Ziel der Arbeitet ist es, das Werk von Norbert Elias auf den modernen Fußball anzuwenden und mögliche Erklärungen für die Gewalt im und um den modernen Fußball zu finden. Die Forschungsfrage lautet also: Finden sich im Aufsatz „Sport und Gewalt“ von Norbert Elias Anhaltspunkte darauf, wie Gewalt im modernen Fußball möglicher Weise erklärt werden könnte?
Fußball ist weltweit sehr beliebt. In nicht wenigen Ländern ist Fußball der meist gespielte Sport überhaupt. Fußball hat dementsprechend eine starke soziale Wirkung. Millionen Menschen strömen jedes Wochenende zur Ligaspielen oder zu Welt- und Europameisterschaften in Stadien, um sich Fußball anzusehen. Seit Jahrzehnten hat der Fußballsport auch in der sozialen Wirklichkeit reichlich Einfluss. Ganze Städte oder gar Staaten hegen, teilweise weit verbreitet, starke Abneigungen gegeneinander. Man denke da nur an Dortmund und Gelsenkirchen, Hamburg und Bremen oder auf internationaler Ebene, Deutschland und die Niederlande oder auch Argentinien und Brasilien. 1969 löste ein Fußballspiel sogar einen ganzen Krieg aus. Im WM Qualifikationsspiel zwischen Honduras und El Salvador. Anhänger der Nationalmannschaft von Honduras wollten sich mit der Niederlage gegen El Salvador nicht abfinden und verursachten starke Unruhen in den Straßen von Honduras.
Dies zeigt eine andere Seite der sozialen Auswirkungen des Fußballs: Gewalt. Gerade um die Spiele herum, also auf der Seite von Fans, ist Gewalt immer wieder ein Thema. Doch auch auf dem Fußballplatz gibt es Gewalt. Aber in einer anderen Form. Sie scheint zum Spiel zu gehören und wird nicht Zivilrechtlich, sondern Sportrechtlich geahndet. Der Sport hat sich in dem Falle eine Paralleljustiz geschaffen. Ähnlich wie die des Militärs. Nur mit dem Unterschied, dass das Militär im Gegensatz zum Fußball ein staatliches Organ darstellt.
Dem Thema Gewalt im Sport hat sich auch der Soziologe Norbert Elias gewidmet. Elias untersucht in dieser Arbeit die Zusammenhänge von Gewalt im Sport und der Zivilisation. Es handelt sich eher um ein Werk, welches das Thema geschichtssoziologisch betrachtet. Dennoch gehört es heute noch immer zu einem viel beachteten Standardwerk der soziologischen Forschung im Bereich des Sports.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Definition von Gewalt
2.2 Norbert Elias: Sport und Gewalt
2.2.1 Regeln im Sport
2.2.2 Gewalt im Sport
3. Gewalt innerhalb des Fußballsportes
3.1 Gewalt innerhalb des Fußballs
3.2 Strafbarkeit von Gewalt im Fußball
4. Alternative Gründe für Gewalt im Umfeld des Fußballs
5. Verbindungen zu Norbert Elias´ „Sport und Gewalt“
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die soziologischen Theorien und Hypothesen von Norbert Elias aus seinem Werk „Sport und Gewalt“ auf den modernen Fußball zu übertragen, um theoretische Erklärungsansätze für Gewaltphänomene sowohl auf dem Spielfeld als auch im Umfeld des Sports zu generieren.
- Soziologische und politikwissenschaftliche Definition von Gewalt
- Prozess der Zivilisierung und Sportentwicklung nach Norbert Elias
- Rolle von Reglementierungen und Schiedsrichtern als Paralleljustiz
- Differenzierung von Fankulturen und deren Gewaltpotential
- Zusammenhang zwischen sozialer Instabilität und Gewaltbereitschaft
Auszug aus dem Buch
2.2.2 Gewalt im Sport
Eine frühe Form einer gewalttätigen Sportart stellt für Elias die Fuchsjagd in England da. Die Fuchsjagd sei in den vergangenen Jahrhunderten keineswegs keine Randsportart gewesen und war generell vielmehr als Sport anerkannt, als dies heute der Fall sein mag. Sie hatte bereits strenge Regeln, was sie von der Jagd in anderen Ländern unterschied. Eine besondere und entscheidende Regel dieser Jagd in England war es, sich nicht auf andere Tiere als den Fuchs zu konzentrieren. Die Jagd richtete sich nur nach dem einem Tier und selbst wenn man andere Tiere zu Gesicht bekommen sollte, dann wurde diese eben nicht erschossen. Der Grund dafür war laut Elias der, dass es sich bei der Fuchsjagd nicht um eine Beschäftigung handelte um das getötete Tier später auch verspeisen zu können, sondern um einen Sport. Es ging nur darum das Tier nach den gegebenen Regeln und Gepflogenheiten zu erlegen. Somit kann bereits hier, im England des 18 Jahrhunderts von einer Versportlichung des Tötens gesprochen werden.
Was nun führt aber zur Gewalt im Sport und was hat der Prozess der Zivilisierung damit zu tun. Nun, Elias widmet sich dafür erneut den Verhältnisse in England, Ende des 18. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu anderen Staaten zu jener Zeit, z.B. Frankreich unter monarchischer Herrschaft, hätte es im damaligen England keine explizite Gruppe gegeben, welche das Monopol der legitimen physischen Gewalt auf sich vereinigen konnte. Es hätten sich verschiedene Gruppen gebildet, welche dieses Recht auf Gewalt quasi stillschweigend und in Übereinkunft miteinander unter sich aufgeteilt hätten. Bei diesen Übereinkünften handelte es sich, man ahnt es bereits, um Regeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die soziale Bedeutung des Fußballs ein und formuliert die Forschungsfrage, ob Norbert Elias’ Werk „Sport und Gewalt“ Erklärungsansätze für moderne Gewaltphänomene im Fußball bietet.
2. Theoretischer Bezugsrahmen: Hier werden Gewaltbegriffe aus verschiedenen Disziplinen beleuchtet und die zentralen Thesen von Norbert Elias bezüglich der Zivilisierung und Reglementierung von Sportarten analysiert.
3. Gewalt innerhalb des Fußballsportes: Dieses Kapitel untersucht die im Fußball inhärente Gewalt sowie die Rolle des Schiedsrichters als sportliche Paralleljustiz.
4. Alternative Gründe für Gewalt im Umfeld des Fußballs: Die Analyse widmet sich hier der Kategorisierung von Fanverhalten und den verschiedenen Erklärungsansätzen für Hooliganismus.
5. Verbindungen zu Norbert Elias´ „Sport und Gewalt“: Hier erfolgt die direkte Anwendung der Elias’schen Theorien auf die heutige Situation, insbesondere in Bezug auf Triebstau und soziale Instabilität.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Theorien von Elias einen wertvollen, wenn auch nicht vollständigen theoretischen Rahmen bieten.
Schlüsselwörter
Norbert Elias, Sport, Gewalt, Zivilisierung, Fußball, Hooliganismus, Reglementierung, Triebstau, Figuration, Sozialwissenschaft, Schiedsrichter, Gewaltmonopol, Fanverhalten, Sportgerichtsbarkeit, Gesellschaftstheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Hintergründen von Gewalt im modernen Fußballsport und untersucht, ob soziologische Erklärungsansätze von Norbert Elias hilfreich sind, um dieses Phänomen zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Definition von Gewalt, die zivilisationstheoretische Perspektive auf den Sport, die Struktur von Fußballspielen als Kontaktsport sowie die soziologischen Hintergründe von Fan- und Hooligan-Gewalt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die theoretischen Hypothesen aus Norbert Elias’ Aufsatz „Sport und Gewalt“ auf den modernen Fußball anzuwenden, um eine theoretische Basis für die Erklärung von Gewaltphänomenen im Fußball zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und die soziologische Theoriebildung, um die Aussagen von Norbert Elias auf heutige gesellschaftliche und sportliche Strukturen zu übertragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Gewaltbegriffe definiert, die sporttheoretischen Konzepte von Elias vorgestellt und anschließend die Gewalt auf dem Spielfeld sowie die Gewalt durch Hooligans diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend für die Untersuchung sind die Begriffe Gewalt, Zivilisierung, Reglementierung, Triebstau, Hooliganismus und Sportsoziologie.
Warum spielt die Rolle des Schiedsrichters eine besondere Rolle?
Der Schiedsrichter wird als Äquivalent zum Rechtsstaat gesehen, da er als unparteiische Instanz fungiert, die Gewalt im Fußball reglementiert und innerhalb einer sportlichen Paralleljustiz sanktioniert.
Wie erklärt die Arbeit das Phänomen des Hooliganismus?
Die Arbeit betrachtet verschiedene Ansätze, darunter die Ansicht, dass Hooliganismus aus sozialer Unsicherheit und der Instabilität bestimmter Schichten (wie der Arbeiterklasse) resultiert, die sich durch die Kommerzialisierung des Fußballs entfremdet fühlen.
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- Torben Mordhorst (Author), 2017, Der moderne Fußball und Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/436769