Mobbing im Schulkontext

Auswirkungen und Handlungsmöglichkeiten für Lehrer


Seminararbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1

Sven Frueh (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1 Begriffserklärung

2 Prävalenz und Auswirkungen von Mobbing in Schulen
2.1 Prävalenz
2.2 Arten von Mobbing im Schulkontext
2.3 Gruppendynamik
2.4 Psychologische Auswirkungen von Mobbing

3 Status und Handlungsmöglichkeiten von Lehrpersonen
3.1 Die Rolle der Lehrperson
3.2 Interventions- und Präventionsansätze für Lehrpersonen
3.2.1 Prävention
3.2.2 Intervention

4 Schlusswort

5 Literaturverzeichnis

6 Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Mobbing ist ein weitverbreitetes und komplexes Phänomen, das speziell im Schulkontext eine ernsthafte Gefahr für die Psyche und die psychische Entwicklung der Betroffenen darstellt. Für Lehrpersonen und die Schule als Institution ist es eine zentrale Herausforderung, der Ausbreitung von Mobbing entgegenzuwirken.

Darum befasst sich diese Arbeit vorerst mit der Prävalenz, den Akteuren und den Arten von Mobbinghandlungen. Weiters wird dargelegt welche negativen Auswirkungen Mobbing auf die Betroffenen haben kann und welche Handlungsmöglichkeiten und Pflichten eine Lehrperson im Mobbingfall hat. Der letzte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den, dem aktuellen Forschungsstand entsprechenden Interventions- und Präventionskonzepten für Lehrpersonen und für die Schule als Ganzes.

Eine positive Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schüler kann nur in einem positiven sozialen Umfeld gelingen. Darum ist es unabdinglich für alle Pädagoginnen und Pädagogen über die Wirkungsweise von Mobbing Phänomenen Bescheid zu wissen, Konzepte für die Prävention und Intervention zu entwickeln und diese kompetent durchzuführen. Diese Arbeit soll eine Grundlage dafür sein.

1 Begriffserklärung

Der Begriff „Mobbing“ wurde in Bezug auf Menschen erstmals von dem schwedischen Arzt Peter- Paul Heinemann 1969 verwendet. Er beschrieb dabei das Phänomen, bei dem eine Gruppe geschlossen eine Person, deren Verhalten von der sozialen Norm abweicht, attackiert (vgl. Hoffman 2016, S.3). Seither wird der Begriff immer breiter eingesetzt. In der Gebrauchssprache wird Mobbing für eine große Bandbreite an zwischenmenschlichen Konflikten herangezogen. Und obwohl auch einmalige Streitereien oder beständige Sticheleien durchaus bedeutsame, negative Effekte auf den Menschen haben können, so spricht man im wissenschaftlichen Kontext noch nicht von Mobbing (vgl. Jacobshagen 2004, S.874).

Vergleicht man verschiedene Definitionen von Mobbing, so sind einige explizite und implizite Kriterien für den Begriff ausschlaggebend. Es ist keine gelegentliche oder zufällige, sondern eine über einen langen Zeitraum, systematisch wiederkehrende Art der Aggression, ob körperlich, psychisch oder beides. Auch ein Kräfteunterschied zwischen dem schwächeren Opfer und den hierarchisch, sozial oder physisch stärkeren Täter ist ausschlaggebend. Mobbing ist kein Konflikt, dessen Lösung nicht gelingt und daher in einem verbalen oder nonverbalen Schlagabtausch mündet. Es ist der zielgerichtete Missbrauch von sozialer Macht, der meist den Status der oder des Täters innerhalb einer Gruppe (Schulklasse, Kollegenkreis, Peer- Groups) steigern soll. Die soziale Umgebung und die Gruppenzugehörigkeit sind für das Opfer dabei nicht frei wählbar.

Durch diese zusammenfassenden Kriterien ist gut ersichtlich, dass die Prävalenz von Mobbing gerade am Arbeitsplatz und in Schulen am höchsten ist, da diese Umgebungen alle Kriterien bedienen können. Da in dieser Arbeit Mobbing speziell im Schulkontext betrachtet wird, bezieht sich die Begriffsverwendung hauptsächlich auf die Definition des schwedisch- norwegischen Psychologen Dan Olweus, der das Phänomen im Schulkontext wie folgt beschreibt: „ Ein Schüler wird viktimisiert, wenn er oder sie wiederholt und über längere Zeit negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler ausgesetzt ist“ (Dan Olweus 1993, S.9). Ergänzend ist zu sagen, dass der englische Begriff „bullying“, der großteils im angloamerikanischen Sprachraum verwendet wird, synonym zu verstehen ist, wobei er auch für einzelne Personen verwendet wird, die andere herabwürdigen, beleidigen, physisch oder verbal angreifen etc. und im Gegensatz zum Mobbing steht, das stets auch eine Gruppenkomponente besitzt.

2 Prävalenz und Auswirkungen von Mobbing in Schulen

2.1 Prävalenz

Die Prävalenzrate beschreibt einerseits den Anteil der Schüler/innen innerhalb einer Testgruppe, die von anderen gemobbt werden (Opfer), und andererseits den Anteil derer die aktiv mobben (Täter).

In Europa ist die Prävalenzrate der Opfer in der Grundschule mit 15 Prozent bis 35 Prozent sehr hoch. Die Zahl nimmt allerdings in weiterführenden Schulen mit 5 Prozent bis 16 Prozent stark ab. Die Prävalenzrate der Täter bleibt allerdings ungefähr gleich. Es sind im Grundschulbereich 7 Prozent bis 16 Prozent und in den weiterführenden Schulen rund 10 Prozent (vgl. Schneider W. 2018, S.695). Es wird angenommen, dass es jüngeren Opfern aufgrund der fehlenden Sensibilität für soziale Normen und den noch fehlenden Strategien sich gegen Aggressionen zu wehren, schwerfällt der systematischen Viktimisierung zu entkommen. Im Gegensatz dazu bleiben die Täter mit großer Wahrscheinlichkeit in ihrer Täterrolle.

2010 wurde von der Healt Behaviour in School- Aged Children „HBSC“. Eine Studie zur Prävalenz von Mobbing in Österreich durchgeführt. 22,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler wurden zweimal pro Monat, 5,7 Prozent dreimal pro Monat, 4,8 Prozent mindestens einmal pro Woche und 5,3 Prozent mehrmals pro Woche schikaniert. Genauer zeigte sich, dass 13 jährige Burschen und Mädchen am häufigsten betroffen sind. Geschlechtsspezifische Unterschiede ließen sich ebenso feststellen. Jungen sind insgesamt häufiger von Mobbingsituationen betroffen. Auch in der Rolle des Täters finden sich mehr Burschen als Mädchen (vgl. Rendi-Wagner P. 2010). Laut dem internationalem vergleich der OECD im Jahre 2105, hat Österreich den höchsten Anteil an Schülern zwischen 11- und 15 Jahren, die mindestens zweimal in zwei Monaten Opfer von Mobbinghandlungen wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Figure 1.3. one in ten boys report being bullied at school OECD (2015).

2.2 Arten von Mobbing im Schulkontext

Neben den zwei offensichtlichen Formen von Mobbing im Schulkontext, physisch (Schlagen, Treten, Schubsen) und verbal (Beschimpfen, Drohen, Verspotten), treten auch weniger offensichtliche Formen auf. Unter relationalem Mobbing werden Handlungen zusammengefasst, die die soziale Bindung und Beziehung des Opfers zu seinen Bezugspersonen zerstören sollen, um es so weit wie möglich zu isolieren. Dabei wird ein Schüler oder eine Schülerin aktiv aus einer Gruppe ausgeschlossen oder ignoriert. Es können auch Gerüchte verbreitet werden, um Dritte gegen das Opfer aufzubringen (vgl. Deegener 2011, S.187). Eine, besonders für Lehrkräfte schwer ersichtliche Form ist das Cybermobbing. Darunter fallen über einen längeren Zeitraum, von einer oder mehreren Personen durchgeführte Angriffe in digitalen Medien und sozialen Netzwerken. Dabei werden zum Beispiel aggressive Botschaften an die Opfer gesandt. Auch der Diebstahl der virtuellen Identität, um im Namen des Opfers herabwürdigende Handlungen (Postings, Beleidigungen, etc.) zu vollziehen gehört dazu. Das Cybermobbing ist aufgrund der mangelnden Kontrollfunktionen im Internet und der vermeintlichen Anonymität der Täter eine etablierte Form des Mobbings (vgl. Festl 2014, S.33). Mobbing ist nicht auf Schüler – Schüler Interaktionen beschränkt.

Ach Lehrpersonen werden zu Tätern, wenn sie ihre Autorität und die damit verbundene Macht für herabwürdigende und unfaire Handlungen gegen Kinder einsetzen. Z.B. das absichtliche Ignorieren, Bloßstellen, Anschreien oder der Ausschluss bestimmter Schülerinnen und Schüler von Gruppenaktivitäten (ebd.).

2.3 Gruppendynamik

Da Mobbing kein Konflikt, sondern ein gruppendynamischer Prozess ist, der alle Individuen innerhalb eines sozialen Bezugssystems (Klasse) einschließt, werden den Schülerinnen und Schülern gewisse verhaltensbezogene Rollen zugeschrieben (vgl. Schneider W. 2018 S.694). In einem soziometrischen Verfahren, welches von Salmivalli und Kollegen (1996) entwickelt wurde, müssen die Kinder ihren Mitschülern verschiedene Rollen zuweisen.

Die Täter sind die Führer der Gruppe, die Aggressionen gegenüber den Opfern initiieren. Darunter ist der Assistent, der sich am Verhalten des Täters orientiert und aktiv an Schikanen beteiligt ist. Die Verstärker fördern das aggressive Verhalten der Täter und deren Assistenten, indem sie diese anfeuern oder mitlachen. Die Außenstehenden beteiligen sich weder aktiv noch passiv an den Schikanen. Sie halten sich fern und dulden das Treiben. Im Kontrast zu den genannten Gruppen gibt es noch die Rolle des Verteidigers. Diese Individuen nehmen eine schützende Position zugunsten der Opfer ein und versuchen aktiv gegen die Aggressionen vorzugehen.

Auf dieser Basis konnte für 88 Prozent der getesteten Schulkinder eine klare Rolle zugeteilt werden: 24 Prozent Außenstehende, 20 Prozent Verstärker, 17 Prozent Verteidiger, 8 Prozent Täter und 7 Prozent Assistenten. Für weitere 10 Prozent der Schülerinnen und Schüler konnte keine demonstrative Rolle zugeteilt werden und die Restlichen 14 Prozent sind Opfer (vgl. Schneider W. 2018 S.695). Dabei gibt es eine ansehnliche Diskrepanz zwischen den zugeteilten Rollen und der Selbsteinschätzung der Individuen. Nur 20Prozent der Außenstehenden und Verstärker sehen sich in der ihnen zugeteilten Rolle. Bei den Tätern und den Assistenten ist die Zustimmung sogar verschwindend gering. (vgl. Schneider W. 2018, S.694).

Nur wenn alle Akteure an der Mobbing- Handlung entweder aktiv oder passiv mitmachen wird sie fortgesetzt. Studien zeigen, dass Schikanen effektiv gestoppt werden, wenn sich nur wenige Kinder offen dagegen aussprechen (vgl. Salmivalli C. 1999).

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Mobbing im Schulkontext
Untertitel
Auswirkungen und Handlungsmöglichkeiten für Lehrer
Hochschule
Pädagogische Hochschule Oberösterreich
Note
1
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V434839
ISBN (eBook)
9783668760264
ISBN (Buch)
9783668760271
Dateigröße
571 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mobbing im Schulkontext, Mobbing, Mobbing und Schule
Arbeit zitieren
Sven Frueh (Autor), 2018, Mobbing im Schulkontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434839

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