Der palästinensisch-israelische Konflikt steht seit geraumer Zeit im Fokus der Weltöffentlichkeit, bestimmt außenpolitisches Verhalten führender Nationen, Wahlkämpfe in verschiedenen Staaten, gesellschaftliche Umbrüche, internationale Protestbewegungen. Der Konflikt hat eine so große Ausstrahlungskraft, dass er mitunter als Nahostkonflikt beschrieben wird, obwohl dieser nur einen kleinen Teil des nahöstlichen Raumes betrifft und andere Konflikte, zumindest medial, in den Hintergrund stellt. Eine einschneidende Entwicklung im sogenannten Nahost-konflikt war hierbei die Formierung des palästinensischen Widerstandes gegen die israelische Obrigkeit durch die Gründung der Palestine Liberation Organisation, kurz PLO, im Jahr 1964. Die bis heute bestehende Organisierung des palästinensischen Volkes innerhalb dieser Organisation hatte in ihrer Gründungszeit Mitte der Sechziger Jahre diverse politische, ideologische, militärische und historische Entwicklungen manifestiert. Anhand ihrer Gründung lassen sich die damaligen Konflikte und Kämpfe regional, als auch global, herauslesen.
Welche Tendenzen lassen sich hierbei aus der Gründung der PLO für diese Zeit ableiten? Wie bildete sich die Entwicklung des palästinensischen Widerstandes gegen Israel innerhalb der regionalen Gegebenheiten bis zur Gründung der PLO ab? Wie kam es zum Entschluss, dem palästinensischem Volk diese Organisations-plattform zu schaffen? Welcher war der historische und politische Überbau, auf dem die Gründung der PLO fußt? Diesen Fragen will diese Arbeit nachgehen.
Hierbei werden zunächst die historischen Gegebenheiten zu Beginn des 20. Jahr-hunderts skizziert und auf die gesellschaftlichen Umbrüche in Nahost eingegangen. Anschließend folgt ein kurzer Abriss der ideologischen und politischen Überlegungen, die aus diesem gesellschaftlichen Wandel entsprungen sind und Theoretiker als auch Politiker in ihrem Handeln zu dieser Zeit beeinflussten. Abschließend werden die politischen Entwicklungen im Bezug auf die Region Nahost als auch globale Ereignisse erläutert, die schließlich zur Gründung der PLO führten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Grundzüge des Antiimperialismus nach dem Ersten Weltkrieg
3. Umbruch im Nahen Osten
4. Geburt des panarabischen Nationalismus
5. Die Baath-Partei
6. Al-Nakba: Das arabische Trauma
7. Der Nahe Osten im Kontext des Kalten Krieges
8. Stunde Null der Palästinensischen Befreiungsorganisation
9. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historischen und politischen Entstehungsbedingungen der Palestine Liberation Organisation (PLO) im Jahr 1964. Dabei wird analysiert, wie regionale gesellschaftliche Umbrüche, die Ausbreitung antiimperialistischer Strömungen und die geopolitischen Interessen der Weltmächte im Kontext des Kalten Krieges die Formierung des palästinensischen Widerstandes maßgeblich beeinflussten.
- Historische Entwicklung des arabischen Nationalismus und Panarabismus
- Einfluss des Ersten Weltkrieges und der Mandatsherrschaft auf den Nahen Osten
- Bedeutung der Al-Nakba für die palästinensische Identität und Widerstandsbewegung
- Geopolitische Machtverschiebungen zwischen Großbritannien, USA und UdSSR im Nahen Osten
- Rolle von Führungspersönlichkeiten wie Gamal Abdel Nasser bei der Gründung der PLO
Auszug aus dem Buch
3. Umbruch im Nahen Osten
Mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches gegen Ende des Ersten Weltkrieges gelang der Nahe Osten immer mehr in die unmittelbare Einflusszone europäischer Staaten. Die über mehrere Jahrhunderte herrschende Dynastie der Osmanen hinterließ ein soziokulturelles Puzzle zurück, welches nun von neuen, in den Nahen Osten eindringenden, Mächten neugeordnet werden konnte. Die Britische Regierung versuchte schon im Voraus einer anbahnenden Niederlage des Kranken Mannes vom Bosporus die arabischen Stämme und ihre Führer für sich zu gewinnen und einen Konflikt gegen das Osmanische Reich zu beschwören. So versprach der britische Hochkommissar in Ägypten, Sir Henry MacMahon, dem arabischen Scherifen von Mekka, Hussein Ibn Ali, in einer in den Jahren 1915-1916 stattfindenden Korrespondenz Unterstützung für einen Aufstand gegen die Osmanen und die Errichtung eines unabhängigen, arabischen Königreiches unter seiner Führung zu.
Sein britischer Kollege und Außenminister James Balfour hingegen sicherte in der später als Balfour-Deklaration bekannten Zusage an den Zionisten und ehemaligen britischen Abgeordneten Walter Rothschild eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu. Auf der anderen Seite gewann die französische Regierung durch die Verabschiedung des geheimen Sykes-Picot-Abkommen im Jahre 1916, welches durch den französischen Diplomaten François Picot und seinen britischen Counterpart Marc Sykes zwischen den beiden Entente-Mächten ausgehandelt wurde, ein Mandatsgebiet im Nahen Osten, welches vor allem auf das Staatsgebiet des heutigen Syriens und Libanons zurückzuführen ist. Palästina, dessen historische und religiöse Brisanz den beiden europäischen Kolonialmächten bekannt war, sollte hierbei unter internationale Verwaltung gestellt werden. Auf der Konferenz von San Remo im Jahr 1920 wurde die Aufteilung der Mandatsgebiete endgültig beschlossen, ohne jedoch Palästina unter internationale Verwaltung zu stellen. Großbritannien erhielt schließlich das Mandat über Palästina, welches vom Völkerbund im Jahre 1922 ebenfalls bestätigt worden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung erläutert die Relevanz des palästinensisch-israelischen Konflikts und definiert die Gründung der PLO als zentralen Untersuchungsgegenstand der Arbeit.
2. Grundzüge des Antiimperialismus nach dem Ersten Weltkrieg: Dieses Kapitel analysiert die ideologischen Entwicklungen nach 1917, insbesondere den Einfluss Lenins und der Komintern auf antikoloniale Bewegungen.
3. Umbruch im Nahen Osten: Es wird die Neuordnung der Region nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches sowie die Etablierung britischer und französischer Mandatsgebiete beschrieben.
4. Geburt des panarabischen Nationalismus: Das Kapitel beleuchtet die Entstehung eines kolonialen arabischen Nationalbewusstseins, geprägt durch Denker wie Sati Husri.
5. Die Baath-Partei: Es wird die Gründung der Baath-Partei 1947 als arabisch-nationalistische und anti-imperialistische Bewegung dargestellt.
6. Al-Nakba: Das arabische Trauma: Dieses Kapitel beschreibt die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs, die Staatsgründung Israels und die massenhafte Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung.
7. Der Nahe Osten im Kontext des Kalten Krieges: Es wird untersucht, wie die USA und die UdSSR den Nahen Osten als geopolitisches Schachbrett für ihren Systemkonflikt nutzten.
8. Stunde Null der Palästinensischen Befreiungsorganisation: Das Kapitel schildert die verschiedenen Widerstandsgruppen der Diaspora und die schließlich durch Nasser initiierte Gründung der PLO im Jahr 1964.
9. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst die Gründung der PLO als ein Ergebnis globaler Entwicklungen und regionaler Traumata zusammen.
Schlüsselwörter
PLO, Palästina, Israel, Nahostkonflikt, Panarabismus, Antiimperialismus, Kalter Krieg, Nasser, Baath-Partei, Mandatsgebiete, Nationalismus, Al-Nakba, Dekolonisation, Widerstandsbewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Entstehung der Palestine Liberation Organisation (PLO) im Jahr 1964 vor dem Hintergrund der komplexen historischen und politischen Entwicklungen im Nahen Osten des 20. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der arabische Nationalismus, die Folgen der europäischen Kolonialherrschaft nach dem Ersten Weltkrieg, der Einfluss des Kalten Krieges auf die Region und die Rolle der PLO als Antwort auf die Vertreibung der Palästinenser.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt nach dem historischen und politischen Überbau, auf dem die Gründung der PLO fußt, und analysiert die Tendenzen, die zur Schaffung dieser Organisationsplattform führten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor wählt einen historisch-analytischen Ansatz, der gesellschaftliche Umbrüche und internationale politische Ereignisse chronologisch aufarbeitet und in einen kausalen Zusammenhang zur PLO-Gründung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Gegebenheiten ab dem 20. Jahrhundert, die ideologischen Überlegungen hinter den arabischen Nationalbewegungen und der geopolitische Kontext des Ost-West-Konflikts in der Region detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe umfassen PLO, Palästina, Panarabismus, Antiimperialismus, Al-Nakba und den Kontext des Kalten Krieges im Nahen Osten.
Welchen Einfluss hatte der Panarabismus auf die Gründung der PLO?
Der Panarabismus diente als ideologischer Rahmen, den Nasser nutzte, um die palästinensische Bevölkerung zu mobilisieren und als Schlagkraft gegen Israel und den westlichen Imperialismus zu organisieren.
Wie veränderte der Zweite Weltkrieg die geopolitische Lage im Nahen Osten?
Durch die Schwächung der traditionellen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich trat das Machtvakuum an, welches zunehmend von den USA und der UdSSR besetzt wurde, was die Region in das bipolare Gefüge des Kalten Krieges zwang.
Warum wird die Gründung der PLO als "Ergebnis globaler und regionaler Entwicklungen" bezeichnet?
Weil die PLO einerseits eine spezifische Antwort auf das Trauma der Al-Nakba für die Palästinenser war und andererseits ein Instrument in den strategischen Machtspielen der Weltmächte im Kontext des Ost-West-Konflikts darstellte.
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- Devran Riza Barkin (Autor), 2018, Widerstand in Israel. Die Entstehung der PLO im Kontext nahöstlicher Politik und antiimperialistischer Bewegungen im 20. Jahrhundert, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432572