, die Taten des Kaisers schriftlich festzuhalten. In diesem Zusammenhang beschrieb der Bischof die Geschehnisse der damaligen Zeit in einer sehr stauferfreundlichen Tonlage. Für den dritten und vierten Band beauftragte Otto seinen Schüler Rahewin, welcher nach dem Tod des Bischofs die Gesta Friderici vollendete. Das Gegenstück dazu bildet die „Gesta pontificum Romanorum“, die die Taten des Papstes Hadrian IV. Das Werk wurde von Kardinal Boso verfasst und sollte den Standpunkt des englischen Papstes rechtfertigen und zudem seine Motivationen erläutern, weshalb aber auch diese Quelle rein subjektiver Natur ist.

Hinsichtlich der Forschungsliteratur ist zweifelsfrei die Monographie „Alexander III. und Friedrich Barbarossa“ von Johannes Laudage zu nennen, der neben der Beschreibung des alexandrinischen Schismas auch sehr eindrücklich die Ursachen und Voraussetzungen der Kirchenspaltung erläutert hat.1 Jürgen Petersohn hat derweil einen entscheidenden Forschungsbeitrag hinsichtlich der Analyse des Verhältnisses zwischen Barbarossa und Römischer Kommune geleistet. Auch die Wirkung der römischen Stadtopposition auf den kaiserlich-päpstlichen Gegensatz, der von der älteren Forschung lange unterschätzt wurde, hat Petersohn durch seine 2010 veröffentlichte Monographie „ Kaisertum und Rom in spätsalischer und staufischer Zeit. Romidee und Rompolitik“ neu aufgerollt und veranschaulicht.2 Bezüglich der Interpretation des Eklats in Besancon sowie der grundsätzlichen Beschreibung des kaiserlich- päpstlichen Lehnsverhältnisses hat Roman Deutinger grundlegende Ergebnisse der älteren Forschung ergänzt und teilweise relativiert.3

Um die Fragestellung angemessen beantworten zu können, sollen zunächst die Voraussetzungen des Verhältnisses zwischen König und Papst skizziert werden, indem die Ereignisse bis ins Jahr 1153 beschrieben werden. Anschließend steht der 1153 abgeschlossene Konstanzer Vertrag im Fokus der Betrachtung, wobei seine politische Bedeutung für die späteren Jahre dabei hervorgehoben werden soll. Danach soll die Rolle der Römischen Kommune hinsichtlich der Beziehung zwischen Kaiser und Papst thematisiert werden. Darauffolgend ist der Vertrag von Benevent zwischen Hadrian IV. und Wilhelm I. Von Sizilien näher zu betrachten, dabei ist auch zu beachten, dass dieser Vertrag eine Art der ersten Zäsur darstellt. Den Abschluss der Arbeit bildet das Kapitel über die Entwicklung in den Jahren zwischen 1156 und 1159, welche als klare Verschärfung des Konflikts einzuordnen ist. Dabei soll zunächst der Eklat von Besancon und seine Relevanz untersucht werden, ehe der Streit um die Petrusregalien und die Beschreibung der Ereignisse des Jahres 1159 die Analyse abrunden.

2.) Voraussetzungen des kaiserlich-päpstlichen Verhältnisses

Als am 9. März 1152 der schwäbische Herzog Friedrich zum neuen Herrscher des Reiches gekrönt wurde, zeigte sich in Verbindung mit der wiedergewonnen Autorität des Königtums ein deutlicher Optimismus innerhalb der Politik.4 In einem Schreiben an den Papst bestätigte Friedrich seine Schutzpflicht und bekräftigte sein Amt als „Schirmherr der Römischen Kirche“.5 Das Verhältnis der beiden wurde mit der Antwort des Papstes jedoch schon früh beeinträchtigt. Der Papst erteilte nämlich sein „nicht erwünschtes Approbationsrecht“, Friedrich hingegen hat aber deutlich gemacht, dass sein Königtum auf der Gnade Gottes, der Wahl der Fürsten und dem Zuspruch des Volkes beruhte und eben nicht auf der Genehmigung des Papstes.6 Mit seiner Thronbesteigung und den ersten diplomatischen Interaktionen mit dem Papst zeigte der Staufer sogleich den Weg seiner Politik an. Das Ziel war die Wiederaufrichtung der kaiserlichen Macht und ihres Ansehens, daher eine umfassende „renovatio imperii“.7 Aus Sicht des Königs ging es auch darum, den Papstprimat, also den Anspruch auf den alleinigen Vorrang als Führer des gesamten Christentums, zurückzuweisen sowie die Herrschaft über Reichsitlaien zur Geltung zu bringen.8 Es deutete sich zudem recht früh an, dass mit Barbarossa ein staufischer König gekrönt wurde, für den der Einfluss auf die Neubesetzung der Bistümer im Reich einen hohen Stellenwert besaß.

Dies zeigte sich beispielsweise im März 1152 während seines Aufenthalts in Utrecht, als Friedrich nach der Aachener Krönung an den Niederrhein gezogen war.9 Viel deutlicher sollte sich die Einflussnahme des Königs in diesem Zusammenhang ein paar Monate später schließlich auf dem Merseburger Hoftag offenbaren, als Barbarossa in die Magdeburger Doppelwahl eingriff. Er bewog eine der beiden Parteien dazu, Bischof Wichmann von Naumburg zu wählen, dem er umgehend auch die Regalien verlieh.10 Da das deutsche Episkopat jedoch Position für Friedrich ergriff, kam es letztlich noch zu keinem grundlegenden Bruch zwischen König und Papst. Das aus päpstlicher Sicht höchst umstrittene Handeln Friedrichs stellt gleichwohl einen zentralen Streitpunkt der nächsten Jahre zwischen beiden Seiten dar.11 Es sollte jedoch hinzugefügt werden, dass Friedrich vordergründig aus fürstlichen Interessen Einfluss auf die Doppelwahl genommen hat, da durch die Wahl von Wichmann ein Gegengewicht zu Heinrich dem Löwen in Sachsen geschaffen werden konnte.12

Der Papst blieb jedoch nicht untätig und reagierte mit seiner Wibald von Stablo übermittelten Nachricht über eine Verschwörung in Rom, die auf Anstiften von Arnold von Brescia13 die Wahl eines Rates von 100 Senatoren und zwei Konsuln beabsichtigte. Ferdinand Opll geht davon aus, dass der Papst mit diesem Vorgehen Friedrich offensichtlich unter Druck setzten wollte, obwohl dem staufischen König bewusst war, dass ein Aufbegehren der Römer mehr Gefahr für das Papsttum darstellte, als für ihn selbst.14

Doch als aus Rom die bedenkliche Nachricht eintraf, dass die Anhänger Arnolds von Brescia den Plan gefasst hatten, als römische Kommune auch einen eigenen Kaiser zu wählen, stellte dies auch für Friedrich eine gefährliche Entwicklung dar.15 Im Herbst 1152 erreichte Friedrich ein Brief aus Rom, der zum einen eine heftige theologische Kritik an der weltlichen Verstrickung der Papstkirche verübte und andererseits dafür argumentierte, dass der König die Kaiserwürde doch viel eher von den Römern erhalten solle.16 Aber schon allein aus traditionellen Motiven kam für Friedrich nur die Kaiserkrönung durch den Papst in Frage, weshalb auch die Interessengleichheit zwischen Papst und König, den Romzug so schnell wie möglich durchzuführen, weiter anwuchs.17

Auf eine grundsätzliche Änderung des Verhältnisses zwischen Papst und König verweist Jürgen Petersohn, der betont, dass Friedrich Barabrossa im Gegensatz zu Konrad III. den deutschen Königsthron ohne kuriale Hilfe bestiegen hat. Er war gegenüber dem Papst also nicht zur Dankbarkeit verpflichtet und die Voraussetzungen des königlich-päpstlichen Verhältnisses standen somit auf einer ganz anderen Basis, als dies bei Konrad noch der Fall war.18 Für die kommenden Jahre sollte sich Friedrichs Handlungsspielraum gegenüber der päpstlichen Seite relativ flexibel darstellen und darüber hinaus konnte der König auch seine politischen Anliegen selbstbewusster behaupten.

3.) Der Konstanzer Vertrag

Als vorrangiges Ziel der frühen Politik Barbarossas zählt zweifellos die Kaiserkrönung in Rom. Da aber auch Papst Eugen III. auf die Hilfe des Königs angewiesen war und diese in einer schriftlichen Vereinbarung garantiert haben wollte, kam es am 23. März 1152 zum Abschluss und Beeidung des Konstanzer Vertrags. Der beschworene bilaterale Vertrag verkörperte die bindende Grundlage der Beziehung zwischen Reich und Kurie.19 Friedrich versicherte dem Papst in diesem Vertrag, die revoltierende stadtrömische Opposition zu unterwerfen und zudem einen Feldzug gegen Roger von Sizilien zu führen. Gleichzeitig musste der König auch versprechen, nicht eigenmächtig mit beiden Gegnern Frieden zu schließen.20 Zudem musste der Staufer den honor papstus sowie die Regalien des heiligen Petrus wahren und durfte dem griechischen König Manuel

I. Komnenos kein Land diesseits der Adriatischen Meeres überlassen. Der Papst sicherte Friedrich dafür die Kaiserkrönung zu und verpflichtete sich, die Ehre des Reiches zu wahren.21

Die Abmachungen sind also größtenteils adäquate Forderungen, die beide Protagonisten an den jeweils anderen stellten, jedoch mit einer Ausnahme. Im Gegensatz zu Friedrich hat der Papst nicht versichert, dass er in keinem Fall einen Waffenstillstand mit der römischen Kommune oder dem normannischen König abschließen wird.22 Aus diesem Grund ist sich die Forschung auch weitestgehend darüber einig, dass der Konstanzer Vertrag als „eindeutiger Erfolg der Kurie“ zu bewerten ist.23 Nach Johannes Laudage ist es deutlich geworden, dass es Eugen III. und seinen Mitarbeitern gelang, die Rechtsposition des Papsttums entscheidend zu verbessern. Laudage sieht in dem Erfolg der Kurie auch das Hauptmotiv für Otto von Freising, der auf Anweisung von Barbarossa in seinen Gesta Friderici so tat, als habe es die vertragliche Vereinbarung mit Eugen III. gar nicht gegeben.24 Auch mit dem späteren Ausbruch des Papstschismas steht der Konstanzer Vertrag in Verbindung. Laudage macht deutlich, dass die Kurie bereits in den Verhandlungen von 1153 die Absicht verfolgte, sich die juristische Unabhängigkeit der Petrusregalien vom deutschen König garantieren zu lassen und das hierin ein zentraler Konflikt begründet liegt, der auch zum völligen Zerwürfnis zwischen Staufer und Papst geführt hat.25

Auch Jürgen Petersohn sieht in Eugen III. zweifellos den Gewinner der Abmachungen vom Jahreswechsel 1152/53, spezialisiert sich dabei aber auch auf die Romfrage26, in der nach Petersohn der Papst keine Annäherung zwischen Römischer Kommune und Barbarossa befürchten musste27. Zudem beschreibt Petersohn in einer anderen Arbeit das Präskriptionsrecht, welches in Form einer Hundertjahresklausel in den Konstanzer Vertrag eingebracht wurde.28 Der Papst bezieht sich demnach mit der Forderung an Barbarossa, die stadtrömische Opposition wieder unter seine Herrschaft zu bringen, auf ein bestimmtes Vorrecht der Römischen Kirche. Laut Petersohn beruft sich der Papst daher auf die Wiederherstellung der alten Ordnung, die er durch den Konstanzer Vertrag rechtlich zur Lösung an den Staufer übertragen hat.29 Für unsere Fragestellung ist jedoch noch entscheidender, dass Barbarossa ganz klar als Protagonist benannt wird, der „seinerseits auf selbstständigen Handlungsspielraum gegenüber der urbs weitgehend Verzicht leistete“.30 Odilo Engels hingegen ist der Meinung, dass „der äußeren Form des Konstanzer Vertrags nicht mehr zu entnehmen ist, als eine verhandlungstechnische Verbesserung“. Laut Engels ist also nicht zu erkennen, dass sich durch die „Auflistung der Verpflichtungen beider Partner auf einem Blatt“ an der Rechtskraft oder Stellung eines Verhandlungsseite sich etwas geändert haben soll.31 Doch Engels bezieht sich hierbei auf die rechtliche Verbesserung durch den Konstanzer Vertrag, räumt aber auch ein, dass es hinsichtlich einer diplomatischen Einschränkung gegenüber den Römern und Roger von Seiten des Papstes keine adäquate Gegenleistung gab.32 Lässt sich also hieraus ableiten , dass der Konstanzer Vertrag grundsätzlich eine Verbesserung der päpstlichen Position und damit automatisch eine diplomatische Schwächung des Staufers hervorbrachte? Relevant bei der Beantwortung dieser problematischen Frage ist sicherlich auch ein Blick auf die rechtliche Beständigkeit des Konstanzer Vertrags. In den Wortlaut des Vertragswerkes wurde nämlich eine Klausel eingefügt, die es den Nachfolgern Eugens III. ermöglichen sollte, die in Konstanz beeidete Verhandlung jederzeit zu erneuern.33 Eugen III. konnte aufgrund gewisser Vorleistungen34 davon ausgehen, dass Friedrich schon bald einen Feldzug gegen den Normannenkönig führen und zudem auch die stadtrömische Opposition unterwerfen würde. Und auch als Eugen III. am 8. Juli 1153 verstarb, musste sich die Kurie keine Sorgen darüber machen, dass die in Konstanz verhandelten Vereinbarungen ihre Gültigkeit verlieren würden.

Hadrian IV. drängte als neuer Pontifex auf die Erneuerung des mit Eugen III. abgeschlossenen Vertrages, welcher dann schon im Januar 1155 reaktiviert wurde. Jedoch schaffte es Barbarossa in dieser Verhandlung eine wesentliche Modifizierung vorzunehmen. Der Staufer versprach die Petrusregalien im bisherigen Umfang zu bewahren, sie jedoch nicht mehr gegen fremde Übergriffe zu verteidigen, was den Handlungsspielraum Barbarossas erheblich erweiterte.35

4.) Die Rolle der Römischen Kommune

Friedrich Barbarossa erbte 1152 eine Situation, in der die Römer seit nun mehr acht Jahren die päpstliche Herrschaft abgeschüttelt hatten und sich nun vermehrt um eine kaiserliche Legitimierung des kommunalen Regiments bemühten.36 Doch in welcher Hinsicht lassen sich aus dem zwiespältigen Verhältnis zwischen Friedrich und der Römischen Kommune Rückschlüsse darüber ziehen, dass die immer schlechter werdende Beziehung zwischen Staufer und Papst auch mit dieser Entwicklung zwischen Kaiser und Rom verknüpft ist?

Durch die im Konstanzer Vertrag getroffene Vereinbarung, dass Friedrich mit den Römern keinen Frieden schließen dürfe und sie viel mehr unter die Kontrolle des Papstes bringen sollte, wurden diplomatische Initiativen des Staufers in der ewigen Stadt scheinbar ausgeschlossen. Jochen Johrendt sieht die Zusicherung Barbarossas im Konstanzer Vertrag jedoch nicht als die „völlige Aufgabe der Einflussmöglichkeiten in Rom“,37 bewertet die Situation daher grundsätzlich anders als der weitestgehende Teil der Forschung.38 Unabhängig davon, ob dem staufischen König gegenüber Rom die Hände gebunden waren oder nicht, lehnte Friedrich jegliche römische Offerten, einschließlich das Angebot einer römischen Gesandtschaft, ihm die Kaiserwürde übertragen zu wollen39, bis zu seiner Kaiserkrönung 1155 ab.

Doch die besagte Kaiserkrönung sollte anders verlaufen, als sich das der Kaiser, vor allem aber der Papst vorgestellt haben. Der Wunsch Hadrians, die senatsgeführte Kommune mit Hilfe des Kaisers wieder unter seine Kontrolle zu bringen, blieb unerfüllt.40 In einem Brief an Otto von Freising beschreibt Friedrich die Unruhen in Rom unmittelbar nach seiner Kaiserkrönung, verweist dabei aber auch auf unangenehme Umstände: „Nachdem [..], brachen die Römer, während wir alle von allzu großer Anstrengung und Hitze ermattet zu den Zelten zurückkehrten und Speiße einnahm, von der Tiberbrücke aus vor und trachteten im Münster des heiligen Petrus nach Ermordung zweier unserer Diener und Ausplünderung der Kardinäle den Papst gefangen zu nehmen.“41 Neben der von Friedrich erwähnten Hitzebelastung litt das kaiserliche Heer auch an einer Lebensmittelknappheit, die mit generellen Versorgungsschwierigkeiten einher ging.42

Der Kaiser verließ somit Rom, ohne die Angelegenheit mit der Römischen Kommune im Sinne des des Papstes zu regeln. Dass sich der Staufer jedoch nicht nur aus Rom zurückzog, sondern auch gegen einen Feldzug gegen die Normannen entschied, deuten die Quellen übereinstimmend auf die Ablehnung der deutschen Fürsten, die Barbarossa ihre Gefolgschaft für seine weitergehenden Ziele versagten.43 Die These, dass Friedrich nach dem ersten Romzug seinen Versprechungen dem Papst gegenüber nicht gerecht wurde, begründet Johannes Laudage nicht allein mit situationsbedingten Faktoren. Nach der Ansicht von Laudage habe man die Entwicklungen zu sehr mit den Augen Otto von Freisings betrachtet, also zu wenig beachtet, dass das zweite Buch der Gesta Frederici beim Leser den Eindruck einer ungetrübten Harmonie zwischen Imperium und Sacerdotium erwecken sollte.44

Diese Sichtweise lässt also durchaus den Schluss zu, dass das Verhältnis zwischen Kaiser und Papst bereits vor der Kaiserkrönung, aufgrund von generellen Differenzen hinsichtlich des eigenen Herrschaftsverständnisses sowie der Größe der jeweiligen Machtbefugnis, beeinträchtigt war. Betrachtet man die weitere Entwicklung des kaiserlich-päpstlichen Verhältnisses, wird recht schnell deutlich, dass die konfliktträchtigen Ereignisse zwischen Hadrian und Friedrich wiederum eine katalytische Wirkung auf das Verhältnis zwischen Kaiser und Rom hatten.45

Ab dem Jahr 1158 sollte sich die kaiserliche Beziehung zu Rom mehr und mehr intensivieren, was nicht zuletzt auf die erhebliche Verschlechterung der diplomatischen Relation zwischen Barbarossa und Hadrian zurück zu führen ist. Mitte Mai 1158 erreichte Friedrich eine römische Gesandtschaft unter der Beteiligung eines Neffen von Kardinal Oktavian, des späteren von Friedrich unterstützten Gegenpapstes Viktor IV.

[...]


1 Laudage, Johannes: Alexander III. und Friedrich Barbarossa. (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, Band 16). Köln 1997.

2 Petersohn, Jürgen: Kaisertum und Rom in spätsalischer und staufischer Zeit. Romidee und Rompolitik von Heinrich V. bis Friedrich II. (Monumenta Germaniae Historica Schriften, Band 62). Hannover 2010.

3 Deutinger, Roman: Kaiser und Papst: Friedrich I. Und Hadrian IV., In (Hrsg.): Dendorfer, Jürgen / Deutinger, Roman: Das Lehnswesen im Hochmittelalter. Forschungskosntrukte - Quellenbefunde - Deutungsrelevanz. (Mittelalter-Forschungen, Band 34). Ostfildern 2010, S. 329-346.

4 Opll, Ferdinand: Friedrich Barbarossa. 4. Auflage. Darmstadt 2009, S. 41.

5 Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit. München 1990, S. 40/41.

6 Wies: Kaiser Friedrich, S. 41.

7 Grebe, Werner: Kaisertum und Papsttum in der Vorstellung und in der Politik Friedrich Barbarossas und Rainalds von Dassel, In: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 45 (1974). S. 1-14, hier S. 3.

8 Grebe: Kaisertum und Papsttum, S. 3.

9 Opll: Barbarossa, S. 42.

10 Claude, Dietrich: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis in das 12. Jahrhundert 2. (Mitteldeutsche Forschungen, Band 67). Köln 1975, S. 71.

11 Claude: Erzbistum Magdeburg, S. 71/72.

12 Görich, Knut: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. München 2011, S. 118ff.

13 Arnold von Brescia war einer der Führer der Römischen Kommune und kritisierte vehement die kirchliche Hierarchie.

14 Opll: Barbarossa, S. 44.

15 Wies: Kaiser Friedrich, S. 56.

16 Petersohn: Kaisertum und Rom, S. 137.

17 Wies: Kaiser Friedrich, S. 57.

18 Petersohn: Kaisertum und Rom, S. 132.

19 Georgi, Wolfgang: Friedrich Babrarossa und die auswärtigen Mächte. Studien zur Außenpolitik 1159- 1180. (Europäische Hochschulschriften 3, Band 442). Frankfurt am Main 1990, S. 10.

20 Georgi: Barbarossa und auswärtige Mächte, S. 10.

21 Petersohn: Kaisertum und Rom, S. 140.

22 Georgi: Barbarossa und auswärtige Mächte, S. 10.

23 Laudage: Alexander III. und Barabrossa, S. 58.

24 Laudage: Alexander III. und Barbarossa, S. 58ff.

25 Laudage: Alexander III. und Barabrossa, S.103.

26 Die Romfrage beschreibt das Verhältnis zwischen Römischer Kommune, Friedrich und dem Papst. Vor allem das aus päpstlicher Sicht befürchtete Zusammenwirken zwischen dem staufischen König und den Römern wurde durch den Konstanzer Vertrag vorerst abgewehrt.

27 Petersohn: Kaisertum und Rom, S. 146.

28 Petersohn, Jürgen: Präskriptionsrecht und Konstanzer Vertrag, In (Hrsg.): Herbers, Klaus / Kortüm, Hans Henning / Servatius, Carlo: Ex Ipsis Rerum Documentis - Beiträge zur Mediävistik. Festschrift für Harald Zimemrmann zum 65. Geburtstag. Sigmaringen 1991, S. 307-315, hier S. 314ff.

29 Petersohn: Präskriptionsrecht, S.315.

30 Petersohn: Präskriptionsrecht, S.315.

31 Engels, Odilo: Zum Konstanzer Vertrag, In (Hrsg.): Hehl, Ernst-Dieter / Seibert, Hubertus: Deus qui mutat tempora : Menschen und Institutionen im Wandel des Mittelalters. Festschrift für Alfons Becker zu seinem 65. Geburtstag. Sigmaringen 1987, S. 235-258, hier S. 244.

32 Engels: Konstanzer Vertrag, S. 253.

33 Laudage: Alexander III. und Barbarossa, S. 43.

34 Gemeint ist hiermit beispielsweise die Annullierung der Ehe Barbarossas mit Adela von Vohburg, was als bedeutende politische Konzession Eugens III. zählt.

35 Laudage: Alexander III. und Barbarossa, S. 63.

36 Johrendt, Jochen: Barbarossa, das Kaisertum und Rom, In (Hrsg.): Burkhardt, Stefan: Staufisches Kaisertum im 12. Jahrhundert. Konzepte - Netzwerke - Politische Praxis. Regensburg 2010, S. 75-107, hier S. 84.

37 Johrendt: Barbarossa und Rom, S. 86.

38 Hierzu zählen beispielsweise Knut Görich und Jürgen Petersohn, wobei sich gerade letzterer in seiner Forschung auf das Verhältnis zwischen Barbarossa und der Römischen Kommune spezialisiert hat.

39 Gesta Friderici II., Kap.31, S. 135.

40 Petersohn: Kaisertum und Rom, S. 161.

41 Gesta Friderici, S. 4ff.

42 Gesta Friderici, S. 5.

43 Boso: Gesta pontificum Romanorum, ed. Duchesne, S. 393.

44 Laudage: Alexander III: und Barbarossa, S. 65.

45 Johrendt: Barbarossa und Rom, S. 90ff.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung des Machtkampfes zwischen Friedrich I. und Hadrian IV.
Untertitel
Konfliktfelder mit dem Resultat des Papstschismas 1159
Hochschule
Universität Stuttgart
Veranstaltung
Der Aufstieg der Staufer. Reichspolitik und europäische Konstellationen
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V430246
ISBN (eBook)
9783668735842
ISBN (Buch)
9783668735859
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
barbarossa, friedrich I., hadrian iv., papstschisma, vertrag von benevent, eklat besancon, regalienstreit, hoftag roncaglia, konstanzer vertrag
Arbeit zitieren
Marco Römpp (Autor), 2017, Die Entwicklung des Machtkampfes zwischen Friedrich I. und Hadrian IV., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430246

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