Anhand von ausgewählten Beispielen versuche ich der Frage nachzugehen, ob Sprache die Welt verändert hat. Schwerpunkt liegt auf dem sumerischen Frauendialekt Emesal.
Dieser Essay versucht zu beweisen, dass ein kodierter Sprachwortschatz dem Individuum hilft, sich in einer bestimmten Situation orientieren und verbal interagieren zu können. Des Weiteren soll aufgezeigt werden, dass Sprache die Welt verändert hat, indem spezifische Begriffe und Begriffspaare uns ein Erkennungsmuster für Gegebenheiten bieten, mit denen wir im Alltag konfrontiert werden.
Anne Löhnert bestimmt in ihrem Aufsatz einen definierten Raum, einen Fachmann und idealerweise ein Ornat, bei welchen Kommunikation auf einer bestimmten, kontextuellen Ebene möglich ist. Auch die Kirche offeriert ein Repertoire an besonderen Ausdrucksweisen, die in Messen und Gottesdiensten anzutreffen sind; so ist jeder Kirchgänger im Bilde, dass ein Gebet mit dem Wort „Amen“ beendet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Emesal-Dialekt im Alten Orient
3. Sprache als Kontextträger: Das Beispiel Guugu Yimithirr
4. Die Sportsprache im Deutschen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern ein kodierter Sprachwortschatz dem Individuum bei der Orientierung in spezifischen Situationen hilft und wie Sprache durch die Vermittlung von Erkennungsmustern die menschliche Wahrnehmung der Welt beeinflusst.
- Die Funktion und Interpretation des sumerischen Emesal-Dialekts.
- Der Einfluss von räumlichen Kontexten auf die Sprache am Beispiel der Aborigines.
- Die Rolle von Fach- und Sondersprachen am Beispiel der deutschen Fußballsprache.
- Die psychologische Wirkung von Metaphern auf die Wahrnehmung gesellschaftlicher Probleme.
- Die Bedeutung von Kontext für die verständliche Kommunikation.
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Emesal-Dialekts
Die Bedeutung des Wortes Emesal ist ebenfalls umstritten. Im Sumerischen bedeutet das Nomen eme „Zunge“ oder im weiteren Sinn „Rede“, auch „Sprache“. Der Modifikator sal ist von trügerischer Natur. Eine fehlerhafte Annahme, dass sal mit „Frau“ übersetzt werden kann, regte die männlichen Wissenschaftler an, den Dialekt als „Sprache der Weiber“ zu deklarieren.
Joachim Krecher behauptet, dass sich das Emesal vom Hauptdialekt durch „abweichende Lautformen und eigentümliche Verwendungsweisen bestimmter Wörter und durch einige wenige Fälle von Heteronymie“ unterscheidet. Es handelt sich hierbei um eine phonologische Sprachabwandlung und restringiert sich auf einzelne Wörter innerhalb des Normalsumerischen.
Ab dem ausgehenden 3. Jt. v. Chr. ist diese Sprachvarietät auch textlich greifbar. Emesal gehörte nicht mehr zur Alltagssprache, sondern lässt sich einzig und allein in schriftlichen Quellen nachweisen. Reden von Göttinnen weisen Spuren dieses Dialekts auf, doch wurde es bis ins 1. Jh. v. Chr. nur noch in kultischen Kontexten rezitiert und bloss eine Priesterart (gala/kalû) war dieser Ausdrucksfähigkeit mächtig.
Die von F. Thureau-Dangin publizierten Texte lassen sich der Kultlyrik zuordnen. Verwendet wurde das Emesal lediglich in literarischen Texten mit religiösem Charakter, zu denen auch Hymnen und Mythen zählen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Thematik ein, dass Sprache stets kontextabhängig ist, und postuliert, dass ein spezifischer Sprachwortschatz die Wahrnehmung der Welt maßgeblich beeinflusst.
2. Der Emesal-Dialekt im Alten Orient: Hier werden die historischen und wissenschaftlichen Debatten um den sumerischen Sakraldialekt Emesal analysiert, insbesondere dessen Einordnung als "Frauendialekt" und dessen exklusive Verwendung in religiösen Texten.
3. Sprache als Kontextträger: Das Beispiel Guugu Yimithirr: Das Kapitel illustriert anhand der Sprache der Aborigines, wie die Verwendung von Himmelsrichtungen anstelle relativer Ortsbeschreibungen das Denken und Orientierungsvermögen einer Kultur prägt.
4. Die Sportsprache im Deutschen: Der Abschnitt untersucht die Fußballsprache als Sondersprache, beleuchtet ihre Neologismen sowie metaphorischen Bezüge und diskutiert, wie Sprachbilder die Wahrnehmung realer Probleme beeinflussen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass ein situativ angepasster Sprachwortschatz eine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche und zielgerichtete Kommunikation darstellt.
Schlüsselwörter
Sprachwortschatz, Kontext, Emesal, Sumerisch, Guugu Yimithirr, Sportsprache, Fachjargon, Metaphern, Wahrnehmung, Sprachpsychologie, Sakralsprache, Neologismen, Kommunikation, Sprachvarietät, Kultlyrik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das enge Wechselverhältnis zwischen Sprache, Kontext und der menschlichen Wahrnehmung der Welt.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Die Autorin betrachtet historische Sakralsprachen, räumliche Orientierung in indigenen Sprachen und die moderne Sportfachsprache als Beispiele für kontextuelle Sprachcodierungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll bewiesen werden, dass ein spezifischer Sprachwortschatz dem Individuum nicht nur hilft, sich zu orientieren, sondern durch Begriffe und Metaphern aktiv beeinflusst, wie wir die Realität interpretieren.
Welche methodische Herangehensweise wird verfolgt?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender sprachwissenschaftlicher und anthropologischer Untersuchungen sowie die Auswertung von Fallbeispielen.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Fallstudien: den sumerischen Emesal-Dialekt, die räumliche Sprachstruktur bei den Guugu Yimithirr und die metaphorische Bildsprache im deutschen Fußball.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten beschreiben?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Sprachpsychologie, Kontextabhängigkeit, Metaphorik und soziolinguistische Varietäten charakterisieren.
Warum wird Emesal im Text oft im Kontext von "Frauendialekt" diskutiert?
Der Text erklärt, dass frühe Wissenschaftler aufgrund fehlerhafter Übersetzungen des Modifikators "sal" fälschlicherweise annahmen, es handele sich um eine exklusive Frauensprache, während es sich tatsächlich um eine sakrale Varietät handelte.
Inwiefern beeinflussen Metaphern im Sport unsere Wahrnehmung laut dem Essay?
Der Autor verweist auf Experimente, in denen verdeutlicht wird, dass bildhafte Begriffe (wie das Beispiel der Kriminalität als "Virus" oder "wildes Tier") die psychologische Einstellung und Lösungsansätze der Menschen substanziell verändern können.
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- Melanie Carafa (Author), 2017, Hat Sprache die Welt verändert? Das Individuum und ein kodierter Sprachwortschatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437288