Der Ausbruch der Finanzkrise, der mit dem Fall von Lehman Brothers konstatiert wird, hat deutlich gemacht, dass die Finanzmarktregulierung nur unzureichend funktioniert hat. Auch die Euro-Krise, deren Gründe zwar nicht auf den Finanzmärkten zu finden sind, diese aber deren Auslöser darstellen, zeigt, dass sich die internationale Bankenlandschaft immer weiter von ihrer originären Aufgabe entfernt hat. Diese besteht darin, dass in einer Volkswirtschaft umlaufende Geld effizient zu verteilen, also Anbieter und Nachfrager von Kapital zusammenzuführen. Stattdessen wurde der Eigenhandel, also der Handel von Banken untereinander in eigenem Namen und auf eigene Rechnung ausgeweitet. Auf diese Weise konnten Verluste aus risikoreichen Transaktionen des Eigenhandels auf den Geschäftsbankenteil übergreifen. Außerdem entstanden Banken, die so groß waren, dass sich ihre Vorstände in Sicherheit wiegen konnten, staatliche Unterstützung im Falle einer Krise zu erhalten. Gleichzeitig waren die Jahre vor der Finanzkrise durch zunehmende Deregulierung auf internationaler Ebene gekennzeichnet. Bestehende Fehlanreize, welche Moral Hazard begünstigten, schürten diese negativen Entwicklungen.
Nach den Ereignissen der Jahre 2007/08 wurde erneut deutlich, dass Märkte nicht immer in der Lage sind ein optimales Ergebnis hervorzubringen, dass sich individuell rationales Handeln von dem unterscheiden kann, was auf aggregierter Ebene als rational anzusehen wäre und, dass die Missachtung dieser Tatsachen zu erheblichen negativen Externalitäten zu Lasten der Gesellschaft führt. In diesem Zusammenhang sind die Kosten, die der Gesellschaft durch die Finanzkrise entstanden sind als Externalitäten zu bezeichnen. Nach dem Zusammenbruch der Finanzmärkte wurden erhebliche staatliche Rettungsaktionen vorgenommen. Bestehende Richtlinien erwiesen sich als zu stark auf das einzelne Finanzinstitut ausgerichtet, ließen Risiken, die aus der Größe und Verbundenheit dieser entstehen außer Acht und bedingten Fehlanreize oder waren in deren Vermeidung nicht effizient.
Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, warum es auf Finanzmärkten zu Marktversagen kommt und welche politischen Implikationen sich daraus ergeben. In einem weiteren Schritt soll analysiert werden, inwiefern die vom Basel Committee on Banking Supervision erarbeiteten Richtlinien als Antwort auf die Finanzkrise 2007/08, Effizienz in der Vermeidung von neuerlichen Finanzkrisen erwarten lassen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Finanzmarktstabilität als öffentliches Gut
2.1 Marktversagen und negative externe Effekte auf Finanzmärkten
2.2 Die Kapitalmarktregulierung nach der Finanzkrise 2007/08
2.2.1 Mikroprudenzielle Regulierung
2.2.2 Makroprudenzielle Regulierung
2.2.3 Zahlungsunfähigkeit systemrelevanter Banken
3 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für Marktversagen auf Finanzmärkten und die daraus resultierenden politischen Implikationen. Dabei analysiert die Autorin insbesondere, inwieweit die vom Basel Committee on Banking Supervision entwickelten Basel-III-Richtlinien als Antwort auf die Finanzkrise 2007/08 dazu beitragen können, künftige Finanzkrisen effizienter zu vermeiden.
- Analyse von Finanzmarktstabilität als öffentliches Gut
- Untersuchung von Marktversagen und externen Effekten
- Bewertung der mikro- und makroprudenziellen Regulierung nach Basel III
- Problematiken bei der Abwicklung systemrelevanter Banken
- Diskussion von Fehlanreizen und Moral Hazard
Auszug aus dem Buch
2.1 Marktversagen und negative externe Effekte auf Finanzmärkten
Gemäß dem wohlfahrtsökonomischen Modell gelangen Märkte ohne staatliche Eingriffe zu einem pareto-optimalen Zustand. Unter dem Pareto-Optimum wird ein Zustand verstanden, in dem es nicht möglich ist die Nutzensituation eines Individuums zu verbessern ohne die eines anderen Individuums zu verschlechtern (Fritsch, Wein und Ewers, 2003, S. 25 f.). In Wettbewerbsmärkten kann jedes Gleichgewicht als Pareto-Optimum realisiert werden und führt somit zu einer effizienten Allokation der Ressourcen. Dennoch können unter Umständen politische Eingriffe in das Marktgeschehen gerechtfertigt sein. Dies ist der Fall, wenn Marktversagen auftritt und somit eine optimale Ressourcenallokation nicht mehr möglich ist (vgl. Endres, 2007, S. 213). Ursächlich für ein Marktversagen können öffentliche Güter, externe Effekte sowie Informationsasymmetrien sein (vgl. Endres, 2007, S. 175).
Im folgenden wird die Finanzmarktstabilität als öffentliches Gut und Störungen bzw. die Instabilität dieser und die daraus folgenden Konsequenzen als negative externe Effekte angenommen. Externe Effekte ergeben sich oftmals aus der Nutzung öffentlicher Güter. Dass ein Pareto-Optimum nicht erreicht werden kann, liegt in den Charakteristika eines öffentlichen Gutes begründet (vgl. Mankiw, 2004, S. 246). Deren Nutzung ist durch Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschließbarkeit gekennzeichnet. Unter Nicht-Rivalität wird die Tatsache verstanden, dass alle Marktakteure von der Finanzstabilität profitieren, ohne dass dieser Nutzen mit steigender Akteurszahl abnimmt (vgl. Fritsch, Wein und Ewers, 2003, S. 360). Nicht-Ausschließbarkeit bedeutet, dass Individuen von der Nutzung der Stabilität des Finanzmarktes nicht bzw. nur unter unverhältnismäßig hohen Kosten ausgeschlossen werden können. Aus diesen Umständen ergibt sich das Trittbrettfahrer-Problem (free rider). Dabei wird der Nutzen, den ein Akteur aus der vorhandenen Stabilität des Marktes generiert als positiver externer Effekt bezeichnet (vgl. Fritsch, Wein und Ewers, 2003, S. 101).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Rolle des Finanzsektors in der Krise, kritisiert die Deregulierung und definiert das Ziel der Arbeit, Marktversagen und die Effizienz von Regulierungen zu analysieren.
2 Finanzmarktstabilität als öffentliches Gut: In diesem Hauptkapitel wird die theoretische Grundlage geschaffen, Finanzmarktstabilität als öffentliches Gut zu begreifen und die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe durch Marktversagen zu begründen.
2.1 Marktversagen und negative externe Effekte auf Finanzmärkten: Hier werden die spezifischen Besonderheiten des Finanzsektors erläutert, die zur Instabilität beitragen, wie Fälligkeitsasymmetrien, Verbundenheit der Banken und Informationsasymmetrien.
2.2 Die Kapitalmarktregulierung nach der Finanzkrise 2007/08: Dieses Kapitel bewertet die Ansätze der Basel-III-Reformen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Korrektur systemischer Risiken und der Regulierung systemrelevanter Akteure.
2.2.1 Mikroprudenzielle Regulierung: Dieser Abschnitt konzentriert sich auf die Verschärfung von Eigenkapitalanforderungen und Offenlegungspflichten, um die Widerstandsfähigkeit einzelner Banken gegen exogene Schocks zu erhöhen.
2.2.2 Makroprudenzielle Regulierung: Hier werden Instrumente wie Kapitalpuffer thematisiert, die das Ziel haben, prozyklische Tendenzen im Finanzsystem zu dämpfen und systemweite Stabilität zu fördern.
2.2.3 Zahlungsunfähigkeit systemrelevanter Banken: Dieser Teil diskutiert die Problematik staatlicher Rettungsaktionen und mögliche Mechanismen zur Abwicklung insolventer Großbanken, um Moral-Hazard-Effekte zu minimieren.
3 Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und bewertet die zukünftigen Aussichten auf eine stabilere Finanzmarktarchitektur durch die neuen Reformen.
Schlüsselwörter
Finanzmarktstabilität, Öffentliches Gut, Marktversagen, Externalitäten, Basel III, Mikroprudenzielle Regulierung, Makroprudenzielle Regulierung, Systemrelevanz, Moral Hazard, Kreditklemme, Eigenkapital, Finanzkrise, Bankenregulierung, Informationsasymmetrien, Trittbrettfahrer-Problem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ökonomischen und politischen Analyse von Finanzmarktstabilität als öffentliches Gut und der Frage, wie durch Regulierungsmaßnahmen wie Basel III auf Marktversagen reagiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des Marktversagens, den Besonderheiten von Finanzmärkten (wie Interdependenzen), der Rolle von Basel III und den Herausforderungen bei der Abwicklung systemrelevanter Banken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, warum es auf Finanzmärkten zu Marktversagen kommt und ob die Richtlinien von Basel III eine effiziente Antwort zur Vermeidung künftiger Krisen darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, die wohlfahrtsökonomische Modelle mit aktuellen regulatorischen Ansätzen des Basler Ausschusses verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Marktversagens (negative externe Effekte) und die detaillierte regulatorische Analyse der mikro- und makroprudenziellen Ansätze von Basel III.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Finanzmarktstabilität, öffentliches Gut, Marktversagen, Basel III, Systemrelevanz und Moral Hazard.
Wie bewertet die Autorin die Wirksamkeit von Basel III?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Basel III auf mikroprudenzieller Ebene Verbesserungen bringt, jedoch auf makroprudenzieller Ebene hinter den Erwartungen zurückbleibt, insbesondere beim Umgang mit Schattenbanken und der Abwicklung grenzüberschreitender Institute.
Warum spielt das "Trittbrettfahrer-Problem" in diesem Kontext eine Rolle?
Das Trittbrettfahrer-Problem beschreibt das ökonomische Dilemma, dass Akteure von der Stabilität der Finanzmärkte profitieren, ohne individuell in deren Sicherung zu investieren, was kollektiv zu einer Gefährdung der Stabilität führt.
- Citar trabajo
- Kathrin Kass (Autor), 2011, Eine Betrachtung der politischen Implikationen des Auftretens von Externalitäten auf Finanzmärkten und der Reaktion auf diese, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/435617