Interkulturelle Museumspädagogik

Reflektierende Dokumentation


Projektarbeit, 2011

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Praktikumsstelle
2.1 Das Unternehmen
2.2 Das Arbeits- und Aufgabenfeld
2.3 Die Rahmenbedingungen
2.4 Analyse der Zielgruppe

3. Der Handlungsablauf
3.1 Informieren
3.2 Planen/Entscheiden
3.3 Ausführen
3.4 Kontrolle
3.5 Beurteilen

4. Das Projektmanagement

5. Die Qualitätssicherung

6. Die Evaluation

7. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Diese Hausarbeit, welche im Modul 3B ‚Praxis der Mediendidaktik‘ absolviert wird, soll bildungswissenschaftliche Theorien mit meinem bildungspraktischen Handeln verbinden und die damit verknüpften Erfahrungen reflektieren.

Um zu Beginn einen Gesamteindruck über das Projekt im Bereich der interkulturellen Museumspädagogik an der Akademie Klausenhof in Rhede/Westfalen und seine Zusammenhänge zu vermitteln, werde ich in Kapitel 2 zunächst das Institut vorstellen, das Aufgabenfeld beschreiben, die Rahmenbedingungen meines Praktikums darlegen und eine Analyse der Zielgruppe meines Vorhabens vornehmen.

Das darauf folgende Kapitel beschreibt die einzelnen Phasen des Projektes, von der Initiierung und Planung im Vorfeld, über die Durchführung der einzelnen Phasen bis hin zur Kontrolle und Auswertung der Ergebnisse. Hier werden in diesem Zusammenhang auch die theoretischen Grundlagen dargestellt.

Auf den Einfluss des Projektmanagements auf meine Arbeit an der Akademie Klausenhof wird in Kapitel 4 eingegangen werden.

Des Weiteren werden in den folgenden Kapiteln Konzepte zum Erhalt und zur Steigerung der Qualität innerhalb von Bildungsprojekten behandelt. Im Vergleich dazu werden auch Maßnahmen der Evaluation erörtert.

Die Erkenntnisse und Kompetenzen, die ich im Laufe des Projektes durch das Lernen im Praxisfeld gewinnen konnte, werden diese Arbeit im letzten Kapitel abschließen.

Da es sich bei dieser Hausarbeit um eine reflektierende Dokumentation handelt, werde ich in der für wissenschaftliche Ausarbeitungen unüblichen Ich-Form schreiben. Es werden zugunsten der Lesbarkeit ausschließlich männliche Formulierungen verwendet, wobei dies neutral und nicht wertend verstanden werden soll.

2. Die Praktikumsstelle

Zusammen mit einer Kommilitonin führte ich ein Praktikum an der Akademie Klausenhof in Rhede/Westfalen, einer vom Land NRW anerkannten Einrichtung im Bereich der Weiterbildung, durch. Auch wenn wir die Praktikumsstelle gemeinsam antraten und aus organisatorischen Gründen teilweise gemeinsam agierten, beispielsweise bei Vorgesprächen mit den Verantwortlichen der Akademie, möchte ich schon an dieser Stelle herausstellen, dass wir im Rahmen dieses Praktikums jeweils ein eigenes Projekt getrennt voneinander durchführten. Meine Aufgabe war es, im Bereich der interkulturellen Museumspädagogik, einen Besuch im Hamaland-Museum, dem größten kulturgeschichtlichen Museum im Westmünsterland, vorzubereiten, durchzuführen, nachzubereiten und zu evaluieren.

2.1 Das Unternehmen

Die Akademie Klausenhof besteht seit 1959 und hat sich seitdem zu einem großen Bildungszentrum mit zwei Standorten im Münsterland und insgesamt rund 200 Mitarbeitern entwickelt. In neun verschieden Fachbereichen haben die Teilnehmer aus dem In- und Ausland die Möglichkeit, sich weiterzubilden, Schulabschlüsse nachzuholen, Sprachkurse zu belegen und vieles mehr. Dabei besteht auch die Möglichkeit, das Internat der Akademie zu bewohnen, was sich im Motto der Akademie Klausenhof „Leben und Lernen unter einem Dach“ widerspiegelt. Die Akademie Klausenhof ist eine multikulturelle Gesellschaft breiter sozialer Herkunft. Dieser Umstand ist sowohl als besonderes Kennzeichen als auch als pädagogische Herausforderung anzusehen. Integrationsthemen sind bei Seminaren und Tagungen der Akademie Klausenhof ein wichtiger Schwerpunkt. So wird zum Beispiel besonderer Wert auf den Erwerb von interkulturellen Kompetenzen und auf kulturellen Austausch gelegt.

2.2 Das Arbeits- und Aufgabenfeld

Da die Akademie Klausenhof aktuell als einer von 15 Teilnehmern am Projekt „ Interkulturelle Kompetenzen in der Weiterbildung “ der Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung/Bonn (KBE) teilnimmt, wurde das Praktikum als ein Teilprojekt dieses Vorhabens bestimmt. Die Konzeption des KBE sieht vor, dass „durch die Gestaltung von Lehr- Lernarrangements im Rahmen kultureller Bildung der adäquate Umgang mit kultureller, sprachlicher und sozialer Heterogenität als Grundhaltung vermittelt werden bzw. erfahrbar sein soll“ (www.kbe-bonn.de/interkulturellekompetenzen.html). Die Chancen der Migranten zur Partizipation an kultureller Bildung sollen so erhöht werden.

Da jährlich bis zu 150 Teilnehmer mit unterschiedlichem kulturellen, religiösen und sozialen Hintergrund die Angebote im Klausenhof nutzen, und das Internat der Akademie zu einem großen Teil Jugendliche mit Migrationshintergrund beherbergt, bot sich hier die optimale Plattform für ein interkulturelles Projekt. In Vorgesprächen mit den Verantwortlichen der Akademie Klausenhof (s. Abb. 1), erörterten wir Vorstellungen und Möglichkeiten der Gestaltung. Wir kamen zu dem Ergebnis, die Ausein­andersetzung mit der für Migranten fremden Kultur der ‚neuen Wahlheimat‘ Deutschland, durch ein Projekt der interkulturellen Museumspädagogik zu fördern. Hierzu besuchte ich mit einer Gruppe von 14 Migranten das Hamaland-Museum in Vreden, welches den handwerklichen bzw. agrarwirtschaftlichen Bereich der Geschichte der Region ausstellt.

Um den Teilnehmern bei diesem Besuch einen typisch deutschen Aspekt unserer Kultur zu präsentieren, entschied ich ein Angebot aus dem museumspädagogischen Angebot des Hamaland-Museums zu nutzen und mit der Gruppe auf traditionelle Weise Brot zu backen. Meine Aufgabe definierte ich auf Basis der Theorien von Bolten (2007) über die „interkulturelle Kompetenzentwicklung on-the-job“. Es galt also über ein erstes Kennenlernen im Vorbereitungsseminar Vertrauen zu schaffen, den kulturellen Hintergrund der Teilnehmer sowie den Kenntnisstand im Bereich des Bäckerhandwerks abzufragen und durch gemeinsame Aktionen die Ziele des Projektes zu verdeutlichen.

2.3 Die Rahmenbedingungen

Abgesehen von den Vorgaben zum Praktikum, welche die FernUniversität Hagen aufstellt, gilt es im Praktikum wirtschaftliche, pädagogische, institutionelle, gesellschaftliche und ökonomische Bedingungen zu berücksichtigen.

Da die Akademie Klausenhof eine selbständige kirchliche Stiftung ist, verfolgt sie keine wirtschaftlichen Ziele, sondern sieht innovative Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen im Vordergrund ihrer Leitlinien. So stehen ausdrücklich die an den angebotenen Maßnahmen teilnehmenden Menschen im Mittelpunkt der Bemühungen (vgl. www.akademie-klausenhof.org/Organisation_Lei­tung.­aspx?sonstID=309&Bereich=18).

Die Gruppe der Teilnehmer an meinem Projekt wurde durch die Akademie anhand nachfolgender Kriterien ausgewählt: Wir kamen überein, dass ein gewisses Maß an Deutschkenntnissen auf Seiten der Teilnehmer vorhanden sein sollte, um ein Gelingen des Projektes zu begünstigen. Es wurde ein Kurs auszuwählen, in dem sich die Teilnehmer untereinander kennen. Es ist davon auszugehen, dass in einer vertrauten Gruppe eine erhöhte Kohäsion besteht, die den Teilnehmern Sicherheit im Rahmen ihrer Eigengruppe gewährleistet (vgl. 03408, Kap1). Obwohl die Migranten ein multikulturelles Gefüge darstellten, konnte ich von einem hohen Zusammenhalt ausgehen, da nachgewiesen ist, dass Schüler aus multikulturellen Klassen weniger Vorurteile gegenüber Menschen anderer kultureller Herkunft haben, als dies in homogenen Kurseinheiten der Fall ist (vgl. Bolten, 2003, 69). Auch, dass sich die Schüler alle gleichermaßen einer Begegnungssprache bedienen, erhöht die soziale Bindung innerhalb der Gruppe. Es konnte eine Atmosphäre der Sicherheit geschaffen werden, die es den Schülern erleichtern sollte, sich angstfrei und aufgeschlossen auf neue Erfahrungen einzulassen.

Zum persönlichen Kennenlernen und der Vorbereitung der Teilnehmer auf den Museumsbesuch wurde mir ein Vormittag zur Verfügung gestellt, an dem ich anstelle des regulären Unterrichts mit den Teilnehmern in vertrauter Umgebung arbeiten konnte. Zudem wurde von Seiten der Akademie mitgeteilt, dass ich für den Ausflug Dienstwagen nutzen könne und man für die Eintrittsgelder und eventuelle zusätzliche Ausgaben in vollem Umfang aufkomme.

Um mich mit dem Hamaland-Museum vertraut zu machen und die dort vorhandenen Rahmenbedingungen zu erörtern, recherchierte ich im Internet und besuchte dann das Museum ohne die Projektteilnehmer. Hierbei erfuhr ich Details über das pädagogische Programm, die ich nun zum Teil modifizieren musste, da Einschränkungen durch die kulturellen Hintergründe der Teilnehmer zur Geltung kamen. Zum Beispiel mussten wir den Programmpunkt „Brotzeit“, bei dem das frisch gebackene Brot üblicherweise mit Schmalz und Wurst verzehrt wird, streichen, da wir damit gegen religiös bedingte Vorgaben eines Kursteilnehmers verstoßen hätten.

2.4 Analyse der Zielgruppe

Mittels eines Kurzfragebogens (siehe Anhang, S. 1) erhielt ich vorab Informationen über die Teilnehmer meines Projektes. Es wurde neben dem Alter und dem Herkunftsland auch nach dem Vorwissen über das Hamaland-Museum gefragt und zudem ermittelt, welche Wünsche und Erwartungen die Jugendlichen an das Projekt stellen. Zudem wurden die beliebtesten Freizeitaktivitäten notiert. Die Auswertung zeigte, dass der Deutschkurs aus insgesamt 14 Schülern (acht Mädchen und sechs Jungen) aus zehn Nationen bestand. Alle gaben an, das Hamaland-Museum noch nie besucht zu haben. Ebenso teilte die gesamte Gruppe mit, dass sie schon länger als ein Jahr in Deutschland leben und voraussichtlich für immer bleiben wollen. Die meisten sind immigriert, da Angehörige in Deutschland leben. Im Bereich der Freizeitaktivitäten wurden zahlreiche Möglichkeiten benannt, wobei die männlichen Teilnehmer mehrheitlich sportliche Aktivitäten bevorzugen, während die Schülerinnen gerne künstlerisch, kreativ tätig sind. Als Erwartungen an den Museumsbesuch wurden Aspekte, wie Spaß haben, etwas Neues erleben/erfahren oder die Geschichte kennen lernen genannt.

Die Analyse der Zielgruppe trug maßgeblich dazu bei, das Vorbereitungsseminar und den Ausflug den Bedürfnissen anzupassen. In der Vorbereitung auf die interkulturelle Kommunikationssituation, profitierte ich von dem Erfahrungsschatz meiner Projektbetreuerin. Sie regte an, Missverständnissen durch überdeutliches Sprechen mit viel verstärkender Gestik vorzubeugen. Zudem sei es ratsam, Begriffe nach Möglichkeit durch Internationalismen zu ersetzen (Bsp. Exkursion statt Ausflug). Zusätzliche Recherchen zur interkulturellen Kommunikation zeigten, dass es eine Reihe von Handbüchern mit landesspezifischen Kommunikationstipps gibt. Sie sind aber m.E. wenig empfehlenswert sind, da sie eher Vorurteile betonen, als einen offenen Dialog zu begünstigen.

3. Der Handlungsablauf

Im Rahmen meines Projektes im Bereich der Museumspädagogik mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen scheint das ‚Modell der vollständigen Handlung‘, welches üblicherweise in der Berufspädagogik genutzt wird, eine adäquate Leitlinie für das bildungspraktische Handeln darzustellen (vgl. Müller/Stürzl, S. 172ff.). Es besteht aus sechs Stufen, die wie folgt aufgebaut sind:

(1) Informieren – Worum geht es bei dem Projekt?
(2) Planen – Wie können wir vorgehen?
(3) Entscheiden – Welchen Weg werden wir gehen?
(4) Ausführen – Projektdurchführung
(5) Kontrollieren – War das Projekt erfolgreich?
(6) Beurteilen – Was kann man besser machen?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abb. 1: Darstellung des Modells der vollständigen Handlung (Quelle: eigener Entwurf)

Wie aus Abbildung 1 ersichtlich wird, bauen alle Stufen des Modells des vollständigen Handelns aufeinander auf und stehen somit in einer hierarchischen Reihenfolge, wobei die sechste Stufe an den Beginn eines neuen Projektes anknüpfen kann.

Im vorliegenden Projekt bestand die erste Stufe darin, mich über eine möglichst komplexe Aufgabe zu informieren, d.h. relevante Projekte zu erörtern und hierfür selbständig Recherchen zu betreiben. Hierzu gehörte auch die Zielsetzung des Projektes festzulegen. Stufe 2, die Planung des Projektes, umfasste die Erstellung des Arbeitsablaufes inklusive der gedanklichen Auseinandersetzung mit Hintergrundwissen, Materialien und Werkzeugen. Hier wurden schon der zeitliche Ablauf fixiert und geeignete Arbeitsblätter erstellt. Der Planung wurde in Stufe 3 von der Praktikumsbetreuung zugestimmt, so dass in Stufe 4 die einzelnen Projektpunkte durchgeführt werden konnten. Schließlich habe ich im Rahmen der fünften Stufe evaluiert und in Stufe 6 den gewonnene Erfahrungsschatz bewertet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Darstellung des Handlungsablaufs (Quelle: eigener Entwurf)

Der Handlungsablauf des Projektes wurde in den regulären Alltag der Schüler am Klausenhof integriert. Bezüglich des Zeitmanagements wurden die Vor- und Nachbereitungsphasen in den Vormittagsunterricht eingegliedert, der Museumsbesuch jedoch anstelle von Nachmittagskursen angesetzt. So konnte vermieden werden, die Freizeit der Jugendlichen zu beschneiden, was womöglich der Motivation geschadet hätte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Museumspädagogik
Untertitel
Reflektierende Dokumentation
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
29
Katalognummer
V430724
ISBN (eBook)
9783668739987
ISBN (Buch)
9783668739994
Dateigröße
2924 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturelle, museumspädagogik, reflektierende, dokumentation
Arbeit zitieren
Shirley Borrey (Autor:in), 2011, Interkulturelle Museumspädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430724

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