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Immanuel Kants Hume-Rezeption in Abgrenzung zu der schottischen Common-Sense-School

Title: Immanuel Kants Hume-Rezeption in Abgrenzung zu der schottischen Common-Sense-School

Seminar Paper , 2018 , 13 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Maximilian Priebe (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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In der Vorrede zu seinen Prolegomena kritisiert Kant die schottische Common Sense School. Er wirft ihnen vor, Hume missverstanden zu haben und distanziert seinen Transzendentalen Idealismus von ihrer These des gesunden Menschenverstandes. Aus dieser Position heraus kann er sich als derjenige präsentieren, der Humes Zweifel ausgeräumt und seine Theorie weiterentwickelt hat - und geht so auch in die Ideengeschichte ein.

Aber wer war die schottische Common Sense School? Hat Kant wirklich gewusst, wen er kritisierte? In meiner Arbeit stelle ich ihren Hauptvertreter Thomas Reid vor, der ebenfalls eine schlagkräftige Kritik der Hume'schen Skepsis erarbeitet hatte. Im Anschluss zeige ich, dass die Thesen von Thomas Reid und Immanuel Kant sich stärker ähneln, als die Kritik aus den Prolegomena es vermuten lässt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Vorrede

1. Struktur und mögliche Prägung durch die Rezension von 1775

2. David Hume

3. Common Sense

4. Die Absätze 8 – 12 der Vorrede

III. Interpretation

1. Kants Begriff der Kausalität

2. Kants Kritik der Metaphysik

IV. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung Immanuel Kants mit der schottischen Common-Sense-Philosophie (insbesondere Thomas Reid) im Kontext der Vorrede zu seinen Prolegomena, mit dem Ziel aufzuzeigen, dass Kants Denken der Common-Sense-Philosophie stärker ähnelt, als seine harsche Kritik vermuten lässt.

  • Die Bedeutung der Göttinger Rezension von 1775 für Kants Verständnis des Common Sense.
  • Die erkenntnistheoretische Position David Humes und seine Herausforderung der Metaphysik.
  • Die Verteidigung des Common Sense durch Thomas Reid gegen den Skeptizismus.
  • Kants methodische Neuinterpretation von Kausalität und Metaphysik in den Prolegomena.
  • Die historische und philosophische Übereinstimmung der Zielsetzungen von Kant und Reid.

Auszug aus dem Buch

3. Common Sense

Reid begreift den gesunden Menschenverstand als Gegenstück zur skeptischen Position. Er nimmt den aristotelischen Begriff des Gemeinsinns auf, der im Buch 3 von De Anima erwähnt wird und das Vermögen des Menschen beschreibt, aus den verschiedenen Eindrücken der Sinne eine Vorstellung zu bilden. Reids Ziel ist es, Humes Sensualismus den radikalen Zweifel zu entziehen. Er möchte den von Hume eingeführten Gegensatz zwischen dem ‚vulgären‘ und dem ‚philosophischen‘ Denken, in dem nur die Skepsis des letzteren gültig ist, auflösen, und zwar durch die Rückführung beider auf die Basis des gemeinen Verstandes: „The man who first discovered that cold freezes water […] proceeded on the same general principles [....] by which Newton discovered the law of gravitation […]. His regulae philosophandi are maxims of common sense.” In seiner späteren Schrift Essays on the Intellectual Powers of Man präzisiert Reid, dass der gesunde Menschenverstand als „first-born of Reason” begriffen werden muss. Skeptische Vernunft und Common Sense lassen sich nicht trennen und bauen auf gleichen Prinzipien auf. Im Inquiry verwendet Reid dazu die Metapher des Baumes: „All that we know of nature […] may be compared to a tree. In this tree of knowledge, perception is the root, common understanding is the trunk, and the sciences are the branches.“ Der Unterschied zu Hume ist, dass Reid diesen Prinzipen, auf denen die Sinneswahrnehmung aufbaut, einfach vertraut: „[S]ensation suggests the notion of present existence, […] memory suggests the notion of past existence, […] our […] thoughts do also suggest the notion of a mind, and the belief of its existence.“ Diese „principles of Common Sense” hält Reid für selbst-evident. Warum sie es sind, kann er nicht erklären. Aber wer sie anzweifelt oder begründet, gerät in Selbstwidersprüche: „To reason against any of these kinds of evidence, is absurd; nay, to reason for them is absurd.“ Einzige Gewissheit für sie ist die Gnade eines höchsten Wesens.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung von Kants Vorrede zu den Prolegomena ein und stellt die Arbeitsthese auf, dass Kants Position der Common-Sense-Philosophie nähersteht, als es die explizite Kritik suggeriert.

II. Die Vorrede: Hier werden die Struktur der Vorrede, die Einflüsse der Göttinger Rezension von 1775 sowie die zentralen philosophischen Positionen von David Hume und Thomas Reid dargelegt.

III. Interpretation: Dieser Abschnitt analysiert Kants speziellen Begriff der Kausalität und seine methodische Kritik an der Metaphysik in Abgrenzung zum Common Sense.

IV. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Kant und Reid trotz unterschiedlicher Prioritäten und historischer Missverständnisse ähnliche erkenntnistheoretische Schutzfunktionen für die Vernunft anstreben.

Schlüsselwörter

Kant, Hume, Reid, Prolegomena, Common Sense, Kausalität, Metaphysikkritik, Erkenntnistheorie, Skeptizismus, Empirismus, synthetische Urteile, Vernunft, Philosophiegeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Immanuel Kants Philosophie, wie sie in der Vorrede zu den Prolegomena dargelegt wird, zur schottischen Common-Sense-Schule unter der Führung von Thomas Reid.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die historische Rezeption der Metaphysik, die Herausforderung des Empirismus durch David Hume, die Verteidigung von Intuition und Common Sense durch Reid sowie Kants eigener methodischer Ansatz zur Begründung von Erkenntnis.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es zu belegen, dass Kants harsche Kritik am Common Sense eine oberflächliche Ebene darstellt und sein eigenes philosophisches Anliegen in der Tiefe tatsächlich starke Parallelen zu den Anliegen der Common-Sense-Philosophen aufweist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophisch-historische Interpretation, die Textanalysen der Prolegomena-Vorrede mit der Sekundärliteratur zu Reid und den zeitgenössischen Debatten des 18. Jahrhunderts vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der historischen Ausgangslage, eine detaillierte Ausarbeitung der Skeptizismuskritik von Reid sowie eine systematische Interpretation von Kants Kausalitätsverständnis und Metaphysikkritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kant, Hume, Reid, Prolegomena, Common Sense, Kausalität, Metaphysikkritik und Erkenntnistheorie charakterisieren.

Warum unterschätzt Kant laut dem Autor die Common-Sense-Philosophie?

Der Autor argumentiert, dass Kant Reid vermutlich nie direkt gelesen, sondern nur durch eine fehlerhafte Rezension von Priestley kennengelernt hat, wodurch Kant das eigentliche philosophische Ziel Reids verkannt hat.

Inwiefern ähneln sich Kant und Reid in ihrer Zielsetzung?

Beide Denker versuchen den menschlichen Geist gegen radikale skeptische Zersetzung zu schützen und streben danach, die Grenzen der menschlichen Vernunft so zu definieren, dass sowohl wissenschaftliche Erkenntnis als auch eine stabile Grundlage für das Alltagsleben gesichert bleiben.

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Details

Title
Immanuel Kants Hume-Rezeption in Abgrenzung zu der schottischen Common-Sense-School
College
Munich School of Philosophy
Grade
1.0
Author
Maximilian Priebe (Author)
Publication Year
2018
Pages
13
Catalog Number
V430873
ISBN (eBook)
9783668742345
ISBN (Book)
9783668742352
Language
German
Tags
Kant Hume Thomas Reid apriori Common Sense Ideengeschichte Prolegomena Kritik der reinen Vernunft Skeptizismus Empirismus Transzendentaler Idealismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maximilian Priebe (Author), 2018, Immanuel Kants Hume-Rezeption in Abgrenzung zu der schottischen Common-Sense-School, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/430873
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