Finanzkrisen haben in den 90er Jahren und den Anfängen des 21. Jahrhunderts in besonderem Maße sogenannte Schwellenländer heimgesucht und zu einer erneuten wissenschaftlichen Diskussion über ihre Ursachen geführt. Für das Ausbrechen der Krisen waren in der Regel hohe Kapitalabzüge ausländischer Investoren und Spekulanten, die eine fallende Währung erwarteten, verantwortlich. Durch das massenhafte Auftreten solcher Spekulanten kam es zu einer „self-fullfilling prophecy“ und die jeweiligen Währungen werteten stark ab mit den bekannten, häufig schwerwiegenden Folgen für das Bankensystem und die Volkswirtschaft. Die Frage die jedoch sowohl für zukünftige Präventionen als auch für die Politiksteuerung von Bedeutung ist, bleibt, ob nationale Politik und fundamentale realwirtschaftliche Entwicklungen für das Verhalten an den Devisenmärkten verantwortlich sind oder ob der Grund allein in dem Profit gesteuerten Verhalten des internationalen Kapitals zu suchen ist, wie von vielen Globalisierungskritikern und auch einigen Wissenschaftlern argumentiert wird (Vgl. BMF 2002, S.47).
Gibt es die Abkopplung des Kapitalmarktes von realwirtschaftlichen Fundamentaldaten oder ist das Verhalten der Investoren lediglich eine Reaktion auf makroökonomische Ungleichgewichte?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Wirkungszusammenhänge
2.1 Theorien der Finanzkrisen
2.1.1 First Generation Modell
2.1.2 Second Generation Modell
2.1.3 Alternative Theorien
2.2 Wechselkurssysteme
2.3 Makroökonomische Entwicklungen in einer offenen Volkswirtschaft
2.4 Mögliche Indikatoren der Krise
3. Die Länder vor der Krise
3.1 Argentinien
3.2 Russland
3.3 Thailand
3.4 Türkei
4. Ursachen der Krisen in den einzelnen Ländern
4.1 Argentinien
4.2 Russland
4.3 Thailand
4. 4 Türkei
5. Vergleichende Betrachtung der Ursachen
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die fundamentalen Ursachen von Finanzkrisen in Schwellenländern, um zu klären, inwieweit diese durch nationale Politik und reale wirtschaftliche Ungleichgewichte bedingt sind oder primär durch das spekulative Verhalten internationaler Investoren ausgelöst werden. Dabei wird untersucht, ob sich länderübergreifende Gemeinsamkeiten identifizieren lassen.
- Theoretische Grundlagen von Finanzkrisen (First- und Second-Generation-Modelle)
- Bedeutung unterschiedlicher Wechselkurssysteme in offenen Volkswirtschaften
- Empirische Untersuchung der Krisen in Argentinien, Russland, Thailand und der Türkei
- Vergleichende Analyse der Wirtschaftsindikatoren im Vorfeld der Krisen
- Diskussion über Krisenprävention und die Rolle internationaler Kapitalbewegungen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 First Generation Modell
Sogenannte „First Generation“ Krisenmodelle sehen als ursächlichen Grund für eine Krise - unter der Annahme rationaler voraus denkender Spekulanten - die Unvereinbarkeit des Wechselkursregimes mit der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik (Vgl. Rajan 2001, S.5). Dabei stellen, durch politische Fehlentwicklungen entstandene, makroökonomische Ungleichgewichte wie Leistungsbilanzdefizit, überbewerteter Wechselkurs, untragbares Budgetdefizit oder extrem expansive Geldpolitik die konventionellen modelltheoretischen Ursachen dar (Vgl. Hamann et al. 2003, S.14). Die sich verschlechternden Fundamentaldaten führen zur Aufgabe des Pegs, da das Festhalten an dem Peg in der Rangordnung der Politikziele unterhalb derer steht, die von der Politik bevorzugt werden und im Konflikt mit dem Festkurs stehen, wie etwa die Vollbeschäftigung (Vgl. Berger 2002, S.17). Dabei spielen die Marktteilnehmer (Spekulanten) eine untergeordnete Rolle und beeinflussen die Politik nicht durch ihre Markterwartungen (Vgl. Berger 2002, S.17).
Die Spekulanten kommen in sofern zu tragen, als dass sie beim „Run“ auf die Reserven der Zentralbank beteiligt sind, der der Aufgabe des Pegs vorausgeht und das Ausbrechen der Währungskrise darstellt (Vgl. Berger 2002, S.25). Dem antizipierten Prozess der weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage des Landes – etwa durch ein steigendes Budgetdefizit repräsentiert – und der damit verbundenen stetigen Verringerung der Devisen (siehe zur kausalen Abfolge weiter unten) wird durch den Run zuvorgekommen und somit wird der Prozess durch die Spekulanten nur beschleunigt und nicht verursacht (Vgl. Krugman 1997, S.3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Problematik von Finanzkrisen in Schwellenländern und definiert die Forschungsfrage, ob Krisen durch fundamentale Ungleichgewichte oder durch spekulative Kapitalbewegungen verursacht werden.
2. Theoretische Wirkungszusammenhänge: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Modelle von Finanzkrisen, verschiedene Wechselkurssysteme sowie makroökonomische Zusammenhänge in einer offenen Volkswirtschaft dar.
3. Die Länder vor der Krise: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung der wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in Argentinien, Russland, Thailand und der Türkei im Vorfeld der jeweiligen Krisen.
4. Ursachen der Krisen in den einzelnen Ländern: Hier werden die spezifischen Krisenursachen für jedes der vier Beispielländer auf Basis der theoretischen Modelle analysiert.
5. Vergleichende Betrachtung der Ursachen: Dieses Kapitel führt einen systematischen Vergleich der Indikatoren durch, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Krisenverläufen herauszuarbeiten.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Krisenursachen und diskutiert Möglichkeiten der Krisenprävention durch Politik und Wahl des Wechselkurssystems.
Schlüsselwörter
Finanzkrisen, Schwellenländer, Wechselkurssysteme, Kapitalbewegungen, Argentinien, Russland, Thailand, Türkei, Wirtschaftspolitik, Leistungsbilanzdefizit, Verschuldung, Investitionen, Währungsstabilität, makroökonomische Ungleichgewichte, Currency Board.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die fundamentalen Ursachen von Finanzkrisen in Schwellenländern und bewertet diese im Kontext unterschiedlicher theoretischer Erklärungsmodelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Wirtschaftspolitik, die Auswirkungen von Wechselkurssystemen (wie Currency Boards oder Pegs) und die Dynamik internationaler Kapitalflüsse auf die Stabilität von Schwellenländern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, zu klären, ob Finanzkrisen primär durch nationale wirtschaftliche Fehlentwicklungen begründet sind oder ob sie auf das spekulative Verhalten des internationalen Kapitals zurückzuführen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse von Wirtschaftsindikatoren über einen Zeitraum von vier Jahren vor bis zwei Jahren nach dem Ausbruch der Krisen in vier Beispielländern durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse, die Fallstudien zu Argentinien, Russland, Thailand und der Türkei sowie einen länderübergreifenden Vergleich dieser Krisen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Finanzkrisen, Schwellenländer, Wechselkurssysteme, Kapitalbewegungen und makroökonomische Ungleichgewichte charakterisiert.
Warum wurde Thailand in den Vergleich einbezogen, obwohl es sich strukturell unterscheidet?
Die Wahl der vier Länder, die sich geographisch und strukturell stark unterscheiden, soll sicherstellen, dass die Krisen nicht nur isoliert als regionale Phänomene betrachtet, sondern auf allgemeingültige Ursachen hin untersucht werden können.
Welche Bedeutung haben die "Second Generation"-Modelle in dieser Arbeit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die "Second Generation"-Modelle am besten geeignet sind, die untersuchten Krisen zu erklären, da sie die Interaktion zwischen politischer Inkonsistenz und den Erwartungen der Marktteilnehmer am treffendsten abbilden.
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- Sebastian Weber (Author), 2004, Finanzkrisen in Schwellenländern - Eine vergleichende Bewertung ihrer fundamentalen Ursachen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/43054