FRESCH-Methode als Lese- und Schreibtherapie zur Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschwäche im Rahmen der Grundschule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Probleme mit dem Lese- und Rechtschreiberwerb
2.1 Definition Lese- und Rechtschreibschwäche
2.2 Erkennen und Behandeln einer Lese- und Rechtschreibschwäche

3. Die FRESCH-Methode
3.1 Hintergrund und Verfahren
3.2 Rechtschreibstrategien
3.2.1 Sprechschwingen und Sprechschreiben
3.2.2 Weiterschwingen
3.2.3 Ableiten
3.2.4 Merkwörter
3.3 Einbinden der FRESCH-Methode in den Grundschulunterricht
3.3.1 Stärken
3.3.2 Schwächen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einführung

Lesen und Schreiben zu lernen ist für viele Schülerinnen und Schüler eine Leichtigkeit, für andere wiederum eine jahrelange Reise voller Strapazen und Hürden. Eine große Bedeutsamkeit kommt daher der Früherkennung solcher Problemkinder zu. Doch was sollte man bei der Förderung von lese- und rechtschreibschwachen Kindern beachten und worauf sollte man besonders Rücksicht nehmen? Trotz der Tatsache, dass die Lese- und Rechtschreibschwäche zu den häufigsten Entwicklungsstörungen weltweit gehört, ist ein Großteil der Lehrerschaft nicht über mögliche Präventions- sowie Behandlungs- maßnahmen im Kontext der Grundschule aufgeklärt, beziehungsweise nicht in der Lage, diese umzusetzen.

In dieser Ausarbeitung möchte ich zunächst einmal einen Überblick über die typischen Merkmale einer Lese- und Rechtschreibschwäche geben, um eine frühestmögliche Diagnose dieser Lernstörung zu ermöglichen. Dazu definiere ich den Begriff der Lese- und Rechtschreibschwäche und die damit einhergehenden Schwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache. Im weiteren Teil stelle ich eine Behandlungsmaßnahme der Lese- und Rechtschreibschwäche vor, die FRESCH-Methode. Es gibt unzählig viele andere Behandlungsmethoden, jedoch möchte ich mich im Rahmen dieser Hausarbeit lediglich auf die FRESCH-Methode beziehen. Meine Wahl fiel auf diese Methode, da auch meine achtjährige Cousine von der Lese- Rechtschreibschwäche betroffen ist und in der Grundschule, die sie besucht, mit genau dieser Methode gearbeitet wird. Besonders schätze ich an der FRESCH-Methode, dass das Zusammenwirken von Sprechen und Schreiben gefördert wird, durch das Einbeziehen von Bewegung und Rhythmus. Dabei vermittelt die FRESCH-Methode vier Rechtschreibstrategien: das Sprechschwingen und Sprech- schreiben, das Weiterschwingen, das Ableiten und die Merkwörter. Zuletzt hinterfrage ich, wie gut sich die FRESCH-Methode in den Grundschulunterricht mit einbeziehen lässt. Hierzu betone ich sowohl die Stärken als auch die mit einhergehenden Schwächen. Daraufhin ziehe ich mein persönliches Fazit im Hinblick auf die Frage, ob sich die FRESCH-Methode als Lese- und Schreibtherapie zur Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschwäche im Rahmen der Grundschule eignet.

Ziel meiner Ausarbeitung ist es herauszustellen, dass die Lese- und Rechtschreibschwäche als ernstzunehmende Lernstörung angesehen werden muss. Ich möchte auf die hohe Anzahl der davon betroffenen Kinder aufmerksam machen und hervorheben, welche

Relevanz sowohl der Früherkennung als auch der frühen Behandlung zugesprochen werden sollte. Zudem möchte ich für mich prüfen, ob die FRESCH-Methode eine gute Behandlungsmöglichkeit dieser Lernstörung darstellt. Da ich vorhabe, die Laufbahn der Grundschullehrerin einzuschlagen, möchte ich die für mich bestmögliche Methode herausfiltern, um diese später einmal anwenden zu können.

2. Probleme mit dem Lese- und Rechtschreiberwerb

2.1 Definition Lese- und Rechtschreibschwäche

Mit dem Begriff „Lese- Rechtschreibschwäche“1 wird eine spezielle entwicklungsbedingte Lernstörung bezeichnet, welche als häufigste Entwicklungsstörung bei Kindern auftritt (vgl. Lachmann/Steinbrink 2014: 2). Kinder, die von der LRS betroffen sind, weisen Schwierigkeiten beim Erlenen des Lesens und/oder des Schreibens auf (vgl. Breitenbach/Weiland 2010: 29). In den meisten Fällen sind sowohl das Lesen als auch das Schreiben davon betroffen (vgl. Lachmann/Steinbrink 2014: 137). Die Verordnung über den Bildungsgang der Grundschule2 besagt, dass „Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten [vor] liegen […], wenn Schülerinnen und Schüler besondere Schwierigkeiten beim Erlernen und beim Gebrauch der Schriftsprache und des Lesens haben, die nicht ursächlich auf zu geringe Kenntnisse der deutschen Sprache oder festgestellten oder vermuteten sonderpädagogischen Förderbedarf zurückzuführen sind, erheblich vom übrigen Leistungsvermögen abweichen und durch allgemeine Förderung nicht behoben werden können“(GsVO 2010: §16 (1)). Häufig treten Probleme beim Erlesen von Buchstaben und ganzen Wörtern, beim Verschriftlichen dieser und beim Lesen und Vorlesen auf. Daraus folgen nicht nur massive Probleme bei der Rechtschreibung, sondern auch eine verlangsamte Lesegeschwindigkeit sowie Defizite im Leseverständnis. Nach Meyer- Schepers (1984: 11) spricht man „von einer Lese- und Rechtschreibschwäche, wenn die Leistungen des Kindes in der Lesegenauigkeit, dem Leseverständnis und/oder im Rechtschreiben deutlich von der durch die allgemeine Intelligenz erwartbaren Leistungen abweichen.“ Dementsprechend stehen die Probleme beim Erwerb der Schriftsprache nicht in Bezug zu ihren kognitiven Fähigkeiten (vgl. Lachmann/Steinbrink 2014: 3). Generell lässt sich feststellen, dass die LRS bei circa 2,7% aller achtjährigen Kinder vorkommt (vgl. Amorosa/Von Suchodoletz 2006: 19). Dabei tritt die LRS zwei bis dreimal häufiger bei Jungen als bei Mädchen auf (vgl. Löffler/Meyer-Schepers 1984: 32).

2.2 Erkennen und Behandeln einer Lese- und Rechtschreibschwäche

Die Lese- und Rechtschreibschwäche stellt vor allem im schulischen Kontext eine große Hürde dar, weil die Wissensvermittlung schriftsprachlich verläuft. Sobald lese- und rechtschreibschwache Schülerinnen und Schüler auf Symbole wie Buchstaben oder Zahlen treffen, lässt ihre Aufmerksamkeit nach. Trotz durchschnittlicher kognitiver Fähigkeiten, mündlicher Beherrschung der deutschen Sprache und regelmäßiger Schulbesuche sind die von der LRS betroffenen Kinder nicht in der Lage, die deutsche Schriftsprache vollkommen zu beherrschen. Auch zahlreiche Fördermaßnahmen führen nicht zur Erreichung dieses Ziels (vgl. Amorosa/Von Suchodoletz 2006: 33). Umso wichtiger ist es, dass die Lese- Rechtschreibschwäche eines Kindes zeitnah erkannt und behandelt wird (vgl. Lachmann/Steinbrink 2014: 126). Wird ein Kind als LRS-Risikokind eingestuft, von Seiten des Lehrers oder auch des Elternhauses, sollte zeitnah eine detaillierte Diagnostik anschließen (vgl. Lachmann/Steinbrink 2014: 132). „Im Zentrum der Diagnostik bei LRS stehen“, so Löffler und Meyer-Schepers, „Leistungstests, vertiefende Analysen zum Lernstand und sehr genaue Beobachtungen. Die Probleme sollten so differenziert analysiert werden, dass davon unmittelbar individuelle Interventionsmaßnahmen abgeleitet werden können“ (1984: 63). Es gibt zahlreiche testpsychologische Diagnostiken zum Erkennen einer Lese- und Rechtschreibschwäche, auf welche ich in dieser Ausarbeitung jedoch nicht weiter eingehen werde.

Oftmals wird die LRS bei Schülerinnen und Schülern erst im dritten oder vierten Schuljahr erkannt, da zu diesem Zeitpunkt anstelle der lautgetreuen, geübten Wörter unbekannte Wörter in den Wortschatz der Kinder eingeführt werden. Vorherrschend ist dabei nicht mehr das phonographische Prinzip „Schreib wie du sprichst“, neben diesem werden nun auch weitere Rechtschreibstrategien vermittelt. Es kommt sowohl den Eltern und den Lehrern eine wichtige Rolle bei der Früherkennung einer Lese- Rechtschreibschwäche zu. Zur Prävention sowie zur Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschwäche gibt es zahlreiche Methoden, welche in der Grundschule verfolgt und auch umgesetzt werden. Die Kultusministerkonferenz hat für die Bundesrepublik Deutschland das Recht auf individuelle Förderung entsprechend des jeweiligen Leistungsstandes des Kindes festgeschrieben (vgl. Lachmann/Steinbrink 2014: 11). So komme ich nun zu einer speziellen Methode der Behandlung einer LRS, der FRESCH-Methode.

3. Die FRESCH-Methode

3.1 Hintergrund und Verfahren

Die Freiburger Rechtschreibmethode (FRESCH-Methode) stellt einen erprobten Lese- und Schreiblehrgang als Therapie für die Lese- und Rechtschreibschwäche dar. Der ursprüngliche Ansatz der Methode geht auf die unveröffentlichten Arbeiten der Schulpsychologin Heide Buschmann zurück (vgl. Fulde 2003: 213). „Ausgehend von der Annahme, dass es sich beim LRS-Problem um eine Verarbeitungsschwäche im zentralen Nervensystem handelt, […]suchte sie und fand ein Steuerungselement, das diese zentrale Verarbeitung von außen stützte. Durch gezieltes Zusammenwirken von Wahrnehmungen und Motorik sollten diese vermuteten inneren Prozesse zum besseren Funktionieren gebracht werden“ (Michel 2010: 2). Dieser Ansatz wurde in den 80er Jahren von einem Autorenteam des Oberschulamts Freiburg im Breisgau aufgegriffen und weiter entwickelt. Da das Autorenteam aus ehemaligen LehrerInnen und SchulpsychologInnen besteht, haben die Mitglieder langjährige praktische Erfahrungen in Bezug auf die Lese- und Rechtschreibschwäche vorzuweisen (vgl. Fulde 2003: 213). Die FRESCH-Methode gilt als eine seriöse, wissenschaftlich fundierte Methode der Förderung von lese- und rechtschreibschwachen Schülerinnen und Schülern, da sie sehr viele Erfahrungsberichte darlegen kann, „bei denen ganz unterschiedliche Ausgangsbedingungen meist ähnlich gute Erfolge dokumentieren“ (Brenzing 2010: 7). Mithilfe der FRESCH-Methode sollen nicht die Ursachen einer Lese- Rechtschreibschwäche geheilt werden, viel mehr sollen Schwierigkeiten präventiv und kompensatorisch3 verringert werden (vgl. Brenzinig 2010: 7).

Die FRESCH-Methode ist eine ganzheitliche Methode, die Wörter mit Bewegung trainiert. Es wird davon ausgegangen, dass durch Bewegung das Lernen leichter fällt (vgl. Fulde 2003: 215). Die Methode trainiert dabei nicht die beeinträchtigten Einzelfunktionen, sondern kompensiert durch die gleichzeitige Betätigung aller am Schreibprozess beteiligten Sinne die Teilfunktionsschwächen. Zur Verdeutlichung der beteiligten Sinne und Fertigkeiten empfehle ich den Anhang dieser Ausarbeitung anzuschauen, da ich dort den FRESCH-Regelkreis hinterlegt habe.

Richtigschreiben wird durch richtiges, rhythmisches Sprechen gelernt. Indem Sprache, Rhythmus und Bewegung synchronisiert werden, orientiert sich der Schriftspracherwerb am Silbenlesen und Silbenschreiben (vgl. Brenzing 2010: 7). Das Schreiben- sowie das Lesenlernen gelingen durch die Segmentierung von Wörtern in Silben. Ein zentrales Element stellt dabei die Silbe als Sprech- und als Schreibeinheit dar. Hier kommt vor allem der Sprechsilbe als natürliche Segmentierungseinheit der Sprache eine enorme Bedeutung zu (vgl. Renk 2010: 15). Durch die rhythmische Vertiefung beim Sprechen und (in der Bewegung) beim Schwingen kommt es zur Entkrampfung, wodurch das Kind neue Energien für die gestellten Aufgaben schöpfen kann (vgl. Renk 2010: 16). Der Rhythmus stellt die Grundlage dieses Ansatzes dar, da er sowohl zur Stressreduzierung als auch zur motorischen Früherziehung beiträgt und zudem die Lernvoraussetzungen der Kinder fördert (vgl. Renk 2010: 15).

Ein angestrebtes Ziel der FRESCH-Methode ist es, das Zusammenwirken von Sprechen und Schreiben zu fördern, da deutliches Sprechen das Schreiben steuert und so durch eine deutliche Aussprache Fehler in der Schriftsprache vermieden werden können. Auf Grund der Silbenzerlegung erreicht man eine Verlangsamung der Sprache, wodurch die Artikulation deutlicher wird. Zusammen mit den rhythmischen Bewegungen und den Pausen wird den Kindern der Zugang zur Schriftsprache eröffnet (vgl. Brenzing 2010: 5). Wichtig ist es, dass das Schreiben synchron zum Sprechen verlaufen muss, damit das Gesprochene richtig ins Geschriebene übertragen werden kann. Man zerlegt sich das Wort also in seine Silben und spricht es dabei in Schwüngen (vgl. Fulde 2003: 215). Beispielsweise geht am Anfang der Silbe die Stimme hoch, im Verlauf des Sprechens wird die Stimme tiefer und zum Ende der Silbe ist die Stimme wieder oben. Gleichzeitig dazu werden mit der Schreibhand tiefe Bögen unter das gesprochene Wort gezeichnet, sei es mit einem Stift auf ein Blatt Papier oder mit dem Finger in die Luft. Dieses Verfahren wird vom Kind für jede einzelne Silbe durchgeführt. Gerade am Anfang ist es hilfreich, sich dabei frei im Raum zu bewegen.

[...]


1 abgekürzt LRS

2 GsVO

3 = ausgleichend

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
FRESCH-Methode als Lese- und Schreibtherapie zur Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschwäche im Rahmen der Grundschule
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Schriftspracherwerb
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V434868
ISBN (eBook)
9783668759985
ISBN (Buch)
9783668759992
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachwissenschaften
Arbeit zitieren
Michelle Weiser (Autor), 2017, FRESCH-Methode als Lese- und Schreibtherapie zur Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschwäche im Rahmen der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/434868

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