Die Top 30-Rufnamen des Jahrgangs 2015 in Bayern und Schleswig-Holstein

Linguistischer Vergleich basierend auf den aktuellen Tendenzen in Deutschland


Hausarbeit, 2017

33 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

A) Theoretische Grundlagen
1. Ziel und Gegenstand der Arbeit
2. Namenklasse Rufnamen
2.1 Gattungsnamen (Appellative) und Eigennamen (Propria)
2.2 Individualitätsbasierte Namenklassifikation der Eigennamen
2.3 Onymische Eigenschaften von Rufnamen
2.4 Umbrüche in der Entwicklung der Rufnamengebung
2.5 Allgemeine Tendenzen in der Rufnamenwahl

B) Analyse des sprachlichen Materials
1. Arbeitshypothesen
2. Sonoritätsideal und Androgynität
2.1 Sonoranten- und Obstruentenanteile
2.2 Silbenzahl
2.3 Androgynität
3. Graphematische Vielfalt
4. Vollformen und Kurzformen
4.1 Regression zur Kindlichkeit
4.2 Herkunft und Einflüsse
5. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis:

A) Theoretische Grundlagen

1. Ziel und Gegenstand der Arbeit

Gegenstand dieser Arbeit stellt ein linguistischer Vergleich der Namen-Hitlisten 2015 der Bundesländer Bayern und Schleswig-Holstein[1] dar (siehe Anhang Abb.2, Abb.3) . Diese enthalten die 30 am häufigsten vergebenen Jungen- und Mädchennamen eines Jahrgangs im entsprechenden Bundesland. Zu entnehmen sind jene Listen der Internetseite www.beliebte-vornamen.de, erstellt von Knud Bielefeld und Annemarie Lüning.

Anhand der Materialgrundlage sollen allgemeine Tendenzen der Rufnamenvergabe aufgezeigt sowie regionale Unterschiede ermittelt werden. Bayern und Schleswig-Holstein wurden hierbei als Untersuchungsgegenstand gewählt, da sie eine sehr große Differenz bezüglich ihrer geografischen Lage innerhalb der Bundesrepublik Deutschland aufweisen. So schließt sich die Überlegung an, jene Differenz in der Rufnamenvergabe zu erforschen. Die Untersuchung verläuft anhand ausgewählter linguistischer Kriterien wie Silbenzahl, Voll- und Kurzformen sowie Androgynität.

Um eine schlüssige Argumentation zu gewährleisten, geht der Arbeit am sprachlichen Material die Erarbeitung notwendiger theoretischer Grundlagen voraus. Hier werden bereits allgemeine Tendenzen in der Rufnamenentwicklung aufgezeigt. Da jene zwar auf die beiden betrachteten Bundesländer zutreffen, jedoch nicht von ihnen ausgehend entwickelt wurden, bildet an dieser Stelle die Top-30-Hitliste 2015 von Deutschland[2] (siehe Anhang Abb. 1) die Materialgrundlage.

Ansatzpunkte bezüglich Klassifizierungen, historischer Zäsuren o.ä. basieren auf den Ausführungen Nüblings in „Namen. Eine Einführung in die Onomastik“ (Damaris Nübling, Fabian Fahlbusch, Rita Heuser).

2. Namenklasse Rufnamen

2.1 Gattungsnamen (Appellative) und Eigennamen (Propria)

Gattungsnamen[3] unterscheiden sich von Eigennamen vor allem dadurch, dass sie kein konkretes Objekt, sondern vielmehr entweder „eine Gattung als solche oder Einzelobjekte […] als Angehörige dieser Gattung“[4] bezeichnen. GattungsN umfassen allgemein bekannte Merkmale einer Gruppe ähnlicher Objekte, sie haben begrifflichen Inhalt, ein Denotat.

EigenN hingegen zeichnen sich durch Monoreferenz aus. Ihre Hauptfunktion ist „ihr sprachlicher Bezug auf nur EIN Objekt, auf EIN bestimmtes Mitglied einer Klasse.“[5] Propria haben individualisierende sowie identifizierende Wirkung[6] und verweisen auf ein Denotat. Im Gegensatz zu GattungsN gelten sie als nicht übersetzbar[7].

Dass EigenN keine lexikalische Bedeutung haben, verdeutlicht folgendes Beispiel: ‚Müller‘ existiert sowohl als Appellativ, als auch in Form des Familiennamens. Jener steht in keiner Verbindung mit der ursprünglichen Bedeutung der Berufsgruppe. Zwar bestand der Zusammenhang einst, jedoch spielt heute diese diachronische Bedeutung keine Rolle mehr.[8] Weiterhin verdeutlicht das Beispiel den Prozess der Onymisierung, welcher die Entwicklung von EigenN aus GattungsN beschreibt.[9]

Der grundsätzliche Funktionsunterschied liegt schlussfolgernd in der Überlegung, dass ein „Appellativum charakterisiert, der Name identifiziert.“[10]

EigenN weisen eine onymische Sondergrammatik auf, welche sie von Appellativen abgrenzt. So ist Pluralbildung in der Regel nicht möglich[11]. Eine Ausnahme bildet Pluralflexion mit einem einzigen Flexiv -s[12], wenn auf mehrere, denselben Namen tragende, Objekte verwiesen wird, z.B.: ‚die Müllers‘. Weitet man die Verwendung von EigenN auf Sprachräume mit Substantivkleinschreibung aus, so wird als graphematische Besonderheit die konsequente Großschreibung von Propria deutlich.[13]

Bezüglich der Orthographie bleibt festzuhalten, dass EigenN keinen Regeln unterliegen; so ist ‚ Karolin ‘ ebenso zulässig wie ‚ Carolin ‘. Auch blieben EigenN von Reformen der Rechtschreibung unbeeinflusst, sodass ‚Goethe‘ noch immer die Umlautschreibung oe statt ö aufweist.

2.2 Individualitätsbasierte Namenklassifikation der Eigennamen

Zur Einordnung der Rufnamen in das Gesamtkonzept der Eigennamenklassen existieren verschiedene Ansätze. Ausgangspunkt dieser Arbeit stellt die individualitätsbasierte Namenklassifikation nach Nübling dar (Abb.5).

Jener liegt das Konzept der Belebtheit und Individualisierung zugrunde. Nach Nübling gliedert sich Belebtheit grob in MENSCHLICH > BELEBT > UNBELEBT. Als menschlich gilt hierbei die „Ähnlichkeit eines Objektes mit uns selbst“[14]. Wird diese Überlegung als entscheidendes Merkmal angenommen, so steht der Mensch an der Spitze der Belebtheitsskala (Abb.4). Die Agentivität stellt die nächstwichtigste Komponente dar. „Auch Tiere, insbesondere die mit uns eng verwandten Säugetiere, können agentiv sein.“[15] Weitere Kriterien, in absteigender Reihenfolge, sind Belebtheit im biologischen Sinne, Kontinuiertheit, Zähl- und Pluralisierbarkeit sowie Materialität (Abb.4).

Eine ähnliche Abbildung Nüblings, welche ebenfalls den Aspekt der Individualisierung sehr hoch ansetzt, nimmt eine Klassifikation der Namenklassen vor (Abb.5). Den Oberbegriff der Darstellung bilden Propria. Von ihnen ausgehend werden die Teilklassen nach ausgewählten Kriterien festgelegt. Die erste Unterteilung erfolgt nach dem Unterscheidungsmerkmal +belebt/-unbelebt in Bionyme und Abionyme.[16]

Bionyme werden nach +menschlich/-menschlich klassifiziert, die Klasse der Personennamen (Anthroponyme) sowie der Tiernamen (Zoonyme). Anthroponyme weisen maximale Individualität auf (Abb.5). Die Klasse umfasst den Gesamtnamen (bestehend aus Ruf- und Familienname), ferner Spitz- oder Kosenamen[17].

Rufnamen sind Bestandteile eines Gesamtnamen, welcher zur Namenklasse der Personennamen, einer Teilklasse der Propria, gehört.

2.3 Onymische Eigenschaften von Rufnamen

Die Namenklasse der Anthroponyme ist die Nummer eins im Namenklassensystem nach Nübling (Abb.6). Dies bedeutet, wie bereits in den vorherigen Kapiteln beschrieben, maximale Individualität und Belebtheit. Folgend sollen die in der rechten Spalte der Tabelle aufgeführten onymischen Eigenschaften auf die Namenklasse der Rufnamen angewandt werden.

Rufnamen verfügen über einen (relativ) festen Bestand bzw. ein spezielles Inventar. Neue Namen werden häufig aus Teilen des bestehenden Inventars gebildet. Dennoch muss der Bestand als „relativ“ beschrieben werden, da er durch Prozesse der Globalisierung oder Internationalisierung wächst. Rufnamen weisen maximale Opakheit auf. Zwar existieren Namen wie ‚ Gottfried ‘, die eine Motivation erkennen lassen, aber vor allem moderne Namen sind immer weniger transparent. Abweichungen lassen Rufnamen in ihrer graphematischen Vielfalt oder auch der hohen Zahl an Kombinationsmöglichkeiten bei Doppelnamen erkennen. Die Eigenschaft vieler Fremdstrukturen und maximaler Exklusivität lassen sich sogar auf Mikroebene innerhalb der Anthroponyme erkennen. „[Die Strukturen der Rufnamen] weichen auch stärker vom Normalwortschatz ab, und sie werden öfter aus Fremdsprachen entlehnt als FamN.“[18] GattungsN sind in der Namenklasse der Rufnamen nicht vertreten. Im Gegensatz zu Klassen, welche in der Rangfolge weiter unten, dementsprechend wenig belebt und individuell, angeordnet sind, weisen Anthroponyme eine minimale Übersetzbarkeit auf. Praxonyme sind teilweise gut übersetzbar (dt. Der Zweite Weltkrieg; engl. Second World War)[19] ; bei Rufnamen hingegen ist dies nicht möglich. Eine weitere onymische Eigenschaft stellt das Diffundieren von Namen „nach unten“ dar. So finden Namen aus der Klasse der Anthroponyme Verwendung in der 6. Klasse, den Phänonymen. „Hochs und Tiefs recyceln z.B. komplett menschliche Rufnamen […]“[20]

Bezüglich der Eigenschaft der paradigmatischen Techniken gibt Nübling an: „Den oberen Namengruppen sieht man auch ihre Klasse schneller an, eben weil sie sich oft eigene (Teil-) Inventare leisten.“[21] Paradigmatische Techniken befinden sich auf Makroebene eher in den ersten drei Gruppen und auf Mikroebene subklassifizierend von Ruf- zu Familiennamen.[22] Die Eigenschaft der alten Namen lässt sich bei Rufnamen auf das Alter der Namenklasse beziehen. Denn erst im Frühneuhochdeutschen wurde er um den Familiennamen erweitert.[23] Weiterhin sind Rufnamen meist kurze, einfache Namen. Zwar werden Eltern in der Namengebung aufgrund der Möglichkeit von Doppelnamen immer kreativer. Dennoch entscheiden sich die Kinder im Alltag dann meist für einen Namen; und auch Kosenamen, welche fast immer Kurzformen des Rufnamens sind, bestärken diese Annahme.

2.4 Umbrüche in der Entwicklung der Rufnamengebung

„[…] Im Idg. und Germn. bis ins frühe Ahd., waren transparente programmatische[24] Namen die Regel.“[25] Das Letztglied bildet zu jener Zeit den grammatischen Kopf und ist maßgeblich für die Sexusmarkierung zuständig.[26]

Als erster Umbruch[27] kann der Übergang von der Primär- zur Sekundärbildung beschrieben werden.[28] Die ursprüngliche Bedeutung der Rufnamen gerät immer mehr in Vergessenheit.[29] Synonyme werden nun so miteinander kombiniert, dass keinerlei Sinn ersichtlich ist.[30]

Den zweiten Umbruch kennzeichnet der „Zerfall der alten Zweigliedrigkeit“[31]. Kurz- und Koseformen werden immer häufiger, vor allem in sozial niederen Schichten.[32] Dass Untertanen nun häufig nach Herrschern benannt werden, führt u.a. zu einem Zusammenschmelzen der Rufnamenvielfalt.[33]

Während der Christianisierung gewinnen biblische Rufnamen ab dem 12. Jahrhundert immer mehr an Popularität (dritter Umbruch). Für die Bevölkerung sind jene genauso opak wie die germanischen Rufnamen. Grundlegende Unterschiede bestehen allerdings in der Lautstruktur.[34] Anpassungen an das Germanische erfolgen durch Kürzung, Suffigierung sowie lautliche Angleichung an deutsche Dialekte.[35]

Der vierte Umbruch erfolgt während der Reformation. „Die Reformation brachte eine Abkehr von den Heiligennamen; statt ihrer wurden in den protestantischen Familien Namen aus dem Alten Testament bevorzugt […], oder man griff wieder auf altdeutsche Rufnamen zurück.“[36]

Als fünften Umbruch beschreibt Nübling ab dem 16. Jahrhundert „eine neue Welle der Nachbenennung […] nach Patinnen und Paten. “[37] Da hierbei den Eltern die Entscheidungsfreiheit bei der Namenwahl ihres Kindes weitgehend entzogen wird, kann von gebundener Rufnamenwahl gesprochen werden.[38] Außerdem führen Nachbenennungen zu onymischer Monotonie.[39]

„Der letzte Umbruch, Nr. 6, der den Übergang von der gebundenen zur freien RufN-Vergabe einläutet, kann gar nicht hoch genug bewertet werden: Erst jetzt kann sich Namenästhetik ausbilden.“[40] Einher geht dieser Wandlungsprozess mit der Einführung der Standesämter im 19. Jahrhundert und der somit erstmals fixierten Schreibung von Namen.[41] Euphonie (Wohlklang) steht nun im Mittelpunkt der Rufnamenwahl. Weiterhin beschert „der vermehrte Kontakt mit anderen (Prestige-)Kulturen […] dem Dt. immer wieder Schübe an neuen Namen.“[42]

2.5 Allgemeine Tendenzen in der Rufnamenwahl

„Heute ist die Namenvergabe so individuell, das Namenspektrum so bunt wie noch nie.“[43] Ben, der häufigste Jungenname des Jahres 2015 in Deutschland, wird nur von etwa 1% aller männlichen Neugeborenen getragen.[44]

Neben dieser quantitativen Herangehensweise kann auch auf qualitativer Ebene das Phänomen zunehmender Individualisierung beschrieben werden. Graphematisch zeigt sich die Individualisierung an der Vielfalt möglicher Schreibungen. Der Jungenname Jannik[45], 2015 auf Platz 47 in Deutschland (Abb. 1), ist in der Liste in den vier verschiedenen Varianten <Jannik, Yannik, Yannick, Yannic> aufgeführt. Insgesamt sind sogar acht Schreibweisen möglich.[46] So eine mögliche graphematische Besonderheit soll dem Namen, und somit auch dem Kind, noch mehr Individualität und Identität verleihen. Zunehmend wird Individualität durch die Verwendung von Namen aus fremden Sprachgebieten herbeigeführt. Jener Prozess wird von Nübling einem „7. Umbruch“, der Inter- bzw. Transnationalisierung, gleichgesetzt.[47]

Ebenfalls eine Art der Individualisierung ist der Wunsch nach Unikaten in Form von zwei- oder mehrnamiger Bindungen.[48] [49]

Eine weitere Tendenz ist die Entwicklung von Namenclustern. So erscheinen 2015 der Name Mia (Platz 1), Pia (Platz 30) und Lia/ Liah/ Lya[50] (Platz 32) in die Hitliste der weiblichen Vornamen (Abb. 1).

In einem Vergleich der Rufnamen von 1945, 1975 und 2005 stellt Nübling fest: „Für die Namen beider Geschlechter ergab sich ab 1970 eine starke Zunahme an Vokalen […] und an weichen, sth.[51] Konsonanten.“[52] Jenes angestrebte Sonoritätsideal setzt sich bis zur aktuellen Namenvergabe fort (Kap. B) 2.1). Es umfasst ebenfalls das Verlangen nach einem minimalen Wortkörper. Untersuchungen von Seibicke im Jahre 1977 ergaben, dass zwei- und dreisilbige Vornamen fast 80% des Gesamtbestandes ausmachen.[53] Auch wenn diese Zahlen nicht mehr aktuell sind, stellen sie einen guten Vergleichspunkt dar, welcher zum Ausdruck bringt, dass jene Kürze noch immer mit Wohlklang in Verbindung steht und sich bis heute überdies noch gesteigert hat. In der Hitliste des Jahres 2015 finden sich im Bereich der männlichen Vornamen sogar einige einsilbige Namen: Ben, Finn/Fynn, Paul, Max, Tim, Tom, Mats, Jan (Abb. 1).

Das Kriterium des Sonoritätsideals greift ein weiteres Phänomen auf. „Weibl. und männl. Namen [nähern sich] stark an, d.h., die Namen androgynisieren.“[54] Als Indikatoren jenes Prozesses beschreibt Nübling folgende Punkte: Sonoranten im Auslaut sowie volle unbetonte Vokale nehmen zu, eine Angleichung der Silbenlänge erfolgt, Konsonantencluster treten seltener auf, Hiaten[55] hingegen häufiger.[56]

Abschließend soll die Regression zur Kindlichkeit als allgemeine Tendenz der Rufnamenwahl aufgeführt werden. „Schaut man sich heutige Top-Namen in den deutschsprachigen Ländern an, so handelt es sich [..] um kindliche (reduplikative) Lallformen (Lilli, Lena, Nina) sowie fast durchgehend um hypokoristische Kurzformen […]“[57] Nübling erkennt darin „die gesellschaftlich stattfindende Informalisierung, Intimisierung und auch Infantilisierung.“[58]

B) Analyse des sprachlichen Materials

1. Arbeitshypothesen

2. In beiden Bundesländern sind die Mädchennamen sonorer als die Jungennamen.
3. Die Silbenzahl der Rufnamen Schleswig-Holsteins ist im Durchschnitt geringer als die in Bayern.
4. In der Liste des Bundeslandes Bayern sind mehr Vollformen zu finden als in der Schleswig-Holsteins.
5. Die Rufnamen Schleswig-Holsteins erfüllen eher die Kriterien von Androgynität als die Bayerns.

2. Sonoritätsideal und Androgynität

2.1 Sonoranten- und Obstruentenanteile

Der folgenden Untersuchung liegt eine Einteilung der Laute in Sonoranten[59] und Obstruenten[60] zugrunde[61] (Abb. 7-10). Um die herausragende Stellung des Vokalanteils in Rufnamen zu betonen, werde Vokale separat als Teilgruppe der Sonoranten dargestellt.

Sowohl die Rufnamen Bayerns als auch die Schleswig-Holsteins weisen deutliche Tendenzen bezüglich der Verteilung von Sonoranten- und Obstruentenanteilen auf (Abb. 13/ Abb.16). Die Verteilung ist in den Bundesländern nahezu identisch. Nur knapp ein Fünftel der Laute sind Obstruenten, „harte Konsonanten“[62].

Zeichnen sich im direkten Ländervergleich keinerlei Abweichungen ab, so lassen sich jedoch in der Gegenüberstellung der Jungen- und Mädchennamen deutliche Unterschiede erkennen. Stehen alleine die männlichen Namen im Fokus, bilden Obstruenten einen Anteil von jeweils 24% (Abb. 12/ Abb. 15). Bei weiblichen Rufnamen liegt der Anteil bei lediglich 7% (Bayern, Abb. 11) bzw. 12% (Schleswig-Holstein, Abb. 14)[63]. Dies schließt an Nüblings Aussage an, die Jungennamen seien zwar auch sehr weich, enthielten jedoch einen kleinen Sonoritätskontrast.[64]

Vokale bilden landes- und geschlechtsunabhängig etwa die Hälfte aller Laute in den untersuchten Rufnamen. Bei weiblichen Namen ist ein Anteil von etwa 53% zu verzeichnen (Abb. 11/Abb. 14), bei männlichen circa 45% (Abb. 12/ Abb. 15).

Die Mädchennamen beider Bundesländer lauten ausschließlich auf Vokale aus (Abb. 2/ Abb. 3), weiterhin in nahezu identischer Verteilung: 22 x a, 7 x i, 1 x e in Bayern, sowie 20 x a, 8 x i, 2 x e in Schleswig-Holstein. Bei männlichen Rufnamen hingegen ist ein Vokalauslaut lediglich in den drei Fällen Luka/ Luca, Noah und Alexander[65] in Bayern, bzw. bei Luca/ Luka, Noah, Henri, Mika und Theo in Schleswig-Holstein zu verzeichnen.

Des Weiteren stellt der Anteil an Hiaten eine nennenswerte Größe dar. Etwa ein Drittel aller untersuchten Rufnamen weist Hiaten auf (Abb. 7 – Abb. 10). Die größte Differenz liegt hierbei zwischen den Jungennamen in Schleswig-Holstein mit Hiaten in sechs von 30 Rufnamen (Abb. 10) und jenen Bayerns mit einer Rate von elf aus 30 (Abb. 8). Als besonders produktiv erweist sich hierbei die Vokalkombination ia, wie etwa in Elias, Julian, Fabian, Sebastian und Tobias.

Dem Sonoritätsideal entsprechend bietet sich die Bildung von Namenclustern an. Lediglich durch Varianten im Anlaut entsteht bei den Namen Mia, Pia, Lia/Liah/Lya (Abb. 3) eine ganze Reihe euphonischer Rufnamen. Ähnlich bei Emilie/Emily, Amelie und Emilia (Abb. 3).

[...]


[1] Knud Bielefeld: beliebte-vornamen.de, Bayern 2015, Scheswig-Holstein 2015: http://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j2015/by2015, http://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j2015/sp015 , letzter Zugriff: 02.03. 2017

[2] Knud Bielefeld: beliebte-vornamen.de, Deutschland Jahrgang 2015: http://www.beliebte-vornamen.de/jahrgang/j2015, letzter Zugriff: 02.03. 2017

[3] Fortlaufend verwendete Abkürzungen: GattungsN, EigenN

[4] Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet, 5. Auflage München 2004, Deutscher Taschenbuchverlag GmbH & Co. KG, München. S. 11

[5] Damaris Nübling/ Fabian Fahlbusch/ Rita Heuser: Namen. Eine Einführung in die Onomastik, 1. Auflage Tübingen 2012, Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Tübingen, S. 17

[6] Vgl. Nübling: Namen, S. 20

[7] Vgl. Nübling: Namen, S.42

[8] Vgl. Kunze: dtv-Atlas Namenkund, S. 11

[9] Vgl. Nübling: Namen, S. 49

[10] Nübling. Namen, S. 31

[11] Vgl. Kunze. dtv-Atlas, S. 11

[12] Vgl. Nübling. Namen, S. 71 f.

[13] Vgl. Nübling: Namen, S. 88

[14] Vgl. Nübling: Namen, S. 97

[15] ebenda

[16] Der Zweig der Abionyme soll an dieser Stelle nicht weiter verfolgt werden, da er für die Namensklasse der Rufnamen irrelevant ist. Die vollständige Darstellung ist im Anhang als Abb. 5 zu finden.

[17] Vlg. Nübling: Namen, S. 106

[18] Nübling: Namen, S. 103

[19] Vgl. Nübling: Namen, S. 103

[20] ebenda

[21] Vgl. Nübling: Namen, S. 103

[22] Vgl. Nübling: Namen, S. 102ff.

[23] ebenda

[24] „die Eltern drückten Wünsche für das Kind als Erwachsene/n aus (etwa im Kampf sieg-[…]reich zu sein)“, Nübling: Namen, S. 110

[25] Nübling: Namen, S. 111

[26] ebenda

[27] Im Folgenden soll die Struktur von Nübling aufgenommen werden, welche die Zäsuren des Namenwandels als Umbrüche beschreibt.

[28] Vgl. Nübling: Namen, S. 112

[29] Vgl. Kunze: dtv-Atlas. Namenkunde, S. 29

[30] Vgl. Nübling: Namen, S. 112

[31] Nübling: Namen, S. 112

[32] Vgl. Kunze: dtv-Atlas. Namenkunde, S. 29

[33] Vgl. Nübling: Namen, S. 113

[34] Vgl. Nübling: Namen, S. 113f.

[35] Vgl. Kunze: dtv-Atlas. Namenkunde, S. 37

[36] Wilfried Seibi>

[37] Nübling: Namen, S. 114

[38] Vgl. Seibi>

[39] Vgl. Nübling: Namen, S. 115

[40] Nübling: Namen, S. 116

[41] Vgl. Nübling: Namen, S. 115

[42] Nübling: Namen, S. 116

[43] Nübling: Namen, S. 117

[44] Vgl. www.beliebte-vornamen.de, Knud Bielefeld: in: „Der Vorname Mohammed in Deutschland“, letzter Zugriff am 26.02.2017

[45] hier wurde die erste aufgeführte Variante in der Namenliste gewählt

[46] Vgl. Nübling: Namen, S. 118

[47] ebenda

[48] Vgl. Gerhard Koß: Namenforschung. Eine Einführung in die Onomastik, 3. Auflage, 2002 Max Niemeyer Verlag Gmbh Tübingen, S. 131

[49] Beispiele aus Hitlisten sind an dieser Stelle nicht möglich, da eine schier unerschöpfliche Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten besteht.

[50] Ein weiteres Beispiel graphematischer Vielfalt.

[51] sth.- stimmhaft

[52] Nübling: Namen, S. 121

[53] Vgl. Seibi>

[54] Nübling: Namen, S. 121

[55] Hiat: Das Aufeinanderstoßen zweier verschiedenen Wörtern oder Silben angehörender Vokale, vgl. L eo n, M ia (Duden online: http://www.duden.de/rechtschreibung/Hiat, letzter Zugriff: 26.02.2016)

[56] Vgl. Nübling: Von Horst zu Helga und Leon zu Leonie. Werden die Rufnamen immer androgyner?, in : Der Deutschunterricht. Sprachverfall? 5/2009, S. 79

[57] Nübling: Namen, S. 121f.

[58] ebenda

[59] „Wenn man von Sonoranten spricht, meint man damit im Allgemeinen die Nasale und Liquide. […] und die Vokale.“ DUDEN: Grammatik der deutschen Gegenwartssprache.-Mannheim u.a.: Dudenverlag. (Band 4), S. 26

[60] „Plosive und Frikative fasst man unter der Bezeichnung Obstruenten zusammen.“DUDEN (Band 4), S. 25

[61] Stimmhafte Frikativlaute sind in diesen Übersichten der Spalte der Liquide und Nasale zugeordnet, da Nübling eine Zunahme der Frikative gleich jener der Sonoranten verzeichnet. „[…] da diese dem Namen einen als weich empfundenen Klang verleihen und heute hochgradig euphonisch wirken.“ Nübling: Von Monika zu Mia, von Norbert zu Noah, S. 81

[62] Bezeichnung angelehnt an Nübling, vgl. Nübling: Namen, S. 121

[63] Da in dieser Untersuchung lediglich jeweils 30 Rufnamen 100% entsprechen, ist jene Abweichung von 5% kein ausschlaggebender Wert, welcher weitere Ursachenforschung fordern würde.

[64] Vlg. Nübling: Namen, S. 121

[65] Die Endung entspricht hier einem silbischen r-Laut.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Top 30-Rufnamen des Jahrgangs 2015 in Bayern und Schleswig-Holstein
Untertitel
Linguistischer Vergleich basierend auf den aktuellen Tendenzen in Deutschland
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
33
Katalognummer
V435293
ISBN (eBook)
9783668765344
ISBN (Buch)
9783668765351
Dateigröße
1090 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jahrgangs, bayern, schleswig-holstein, linguistischer, vergleich, tendenzen, deutschland
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Top 30-Rufnamen des Jahrgangs 2015 in Bayern und Schleswig-Holstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435293

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