John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Ein literarisches und didaktisches Profil


Hausarbeit, 2014
12 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Literarisches Profil des Romans

3.Didaktisches Profil des Romans

4.Ansätze/Ideen für den Unterricht

5.Schluss

6.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Krebsbücher sind doof“ (Green, 2012:49), äußert die 16-jährige Hazel, die Ich-Erzählerin des Romans. Gut also, dass dies bei Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green nicht der Fall ist. Und dennoch müssen die Menschen in diesem Buch wirklich einiges ertragen: die Protagonistin Hazel ist 16 und leidet unheilbar an Schilddrüsenkrebs mit Metastasen in der Lunge. Das Fortschreiten der Krankheit wird durch ein neues Medikament bloß verzögert. Hazel fühlt sich wie eine „Zeitbombe“ (Green, 2012:95) und findet „Es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist, als mit 16 an Krebs zu sterben, und das ist, ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt“ (Green, 2012:13). Aus diesen Gründen möchte sie ihre Eltern glücklich machen, aber gleichzeitig so wenig Menschen wie möglich an sich heranlassen. Deshalb versucht sie auch, sich nicht in den 17-jährigen Gus zu verlieben, obwohl sie ihn vom ersten Augenblick an unglaublich interessant findet und sich zu ihm hingezogen fühlt. Doch Gus geht es ähnlich und er lässt nicht locker, denn auch er kennt sich aus in Sachen Krebs. Er selbst litt an Knochenkrebs, scheint nun aber geheilt zu sein. Außerdem ist sein bester Freund Isaac ebenfalls ein Krebspatient. Von nun an versucht Hazel nicht mehr nur gegen die Krankheit, sondern auch gegen ihre Gefühle für Gus anzukämpfen.

Zwar hat das Buch viele Leser erreicht und einige Literaturpreise, unter anderem den Luchs und den Deutschen Jugendliteraturpreis, erhalten, aber ist es deshalb automatisch auch für den Deutschunterricht in der Schule geeignet? Wenn ja, warum? Oder warum nicht? Wenn ja, für welche Klassenstufe? Für welche Schüler? Welchen didaktischen Wert besitzt der Roman und welche Kompetenzen können mit seiner Hilfe erreicht werden? All dies soll diese Arbeit weitestgehend klären, indem ein literarisches, sowie ein didaktisches Profil des Romans erstellt und dargestellt wird und zum Schluss noch einige Vorschläge zu verschiedenen Methoden, die sich in diesem Fall zur Kompetenzerweiterung anbieten, gegeben werden.

2.Literarisches Profil des Romans

John Greens Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hat es innerhalb kürzester Zeit auf die Bestsellerlisten geschafft. Er hat Preise wie den Luchs und den Preis der Jugendjury des Deutschen Jugendliteraturpreises 2014 erhalten. Auf knapp 284 Seiten schildert die Ich-Erzählerin Hazel ihren, von der Krankheit und normalen Sorgen junger Erwachsener geprägten, Alltag.

Auch wenn die Hauptpersonen des Romans drei krebskranke Jugendliche sind, stehen nicht Krebs und seinen „Kollateralschäden“ (Green, 2012:95) im Vordergrund, sondern vor allem die Beziehungen zwischen jungen Leuten, zwischen Eltern und Kindern und Freundschaft. Green beschreibt äußerst sensibel die Unsicherheit beim Umgang mit der Krankheit und den Kranken, den die Personen unterschiedlich gut bewältigen, aber auch das Außenseitertum: Was ist Hazel, die immer eine Sauerstoffflasche auf Rädern mitziehen muss, für ihre Umgebung anderes als eine Außenseiterin? Trotz des todtraurigen Themas ist das Buch auch lustig und unbeschwert, der Humor ist zum Teil makaber und sarkastisch, aber immer sehr poetisch.

Der Roman ist eine Art Rückblende Hazels auf ihre gemeinsame Zeit mit Gus. Sie beginnt am Tag ihres ersten Aufeinandertreffens und endet einige Zeit nach seinem Tod. Die Ereignisse, die in diesem Zeitraum stattgefunden haben, werden in chronologischer Reihenfolge erzählt. Jedes dieser Ereignisse wird in einem eigenen Kapitel dargestellt, so dass es für den Leser nicht zu viele Handlungsstränge gleichzeitig zu verfolgen gibt.

Die Geschichte ist aus der Perspektive eines Ich-Erzählers geschrieben. Somit weiß der Leser immer nur genau so viel, wie die Protagonistin Hazel und dem Leser wird eine gewisse Nähe zum Erzähler ermöglicht. Ebenso wird er mit den Gedanken und Gefühlen Hazels konfrontiert und muss diese gemeinsam mit ihr durchstehen.

Themen und Motive

In dem Roman wird die Geschichte eines Mädchens erzählt, die irgendwo auf der Welt so stattgefunden haben oder gerade stattfinden könnte. Fantastische Elemente sind nicht enthalten. Die Geschichte spielt in einer eindimensionalen Welt, die der heutigen Realität entspricht. Von dieser Seite her besteht also keine Herausforderung für die Leser, da sie sich nicht auf einen historischen Zeitabschnitt, von dem sie normalerweise kaum etwas wissen, einlassen müssen, um die Handlung zu verstehen.

Im Blickpunkt steht unter anderem der Alltag mit der Krebserkrankung: Krankenhausaufenthalte, Arztbesuche, Schmerzen, Medikamente, Außenseitertum und Selbsthilfegruppen. Vor diesem Hintergrund wird die Geschichte von Hazel erzählt. Aufgrund ihrer Erkrankung geht sie nicht mehr zur Schule, ihr einziger Freund ist ein Schriftsteller, der nicht einmal ahnt, dass sie existiert (vgl. Green, 2012:17), sie verbringt die meiste Zeit gemeinsam mit ihren Eltern und die Sauerstoffflasche, die sie stets hinter sich herziehen muss, trägt auch nicht wirklich zur Änderung ihres Status als Außenseiterin bei.

Einen Ausweg aus dieser Situation bietet die entstehende Freundschaft zu Isaac und Gus. Isaac kennt Hazel bereits aus der Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder. Er leidet an einer seltenen Form von Augenkrebs und hat bereits ein Auge verloren. Bisher hatten Hazel und er aber noch nicht sonderlich viel miteinander zu tun, außer hin und wieder ein paar Worte miteinander zu wechseln. Dies ändert sich, als Isaac seinen besten Freund Gus mit zur Gruppe bringt. Er und Hazel verstehen sich auf Anhieb gut und leisten sich schon bei dieser ersten Begegnung einen intellektuellen Schlagabtausch, indem es um ihre größten Ängste und den Sinn des Lebens geht (vgl. Green, 2012:18).

Die Entwicklung der Freundschaft zwischen den drei Jugendlichen zieht sich durch die gesamte Erzählung. Bei Hazel und Gus entwickelt sich aber aus vielen Treffen, Telefonaten und SMS nicht nur eine innige Freundschaft, sondern eine tiefe Liebe. Diese Liebe geht sogar so tief, dass Gus seinen Herzenswunsch für Hazel opfert, um ihr ihren sehnlichsten Wunsch, den Schriftsteller Peter van Houten in Amsterdam zu treffen, um zu erfahren, wie es mit den Figuren ihres Lieblingsbuchs, nach dessen plötzlichen Ende, weitergeht, zu erfüllen. Hazel ist ihren Gefühlen Gus gegenüber zuerst skeptisch und möchte ihn nicht weiter an sich ran lassen, da sie findet „Es gibt nur eins auf der Welt, das ätzender ist, als mit 16 an Krebs zu sterben, und das ist, ein Kind zu haben, das an Krebs stirbt“ (Green, 2012:13) und neben ihren Eltern nicht auch noch Gus durch ihren Tod Schmerz zuführen möchte. In Amsterdam aber kann sie ihren Widerstand nicht aufrechterhalten und gibt ihren Gefühlen nach.

Eine Basis ihrer Freundschaft liegt auch in ihrer Vorliebe für Literatur. Hazels absolutes Lieblingsbuch ist Ein herrschaftliches Leiden des niederländischen Schriftstellers Peter van Houten. Sie sagt, dass er der einzige Mensch ist, der er je begegnet ist, der „a) verstand, wie es sich anfühlt zu sterben, und b) nicht gestorben war“ (Green, 2012:18). Durch sein Buch, in dessen Mittelpunkt ebenfalls ein krebskrankes Mädchen steht, fühlt sie sich verstanden. Was nämlich Hazel, Isaac und Gus miteinander verbindet ist, dass sie auf keinen Fall Mitleid wollen. Sie wollen so behandelt werden, wie alle anderen auch und keinen Krebs-Bonus erhalten. Und genau darum geht es in dem Buch. Es ist aus der Sicht des Mädchens geschrieben und endet abrupt, so plötzlich, wie auch das Leben eines Menschen enden kann, ohne, dass vorher alles geklärt wurden konnte oder es immer ein Happy End gibt. Im Gegensatz dazu liest Gus gerne die Buchreihe passend zu einem Computerspiel. Beide, Gus und Hazel tauschen jedoch ihre Lieblingsbücher aus und sind vom jeweils anderem begeistert. Außerdem mag Gus es gerne, wenn Hazel ihm Gedichte vorträgt.

Weitere Motive der Erzählung sind Verlust, Tod und die eigene Endlichkeit. Immer wieder werden dir Protagonisten mit diesen Themen konfrontiert. Sei es der Verlust eines Beines, wie in Gus Fall, oder der Verlust des Augenlichts, wie bei Isaac. In der Selbsthilfegruppe fehlen immer wieder andere Kinder. Am Ende jeder Sitzung werden die Namen der Verstorbenen vorgelesen, die Liste wird von Mal zu Mal länger. Stets haben sie ihren eigenen Tod vor Augen und sind sich dessen auch bewusst. Sie reden offen darüber und verschleiern nichts, sondern unterstützen sich so weit es geht gegenseitig. So fordert Gus zum Beispiel seine Freunde auf sich eine Grabrede für ihn zu überlegen und ihm vorzutragen, damit er sie selbst einmal gehört hat (vgl. Green, 2012:236). Gerne necken die drei sich gegenseitig und sprechen auch oft in einem ironischen fast sarkastischen Ton miteinander (Bsp.: Gus zu Isaac „Manchmal bin ich ziemlich blind für die Gefühle von anderen“, Green, 2012:17). Zwar werden in dem Roman außer Liebe und Freundschaft, vor allem auch solch doch recht schwierigen Themen aufgegriffen, aber gerade durch die trotzdem dem Leben gegenüber positive Einstellung der Protagonisten wird die Geschichte nicht rührselig oder mitleiderregend, und kann dadurch den Leser zum Nachdenken über das eigene Leben anregen.

Metaphern und Symbolik

In Greens Roman tauchen einige Textelemente auf, die metaphorisch bzw. symbolisch zu verstehen sind. Allen voran die Stellen, wenn Gus sich eine nicht angezündete Zigarette zwischen die Lippen schiebt. Er selbst sagt, dass es sich dabei um eine Metapher handelt: „Es ist eine Metapher, verstehst du: Du steckst dir das tödliche Ding zwischen die Zähne, aber du gibst ihm nicht die Kraft zu töten“ (Green, 2012:25). Die Zigarette in seinem Mund ist also wie der Krebs in seinem Körper, dem man nicht erlauben darf, einen zu töten. Auch Hazels Lieblingsbuch Ein herrschaftliches Leiden steht als Symbol für Hazel eigene Situation. Zugleich steht es auch für die Geschichte des Autors van Houten. Es geht darin um seine Tochter, die er an Krebs verloren hat, was dazu geführt hat, dass er ein verbitterter, unfreundlicher Mann geworden ist.

3.Didaktisches Profil des Romans

John Greens Roman ist in einer klaren und deutlichen Sprache geschrieben, enthält jedoch viel Ironie und Sarkasmus, was für manche Schüler eventuell zu Anfang etwas ungewohnt und daher schwer zu verstehen ist. Hat man sich aber einmal daran gewöhnt und den ironischen Ton erkannt, so stellt die Sprache keine weitere Hürde für das Verständnis dar, denn die Sprache hebt sich wohltuend von der anderer Jugendbücher ab, die sich in den Formulierungen an Jugendliche „anbiedern“. Die Dialoge zwischen Hazel und Gus sind intelligent, witzig und hintergründig. Green erzählt die zarte, sensible Liebesgeschichte zwischen den beiden völlig unsentimental, er nähert sich nie dem Kitsch.

Die Figuren der Jugendlichen Hazel, Augustus und Isaac (16-17 Jahre alt) bieten für Gleichaltrige vielfältige Möglichkeiten und Anlässe zur Identifikation – auch oder gerade, weil die Hauptpersonen wahrscheinlich, durch ihre Erkrankung bedingt, einen ganz anderen Alltag nachgehen als die Schülerinnen und Schüler. Aber auch der Schriftsteller Peter van Houten kann für die Leser eine besondere Bedeutung bekommen, wenn man davon ausgeht, dass sie das Gefühl des Verlustes eines geliebten Menschen bereits kennen.

Der Roman ist bestens dazu geeignet, die Themen Krankheit und Tod beziehungsweise Leben altersgerecht aufzuarbeiten oder daran anzuknüpfen. Die Empathie der Leser gegenüber den Hauptfiguren ermöglicht es, eine neue emotionale Zugangsmöglichkeit zu einem- vor allem für jüngere Menschen oft schwierig zu erfassenden- Themenkomplex zu schaffen, ohne dass leichtfertige oder billige Lösungen angeboten werden. Während der Lektüre werden einige Fragen aufgeworfen, über die sich vielleicht der ein oder andere Jugendliche auch schon einmal Gedanken gemacht hat, wie: Was hilft gegen die Angst des Vergessen Werdens? Hat man gelebt, wenn man verletzt wurde? Macht das Leben Sinn angesichts des nahen Todes? Lohnt es sich zu lieben?

Darüber hinaus vermittelt der Roman durch die vielen beschriebenen Erlebnisse den Wert von Freundschaft und Liebe, ohne vom moralischen Zeigefinger Gebrauch zu machen. Textmenge und Anspruchsniveau sind für alle Schularten angemessen, jedoch aufgrund der Thematik eher für die älteren Schüler der Klassen 8-13. Der Roman bietet die Möglichkeit, fächerübergreifend zu arbeiten (Deutsch, Religion, Ethik).

Das didaktische Profil des Romans lässt sich im Überblick so darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.Ansätze/Ideen für den Unterricht

Der Roman bietet viele Möglichkeiten für den Einsatz im Unterricht. So bietet sich für eine Besprechung zum Beispiel die Klärung des Titels des Buches an. Oder die Klärung des Originaltitels The faults in our stars, der sich auf ein Zitat aus Shakespeares Julius Cäsar bezieht. Außerdem können die Schüler überlegen, was für Hazel, Gus und Isaac das Leben trotz der katastrophalen Bedingungen lebenswert macht und wie es ihnen selbst in solch einer Situation gehen würde. Untersucht werden kann auch, wie der Autor zu große Sentimentalität und Rührseligkeit vermeidet und welche Rolle Bücher, Filme und Computerspiele in der Geschichte spielen. Eine weitere Möglichkeit würde auch das Aufstellen von Vermutungen über Peter van Houten, den rätselhaften und teilweise abstoßenden Autor von Hazels Lieblingsbuch. Die Schülerinnen und Schüler können weitere Recherchen betreiben, beispielsweise über Selbsthilfegruppen, Kinderhospize oder grundsätzlich Informationen sammeln, welche Angebote es für trauernde Angehörige und Freunde gibt. Dies sind nur einige Beispiele in einer Reihe von Möglichkeiten.

Die folgende Tabelle enthält einige wenige Vorschläge für mögliche Arbeitsweisen mit John Greens Roman und im Zusammenhang damit für verschiedene Unterrichtsmethoden. Im Vordergrund steht dabei deren Verknüpfung mit im Deutschunterricht anzustrebende Kompetenzen, wie sie in den nationalen Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Mittleren Schulabschluss zum Ausdruck kommen(vgl.http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2003/2003_12_04-BS-Deutsch-MS.pdf).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Ein literarisches und didaktisches Profil
Hochschule
Universität Siegen
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V437504
ISBN (eBook)
9783668776838
ISBN (Buch)
9783668776845
Sprache
Deutsch
Schlagworte
john, greens, schicksal, verräter, profil
Arbeit zitieren
Sarah Müller (Autor), 2014, John Greens "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Ein literarisches und didaktisches Profil, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/437504

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