Methoden der Binnendifferenzierung auf dem Prüfstand. Leistungsheterogenität im Klassenzimmer


Hausarbeit, 2018

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Heterogenität in der Schule

3. Innere Differenzierung

4. Möglichkeiten der Binnendifferenzierung
4.1 Methodische Differenzierung
4.2 Mediale Differenzierung
4.3 Thematische Differenzierung
4.4 Soziale Differenzierung

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Jeder Mensch ist individuell und so besitzt auch jeder Mensch eine eigene Lern- und Arbeitsvoraussetzung. Der einheitliche Unterricht in der Schule wird dieser Individualität in Bezug auf Interessen, Motivation und Leistungsfähigkeit der SchülerInnen meist nicht gerecht. Dies ist besonders auf Schulen mit stark heterogenen Lerngruppen der Fall. Mit Hilfe eines binnendifferenzierten Unterrichts wird von den Lehrkräften versucht die persönlichen Interessen und Lernbedürfnisse der Schüler soweit wie möglich zu berücksichtigten.

In der vorliegenden Arbeit sollen die verschiedenen Methoden der Binnen- differenzierung kritisch betrachtet werden und ihre Relevanz für eine Leistungs- förderung der SchülerInnen erschlossen werden. Des Weiteren soll auch die Umsetzbarkeit dieser Methoden im Klassenzimmer untersucht werden, sodass auch aus dem Sichtpunkt des Lehrers argumentiert werden sollte. So kann eine Multiperspektivität entstehen, die für eine generelle Umsetzung der Binnendifferenzierung nötig wäre. Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Einführung in die Begrifflichkeit der Heterogenität in der Schule und umreißt kurz die darin sich befindende Problematik bzgl. der Lernausgangslage. Darauf folgend wird die Definition von innerer Differenzierung bzw. der Binnendifferenzierung geklärt. Um die Möglichkeiten und Grenzen der Binnendifferenzierung im Unterricht erfassen zu können, werden im Anschluss die didaktisch-methodischen Entscheidungen der Lehrperson beleuchtet, die die Methoden der Binnendifferenzierung klassifizieren. An diesen sollen sowohl die Vielschichtigkeit, aber auch die mögliche verbundene Problematik aufgezeigt werden.

Die Forschungslage ist ausgesprochen gut. Das Thema der inneren Differenzierung ist gerade in den letzten Jahren hervorragend aufgearbeitet worden und bietet vielschichtige Literatur und Studienergebnisse. Um die Arbeit in einem generellen Rahmen zu halten, wurden generelle didaktisch-methodische Konzepte gewählt, die ohne explizite Fallbeispiele aus dem weitreichenden Unterricht auskommen. Die Arbeit stützt sich in den empirischen Befunden vor allem auf die Autoren Hattie (2009) und Lou, Abrami, Spence, Poulsen, Chambers und d’Apollonia (1996).

2. Heterogenität in der Schule

Unter dem Begriff Heterogenität in der Schule werden meist die Unterschiede zwischen den SchülerInnen aufgrund soziokultureller Unterscheidungen, wie beispielsweise Geschlecht, Ethnizität, Milieu, aber auch Behinderung verstanden. Diese kategorischen Unterscheidungen gehen in Deutschland auch immer wieder mit Bildungsungleichheiten einher. (Pilz, 2018) Neben diesen kulturellen und sozialen Faktoren schulischen Lernens unterscheiden sich die SchülerInnen bereits zu Beginn der Schulzeit erheblich hinsichtlich ihrer Leistungsmotivation und anderer schulrelevanter Eigenschaften und Einstellungen, wie beispielsweise Selbstständigkeit und Selbstkonzeption. (Scharenberg, 2012) Darauf aufbauend werden unter dem Schlagwort Heterogenität lern- und leistungsbezogene Unterschiede verstanden, die im Extrem zwischen Hochbegabten und Lernenden mit Förderbedarf stattfindet. Um der Heterogenität der Lernenden gerecht zu werden, werden unterschiedliche Maßnahmen vorgeschlagen. (Schilmöller, 2011)

Die Begrifflichkeit der Heterogenität können durch Lang, Grittner, Rehle und Hartinger (2010) in vier unterschiedliche Teileigenschaften aufgefasst werden. Erstens muss Heterogenität als relative Eigenschaft verstanden werden, denn Heterogenität ist das Ergebnis eines Vergleichs eines bestimmten Kriteriums. Zweitens sind heterogene Zustände als zeitlich begrenzt zu verstehen, da sich die Unterschiede stetig verschieben können. Der Zustand ist partiell und beschreibt keine zukünftige Entwicklung einer Lerngruppe. Drittens muss Heterogenität als konstruierbar verstanden werden. Erst durch die Hinzunahme eines bestimmten Maßstabes kann Heterogenität bzw. Homogenität gemessen werden. Eine schulisch erbrachte Leistung kann somit nicht heterogen sein, da erst die Angabe des Maßstabes konkretisiert, auf welchen Aspekt schulischer Leistung Bezug genommen werden sollte und worin die Differenzierung zu anderen bestehe. Es handelt sich somit um ein Konstrukt, das vom jeweiligen Maßstab abhängig ist. Als vierter und letzter Punkt muss die Wertneutralität von Heterogenität hervorgehoben werden. Die Konstruktion von Heterogenität bzw. Homogenität ist nicht grundsätzlich als gut oder schlecht zu bezeichnen. Sie erfolgt aus einem bestimmten Interesse und in bestimmten Zusammenhängen.

Im schulischen Kontext besteht die Vergleichsgrundlage über die Homogenität der Schülerschaft darin, dass alle Kinder bzw. Jugendlichen als SchülerInnen gesehen werden. (Sturm, 2016) Homogenität bzw. Heterogenität werden in Bezug auf den schulischen Unterricht nicht als absolute Gleichheit oder Verschiedenheit angesehen, sondern eher als Streuung um eine Norm verstanden werde, die als gleich angesehen wird. (Gomolla, 2009)

3. Innere Differenzierung

Bei der inneren Differenzierung geht es, anders als bei der äußeren Differenzierung die SchülerInnen aufgrund schulischer Leistungen auf verschiedene Schularten oder in verschiedenen Fächern auf verschiedene Kursstufen aufteilt, um didaktische und organisatorische Maßnahmen, um den unterschiedlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten, Interessen und Lernbedürfnissen der Lernenden innerhalb einer bestehenden Lerngruppe gerecht zu werden. (Meyer-Willner, 1979) Innere Differenzierung kann dahingehend unterschieden werden, ob die Lernenden ein gemeinsames Ziel oder verschiedene Ziele erreichen sollen.

Da die äußere Differenzierung nur zu einem bestimmten Ausmaß ein homogenes Lerngefüge der Schüler durch schulorganisatorische Schritte kompensieren kann, muss die innere Differenzierung die interindividuellen Eigenschaften der SchülerInnen weiter fassen. Sie muss als didaktisch-methodische Individualisierung von dem Unterricht funktionieren und die Leistungsheterogenität der Lerngruppen berücksichtigen. In die innere Differenzierung bzw. Binnendiffernzierung muss die Planung und Vorbereitung der Unterrichtseinheiten, sowie die schülerorientierte Gestaltung ebendieser miteinbezogen werden. Dies erweitert den Verantwortungsbereich und Aufwand der unterrichtenden Lehrkraft. (Hirt & Wälti, 2008) Festzuhalten ist also, dass den SchülerInnen Raum dafür gegeben wird, über Lernprozesse zu reflektieren und eigenes Lernen zu organisieren. Die Autoren Artelt, Baumert & Peschar (2004) analysierten die Ergebnisse von PISA aus dem Jahre 2000 bzgl. der Voraussetzungen für lebensbegleitendes Lernen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Lerninhalte, welche selbstständig erarbeitet wurden, tiefgehender verstanden und länger gespeichert werden. Neben den Ergebnissen muss dies aber auch als Voraussetzung der Differenzierung verstanden werden, denn nur wenn die SchülerInnen in der Lage sind selbstständig zu lernen, kann die Möglichkeit gegeben sein, dass im Klassenzimmer unterschiedlichste Lernaktivitäten parallel stattfinden können. In der empirischen Studie von Peter Roeder aus dem Jahre 1997 zeichnete sich ab, dass die LehrerInnen die Notwendigkeit der Binnendifferenzierung teilen, die Umsetzung aber nur kaum oder in geringerem Ausmaß als machbar bewerten. Als Gründe nennt Roeder unter anderem einen höheren Vorbereitungsaufwand, ungünstige schulische Rahmenbedingungen und fehlende Schülervoraussetzungen. Die Studie spiegelt nur einen Bruchteil der Erfahrungsbereiche der Lehrkräfte wider und stellt somit das Konzept der Innendifferenzierung nicht grundsätzlich in Frage.

Differenzierung im Unterricht darf nicht als universelles Konzept der Leistungssteigerung der SchülerInnen verstanden werden. Die Ergebnisse der Forschung von Köller, Daniels, Schnabel und Baumert (2000) zeigen auf, dass neben differenzierenden Maßnahmen auch Interessen und das Selbstkonzept der SchülerInnen eine gewichtige Rolle beim Lernen einnehmen. Die Autoren Schneider und Ludwig (2012) zeigen des Weiteren auf, dass binnendifferenzierende Maßnahmen innerhalb einer Klasse sogar dahin führen können, dass das Selbstkonzept bei leistungsstarken Schülern steigt, allerdings das Selbstkonzept bei leistungsschwachen Schülern sinkt. Des Weiteren wird von den Autoren aufgezeigt, dass die interne Unterstützung von leistungsschwächeren Schülern auf Kosten leistungsstärkerer Schüler kann, wenn sich die Aufmerksamkeit der Lehrkraft auf eine Seite versteift. Die Autoren gehen von der Annahme aus, dass leistungsschwächere Schüler eher in leistungsheterogenen Gruppen ihre Lerneffizienz steigern können, wohingegen leistungsschwächere SchülerInnen am besten in homogenen Gruppen lernen können.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2016 zeigt auf, dass sich die Mehrheit der Eltern wünschen würde, dass eine individuelle Förderung der SchülerInnen in der Schule angeboten würde. Die Effektivität von innerer Differenzierung ist allerdings in der Forschung noch umstritten. Die Studie von John Hattie dem Jahr 2009 bescheinigt dem binnendifferenzierten Unterricht eine geringe Steigerung im Lernzugewinn. Der Lehrerfolg ist allerdings mit d=0.16 als sehr gering anzusehen. Der individualisierte Unterricht ist im Vergleich zu nicht-individualisiertem Unterricht mit einem Lernerfolg d=0.23 zwar als vorhanden zu bezeichnen, dennoch ist auch hier die Ausprägung sehr gering. An diesen Untersuchungen zeigt sich deutlich, dass Binnendifferenzierung und Individualisierung das Potential aufweisen den Lernerfolg der SchülerInnen zu steigern, aber auch, dass es unterschiedliche Methoden gibt, um diese umzusetzen, aber nicht alle den gewünschten Erfolg mit sich bringen.

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Details

Titel
Methoden der Binnendifferenzierung auf dem Prüfstand. Leistungsheterogenität im Klassenzimmer
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V437470
ISBN (eBook)
9783668775879
ISBN (Buch)
9783668775886
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Binnendifferenzierung, Leistungsheterogenität, Heterogenität, Schule, Methoden, Innere Differenzierung, Differenzierung
Arbeit zitieren
Kim Victoria Gistel (Autor), 2018, Methoden der Binnendifferenzierung auf dem Prüfstand. Leistungsheterogenität im Klassenzimmer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437470

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