„Prozessorientierung“ gilt heute als ein im didaktischen Sinne fest verankerter Terminus unter (zukünftigen) Lehrpersonen. Während bis zu Beginn der 1980er Jahren noch das Schreibprodukt im Mittelpunkt der Forschung stand, wird heute das Schreiben als ein Prozess gesehen. LehrerInnen haben den Schreibprozess der SchülerInnen zu öffnen und stets zu begleiten. Dabei sollen alle Teilaspekte des Prozesses gefördert werden – so auch das Überarbeiten der Texte. Im Hamburger Bildungsplan für das Fach Deutsch an den Stadtteilschulen (Klasse 5-11) werden die Anforderungsniveaus klar definiert.
Hier gelten Fähigkeiten zum Überarbeiten innerhalb des Schreibprozesses der SchülerInnen zum Kompetenzbereich Schreiben, welche beispielsweise in Form von Schreibkonferenzen bis Ende der 9. Klassenstufe gefordert werden. Diese noch immer andauernde Aktualität und die damit verbundenen Studien bedingen die nachfolgende Arbeit und werfen dabei folgende Fragen auf: Inwieweit beeinflusst die Schreibkonferenz den Schreibprozess des Lernenden? Wie bewerten und rezipieren SchülerInnen und LehrerInnen die Methode; bietet sie sich als Methode des Überarbeitens an? Lässt sie sich ihrer Meinung im Unterricht erfolgreich umsetzen?
Diese Leitfragen sollen sowohl aus subjektiver Sicht der Lehrenden als auch von der Seite der Lernenden anhand von Problemen und Möglichkeiten vergleichend analysiert werden. Um das Thema dieser Arbeit möglichst kontrovers zu diskutieren und die Fragen sowohl theoretisch als auch praxisnah zu beantworten, bedarf es zweier in ihrer Zielsetzung unterschiedlicher Studien. Während bei Fix‘ Studie die SchülerInnen als Probanden fungieren und hier die Möglichkeiten und Probleme der Schreibkonferenz für diese Arbeit von Interessengewinn sind, so rücken in Schmelz‘ Studie die Rezeption der Methode durch die Lehrpersonen in den Vordergrund.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schreibprozess und Textrevisionen
2.1 Definition und aktueller Forschungsstand
2.1.1 Das Modell von Hayes & Flower
2.2 Die Textrevision als (wichtige) Einheit im Schreibunterricht: Theorie vs. Praxis
3. Die Schreibkonferenz im Deutschunterricht
3.1 Methodendarstellung
3.2 Studie von Martin Fix
3.2.1 Einordnung und Zielsetzung
3.2.2 Ergebnisse: Möglichkeiten und Probleme
3.3 Studie von Markus Schmelz
3.3.1 Einordnung und Zielsetzung
3.3.2 Ergebnisse: Möglichkeiten und Probleme
4. Fazit: Diskussion und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Eignung der Schreibkonferenz als Methode zur Textrevision im Deutschunterricht, indem sie Möglichkeiten und Probleme aus der Perspektive von Schülern und Lehrern analysiert. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwieweit diese Methode den Schreibprozess beeinflussen kann und welche Faktoren eine erfolgreiche Umsetzung im schulischen Alltag erschweren oder begünstigen.
- Grundlagen des Schreibprozesses und der Textrevision
- Die Schreibkonferenz als didaktische Methode
- Vergleichende Analyse der Studien von Martin Fix und Markus Schmelz
- Rezeption schreibdidaktischer Neuerungen durch Lehrpersonen
- Einfluss unterschiedlicher Leistungsvoraussetzungen auf den Lernerfolg
Auszug aus dem Buch
3.1 Methodendarstellung
Seit der reformpädagogischen Bewegung und der damit zunehmenden Kritik am traditionellen Aufsatzunterricht kam es zu einigen Erneuerungen innerhalb der Schreibdidaktik. Ausdruck hierfür ist die seit Beginn des 20. Jahrhunderts aufkeimende Idee des freien Schreibens in der Schule. Die Schreibkonferenzen, welche im Gegensatz zu der traditionellen Aufsatzdidaktik stehen, basieren auf dieser Idee. Erstmals wurde die Methode von Forscher-und Lehrergruppen um Donald H. Graves in die Grundschuldidaktik und dessen Deutschunterricht Anfang der 80er Jahre in England eingeführt.
Nach Spitta (1992) stellen die „[…] Schreibkonferenzen […] ein Verfahren dar, einen selbst verfaßten Text einer kleinen kritischen Öffentlichkeit zur Diskussion zu präsentieren, um aus den Reaktionen der Teilnehmer Hinweise für eine eventuelle Überarbeitung des Textes zu erhalten.“ Innerhalb einer Kleingruppe werden aus dem freien Schreiben entwickelten Textentwürfe auf sowohl inhaltliche als auch auf orthographische und stilistische Merkmal hin diskutiert. Mit Hilfe der hier entstandenen Anregungen überarbeitet der Lernende seinen Textentwurf, bevor die Lehrperson den überarbeiteten Entwurf zur Korrektur erhält. Um die fertigen Texte zu würdigen, ist eine abschließende Präsentationssitzung sinnvoll. Schreibkonferenzen basieren auf der Auffassung, dass Lernende einfacher und mehr Probleme in fremden als in ihren eigenen Texten erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Prozessorientierung im Deutschunterricht ein, benennt die Bedeutung der Textrevision und skizziert die Forschungsfragen anhand der Studien von Fix und Schmelz.
2. Schreibprozess und Textrevisionen: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen, insbesondere das Modell von Hayes & Flower, und stellt die Bedeutung der Textrevision im schulischen Schreibunterricht dar.
3. Die Schreibkonferenz im Deutschunterricht: Das Hauptkapitel präsentiert die Methode der Schreibkonferenz und analysiert vergleichend die Studien von Fix (Schülerperspektive) und Schmelz (Lehrerperspektive).
4. Fazit: Diskussion und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die unterschiedliche Rezeption durch Lehrende und Lernende und gibt einen Ausblick auf die notwendige Förderung der Schreibkompetenz.
Schlüsselwörter
Schreibkonferenz, Schreibprozess, Textrevision, Schreibdidaktik, Prozessorientierung, Überarbeitungskompetenz, Schreibunterricht, SchülerInnen, Lehrpersonen, Rezeption, Leistungsvoraussetzungen, Didaktik, Modell von Hayes & Flower, Feedback, Selbststeuerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob und wie die Methode der Schreibkonferenz als Instrument zur Textüberarbeitung im Deutschunterricht eingesetzt werden kann und welche Herausforderungen dabei bestehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Prozessorientierung beim Schreiben, die theoretische Einbettung von Textrevisionen sowie die praktische Anwendung und Akzeptanz von Schreibkonferenzen in Schulen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Ziel ist es, zu klären, inwieweit die Schreibkonferenz den Schreibprozess von Lernenden fördert und warum es Diskrepanzen zwischen der theoretischen Didaktik und der praktischen Umsetzung durch Lehrkräfte gibt.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde in den analysierten Studien verwendet?
Die zugrunde liegenden Studien von Fix und Schmelz nutzen qualitative Forschungsmethoden, darunter Experteninterviews, schriftliche Befragungen, Analysen von Schülertexten sowie Gruppendiskussionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine methodische Darstellung der Schreibkonferenz und eine detaillierte, vergleichende Auswertung der Ergebnisse aus den Studien von Fix und Schmelz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Schreibprozess, Textrevision, Schreibdidaktik, Selbststeuerung und die kritische Auseinandersetzung mit didaktischen Neuerungen bestimmt.
Warum wird die Schreibkonferenz von Schülern oft positiv, von Lehrern jedoch skeptisch betrachtet?
Schüler schätzen meist die soziale Komponente und die Hilfe durch Mitschüler, während Lehrkräfte häufig Probleme mit der Disziplin, der Lärmbelastung und der Eignung für leistungsschwächere Schüler sehen.
Welche Rolle spielen unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen bei der Methode?
Die Analyse zeigt, dass komplexe Methoden wie Schreibkonferenzen bei Schülern mit mangelnden Basiskompetenzen (z.B. Lesekompetenz) oder bei heterogenen Klassen oft an Grenzen stoßen, was die Lehrkräfte skeptisch stimmt.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2015, Textrevisionen. Die Schreibkonferenz als eine geeignete Methode im Deutschunterricht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/433569