Das Ziel dieser Bachelorarbeit besteht darin, die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB auf das Anlageverhalten von Privatanlegern aufzuzeigen. Die Zeiten, in denen Kapitalanleger mit sicheren Kapitalanlagen eine hohe Rendite erzielen konnten, sind seit Anbeginn der Niedrigzinspolitik der EZB vorerst vorbei. Die EZB hat sämtliche ihr zur Verfügung stehenden geldpolitischen Instrumente eingesetzt, um ihr übergeordnetes Ziel zu erreichen. Durch eine quantitative Lockerung der Geldpolitik sowie eine Leitzinssenkung auf 0,00 % sollte eine jährliche Inflationsrate in Höhe von annähernd 2,00 % im Euroraum er- reicht werden. Dieses Ziel wurde bisher nicht erreicht, so dass auch vorerst nicht mit einer signifikanten Anhebung des Leitzinses zu rechnen ist.
Die von der EZB zur Verfügung gestellte Liquidität sorgt stattdessen für eine beispiellose Hausse am Aktienmarkt. So haben die Notierungen deutscher Standardwerte im Jahr 2018 neue Höchststände erreicht. Für Privatanleger, die ihr Kapital bisher in sichere Anlageformen investieren, stellt sich die aktuelle Situation weiterhin unbefriedigend dar. Gerade deutsche Privatanleger, die als eher risikoavers eingeschätzt werden, können mit sicheren Spareinlagen sowie Tages- und Festgeldern keine angemessene Rendite mehr erzielen. Es bedarf dementsprechend einer veränderten Anlagestrategie, um unter den aktuellen Marktbedingungen eine angemessene Rendite zu erzielen. Die Frage, ob und in welchem Umfang deutsche Privatanleger ihr Anlageverhalten an die aktuellen Marktbedingungen angepasst haben, ist ein Kernelement der vorliegenden Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Zielsetzung und Motivation
1.2 Methodische Vorgehensweise
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Die Portfoliotheorie nach Harry M. Markowitz
2.1.1 Grundannahmen des Modells
2.1.2 Kritische Würdigung
2.2 Das CAPM-Modell
2.2.1 Grundannahmen des Modells
2.2.2 Kritische Würdigung
2.3 Identifikation möglicher Einflussfaktoren auf das Anlageverhalten
3 Modell- und Hypothesenentwicklung
3.1 Überblicksartige Darstellung des zu entwickelnden Modells
3.2 Niedrigzinspolitik der EZB als potenziellen Einflussfaktor auf das Anlageverhalten
3.2.1 Quantitative Lockerung der Geldpolitik
3.2.2 Leitzinssenkung der EZB als potenziellen Einflussfaktor auf das Anlageverhalten
3.2.3 Hypothesenaufstellung
3.3 Risikobereitschaft
3.3.1 Anlagetypen
3.3.2 Das magische Dreieck der Kapitalanlage
3.3.3 Anlagemotive
3.3.4 Hypothesenaufstellung
3.4 Risikostreuung
3.4.1 Diversifikation
3.4.2 Asset Allocation
3.4.3 Anlageformen
3.4.4 Hypothesenaufstellung
4 Empirischer Teil
4.1 Auswahl des Datenerhebungsinstruments
4.2 Forschungsdesign sowie Vorstellung des quantitativen Forschungsprozesses
4.3 Beschreibung der Stichprobe
4.4 Überprüfung der quantitativen Gütekriterien
4.4.1 Überprüfung der Objektivität
4.4.2 Überprüfung der Reliabilität
4.4.3 Überprüfung der Validität
4.5 Hypothesenüberprüfung anhand einer multiplen Regressionsanalyse
4.6 Kritische Würdigung der vorliegenden Untersuchung
5 Handlungsempfehlungen für Privatanleger
5.1 Niedrigzinspolitik
5.1.1 Kurzfristige Handlungsempfehlung
5.1.2 Langfristige Handlungsempfehlung
5.2 Risikobereitschaft
5.2.1 Kurzfristige Handlungsempfehlung
5.2.2 Langfristige Handlungsempfehlung
5.3 Risikostreuung
5.3.1 Kurzfristige Handlungsempfehlung
5.3.2 Langfristige Handlungsempfehlung
6 Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf das Anlageverhalten von Privatanlegern zu analysieren. Hierbei wird der Frage nachgegangen, inwiefern deutsche Anleger ihr Verhalten als Reaktion auf die anhaltende Niedrigzinsphase angepasst haben und welche Faktoren dabei eine entscheidende Rolle spielen.
- Analyse der Niedrigzinspolitik der EZB als Einflussfaktor auf das Anlageverhalten.
- Untersuchung der Risikobereitschaft privater Anleger im aktuellen Marktumfeld.
- Evaluierung der Bedeutung der Risikostreuung für die Portfoliogestaltung.
- Empirische Überprüfung von Hypothesen mittels einer quantitativen Onlinebefragung und multipler Regressionsanalyse.
- Ableitung von Handlungsstrategien für Privatanleger unter Berücksichtigung verschiedener Marktszenarien.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Quantitative Lockerung der Geldpolitik
Das Hauptziel der EZB, welches sich aus dem Maastrichter Vertrag ergibt, besteht darin, eine konstante Preisentwicklung sicherzustellen. Nach den Vorstellungen der EZB wird eine Inflation von knapp 2,00 % jährlich angestrebt. Des Weiteren verfolgt die EZB untergeordnete Ziele, die allerdings die Erreichung des überordneten Ziels nicht behindern dürfen. Zu diesen Zielen gehören u. a. die Förderung der allgemeinen Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten sowie ein angemessenes Wirtschaftswachstum. Das übergeordnete Ziel der EZB ergibt sich aus Artikel 127 Abs. 1 AEUV, wonach die Preisstabilität durch geeignete Maßnahmen der EZB zu gewährleisten ist. Für die Erreichung dieses Bestrebens stehen der EZB verschiedene geldpolitische Instrumente zur Verfügung.
Als ein möglicher Einflussfaktor auf das Anlageverhalten von Privatanlegern ist in diesem Kontext beispielsweise die quantitative Lockerung der Geldpolitik zu nennen. Dieses geldpolitische Instrument wurde erstmals im März 2015 durch die EZB eingesetzt. Durch den monatlichen Ankauf von Staatsanleihen im Gegenwert von 60 Milliarden Euro soll sowohl zusätzliche Liquidität in das Bankensystem gelangen als auch das Inflationsziel von annähernd 2,00 % erreicht werden. Das von der EZB zur Verfügung gestellte Kapital soll weiterhin dazu dienen, die langfristigen Zinsen zu senken. Diese Tendenz war bereits kurz nach Ankündigung der EZB, ab März monatlich Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Euro zu erwerben, zu erkennen. Zum damaligen Zeitpunkt war allerdings lediglich beabsichtigt, das Anleihenankaufprogramm mit einem Gesamtvolumen von 1,14 Billionen Euro bis September 2016 laufen zu lassen. Tatsächlich setzt die EZB auch weiterhin auf dieses geldpolitische Instrument, wenn auch in einem geringeren Umfang.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und definiert das Ziel der Untersuchung bezüglich des Anlageverhaltens von Privatanlegern unter dem Einfluss der EZB-Niedrigzinspolitik.
2 Theoretische Grundlagen: Das Kapitel vermittelt essenzielle theoretische Kenntnisse durch die Portfoliotheorie von Markowitz und das CAPM-Modell, ergänzt um eine Identifikation der relevanten Einflussfaktoren.
3 Modell- und Hypothesenentwicklung: Es erfolgt die Herleitung eines eigenen Modells sowie die Aufstellung von Untersuchungshypothesen basierend auf den Themen Niedrigzinspolitik, Risikobereitschaft und Risikostreuung.
4 Empirischer Teil: Dieses Kapitel beschreibt die quantitative Datenerhebung mittels einer Onlinebefragung, die Überprüfung der Gütekriterien und die statistische Auswertung zur Hypothesenprüfung.
5 Handlungsempfehlungen für Privatanleger: Basierend auf den empirischen Ergebnissen werden konkrete Strategien für Anleger erarbeitet, unterteilt in kurz- und langfristige Handlungsempfehlungen.
6 Abschließende Betrachtung: Eine Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse sowie ein Fazit und ein Ausblick auf die zukünftige Relevanz der untersuchten Thematik.
Schlüsselwörter
Niedrigzinspolitik, EZB, Anlageverhalten, Privatanleger, Portfoliotheorie, CAPM, Risikobereitschaft, Risikostreuung, Diversifikation, Onlinebefragung, Regressionsanalyse, Asset Allocation, Rendite, Geldpolitik, Kapitalmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die seit Jahren anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank auf die Investitionsentscheidungen und das Anlageverhalten privater Anleger in Deutschland auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Pfeiler der Untersuchung bilden die Niedrigzinspolitik, die individuelle Risikobereitschaft des Anlegers sowie das Konzept der Risikostreuung (Diversifikation).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das Ziel besteht darin zu klären, ob und in welchem Umfang deutsche Privatanleger ihr Anlageverhalten an das aktuelle Marktumfeld angepasst haben, und ob diese Anpassung statistisch nachweisbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Untersuchung verwendet?
Der Autor nutzt einen quantitativen Forschungsansatz. Es wurde eine Onlinebefragung durchgeführt, deren Daten anschließend mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS durch Reliabilitätsanalysen, explorative Faktorenanalysen und multiple Regressionen ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung auf Basis finanzwissenschaftlicher Modelle, die Entwicklung eines eigenen Untersuchungsmodells inklusive Hypothesen, den empirischen Teil der Datenauswertung sowie praxisorientierte Handlungsempfehlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Niedrigzinspolitik, Anlageverhalten, Risikobereitschaft, Diversifikation und empirische Onlinebefragung charakterisieren.
Warum spielt die Risikobereitschaft eine so wichtige Rolle in der Auswertung?
Die statistische Analyse konnte belegen, dass die Risikobereitschaft einen signifikanten Einfluss auf das Anlageverhalten hat. In einem Niedrigzinsumfeld neigen viele Anleger dazu, zur Erzielung von Renditen höhere Risiken einzugehen.
Welches Fazit zieht der Autor zur Wirksamkeit der Risikostreuung bei den befragten Anlegern?
Interessanterweise konnte für die Variable der Risikostreuung in der statistischen Auswertung keine Signifikanz im Zusammenhang mit dem Anlageverhalten festgestellt werden, was im Widerspruch zu klassischen Anlagetheorien steht.
- Citar trabajo
- Marc Denzl (Autor), 2018, Die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB auf das Anlageverhalten von Privatanlegern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434805