Die Begeisterung für Fußball ist weltweit vorhanden. Das Miterleben am Bildschirm nimmt hierbei eine immer größere Bedeutung ein – Fußball im Fernseher schauen ist beliebt. Diese Hausarbeit untersucht im Rahmen eines Spielberichtes aus der deutschen Bundesliga die mediale Aufbereitung von Fußballspielen. Das Spiel des FC Bayern Münchens gegen den FC Augsburg aus dem November 2013 wurde auf die gezielt eingesetzten narrativen Elemente untersucht. Der absichtlichen Inszenierung mit der Vermutung einer hohen Diskrepanz zwischen der medialen Sportwelt und der realen Fußballspiele wird hierbei nachgegangen.
Im Allgemeinen wurde ein Sequenzprotokoll, wie in Filmanalysen verwendet, erstellt, um gezielte Nachforschungen zu betreiben. Sowohl sprachliche, visuelle als auch zeitlich ausgearbeitete Inszenierungen haben sich mit zahlreichen narrativen Instrumenten aufgezeigt.
Als Schlussfolgerung der Studie kann gesagt werden, dass eine vermutete Abweichung vom realen Spiel vorzufinden ist. Durch eine narrative Aufmachung und der selektiven Aufbereitung von Spielhandlungen mit gezielter Erzählstrategie wird der Unterhaltungswert gesteigert. Zukünftige Forschung sollte den direkten Vergleich zu Live-Spielerfahrungen durchführen. Zudem sollte den Zuschauern vor dem Bildschirm größere Beachtung geschenkt werden, um durch deren Aussagen die Wirkung und die Erinnerung zu erfassen und diese Erkenntnisse in das Forschungsthema einzubinden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Forschungsstand
Gründe des Fernsehens
Narration im Sport
Narrativer Anteil in der Sportberichterstattung
Exkurs: Narration in der Sportschau
Sportrealität vs. Medienrealität
Die affektive Anteilnahme am Geschehen
Spannung
Methodik
Ergebnisse
Kamera, Einstellung und Montage
Einstellungsgrößen, Montage und Mise en Scène
Kameraperspektiven
Farb- und Lichtverhältnisse
Sprachliche Erzählinstanz
Verhältnis Visuelle Erzählinstanz und Sprachliche Erzählinstanz
Allgemeine narrative Elemente
Zeitliche Struktur und Parteilichkeit des Berichtes
Narrativer Aufbau des Sportberichtes in Handlungsphasen
Diskussion
Ergebnisse in Verbindung mit der Forschungsfrage
Grenzen und Zukünftige Nachforschungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die mediale Sportberichterstattung durch gezielte narrative Inszenierungen eine eigene „Medienrealität“ formt, die sich von der tatsächlichen Sportrealität unterscheidet, und wie diese Mechanismen den Unterhaltungswert für das Fernsehpublikum steigern.
- Narrative Strukturen in der Sportberichterstattung
- Die Rolle von Kameraarbeit, Montage und Schnitt
- Affektive Dispositionstheorie und Zuschauerbindung
- Wirkung der sprachlichen Erzählinstanz durch Kommentatoren
- Abgleich von realem Sportereignis und medialer Darstellung
Auszug aus dem Buch
Narrativer Anteil in der Sportberichterstattung
Narrationen sind zurechtgemachte Darstellungen, die sich mit der Zeit entfalten. Das Fernsehen ist Teil unseres alltäglichen Daseins, es beschäftigt die Menschen und bringt narrative Fiktionen in unser Leben (vgl. Berger, 1996). Es stellt sich die Frage, inwieweit Sport im Fernsehen, insbesondere in der Fußballberichterstattung, diese narrative Eigenschaften in sich trägt.
Mit dem Vergleich von Narrationen und dem alltäglichen Leben lässt sich erkennen, dass Sportberichte Eigenschaften beider Bereiche besitzen (vgl. Abb.1). Zum Einen zeigen Sportberichte real abgelaufene Situationen aus durchgeführten Wettstreiten. Auf den Fußball bezogen lassen sich demgegenüber narrative Elemente erkennen. So ist eine unmittelbare Neugier über das Ausgehen des Spiels vorhanden, eine ereignisreiche Gestaltung sowie die Fokussierung auf bestimmte Spieler, Spielzüge oder andere Situationen. Die Berichte sind von Anfang bis Ende ausgearbeitet, sie sind konfliktreich gestaltet und mit Spannung und Dramaturgie konstruiert. Sie sind besonders aufregend für den Menschen, weil das Wissen fehlt, wie sie entschieden werden und wer gewinnen wird.
Sie haben Helden, Bösewichte sowie entscheidende, ausschlaggebende Ereignisse, Aufregungen und Risiken. Sie schreiben ihre eigenen Skripte und haben ihren eigenen Ablauf. Manchmal sind sie bis in die letzten Sekunden eines Spiels oder bis in die Spielverlängerung nicht entschieden. Eine Verbindung mit dem alltäglichen Leben findet sich jedoch in der gewissermaßen wiederholten Durchführung und dem ähnlichen Aufbau jedes Spiels beziehungsweise jeder Berichterstattung. Im realen Leben haben Menschen routinierte Handlungen im Alltag, wodurch Sicherheit, Stabilität und Routine geschaffen werden. Demgegenüber werden in Narrationen, wie auch im Fußball, Helden, Geschichten und spannende Verläufe dargestellt, um dieser sicheren Beständigkeit entgegenzuwirken (vgl. ebd.). Dies lässt sich bei realen Spielen nicht immer einfach gestalten, da sie manchmal weniger ereignisreich ausfallen können. Die Vermutung liegt nahe, dass in solchen Situationen nicht selten mit narrativen Aufbereitungen nachgeholfen wird, um dem Erfolgsdruck der Fernsehbranche standhalten zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der zunehmenden Vermarktung von Sport im Fernsehen ein und stellt die Relevanz einer Untersuchung dar, wie Fußballberichterstattung durch narrative Elemente inszeniert wird.
Methodik: Hier wird der analytische Ansatz erläutert, der auf einem Sequenzprotokoll eines spezifischen Spielberichts der Sportschau basiert, um visuelle und sprachliche narrative Strukturen zu untersuchen.
Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die Analyse der Kameraführung, Schnitttechniken und sprachlichen Gestaltung, die aufzeigen, wie durch spezifische Einstellungen und Kommentare ein dramatischer Spannungsbogen erzeugt wird.
Diskussion: Es wird erörtert, dass die mediale Inszenierung die Realität signifikant überformt, wobei die Ergebnisse die Vermutung einer Divergenz zwischen Sportrealität und Medienrealität bestätigen.
Schlüsselwörter
Mediale Sportberichterstattung, Narration, Fußball, Fernsehen, Kameraeinstellungen, Montage, Spannungsaufbau, Affektive Dispositionstheorie, Medienrealität, Sportrealität, Kommentator, Dramaturgie, Inszenierung, Zuschauerbindung, Fernsehjournalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die mediale Inszenierung von Fußballspielen im Fernsehen und untersucht, wie narrative Mittel genutzt werden, um sportliche Ereignisse in eine für den Zuschauer attraktive "Medienrealität" zu transformieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die narrativen Strukturen im Fernsehsport, die Wirkung von Kameraarbeit und Kommentar sowie die psychologische Bindung der Zuschauer durch affektive Dispositionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Fußballberichte kein bloßes Abbild der Realität sind, sondern durch gezielte erzählerische Strategien stark dramatisiert und aufbereitet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine inhaltsanalytische Methode in Form eines Sequenzprotokolls eines konkreten Spielberichts der ARD-Sportschau, kombiniert mit filmtheoretischen Modellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die bildliche Inszenierung (Einstellungsgrößen, Kameraperspektiven) und die sprachliche Erzählinstanz (Kommentar) detailliert analysiert und in einen dramaturgischen Kontext gesetzt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mediale Sportberichterstattung, Narration, Spannungsaufbau, Inszenierung, Affektive Dispositionstheorie und Medienrealität.
Wie beeinflusst der Kommentator die Wahrnehmung des Zuschauers?
Der Kommentator fungiert als heterodiegetischer Erzähler, der durch selektive Informationsgabe, Metaphern und emotionale Färbung eine parteiische Sichtweise auf das Spielgeschehen etablieren kann.
Warum spielt die Kameraführung eine so große Rolle für die Spannung?
Durch gezielte Einstellungsgrößen und Tiefenschärfe wird der Fokus des Zuschauers bewusst gelenkt, um Nähe zu den Akteuren zu erzeugen und emotionale Höhepunkte, wie Torschüsse oder Zweikämpfe, zu verstärken.
Wie unterscheidet sich die mediale Fußballwelt von der tatsächlichen Sportrealität?
Die mediale Welt ist stärker dramatisiert, selektiert Ereignisse nach ihrem Unterhaltungswert und inszeniert Spieler als Helden, um ein konsistentes, spannendes "Happy End" oder eine packende Narration zu gewährleisten.
- Citar trabajo
- Saskia Dehnert (Autor), 2014, Narrative Sportberichterstattung. Sind mediale Sportberichte in der deutschen Bundesliga noch Wiedergaben der realen Sportwelt?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436092