Das Language Awareness-Konzept in der Sprachdidaktik

Interkulturelles Lernen in der Sekundarstufe 1


Hausarbeit, 2015
17 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalty erzeichnis

1. Einführung

2. Theoretische Grundlegung
2.1 Das Language-Awareness-Konzept
2.2 Das (Sprach-)Portfolio

3. Kritische Auseinandersetzung mit dem (Sprach-)Portfolio als Methode für das LA- Konzept in Bezug auf interkulturelles Lemen im Deutschunterricht

4. Zusammenfassung/Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die PISA-Studie aus dem Jahr 2000 und auch nachfolgende Untersuchungen haben gezeigt, dass es gerade in Deutschland einen besonders engen Zusammenhang zwischen mangelndem, schulischem Bildungserfolg und Migrationshintergrund gibt. Die derzeit steigenden Einwanderungszahlen in Deutschland, die nach dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bekannt sind, fördern die Reduzierung der Problematik keinesfalls. Aufgrund dieses Phänomens lässt sich im 21. Jahrhundert ein enonner Anstieg der Diversitäten in den Klassenzimmern feststellen. Bestehend aus verschiedenen religiösen Ansichten, unterschiedlichen Sprachen und Traditionen, sowie verschiedenen moralischen und kulturellen Nonn- und Wertvorstellungen der SuS (Schüler und Schülerinnen), stellt Diversität eine beachtliche sozial- und bildungspolitische Herausforderung für Deutschland dar.

Individuelle Weltansichten treffen auf engstem Raum aufeinander. Das kann besonders in Klassenzimmern zu Problemen führen. Hinzu kommt, dass die Diversität in den Schulinstituten, durch das in Kraft getretene Inklusionsgesetz, bereits stetig ansteigt.

Schülerinnen mit sonderpädagogischen Förderbedarf haben seit dem Schuljahr 2014/15 gesetzlich einen Anspruch auf Bildung und Erziehung in einer Regelschule. Die Umstellung und Anpassung stellt für sämtliche Bildungsinstitutionen und ihre Akteure eine große Herausforderung dar.

Die Heterogenität besteht aus unterschiedlichen Erwartungen, Kompetenzen, Lern- und Leistungsvoraussetzungen, Fähigkeiten oder auch Lern- und Leistungsmotivationen der SuS und stellt durch das selektierende, deutsche Schulsystem, den normorientierten Curricula und den leistungsorientierten Ansprüchen von Schule und Bildung für alle Beteiligten eine starke Belastung dar.

Um die vom Bildungsministerium vorgeschriebenen Bildungsinhalte vennitteln und Bildungsziele erreichen zu können, müssen zunächst personelle, materielle, räumliche, zeitliche und finanzielle Voraussetzungen geschaffen werden, die das Unterrichten solcher heterogenen Zielgruppen im Deutschunterricht möglich machen. In dieser Arbeit gehen wir davon aus, dass diese Bedingungen erfüllt sind, um Lehrerinnen in ihren Aufgaben zu entlasten.

Besonders die sprachlichen Defizite führen im Deutschunterricht zu strukturellen und kommunikativen Problemen, aber auch außerschulisch fehlt dadurch häufig der Zugang zur sozialen und kulturellen Kapitalerschließung. Defizitäre Sprachkenntnisse führen zur Benachteiligung, weil die Landessprache als fundamentale Voraussetzung für eine gesellschaftliche Partizipation gilt. Um eine Akzeptanz von Multikulturalität zu erreichen, kann es als Voraussetzung gesehen werden, dass sich alle Beteiligten um das ״sich annähem“ bemühen, weil sich beispielsweise Vorurteile sonst nur schwer abbauen lassen. Insbesondere wenn Nichtmuttersprachler zuvor nie oder nur teilweise eine Bildungseinrichtung besuchen durften, fehlen überwiegend Grundvoraussetzungen wie das Beherrschen der Landessprache. Diese ist aber Voraussetzung um die Verständigung und damit den Zugang zur gesellschaftlichen Partizipation barrierefrei zu gestalten.

Die Kompetenzen, die die SuS besitzen, stellen die ihnen zur Verfügung stehende sprachliche und methodische Grundlage dar. Die nötigen Fähigkeiten, um die eigenen Defizite auszugleichen und am gesellschaftlichen Leben sowie am Schulunterricht teilzunehmen, können dann nur im schulischen Kontext erarbeitet werden und das stellt alle Beteiligten des Schullebens vor eine enonne Herausforderung.

Unglücklicherweise trägt die Selektionsfunktion der Schule maßgeblich dazu bei, dass Lehrerinnen die Leistungen der Schüler in vergleichbaren Maßstäben bewerten müssen. Dieser Umstand führt dazu, dass der Erziehungs- und Bildungsauftrag unter den bereits beschriebenen Gegebenheiten für Lehrerinnen und SuS zu einer extremen Belastung wird. Die Sprachkenntnisse differenzieren erheblich voneinander, sodass über den binnendifferenzierten Unterricht hinaus Sprachförderung stattfinden muss, in der die Fortschritte individuell dokumentiert und bewertet werden. Daran anknüpfend sollten die Leistungen auch im Regelunterricht an den individuellen Fortschritten der SuS gemessen werden. Nicht nur im Deutschunterricht muss sprachsensibler Unterricht stattfinden, um Chancengleichheit herzustellen. Deshalb geht es in dieser Arbeit um sprachsensible Förderungsmöglichkeiten, die nicht nur im Deutschunterricht anwendbar, sondem fächerübergreifend, beispielsweise im Biologie- oder Mathematikunterricht einsetzbar sind.

Durch den Sprachforderunterricht außerhalb des Regelunterrichts besteht noch weitgehend eine räumlich getrennte und leistungshomogene Fonn der Sprachfördemng. Es müssen inklusive Förderkonzepte bevorzugt werden, damit die fördemngsbedürftigen Schüler ein Gefühl der gesellschaftlichen Zugehörigkeit und Akzeptanz erleben, durch das sich das Gemeinschaftsgefühl und Selbstwertgefiühl stärken lassen. Durch eine inklusive Fonn der Sprachförderung findet auch eine autodidaktische Sprachförderung statt, die durch die Kommunikation der Sprecher untereinander erzielt wird.

Das Language-Awareness-Konzept (LA-Konzept) scheint für die Gestaltung interkulturellen Lemens im Deutschunterricht besonders geeignet. Das Konzept fordert sprachliche Vielfalt in den Regelunterricht zu integrieren und als Bereichemng anzusehen, sodass sich auch Schüler mit Migrationshintergmnd anerkannt, akzeptiert und gleichzeitig einer Gruppe zugehörig fühlen können. Das Konzept beinhaltet nach der Definition von James und Garret fünf Dimensionen auf denen sich Entwicklungen der kognitiven, sozialen, politischen und affektiven Fähigkeiten vollziehen lassen. Eine weitere Entwicklungsebene ist die Dimension der Perfonnanz. Es bestehen bereits LA-Ansätze die auf diesen Dimensionen nicht nur die sprachlichen Ziele verfolgen, sondem auch soziale und kulturelle Ziele. Wenn in dieser Arbeit über das Language-Awareness-Konzept diskutiert wird, dann beziehen sich die Entwicklungsfähigkeiten auf die sprachlichen, sozialen und kulturellen Ziele, sodass auch Muttersprachler Lernerfolge erzielen, und erkennen können, dass sie untereinander heterogen sind. Auf diese Weise findet keine einseitige sozialgesellschaftliche Anpassung statt, wodurch eine Akzeptanz für Diversität auf beiden Seiten geschaffen werden kann. Mit dem Konzept soll das Interesse für Diversität gefördert, ein kritisches Bewusstsein von Sprachen, Sozialsystemen und kulturellem Kapital entwickelt, eine Akzeptanz für eine multikulturelle Gesellschaft und eine Sensibilisiemng für das Manipulationspotenzial von Sprache und Partizipation geschaffen werden.

Inwieweit das LA-Konzept tatsächlich zu einer Wertschätzung von sprachlicher, sozialer und kultureller Diversität führt, soll in dieser Hausarbeit untersucht werden. Kann ein Bewusstsein für alternative Sprachstmkturen entwickelt und so der Erwerb von Fremdsprachen gefördert werden und wenn ja, wie? Können Vorurteile und Diskriminierungen abgebaut werden und eine Akzeptanz für eine multikulturelle Gesellschaft geschaffen werden? Fragen, die im Zuge von Globalisierung und den damit verbundenen ansteigenden soziokulturellen Disparitäten in der Schule, zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.

Das Sprachportfolio stellt in Verbindung mit dem Konzept eine Möglichkeit dar, um Unterrichts- und curricularrelevante Themen kreativ zu vertiefen und dabei individuelle Interessen und Potenziale zu fördern, sowie auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufmerksam zu machen. Diese Methode soll in den Regelunterricht integriert werden, auch um verbale Auseinandersetzungen mit Themen zu ennöglichen, die dem Anspruch an eine Nonn- und Wertegesellschaft gerecht werden kann, indem auf der demokratischen Ebene über Rechte und Pflichten diskutiert und kommuniziert wird.

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird zunächst das LA-Konzept und die Methode Portfolio in seiner theoretischen und praktischen Konzeption vorgestellt. Das LA-Konzept wird nicht in der Vollständigkeit erläutert und analysiert. Es werden vielmehr die Teilbereiche des LA vorgestellt, die eine Relevanz für den zu untersuchenden Gegenstand dieser Hausarbeit haben. Im zweiten Teil dieser Untersuchung wird die Arbeit mit dem (Sprach-)Portfolio vorgestellt und erläutert, um eine Bewertung darüber treffen zu können, inwiefern sich diese Methode als Hilfsmittel eignet, um das LA-Konzept umzusetzen, hn letzten Teil werden die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und kritisch diskutiert, sodass sich im besten Fall Aussagen darüber treffen lassen, inwiefern sich das LA-Konzept mithilfe des Sprachportfolios dazu eignet interkulturelles Sprachenlemen zu fördern.

2. Theoretische Grundlegung

2.1 Das Language-Awareness-Konzept

Im Folgenden wird das theoretische Konzept ״Language Awareness“ vorgestellt. Es folgt eine kurze Einordnung zum Entstehungskontext und eine Definition des Gegenstands sowie eine inhaltliche Zusammenfassung der für diese Hausarbeit relevanten Teile des Konzepts. Im Anschluss daran wird die Funktion erläutert, die dieses Programm erfüllen soll.

Das Language-Awareness-Konzept wurde in Großbritannien entwickelt. Es entstand als Reaktion auf die seit den 1960er und 70er Jahren wachsenden Schwierigkeiten, die Kinder von Immigranten aus den (ehemaligen) Kolonien in das bestehende Schulsystem zu integrieren. Parallel dazu wurde beobachtet, dass auch britische Muttersprachler über unzureichende englische Sprachkenntnisse verfügten, was auf den Sprachunterricht in der Schule zurückgeführt wurde. Es wurden auch Fremdsprachenkenntnisse kritisiert und gängige Vorurteile gegenüber Minderheitensprachen angeprangert.1

Trotz des großen Interesses an dem Konzept in der pädagogischen Linguistik gibt es bislang keine einheitliche Definition von Language Awareness (LA). Dennoch, Gillian B. Donmall definiert das Konzept wie folgt: ,,//7 different ways and to a greater or lesser extent, Language Awareness programmes will have a cognitive aspect [...] and an affective aspect [...]. They may deal with the nature of linguistics forms and their realization, the variety of language[...] and its use, particularly as a mode of communication, by the individual and the group.2

In den Prozessen der zwischenmenschlichen Interaktion (Kommunikation) werden kognitive, soziale und affektive Kompetenzen erworben, die wichtige Bestandteile des Konzepts sind. Das Skript soll die Entwicklungen der kognitiven, sozialen und affektiven Fähigkeiten fördern, indem Z.B. die bewusste Wahrnehmung von Sprachstrukturen, Sprachfunktionen und Sprachbenutzung in ihrer Vielfalt entwickelt, genutzt und reflektiert werden soll, sowohl individuell als auch empathisch. James und Garrett systematisieren den Gegenstand ״Language Awareness“, indem sie das Programm in fünf verschiedene Bereiche einteilen, die jeweils unterschiedliche Funktionen ausführen. Diese Bereiche umfassen die affektive, soziale, politische und kognitive Dimension, sowie die Dimension der Perfonnanz.3 4 Der affektive Bereich betrifft die emotionale Seite und beinhaltet die Herausbildung von Einstellungen, die Stimulierung von Aufmerksamkeit, Sensibilität, Neugierde und das Interesse der SuS. Der soziale Bereich umfasst die Fähigkeit ein breites Spektrum an Toleranz und ein Bewusstsein gegenüber anderen Sprachen zu entwickeln. Die Entwicklung eines kritischen Bewusstseins von Sprache und die Sensibilisierung für das Manipulationspotential von Sprache zählen zu den politischen Faktoren5.

Wie bereits in der Definition von Donmall deutlich wird, steht explizit der kognitive Bereich im Fokus des Konzepts. Auch in der Systematisierung von James und Garrett wird diesem Bereich eine adäquate Bedeutung zugewiesen, indem ,yAspekte wie der Aufbau und die Aneignung von Wissen [...] sowie sprachliche Konstruktions- und Verarbeitungsprozesse und mentale Prozesse des Sprachverstehens und der Sprachproduktion im Vordergrund“ stehen.6

[...]


1. Vgl. Fehling 2008, s.44f.

2. Fehling 2008, s. 47

3. Vgl. Fehling 2008, s. 47ff.

4. Vgl. Fehling 2008, s. 47

5. Ebd, s. 48

6. Fehling 2008, s. 50

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Language Awareness-Konzept in der Sprachdidaktik
Untertitel
Interkulturelles Lernen in der Sekundarstufe 1
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Sprachdidaktik
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V432953
ISBN (eBook)
9783668754706
ISBN (Buch)
9783668754713
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inklusion, Sprachförderung, Interkulturelles Lernen, Language-Awareness, Sprachportfolio, Multikulturalität, Sprachen lernen, Fremdsprachen, Kommunikation, Sprachlernbewusstsein, Sprachlernprozesse, Sprachlernstrategien
Arbeit zitieren
Jasmin Isenaj (Autor), 2015, Das Language Awareness-Konzept in der Sprachdidaktik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/432953

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