Betrachtungsweise von Soma und Psyche der verschiedenen Epochen


Hausarbeit, 2015

19 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Betrachtung von Leib und Seele in der Antike

2 Eine Zwischenbilanz

3 Der Rationalismus und René Descartes

4 Das bio-psycho-soziale Modell der Neuzeit

5 Resümee

6 Literaturverzeichnis

Zusammenfassung

Gegenstand dieser Hausarbeit soll es sein, einen Überblick zu geben über die Beziehung zwischen Körper und Geist. Bilden Körper und Geist eine Einheit, oder sind sie voneinander getrennt und somit völlig voneinander verschieden? Wie hat sich die Betrachtungsweise dieser Problematik im Verlauf der geschichtlichen Entwicklung der Philosophie verändert beziehungsweise entwickelt? Und wie wird die Beziehung zwischen Soma und Psyche in unserer Zeit beurteilt? Zu berücksichtigen sei hierbei, dass es sich um ein erheblich umfangreiches Feld handelt, welches ja bereits seit Jahrtausenden Gegenstand der Philosophie ist, was dazu führt, dass diese Hausarbeit, auch da sie sich mit Menschen wie Platon, Aristoteles und Descartes befasst nicht mehr als ein kleiner Ausschnitt der Thematik sein kann.

1 Betrachtung von Leib und Seele in der Antike

״Mens sana in corpore sano“ (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper) lautet bereits ein Zitat des römischen Dichters Juvenal (60-127 n. Chr.) welches zwar in dieser Form gar nicht vollständig ist, denn es heißt korrekt:״Orandum est ut sit mens sana in corpore sano.“ und sollte zum Ausdruck bringen, dass es wünschenswert wäre, wenn in einem gesunden Geist auch ein gesunder Körper steckte, was seiner Ansicht nach oft genug nicht gegeben wäre, denn er beklagte den ״sittlichen Verfall“ im Rom seiner Zeit.[1] Dennoch zeigt es doch, wie lange sich die Menschen bereits mit der Frage befassen, wie Leib uns Seele zueinander stehen.

Doch war Juvenal selbstverständlich nicht der Erste, welcher sich dieser Problematik (hier, dem Zusammenhang zwischen Geist und Körper) bediente um sie für seine Satire zu verwenden. Schon weit vor ihm befasste sich Platon mit der Frage, wie Leib und Seele zusammengehören, miteinander verbunden sind, woher sie stammen und wie sie funktionieren.

Die Verbindung zwischen Leib und Seele ist für Platon eine ״lockere“. Wenn man Platons aussagen dazu liest, scheint die Verbindung welche zwischen Leib und Seele existiert ein notwendiges Übel und ihm beinahe zu wider zu sein. Denn er sagt, dass die Seele der eigentliche Mensch sei und der Körper lediglich sein ״Schatten“ oder eine Art ״Fahrzeug“. Die Seele könne dementsprechend nur unglücklich sein, da sie im Körper wie in einem ״Gefängnis“ eingesperrt sei. Wenn Platon davon spricht, dass der Körper für ״Unruhe“ sorge, beinhaltet dies für ihn viele negative Eigenschaften, welche dieser beansprucht. So sei es notwendig den Körper mit Nahrung zu versorgen, er sei verantwortlich für die Begierde, Ängste und Einbildungen. Niemals, so Platon sei es der Seele durch die Ablenkungen des Körpers, zu denen er auch Kriege, Schlachten und Aufruhr zählt möglich, zur ״Besinnung“ zu kommen und die ״Wahrheit“ zu erkennen. Um den Körper jedoch als Fahrzeug der Seele zu hegen, sei es unumgänglich ihn zumindest so weit zu erhalten wie nötig und in diesem Sinne müsse man diesen seinen Ansprüchen gerecht werden; ״bis der Gott uns völlig davon erlöst.“ Flirschberger schreibt auf[2] einen Punkt gebracht, dass Platons gänzliches Interesse demnach der menschlichen Seele gehöre, was durch seine Aussagen über den Körper wohl auch recht deutlich wird.[3]

Was nun sagt Platon über die menschliche Seele? Er denkt, dass die Seele vom Demiurgen (Weltenschöpfer[4] ) stammt und führt weiterhin aus, dass die ״Menschenseele“, wie auch die ״Weltseele“ sowohl aus dem Unteilbaren, dem Ewigen und Unveränderlichen bestünde, wie auch aus dem Teilbaren und der sich ändernden Wirklichkeit auf der anderen Seite. All das schuf der Weltenschöpfer und brachte die Menschenseele auf die Erde, wo sie sich mit dem Körper auf die wie bereits erwähnte Weise verband, bis dieser verginge und die Seele wieder aufgenommen würde. Daraus ließe sich nach Hirschberger folgern, dass die Seele des Menschen für Platon sowohl unsterblich, unsichtbar wie auch immateriell und geistig sei. An dieser stelle scheint es dann vorerst zu einem Widerspruch Platons zu kommen, denn seiner Vorstellung nach erhält die Seele, welche auf der Erde vom Körper umgeben wird nun auch die Sinneswahrnehmungen. Platon spricht hier von der ״Sinnenseele“. Diese beinhalte Erregungen, Lust, Unlust, Schmerz, Furcht, sei ״Verführerin zum Schlechten“ und so weiter. Allerdings beinhalte diese ebenfalls auch edlere Eigenschaften so das Platon letztlich von drei Seelenteilen spricht. Die ״Geistseele“, die ״muthafte Seele“ und die ״Begierdenseele“. Der angesprochene Widerspruch besteht darin, dass man nun folgern könnte, die Seele sei eben nicht immateriell aufgrund der Tatsache, dass sie Eigenschaften besäße, welche Platon ebenfalls dem Körper zugesprochen hatte. Hier spricht Hirschberger jedoch davon, dass für Platon lediglich die Geistseele diejenige sei, welche von Belang sei. Oder anders ausgedrückt die einzig Wahre sei. Sie sei es, welche von jeglicher Sinnlichkeit frei die anderen Seelenteile wie ein Wagenlenker lenke und im Zaum hielt. Diese Teile seien dementsprechend lediglich vorhanden, da die Geistseele mit dem Körper verbunden sei. Hier wird nun langsam deutlich, was Platon meint, wenn er von der ״Wahrheit“ spricht und auf was es ihm ankommt. Ihm wäre das reine Sein, demzufolge vermutlich auch die Möglichkeit unbeeinflusst Erkenntnis zu erlangen am liebsten gewesen. Er musste, so schreibt es Hirschberger, sich jedoch ״leider“ damit abfinden, dass die Geistseele zumindest Zeit ihrer Existenz auf der Erde, an das Körperliche und somit auch Sinnliche gebunden sei.[5]

Nehmen wir also an, dass die zwei niederen Seelenteile dem Körper zuzuordnen sind, so besteht der Mensch auch weiterhin aus Leib und Seele nämlich aus Körper und Geistseele. Kommt nun aber die Geistseele vom Demiurgen, nicht von der Erde und wird dem Körper lediglich eingeflößt, entsteht an dieser stelle das Leib-Seele-Problem, da die Seele dem Körper fremd und nicht zugehörig zu sein scheint. Diese Annahme wird auch dadurch untermauert, dass Platon wie Oben beschrieben von einer Zeit Spricht in welcher die Geistseele an den Körper gebunden ist. Nehmen wir nun also weiterhin an, dass Platon mit seinen Überlegungen Recht hätte, wäre es unmöglich eine harmonische Einigkeit zwischen Leib und Seele herzustellen, da diese schlichtweg etwas ganz Anderes wäre und der natürlichen, respektive physischen Welt fremd und somit eine dualistische (unterschiedliche Grundprinzipien des Seins, welche sich ergänzen, oder hier feindlich gegenüberstehen)[6] Anschauung.

Welche Vorstellungen hatte Aristoteles, ein Schüler Platons[7] über die Seele und den Leib, das Sein des Menschen? Für ihn, wie auch für seinen Lehrmeister Platon ist Seele zuerst einmal die ״Selbstbewegung“ des Lebewesens. Das bedeutet, dass da wo Leben ist, auch eine Seele sein muss. Allerdings ist hier wesentlich, dass die Selbstbewegung nur dadurch zustande kommt, dass es eine Umgebung gibt, welche Nahrung, Luft zum Atmen und Sinneswahrnehmung möglich macht und dadurch die Selbstbewegung anreizt[8] Man erkennt hier also eine Kausalität. Diese Aussage ist in sofern spannend, da sie doch zumindest den Schluss zulässt, dass die Seele, ergo auch der Mensch, mit seiner Umwelt eine Einheit zu bilden scheint. Dieser Umstand liest sich wiederum ganz anders als bei Platon, bei dem es so zu sein scheint, als wäre der Mensch respektive die Geistseele etwas der Natur völlig fremdartiges.

Während Aristoteles anfangs seinem Lehrmeister Platon gedanklich und somit auch dem Dualismus folgt, entwickelt er sich, wie man hier bereits liest, weiter und kommt zu einem anderen Schluss. Hirschberger spricht hier von der ״Entelechie“. Diese beschreibt Aristoteles als ein Vollendet sein und letztlich das Verschmelzen von Körper und Seele, welche ein Ganzes beziehungsweise eine Einheit bilden. Trotz dieser Annahme geht auch Aristoteles davon aus, dass der Mensch über unterschiedliche Seelenteile verfügt. Er nennt hier die ״vegetative Seele“, welche das Wachstum, die Fortpflanzung und Nahrungsaufnahme beinhaltet, die ״Sinnenseele“ welche für Sinneswahrnehmung und niederes Strebevermögen verantwortlich ist, sowie die schon von Platon bekannte ״Geistseele“, welche den Menschen erst zum Menschen also zum ״animal rationale“ macht. Im Unterschied zu seinem Lehrmeister betrachtet Aristoteles diese Seelenteile dennoch als eine Einheit, bei der lediglich die Geistseele den stärkeren Anteil hat. Dem ergänzend beschäftigte sich Aristoteles auch noch mit der Psychologie der Seele. Er sagt, dass der Mensch über ein ״sinnliches Erkennen“ verfüge, welches er in fünf ״Vermögen“ gliedert. Das ״Gesicht“, ״Gehör“, ״Geruch“, ״Geschmack“ und ״Getast“. Diese Meldungen der Sinne werden von einem ״Gemeinsinn“, welcher seinen Sitz im Herzen haben soll verarbeitet. Dieser Gemeinsinn entspräche dem, was wir heute Bewusstsein nennen schreibt Hirschberger. Dieser Gemeinsinn ist nach Aristoteles auch verantwortlich für das Festhalten von Vorstellungen in Massen sowie das, was er ״Phantasmen“ nennt. Diese Phantasmen seien ״Überbleibsel der aktuellen Wahrnehmung“. Diesen Gemeinsinn kann man dementsprechend als Gedächtnis identifizieren. Aristoteles geht davon aus, dass auch die Tiere über diese Fähigkeiten verfügen und es erst der Mensch sei, der durch den ״Logos“, also den Geist dazu fähig wäre, aus diesen Wahrnehmungen Schlüsse zu ziehen und sie mit Vernunft und Verstand zu betrachten. Der Mensch verfügt demnach im Gegensatz zum Tier über einen ״tätigen“ und schöpferischen Verstand.[9]

Aus diesem tätigen Verstand leitet Aristoteles ab, dass der Mensch sowohl über ein niederes wie auch ein höheres streben verfügt. Diese Ableitung beschreibt Hirschberger als die ״irrationale“ Seite des Seelenlebens welche Aristoteles kenne während das ״sinnliche Erkennen“ die rationale Seite beschreibe. Das niedere

[...]


[1] Betrachtung von Leib und Seele in der Antike. 4

[2] Vgl. Prausė, G. (2007). Genies in der Schule: Legende und Wahrheit: Einstein, Freud, Marx, Nietzsche, Luther, Kafka, Darwin, Schiller und 100 andere. S.18

[3] Vgl. Hirschberger, J. (1980). Geschichte der Philosophie Band 1. S.116f

[4] Dudenunterwww.duden.de

[5] Vgl. Hirschberger, J. (1980). Geschichte der Philosophie Band 1. s.117-120

[6] Vgl.Dudenunterwww.duden.de

[7] Vgl. Opitz, p. (2005). Die Biographie des Aristoteles unter: www.aristotle-project.net

[8] Vgl. Hirschberger, J. (1980). Geschichte der Philosophie Band 1. S.209

[9] Vgl. Hirschberger, J. (1980). Geschichte der Philosophie Band 1. s.210ff

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Betrachtungsweise von Soma und Psyche der verschiedenen Epochen
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Stendal  (Angewandte Humanwissenschaften)
Veranstaltung
Seminar Einführung in die Psychologie und ihre Geschichte
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V435501
ISBN (eBook)
9783668766341
ISBN (Buch)
9783668766358
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Decartes, Aristoteles, Philosophie, Bio Psycho Sozial, Psychologie, Antike, Geschichte, Hausarbeit
Arbeit zitieren
Tanja Weigert (Autor), 2015, Betrachtungsweise von Soma und Psyche der verschiedenen Epochen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435501

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